Samstag, 29. August 2026

Die Bernsteinfischerin - Lisa Quentin

Ein berührender Roman mit Tiefgang

Die Bernsteinfischerin von Lisa Quentin erscheint bei Ruetten & Loening.

Ostpreußen, im Zweiten Weltkrieg: Ebba geht als Kind mit ihrem Vater zum Bernsteinfischen und ist fasziniert von den Steinen und ihren Einschlüssen, genau wir ihr Freund Leo. Doch dann sorgt der Krieg dafür, dass ihre Familie an die Lübecker Ostseeküste fliehen muss und sie nur die Chance hat, in der Pension ihrer Eltern zu arbeiten.  Später trifft sie Leo wieder und zeigt ihm ihre Werke, die sie aus angeschwemmtem Material des Meeres gefertigt hat.  

Frankfurt: Julika ist 26 und Doktorandin im Bereich der Mineralogie und hat sich auf Bernstein spezialisiert. Sie erhält einen besonderen Stein mit einem eingeschlossenen Insekt und möchte mehr Fakten über den Fundort und das damalige Klima herausfinden und trifft auf Ebba, die ihr aus ihrem Leben erzählt. Aus wissenschaftlichem Ansatz wird eine Reise, die Julika auch über sich nachdenken lässt. 


 

In diesen Roman bin ich gespannt eingetaucht und konnte mich kaum davon lösen, so sehr hat mich die jeweilige Geschichte der beiden Protagonistinnen gepackt. Beide Frauen sind in ihrem Leben gefangen, beide leben zurückgezogen, haben persönliche Verluste erlitten und können sich nicht so frei entfalten, wie sie es gerne hätten, beide lieben Bernstein. Als junge Frau muss Ebba zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und in der Ferienpension mitarbeiten, dabei würde sie sich viel lieber ihrer Kunst widmen. Julika fühlt sich für ihre erkrankte Mutter zuständig, sie verzichtet gänzlich auf Freizeitaktivitäten und stürzt sich in ihr Studienfach. Für die Nachforschungen nach einem Bernsteinfund begibt sie sich auf eine Reise an die Ostsee und trifft auf Ebba. Beide Frauen verbindet mehr als sie zunächst vermuten.

Lisa Quentin hat einen einnehmenden und wortreichen Erzählstil, dem ich gerne gefolgt bin. Sie beschreibt die verschiedenen Szenen stimmig und so, dass man Gefühle, Reaktionen und Handlungen gut nachvollziehen kann. Zeitlich lassen sich die Handlungsebenen gut unterscheiden, Ebbas Perspektive reicht von der Vergangenheit bis in die Gegenwart, Julikas Erlebnisse werden aus der Ich-Perspektive dargestellt, sodass man ihr sehr nahe kommt.  

Es geht um zwei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten, die durch familiäres Leid in der Familie gefangen sind, dort ihren Platz einnehmen und auf freie Entfaltung und persönliche Selbstverwirklichung verzichten. Doch beide Frauen entwickeln sich und warten auf ihre Chance. 

Der Roman wurde interessant aufgelockert durch Einblicke in die Bernsteinfischerei und Forschung, sowie die Entwicklung des Tourismus an der Ostsee. Hier verbinden sich zwei Geschichten zu einer und lassen uns nachdenklich werden über Freud und Leid, über verpasste Chancen und neue Ziele.  

Die Bernsteinfischerin zeigt auf berührende Weise viele Facetten des Lebens und macht Mut, den eigenen Weg zu gehen. Ein wunderbarer, tiefgründiger Roman, der mir schöne Lesestunden geschenkt hat und mir viel über Bernstein erzählt hat. 

***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ab dem 25. Mai tritt die neue Verordnung der DSGVO (Datenschutzgrundverordung) in Kraft.
Mit Absenden eines Kommentars erklärst Du Dich einverstanden, dass personenbezogene Daten (z.B. IP-Adresse, Standort des Logins etc.) abgespeichert und für Statistiken von Google weiterverarbeitet werden .
Weitere Informationen von Google und die Datenschutzerklärung findest Du hier :
https://policies.google.com/privacy?hl=de