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Mittwoch, 22. Juli 2026

Querfeldein - Alex Capus

Ein wunderbares Lesevergnügen

Alex Capus Roman Querfeldein erscheint im Hanser Verlag.  

Die Geschichte spielt in einem Dorf namens Ramsen an der deutsch-schweizerischen Grenze, wo sich Händler und Schmuggler ihren Weg umtreiben. Dort baut Arnold tatkräftig seine Gasthof "zur Moskau" auf und betreibt damit seinen Lebenserwerb. Wir lernen den bodenständigen Arnold und seine wachsende Familie kennen, dazu die Dörfler und "Witzbolde" und tauchen ein in das anschauliche beschriebene Alltagslebene ein, das sich von einer ruhigen Phase angesichts der politischen Entwicklungen immer mehr verändert. Die Figuren werden sehr nahe beschrieben, es gibt heitere Szenen, aber einige Menschen werden von tragischen Erlebnissen nicht verschont. Das verleiht der Geschichte eine gewisse Würze, die dann am Ende mit der Erzählung eines speziellen Schicksals und der politischen Einflussnahme der Dörfler gipfelt. 


 

Die Einbindung der historischen Personalie des Schmugglers und originalgetreuer Briefverkehr machen den Roman so eindringlich und außergewöhnlich und bezeugen die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen dieser Zeit.

Alex Capus verleiht mit unnachahmlicher literarischer Ausdrucksfähigkeit seinen Figuren eine wunderbare Lebendigkeit und schildert ihre Charaktere mit eindringlicher Tiefe und unterschiedlichen Temperamenten. Wenn man dieses Buch liest, lernt man die Personen aus nächster Nähe kennen, erkennt ihre Wünsche an das Leben und ihre Vorlieben.   

Capus schreibt in einem meisterhaft leicht klingenden Erzählstil, in dem ein zuweilen humorvoller Unterton mitschwingt. In unaufgeregter Weise begleitet er seine Figuren auf ihrem Lebensweg und baut geschickt historische Hintergründe in die fiktive Handlung ein, sodass sich neben den alltäglichen Dingen auch eine fesselnde Story entwickelt, in der die Menschen eine besondere Rolle zugewiesen bekommen und den Zeitgeist sichtbar machen. 

Querfeldein ist ein wunderbar geschriebener, sehr atmosphärischer Roman, in dem historische Fakten in eine besondere Familiengeschichte eingebunden werden. Die Figuren haben mich vollkommen begeistert, mitgerissen und nicht wieder losgelassen. Meine eindringliche Leseempfehlung! 

***Herzlichen Dank an den Hanser Verlag und an Vorablesen für diesen Roman, den ich mir für meine Prämienpunkte eintauschen konnte!***

 


 

Donnerstag, 29. August 2019

Entführung - Petra Ivanov

Ein großartiger Krimi mit Einblicken in die Schweizer Justiz


"Entführung" ist der Titel von Petra Ivanovs neuem Kriminalroman aus dem Unionsverlag, der am 26. August 2019 erscheint.

Die Millionärstochter Lara Blum wurde entführt, der Täter sitzt in Haft und verweigert aber jede Aussage. Welches Motiv liegt hier vor, ist er ein Psychopath oder Terrorist? Dieser Fall schlägt auch in den Medien hohe Wellen.
Die Pflichtverteidigung wird Rechtsanwalt Pal Palushi zugesprochen. Als der ihm der Entführer einen versteckten Hinweis liefert, kann Palushi diesen nicht verwenden, denn er ist an das Anwaltsgeheimnis gebunden. Seine Karriere steht auf dem Spiel, wenn er hier rechtswidrig vorgeht. Durch diese Ermittlungen gerät er in Schwierigkeiten, doch seine Freundin, die Ex-Polizistin Jasmin Meyer, hält zu ihm und ermittelt auf eigene Faust. Sie findet eine tödliche Spur.



Gespannt habe ich mich an diesen Krimi gesetzt, denn das Ermittlerteam um Pal Palushi und Jasmin Meyer war mir neu und ich wurde nicht enttäuscht. 

Mal wieder ist der Autorin ein für sie so typischer Krimi gelungen, denn sie konstruiert einen logischen Plot um ein aktuelles Thema, sie erzählt klar und lässt einen tiefen Blick in die schweizerische Politik und Justiz zu.

Dieser Krimi dreht sich um die Entführung eines jungen reichen Mädchens, der Entführer wurde geschnappt, er ist ein Moslem. Palushi ist sein Pflichtverteidiger und ebenfalls Moslem, deshalb gerät er ins Kreuzfeuer von Anfeindungen. Die Medien zerreißen den Fall und wettern gegen Palushi. Der hat als Pflichtverteidigern keinen Einfluss auf seine Mandate, sondern bekommt sie von oben zugewiesen. 
Die Ermittlungen gestalten sich als ein Wettlauf gegen die Zeit. Palushi kann dem Entführer weder mit dem Versprechen auf Hafterleichterung, noch mit Drohungen Hinweise entlocken. Der einzige Weg ist der Zugang über die Religion an Informationen zu gelangen.  


