Eine stimmungsvolle Ode an J.S. Bachs Weihnachtsoratorium
Petra Oelkers Roman Das Weihnachtskonzert erscheint im Rowohlt Verlag.
Hamburg, November 1789: Die Mutter des Glockengießers Kopper wünscht sich nichts sehnlicher als noch einmal die Weihnachtskantate zu hören, die sie vor vielen Jahren in Leipzig mit großen Gefühlen erfüllt hat. Sie erinnert sich noch immer an den Klang der festlichen Musik und an die ersten Zeilen des Chors: "Jauchzet, frohlocket!". Kopper schickt die ehemalige Wanderkomödiantin Rosina Vinstedt auf die Suche nach den Noten des Oratoriums, die sie im Archiv des verstorbenen Musikdirektors Carl Philipp Emanuel Bach vermutet, dort ist der Notensatz aber nicht aufzufinden.
INFO: Johann Sebastian Bach komponierte sein sechsteiliges Oratorium für die Weihnachtsfeiertage 1734 und den Jahreswechsel 1735 in Leipzig. Die Besetzung erfordert Gesangssolisten, einen Chor und ein Barockorchester mit Pauken und Trompeten. Es kündet von der Freude über die Geburt Jesu und wurde angeblich am häufigsten in Hamburg aufgeführt.
Wer schon einmal die imposanten Klänge von J.S. Bachs Weihnachtsoratorium vernommen hat, kann sich vorstellen, wie erhaben diese Musik mit Orchester und Chor in der damaligen Zeit zu Weihnachten auf die gottesfürchtigen Menschen gewirkt haben mag. Diese festliche Musik feiert das Evangelium und stimmt auf Weihnachten ein.
Petra Oelker schreibt anschaulich und flüssig und gibt einen anschaulichen Einblick in das historisches Stadtbild Hamburgs. Sie stellt verschiedene Kirchen vor und zeigt, unter welchen Bedingungen die Menschen damals lebten und arbeiteten, sich kleideten und welche Unterschied die Zugehörigkeit der gesellschaftlichen Schichten ausmachten. An der Seite von Rosina laufen wir durch die verdreckten Straßen der Stadt, steigen auf den Turm einer Kirche, hören ein Glockenspiel und erblicken die umfangreichen Notenarchive, die die Enkelin von Johann Sebastian Bach verwaltet und daraus Abschriften erstellt. Es entwickelt sich eine lebhafte und fesselnde Suche nach dem gesuchten Notensatz der ersten Kantate, bei der man die gut gezeichneten Figuren sowie ihre jeweiligen Aufgaben kennen lernt und sich immer mehr in die Geschichte hinein ziehen lässt. Beim Lesen hatte ich ständig die wunderbaren Klänge der berühmten Kantate im Kopf und schwelgte in eigenen Erinnerungen. Bei dieser Musik kommt unweigerlich weihnachtliche Stimmung auf.
Die vielseitigen Charaktere sind ein bunter Mix aus Menschen der gehobenen Schicht, Musiker, ein Carilloneur, Kirchendiener und Dienstmägde, Köchin, Hausmädchen und Arbeiter im Glockengießergewerbe. Petra Oelker zeichnet durch das Wirken dieser Figuren ein authentisches und atmosphärisches Bild dieser Zeit, in die ich mich beim Lesen gerne hinein versetzt habe.
Im Laufe der Handlung lernen wir Rosina und ihre Vergangenheit näher kennen. Sie hat sich ihren Platz hart erkämpft und setzt sich gutherzig für andere Menschen ein. Regelrecht ans Herz gewachsen ist mir das kleine, fleißige Küchenmädchen Frieda, die eine erfolgversprechende Singstimme besitzt, schnell lernt und mit der nötigen Ausbildung gute Chancen auf eine Gesangskarriere hat.
Die Autorin lässt uns am handwerklichen Geschäft der Glockengießerei teilhaben, ich war beeindruckt von der langen Vorarbeit beim Erstellen der Gussform und vom spannenden Moment des Gießens, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Ebenfalls sehr interessant fand ich das beschriebene Spiel eines Carilloneurs, der über ein sogenanntes Stockenklavier die bronzenen Glocken in einem Turm als Glockenspiel erklingen lässt.
Dieser Roman bietet historisch Interessierten und Liebhabern von Bachs Weihnachtsoratoriums eine stimmungsvolle Geschichte, die Zeitgeschehen, Kirchenmusik und die Menschen in dieser Zeit abbildet.
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


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