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Mittwoch, 18. Dezember 2024

Die Arznei der Könige - Sabine Weiß

Fesselnder Mittelalterroman über eine Heilerin

 
Im Lübbe Verlag erschien 2018 der historische Roman Die Arznei der Könige von Sabine Weiß.
 
 
Lüneburg im 14. Jh.: Jakoba lebt nach dem Tod von Mann und Sohn im Kloster und findet in dieser Abgeschiedenheit ihren Seelenfrieden. Sie erlernt die Heilkunde der Kräuter und hilft in der Krankenpflege. Doch ihr Bruder holt sie aus dem Kloster und verheiratet sie für seine Zwecke erneut, diese Ehe ist geprägt von Gewalt. Später flieht Jakoba gemeinsam mit dem Theriak-Krämer Arnold durch deutsche Städte nach Venedig und nach Paris. Sie erwirbt Kenntnisse als Heilerin und wird sogar an den Königshof geholt. 



 
Der Roman startet mit Jakobas Zeit in einem Kloster und man erfährt, warum sie dort lebt und wie es ihr ergeht. Was dann folgt ist richtig dramatisch und die fesselnden Schilderungen machen von Anfang an neugierig auf den weiteren Lebensweg Jakobas. Die Handlung wird sehr lebendig erzählt wird und die bildhaften Szenen
spielten sich vor meinem geistigen Auge ab, sodaß ich den Schmöker innerhalb kürzester Zeit durchgelesen habe.
 
Jakoba ist eine menschliche und sehr empathische Protagonistin, die das Wohl von Kranken über ihre eigenen Wünsche stellt, aus diesem Grund hat sie sofort alle Sympathiepunkte auf ihrer Seite. Man fühlt mir ihr und möchte die Untaten ihrer Gegenspieler einfach nur von ihr abwehren.
Die Figur ihrer Jakoba hat Sabine Weiß nach dem Leben der historischen Figur Jakoba la Félice de Alemania erdacht, sie war in der frühen Medizingeschichte eine berühmte Heilerin.

Gemeinsam mit dem Heiler Arnold und seiner Frau Mona erlebt Jakoba auf ihrer Reise im Knobelwagen die Widrigkeiten ihrer Zeit, mangelnde Hygiene und auch schlechte Erlebnisse, es kommt zu Überfällen durch Widersacher und so wird es spannend und abenteuerlich und die Lektüre entfesselt einen echten Lesesog.

Die Handlung hat einige wenige Längen, ansonsten wird alles sehr stimmig und abwechslungsreich geschildert. Durch die eingebauten Informationen über politische und gesellschaftliche Gegebenheiten erhält man ein passendes Bild dieser Zeit und die Beschreibung der Art und Weise der frühen Heilkunst und die Überheblichkeit der Ärzteschaft sind informative und stimmige Fakten, die die Geschichte passend untermalen.
Zum Theriak, dem Medikament der Könige, und seinen Anwendungsbereichen hätte ich gern noch mehr erfahren. 

Dieser lesenswerte Roman ist mit seiner fiktiven Handlung sehr unterhaltsam, die bildhaften Beschreibungen der Schauplätze und die stimmig wirkende Atmosphäre der damaligen Zeit sind gut eingefangen. Der Wunsch einer Frau nach einem selbstbestimmten und eigenständigen Leben Jakobas stand für mich besonders im Fokus.
 
 

Dienstag, 18. Dezember 2018

Die Entführung der Wanderapothekerin - Iny Lorentz

Spannendes höfisches Ränkespiel um Macht, Einfluss und Regentschaft


"Die Entführung der Wanderapothekerin" vom Autoren-Duo Iny Lorentz ist der dritte Teil der historischen Serie aus dem Knaur Verlag

Thüringen, 1723: In Schwarzburg-Friedrichsthal wird mit dem Ableben des kindlichen Reichsgrafen Friedrich gerechnet. Doch seine Großmutter kämpft mit allen Mitteln, um ihn am Leben zu erhalten und zwingt die Wanderapothekerin Klara, den Jungen gesund pflegen. Klara bleibt keine andere Wahl, weil sie und ihre Familie ansonsten mit Strafe und Vertreibung bedroht werden.
Am Hofe herrscht ein Hauen und Stechen um Einfluss und Ansehen und die Intrigen gefährden den jungen Regentenanwärter Friedrich. Aber Klara hat sich auch mit dem unerzogenen und dickköpfigen Jungen zu befassen. 