Es gibt viele Personen mit für mich ungewöhnlichen Namen, die ich nicht immer vor Augen hatte. Petra Ivanov zeigt viele Details und interessanterweise auch islamische Denkstrukturen ihrer Figuren auf, die für mich persönlich für einen Krimi etwas ausufernd wirken. Dennoch sind die Inhalte gerade über das Tragen eines Schleiers sehr interessant.

Bei diesem Krimi zeigt die Autorin neben den religiösen Einblicken auch die Arbeitsbedingungen im Bereich der Pflichtverteidigung auf. Nicht immer ist die Verteidigung eines bekannten Täters eine überzeugende Sache. Außerdem ist es häufig ein großes Problem an überzeugende Beweisstücke zu gelangen. Dabei gerät der Verteidiger auch mal auf Messers Schneide und setzt seine Arbeitserlaubnis aufs Spiel. 

Wie sehr Medien über ihre verbreiteten Nachrichten die Menschen beeinflussen können und ihnen eine bestimmte Sichtweise verordnen können, kommt hier ebenfalls gut zum Ausdruck. 

Bei einigen Begriffe wie "Semtex" (Plastiksprengstoff) und "Rubaijat" war ich persönlich überfragt und musste sie nachschlagen. Auch das Schweizer Obligationenrecht, welches im deutschen Recht ein "Schuldverhältnis" darstellt, war mir nicht bekannt.

Insgesamt ist Petra Ivanov ein großartiger Krimi gelungen, den ich sehr empfehlen kann.


***Vielen Dank an den Unionsverlag für dieses Rezensionsexemplar!***


  

Sonntag, 26. August 2018

Fremde Hände - Petra Ivanov

Packende sozialkritische Krimi-Unterhaltung aus der Schweiz 


"Fremde Hände" ist der erste Band einer Krimireihe aus Zürich von Autorin Petra Ivanov. Er erschien bereits 2009 im Unionsverlag, die Reihe umfasst inzwischen 8 Bände. 
 
Zürich: In der Müllverbrennungsanlage wird in einer Autodachbox die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Spur führt Bezirksanwältin Regina Flint und Kriminalkommissar Bruno Cavalli zu skrupellosen Frauenhändlern im Zürcher Rotlichtmilieu, die aus Geldgier vor nichts zurückschrecken.  


    

"In Europa wurden jährlich eine halbe Million Frauen zur Prostitution gezwungen. Drehscheibe des schwungvollen Handels waren die Balkanländer... Frauenhandel war weltweit ein Geschäft mit hohem Profit und geringem Risiko geworden...falsche Arbeitversprechungen oder vorgetäuschte Liebe...Zitat S. 197

Petra Ivanov führt ihre Leser tief in die dunkelsten Abgründe der Gesellschaft. In ihrem Debüt "Fremde Hände" thematisiert sie Frauenhandel und Mord und schickt ihre Ermittler mitten ins Rotlichtviertel Zürichs. 

Dieser Krimi dreht sich um einen spannend verschlungenes Netz von Kriminalität, die Handlungsstränge zeigen die Ermittlungen und die Drangsale der betroffenen Mädchen, die in der reichen Schweiz Opfer von Zwangsprostitution wurden. Häufig kommen die jungen Frauen aus den Armutsgebieten von Rumänien, Albanien oder Moldawien.
Gleichzeitig sorgt das Aufeinandertreffen zwischen Regina Flint und Bruno Cavalli für menschlich unterhaltsame Elemente. Vor einigen Jahren ging ihre Beziehung in die Brüche und Flint hat nun einen neuen Partner. Doch das Privatleben hat in Mordermittlungen nichts zu suchen, die Arbeit geht vor, es ist allerdings nicht so einfach, denn Flint ist die Vorgesetzte von Cavalli und der hat so seine Probleme mit Frauen in Führungspositionen.
 Die Ermittlungen im Rotlicht-Milieu bringen die Auswirkung von mafiösen Strukturen, Gewalt und körperlicher Drangsal der ausgenutzten gutgläubigen Frauen ans Licht. Doch Regina stochert weiter in den dunklen Kanälen des Milieus und bringt sich damit selbst in Schwierigkeiten. Es wird ein Tatverdächtiger festgenommen, doch ehe man ihn befragen kann, wird er von Unbekannten erschossen. Die Ermittler fangen wieder von vorn an.

Während ihrer gefährlichen Aufklärungsarbeit begleitet man die Hauptcharaktere mit gespanntem Interesse und mit großer Aufmerksamkeit. Die toughe Bezirksanwältin Regina Flint und der Schweizer Bruno Cavalli, mit seinem exotischen Aussehen dank seiner indianischen Wurzeln, sind charismatische Figuren und sie sind wie besessen von ihrer Arbeit. 
Schnell erkennt man, diese Horrorszenarien rund um Mädchenhandel und clanartiger Kriminalität sind längst in Europa an der Tagesordnung und so leicht kann man den Hintermännern nicht auf die Schliche kommen.
Petra Ivanov ist ein fesselnder Krimi gelungen, bei dem ich gerade die Ermittler beim Aufdecken der vorherrschenden kriminellen Strukturen gespannt beobachtet habe. Insgesamt gesehen werden die Nebenfiguren charakterlich nicht ganz so präzise ausgeführt, doch das hat mich nicht gestört.

