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Montag, 23. Dezember 2019

Advent - Rainer Maria Rilke



            
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Advent


Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

von Rainer Maria Rilke


In diesem Sinne wünsche ich euch allen besinnliche und schöne Feiertage!


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                  Fröhliche Weihnachten!🎄🎁


Sonntag, 21. Januar 2018

Gedichte am Wochenende # 7 Die Frösche - Johann W. von Goethe

Lange habe ich schon kein Gedicht mehr vorgestellt. Wenn im Winter alles zugefroren ist, fragt man sich, was machen wohl die Frösche im Winter?
Auch Johann Wolfgang von Goethe hat sich dieser Frage angenommen.

 

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Die Frösche

Ein großer Teich war zugefroren; 
Die Fröschlein in der Tiefe verloren, 
Durften nicht ferner quaken noch springen, 
Versprachen sich aber, im halben Traum, 
Fänden sie nur da oben Raum, 
Wie Nachtigallen wollten sie singen. 

Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz, 
Nun ruderten sie und landeten stolz
Und saßen am Ufer weit und breit 
Und quakten wie vor alter Zeit. 

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)




Samstag, 8. April 2017

Gedichte am Wochenende # 6 April von Heinrich Seidel

Es wird mal wieder Zeit für ein Gedicht, am besten jahreszeitlich passend! 
Mit dem April beginnt wieder ein Auf und Ab des Wetters, von sommerlich schön bis herbstlich grau ist alles dabei. Es gibt ein Gedicht, das das richtig gut beschreibt und mich sehr an früher erinnert.  

April von Heinrich Seidel


April! April!
Der weiß nicht, was er will.
Bald lacht der Himmel blau und rein,
bald schaun die Wolken düster drein,
bald Regen und bald Sonnenschein!
Was sind mir das für Sachen,
mit Weinen und mit Lachen
ein solch Gesaus zu machen!
April! April!
Der weiß nicht, was er will. 



O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee
und schneit mir in den Blütenbaum,
in all den Frühlingswiegentraum!
Ganz greulich ist´s, man glaubt es kaum:
Heut Frost und gestern Hitze,
heut Reif und morgen Blitze,
das sind so seine Witze!
O weh! O weh! Nun kommt er gar mit Schnee!  



Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Und treibt der raue Wintersmann
auch seinen Freund, den Nordwind, an
und wehrt er sich, so gut er kann -
es soll ihm nicht gelingen:
Denn alle Knospen springen,
und alle Vögel singen.
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da! 


Heinrich Seidel
(1842-1906) 



Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel (1842 - 1906) war ein deutscher Ingenieur und Schriftsteller.

Das bekannteste Werk Seidels ist das Buch Leberecht Hühnchen, das aus mehreren Episoden besteht, die zwischen 1880 und 1893 entstanden. Darin geht es um die Beschreibung einfachen Glücks.

Der berühmte Spruch „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ ist sein Motto gewesen und die erste Zeile seines 'Ingenieurlieds' von 1871




Noch einen schönen April mit hoffentlich nicht allzu launischem Wetter wünscht euch Sommerlese! 


Sonntag, 12. März 2017

Gedichte am Wochenende # 5 Frühlingsnacht von Joseph von Eichendorff

Meine Gedichtreihe habe ich etwas vernachlässigt, daher gibt es heute mal wieder einen neuen Beitrag.

 

Der Frühling ist eine wunderbare Jahreszeit, die Natur erwacht zu neuem Leben, alles grünt und blüht und die Kälte weicht der wärmenden Sonne. Das macht neuen Lebensmut und schon seit ewigen Zeiten gibt dieses Gefühl den Menschen neue Hoffnung und Lebensfreude. Da wundert es nicht, dass es so viele Frühlingsgedichte und Lieder über romantische  Frühlingsgefühle oder die sich verändernde Natur gibt. 

 

Frühlingsnacht

(Joseph von Eichendorff)

Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt's schon an zu blühn.

Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen's,
Und in Träumen rauscht's der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen's:
Sie ist Deine, sie ist dein!




Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff lebte von 1788 bis 1857. Er war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik und hat etwa 5000 Vertonungen verfasst und ist auch als Prosadichter mit seinem spätromantischen Werk "Aus dem Leben eine Taugenichts" gegenwärtig. 





In diesem Sinne, erfreut euch am Frühling,
Eure Sommerlese!

Sonntag, 12. Februar 2017

Gedichte am Wochenende # 4 Der Schnupfen von Christian Morgenstern

Meine Gedichtvorstellung möchte ich heute wieder fortsetzen und es inhaltlich ganz der Jahreszeit anpassen. Daher gibt es mal ein Gedicht zum Thema Gesundheit im Winter! :-)

Heute stammt es aus der Feder von Christian Morgenstern, einem deutschen Dichter, Schriftsteller und Übersetzer, der sich mit seiner komischen Lyrik einen ganz besonderen Namen gemacht hat. Ich finde, diese Gedichte durch ihre positive Art so wunderbar leicht und einzigartig und gerade der Schmunzeleffekt macht sie so ganz besonders. 