Gleich vorweg, diese Geschichte liest sich wunderbar flüssig und unterhaltsam. Hier spielen Intrigen und bösartige Ränkespiele um Machteinfluss am Hofe eine tragende Rolle und auch die Einteilung der Figuren in Gut und Böse sorgt für reichlich Abenteuer und Spannung. 


In Klaras Heimat sorgen enorme Steuererhöhungen für Probleme in der Bevölkerung. Immer mehr bereichern sich die Oberen und bringen die Untertanen in Existenzängste. Gerade das traditionelle Thüringer Heilmittelgewerbe gerät in Schwierigkeiten. 
Klaras Ruf als Wanderapothekerin wird ihr zum Verhängnis und sie wird ihrer Familie jäh entrissen, um sich um den neunjährigen Friedrich zu kümmern, der als reichsgräflicher Erbe von seinen Widersachern außer Gefecht gesetzt werden soll. Es geht das Gerücht, dass er bald sterben wird, weil sich sein gesundheitlicher Zustand immer mehr verschlechtert.
Seine Großmutter sucht eine Pflegerin und kennt keine Gnade, sie lässt Klara regelrecht entführen, für sie zählt nur ihr Enkel und sein Überleben. Klara bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen, und sie nimmt ihren Säugling Hilde mit, was bei Hofe nicht gutgeheißen wird. 
Doch dort hat sie neben den ihr unbekannten höfischen Geflogenheiten auch Probleme mit parteiischen und unwilligen Bediensteten und auch Friedrich, der neunjährige Knabe, ist nicht ganz einfach. Er ist verzogen, überheblich und ihm scheint das ihm gereichte Essen überhaupt nicht zu bekommen. 
Klara nimmt sich der Sache an und sie versucht herauszufinden, wer gegen Friedrich intrigiert.  
Gleichzeitig sorgt sie mit etwas Medizin und einer Ernährungsumstellung für eine allmähliche Gesundung Friedrichs und sie bringt ihm mit viel Weitsicht, fruchtenden Erziehungsmaßnahmen und Überzeugungskraft menschliche Dinge bei, an denen es ihm bisher mangelte. 

Mit einigen abenteuerlichen Wendungen und geschickt dargestellten höfischen Intrigen und Herrschaftsinteressen bringt dieses Buch die damalige Zeit zwar übertrieben, aber doch durchaus so vorstellbar auf den Punkt. Hier versuchten Angehörige des Hofes, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, um somit an Macht und Einfluß zu gewinnen. Der kindliche Regent Friedrich selbst wurde so zum Spielball seines eigenen Hofes und mit Klara und anderen Figuren bekam er in der Geschichte Fürsprecher und Mitstreiter an die Seite gestellt, denen man als Leser wohlgesonnen war.

Die Charaktere sind perfekt gezeichnet, es gibt gerissene Intriganten und Menschen, die aufrecht und menschlich korrekt handeln. Die Bedeutung der Heilmittel aus Thüringen und die Arbeit der Laboranten und Buckelapotheker bekommt in der Geschichte einen besonderen Stellenwert, der dem Leser vor Augen führt, wie Heilmittel für die allgemeine Bevölkerung zugänglich wurden. Apothekerwaren waren dagegen unerschwinglich.  

Die gezeigten höfischen Ränkespiele, Fressgelage und ausufernde Hofhaltung macht deutlich, wie das Volk unter dieser aufgebauschten Lebenshaltung mit unzähligen Domestiken und den dadurch benötigten finanziellen Mitteln leiden musste. Wie bei Ludwig dem 14. üblich, wollten auch deutsche Grafen diesen Luxus nachleben. Das Volk war nur Mittel zum Zweck. 


Mit diesem Roman mit seiner gelungenen Mischung aus dargestelltem Zeitgeschehen, höfischen Intrigen und einer resoluten und durchsetzungsfähigen Frauenfigur bekommt man beste Unterhaltung geschenkt. 


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***




 

Sonntag, 3. Januar 2016

Das zweite Königreich - Rebecca Gablé

Von William, dem Eroberer, der gleichzeitig ein gnadenloser Despot war

Die Queen of History hat mich wieder in ihren Bann gezogen! 

 
England 1064: Ein Piratenüberfall setzt der unbeschwerten Kindheit des jungen Caedmon of Helmsby ein jähes Ende - ein Pfeil verletzt ihn so schwer, dass er zum Krüppel wird. Sein Vater schiebt ihn ab und schickt ihn in die normannische Heimat seiner Mutter. Zwei Jahre später kehrt Caedmon mit Herzog William und dessen Eroberungsheer zurück. Nach der Schlacht von Hastings und Williams Krönung gerät Caedmon in eine Schlüsselposition, die er niemals wollte: Er wird zum Mittler zwischen Eroberern und Besiegten. In dieser Rolle schafft er sich erbitterte Feinde, doch er hat das Ohr des despotischen, oft grausamen Königs. Bis zu dem Tag, an dem William erfährt, wer die normannische Dame ist, die Caedmon liebt ...