Immerhin gelingt den Akteuren ein entscheidender Stich in diesen Sumpf krimineller Menschenhändler. Leider kommt für die verschiedenen Frauenschicksale als traurige Opfer dieser Machenschaften teilweise jede Hilfe zu spät. 

 
"Fremde Hände" konnte mich als Auftakt dieser Krimireihe sehr überzeugen. Es wurde hier nicht nur spannend ermittelt, sondern auch gekonnt mit den Emotionen der Leser gespielt. Die Einblicke in verschiedene Frauenschicksale sind erschütternd und sorgen für das Interesse der Leser an einer umfassenden Aufklärung und Bestrafung der Täter. 


***Vielen Dank an den Literaturtest und den Unionsverlag für die Übersendung dieses Leseexemplars!***







Dienstag, 28. Juli 2015

Das große Schweigen - Katja Montejano

Grausame Rache auch an Unschuldigen

 
Der Kriminalroman Das große Schweigen von Katja Montejano ist nach Zerrspiegel bereits das zweite Buch, dass ich von dieser begabten Autorin gelesen habe. Herausgegeben wird es im Emons Verlag.


Bildergebnis für Das große Schweigen Katja MontejanoNachdem ihr Vater, ein Berner Staranwalt, in seiner Kanzlei niedergestochen wird, erhält auch Primrose Bouillé schreckliche Drohungen per SMS. Was erst wie die Tat einer Verrückten aussieht, entwickelt sich bald zu einer Reihe von schrecklichen Mordfällen in Primroses Umfeld. Als ehemalige Kripobeamtin erkennt sie den Ernst der Lage und nimmt den Kampf gegen den gnadenlosen sadistischen Täter auf. Wird es ihr gelingen, die dunklen Geheimnisse ihrer Familie zu lüften und kann sie den Mörder stoppen? 

Dieser Krimi enthält neben dem typischen Rätselraten von Krimis auch viele Thrillerelemente, denn die Tatvorgänge sind echt sadistisch brutal dargestellt. Der Nervenkitzel ist gewaltig und die Heldin begibt sich häufig in Gefahr. 
Die Autorin macht geschickt von verschiedenen Spannungselementen Gebrauch, die den Leser in den Bann ziehen. 

Ihre Charaktere haben innere und äußere Konflikte auszutragen, sie haben alle ihre privaten Sorgen, die sie zusätzlich zur Mordserie belasten. Auch ihre Dialoge und Gedanken lernt man kennen und das macht sie sehr menschlich und authentisch und man fühlt mit ihnen mit.
Protagonistin Primrose ist auch äußerlich eine besondere Erscheinung, sie ist emanzipiert, durchtrainiert und trägt ganz selbstbewusst eine Glatze. Dabei ist sie zur Zeit mit ihrem Leben nicht gerade zufrieden. Sie wünscht sich einen Lebenspartner und eventuell ein Kind. Nach aussen wirkt sie kämpferisch und innerlich ist sie zart wie eine Rose.
Ihre Ex-Kollegen Luc und Oliver dagegen haben Probleme mit ihren Frauen oder den Kindern.

Die Verknüpfung von verschiedenen Handlungssträngen ist gut gelungen, die Zusammenhänge werden im Laufe der Handlung recht klar und sie sind logisch aufeinander aufgebaut. 

Der Schreibstil ist durchgängig flüssig zu lesen, die verwendeten Schweizer Begriffe sind recht verständlich. Die kurzen Kapitel geben der Geschichte zusätzlich Schwung und Tempo.

Als besonders interessant habe ich es empfunden, das hier ein Thema aufgegriffen wird, das zur dunklen Geschichte der Schweiz gehört: es geht um die Maßnahme der Administrativen Versorgung, mit der Minderjährige in Heime oder Gefängnisse abgeschoben wurden.

Wer eher zartbesaitet ist, sollte diesen Thriller lieber nicht lesen, denn es gibt schon blutige Szenen zu lesen, die wirklich entsetzen. Ansonsten haben wir es hier mit einer mitreißenden Geschichte zu tun, die ans Buch fesselt.
Ich vergebe 4 Sterne, weil mir die Probleme der Figuren dann doch zu umfangreich erscheinen und mir das Ende nicht wirklich gefallen hat.

Eine mitreißende Lektüre über ein dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte! Spannung, Action und interessante Protagonisten machen diesen Kriminalroman lesenswert.


                    ***Leserunde von lovelybooks:  Vielen Dank an die Autorin und dem Emons Verlag für die Bereitstellung des Buches!***