Der Schnupfen 

 
Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse
- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.
Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.



Christian Morgenstern
(1871-1914)





In diesem Sinne, bleibt gesund und munter,
Eure Sommerlese!

 

Sonntag, 5. Februar 2017

Gedichte am Wochenende # 3 Vorfrühlingsgedicht von Ina Seidel

 

Es ist wieder Sonntag und da es draußen die letzten Tage schon wieder etwas frühlingshafter wurde, die Meisen zwitscherten und sogar die Sonne herrlich schien, habe ich mal ein Gedicht zum Thema der Jahreszeit ausgesucht. 

Heute von Ina Seidel (1885 - 1974), eine deutsche Lyrikerin und Romanautorin, die, darauf möchte ich hier ausdrücklich hinweisen, wegen ihrer offenen Sympathiebekundungen für die Nationalsozialisten in die Kritik geraten war. Doch dieses Gedichte ist nicht politisch, die Jahreszeiten sind es ja auch nicht. Daher finde ich, dieses kann ich durchaus vorstellen. 


Vorfrühlingsgedicht

 

Durch die frühe Dämmerung

Geh ich ganz in Träumen hin,

Und ich weiß es nicht, warum 

Ich so still und selig bin,
 
Dass mein Herz ganz hold und leicht
 
Wie ein Veilchenstrauß sich trägt -
 
Plötzlich überkommt es mich:
 
Horch, die erste Amsel schlägt ...

© Ina Seidel



Sonntag, 29. Januar 2017

Gedichte am Wochenende # 2 Rainer Maria Rilke

Es ist wieder Sonntag und da mache ich mal weiter mit meiner kleinen Gedichtreihe. Heute habe ich eines ausgesucht, das besonders die Bücherfreunde und Lyrikliebhaber unter uns anspricht. Es entstammt meinem kürzlich gelesenen Rilke-Gedichtband vom Aufbau Verlag und ich fand es so schön, daher möchte es euch gerne vorstellen.


Rainer Maria Rilke

Aus den dichterischen Anfängen
Berlin-Wilmersdorf 1897



Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen

die Deckel purpurn in Damast;

ich löse seine goldnen Spangen

mit kühlen Händen, ohne Hast. 



Und lese seine erste Seite, 

beglückt durch den vertrauten Ton,-

und lese leiser seine zweite,

und seine dritte träum ich schon. 







Was passt zu diesem Gedicht besser als ein Foto einer Buchhandlung?
Diese hat mir gut gefallen und sie war so üppig bestückt, dass es eine wahre Pracht war, sie anzuschauen. Ich habe sie bei einem Besuch in Lissabon entdeckt und abgelichtet und leider ohne ein Buch zu kaufen wieder verlassen, Portugiesisch ist halt nicht meine Muttersprache. Aber wohl gefühlt habe ich mich dort sehr!



Sonntag, 22. Januar 2017

Gedichte am Wochenende # 1 Wintergedicht J. W. von Goehte

Wintergedicht

Ich liebe Gedichte, poetische Sprache und Reime. Und es ist so schade, dass heutzutage Gedichten nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Lyrik und Poesie sind wirklich hohe Kunst der Literatur und gehören zu unserem Kulturgut. 

Auch wenn ich nicht sonderlich gerne in meiner Schulzeit Gedichte auswendig gelernt habe, mochte ich sie schon damals immer sehr gern. Wie Dichter geschickt mit wenigen Worten Stimmungen und Gefühle zeichnen und dabei sogar noch einige Reime unterbringen können, habe ich immer bewundert. 

Daher habe ich nun beschlossen, hier mal von Zeit zu Zeit ein paar Gedichte zu präsentieren. Vielleicht kommen sie ja so wieder einigen Menschen erneut ins Bewusstsein und erstrahlen plötzlich in neuem Glanz. 

Ich möchte mit einem Gedicht von Johann Wolfgang Goethe anfangen. 








Ein großer Teich war zugefroren; 

 

Die Fröschlein in der Tiefe verloren, 

 

Durften nicht ferner quaken noch springen, 

 

Versprachen sich aber, im halben Traum, 

 

Fänden sie nur da oben Raum, 

 

Wie Nachtigallen wollten sie singen. 

 

Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz, 

 

Nun ruderten sie und landeten stolz 

 

Und saßen am Ufer weit und breit 

 

Und quakten wie vor alter Zeit.

 

 Johann Wolfgang Goethe