Auch mit diesem Roman hat Rebekka Gablé es geschafft, mich mit ihrer unvergleichlichen historischen Recherche und genialen Schreibkunst zu packen. Nicht nur die Schilderungen von politischen Intrigen, königlichen Machtkämpfen und militärischen Streitigkeiten gehen ihr locker von der Hand, auch die Verknüpfung dieser geschichtsrelevanten Themen in einen unterhaltsamen Roman mit persönlichen Schicksalen und Problemen der armen Bevölkerung bringt sie ziemlich genau auf den Punkt und vermittelt dabei ein anschauliches Bild des damaligen Lebens. Die Lebensbedingungen werden hautnah erlebbar.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Caedmon of Helmsby, der als Sohn eines Angelsachsen und einer Normannin zunächst als Übersetzer, dann als Soldat und Adliger in William the Conquerers Dienst steht. Diese Figur hat Ecken und Kanten und man ist als Leser sofort auf seiner Seite. Wie er versucht, zwischen Engländern und Normannen zu vermitteln ist überaus lebendig und fesselnd beschrieben. Sein Kampf um die Liebe seines Lebens setzt noch Sympathiepunkte obendrauf. 


 
Dazu begeistert ein intensiver und mitreissender Schreibstil der Autorin, der diesen umfangreichen Roman in kürzester Zeit verschlingen lässt. 

Packende Unterhaltung, authentische Geschichtsinformationen und eine intensive Handlung: Mehr kann man von einem historischen Roman nicht erwarten. Daher vergebe ich 5 Sterne! 

Donnerstag, 2. Juli 2015

Die Lagune des Löwen - Charlotte Thomas

Bildhafter Historienschmöker im Venedig der Renaissance



Der historische Roman  Die Lagune des Löwen von  Charlotte Thomas entstand 2008 und erscheint im  Bastei Lübbe Verlag.
Venedig 1502: Laura muss sich nach dem Tod der Eltern um ihren kleinen Bruder kümmern und an der Elendsgrenze. Antonio hält sich mit Diebstählen über Wasser, der entlaufene Sklave Carlo und die Hure Valeria haben ebenfalls schwere Schicksale. Gemeinsam versuchen sie, zu überleben und Elend und Hunger hinter sich zu lassen.
Nachdem sie sich jahrelang aus den Augen verloren haben, begegnen sich Laura und Antonio wieder - und verlieben sich ineinander. Allerdings haben beide verschiedene Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft und geraten daher oft in Streit. Im mittelalterlichen Venedig lauern überall Gefahren und Intrigen und machen Laura, Antonio, Carlo und Valeria das Leben nicht leicht. Dann bedroht auch noch ein Krieg das mächtige Venedig...




Der Erzählstil der Autorin ist sehr bildhaft und flüssig, es gibt viele Emotionen und man fiebert gespannt mit den Protagonisten mit.
Das bunte Leben im Venedig der damaligen Zeit ist gut nachzuvollziehen.
So bekommt man einen umfassenden Eindruck über die wütenden  Krankheiten wie die Pest, die überwiegende Armut der Bevölkerung und ihre widrigen Lebensumstände, die durch Kriege noch schwieriger wurden.
Auf der anderen Seite stehen die prachtvollen Dogenpaläste und ihre reichen Bewohner, die Edelleute, Händler und Kaufleute. Diese Diskrepanz zwischen Arm und Reich hat man stets vor Augen.

Die Handlung zeigt sich logisch und nachvollziehbar, aber auch mit sehr vielen Verstrickungen verknüpft. Diese vielen Schicksalsschläge der Protagonisten sind zwar im Roman glaubhaft beschrieben, wirken aber insgesamt gesehen doch zu geballt.

Wie in historischen Romanen üblich, befasst sich auch dieser mit den Problemen der damaligen Zeit. Die Themen Kindesmissbrauch und Sklaverei werden deutlich dargestellt und die gesellschaftliche Haltung dazu macht betroffen.

Für Freunde historischer Romane ein Lesemuss, um in die Serenissima und ihre Welt einzutauchen. Hier gibt es Liebe und Freude, doch auch Elend und Leid. Bunter kann ein mittelalterlicher Roman nicht geschrieben werden.