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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Rabenthron - Rebecca Gablé

Solider Roman, aber leider nicht so fesselnd wie erhofft!

Der historische Roman "Rabenthron" von Rebecca Gablé erscheint im Lübbe Verlag, es ist der dritte Teil der Helmsby Reihe und spielt zeitlich vor "Das zweite Königreich". 
 
London liegt in Trümmern, König Ethelred konnte sein Reich nicht gegen die Angriffe der Wikinger schützen. Ælfric of Helmsby hat seinen kleinen Sohn an seiner Seite und reist gegen den Willen seines Onkels mit dem dänischen Gefangenen Hakon an den englischen Königshof. Ælfric wird ein Unterstützer der englischen Königin Emma, die alles tut, was in ihrer Macht liegt, um die politischen Geschicke Englands in friedliche Bahnen zu lenken. 
 


 
  
Rebecca Gablé entführt ihre Leser in ein Kapitel der englischen Geschichte zwischen 1013 und 1041 als England sich im Krieg mit Dänemark befand. Sie erzählt die Geschichte von Ælfric of Helmsby und Königin Emma, wechselt Jahre später zu Pendra, Ælfrics Sohn. Dabei wechseln die Schauplätze zwischen England und der Normandie und der Kampf um die britische Krone wird mit brutalen, kriegerischen Handlungen, Intrigen und Ränkeschmieden geführt. Die verschiedenen Sichtweisen und Absichten werden sichtbar gemacht und so erlebt man die Figuren in einem steten Kampfgetümmel oder bei ihren Gelagen und anderen Vorhaben. Dadurch ergibt sich ein guter Überblick über die einzelnen Geschehnisse vor dem authentischen recherchierten historischen Hintergrund. 
 
Der Schreibstil ist lebendig, die Dialoge passend zur Zeit mit rüdem Tonfall und die männlichen Charaktere werden häufig übergriffig, was ebenfalls gang und gäbe waren. 
 
Wie gewohnt kommen in der Geschichte zahlreiche Charaktere vor, man muss sich schon ein wenig einlesen, um alle Personen gut einordnen zu können. Das beigefügte Personenregister ist da sehr hilfreich. Mich persönlich hat Pendras Entwicklung vom kleinen Jungen zum erwachsenen Mann besonders interessiert. Gut gezeichnet fand ich auch die intelligene Emma  mit vielen Facetten, ihre plötzliche Hinwendung zu Knut ging mir zu schnell und einfach konfliktlos. Bei ihrer Person hatte ich auf mehr Widerstand gehofft.  
Die historischen Abläufe und die Verknüpfung mit den Figuren werden von Rebecca Gablé gewohnt versiert in der Handlung verwoben und man fühlt die Atmosphäre und die Lebensumstände der Zeit aus nächster Nähe. 
 
Als Fan der Reihe habe ich mit auf diesen Roman gefreut und war sehr gespannt auf eine weitere packende Handlung rund um die Ära der Helmsbys. 
Aber leider konnte der Funke nicht ganz überspringen, ich habe mich über einen längeren Zeitraum in einzelnen Etappen durch den Roman gelesen und fand viele Szenen langatmig und austauschbar. Der Erzählstil ist wie gewohnt flüssig und gut lesbar, die Handlung ist abwechslungsreich und die Figuren sind vielseitig, aber teilweise wirken sie recht oberflächlich. Was mif aber am meisten gefehlt hat war ein Held, mit dem ich mitfiebern konnte, der mich mit Spannung durch die Geschichte getragen hätte und dem ich in einem Lesefluss gefolgt wäre. Leider konnte Ælfric diese Rolle nur bedingt einnehmen und so haben mich die einzelnen Kämpfe, Intrigen bei Hofe und verschiedenen Nebenhandlungen nicht so packen können wir erhofft. 
 
Alles in allem ein gut erzählter und authentisch recherchierter Roman, der die Machtkämpfe um den englischen Thron zwischen England und Dänemark sichtbar macht. 


  • Gablé, Rebecca - Das Lächeln der Fortuna1
  • Gablé, Rebecca - Die Hüter der Rose 2
  • Gablé, Rebecca - Das Spiel der Könige 3
  • Gablé, Rebecca - Der dunkle Thron 4
  • Gablé, Rebecca - Der Palast der Meere5
  • Gablé, Rebecca - Teufelskrone 6
  • Gablé, Rebecca - Die Siedler von Catan
  • Gablé, Rebecca - Das zweite Königreich
  • Gablé, Rebecca - Der König der purpurnen Stadt
  • Gablé, Rebecca - Rabenthron 

  • Montag, 23. Dezember 2024

    Am Fluss der Zeiten - Ulrike Renk

    Historischer Roman über das Leben der einfachen Leute

    Der historische Roman Am Fluss der Zeiten ist der Auftaktband von Ulrike Renk aus dem Lübbe Verlag.

    1551 im Münsterland: Auf dem Kalmule-Hof lebt eine Familie unfreier Bauern, die geradeso ihr Auskommen haben. Jedes Unwetter, das über das Münsterland zieht, stellt die Menschen vor große Probleme. Die Abgaben und die Abhängigkeit von dem jeweiligen Gutsherrn sind weitere Schwierigkeiten, die die Menschen zu bewältigen haben. Und sie sind in ihrer Unfreiheit gefangen. Elze, die Tochter eines Bauern, soll den Hof verlassen und allein ein Wirtschaftsjahr im entfernten Münster absolvieren. Ein Leben in der Fremde, dass sie vor einige Schwierigkeiten stellt. 



    Dieser historische Roman ist der Auftakt der Trilogie um den Kalmule Hof und lässt uns über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren in das Leben einer Familie eintauchen. 

    Protagonistin ist Elze, die Tochter der Bauern. Gerade ist die Täuferbewegung niedergerungen und der 30jährige Krieg steht kurz bevor. Doch in dem Roman geht es nicht um Kampfhandlungen oder um Ritter und den Adel, es geht um die einfachen Leute aus dem Volk. Diese Menschen sind abhängig von ihrem Lehnsmann und dadurch Unfreie. Ulrike Renk lässt sehr lebendig das alltägliche Leben mit den Gerichten, den Krankheiten und Heilmethoden in ihre Handlung einfließen und zeigt, welche Chancen die Menschen auf einen Aufstieg bzw. auf ein freies Leben hatten. 

    Dadurch entsteht eine interessante und lehrreiche Geschichte, die mit Widrigkeiten, etwas Liebe, Verlust und Mut zu unterhalten weiß. 

    Elze ist an schwere Arbeit gewohnt, sie lebt gern bei ihren Eltern auf dem Hof und packt überall mit an. Doch dann sorgt ein Schicksalsschlag für eine Veränderung, die ihr einiges abverlangt. Sie soll für ein Wirtschaftsjahr ins ferne Münster. Sie findet sich mit etwas Heimweh schnell in die fremde Umgebung ein und lernt sich einzubringen. Doch erneut sorgt eine fremde Entscheidung für eine Veränderung in ihrem Leben.  
    Ulrike Renk bringt uns den Alltag auf einem Bauernhof im Mittelalter in ihrem Buch näher. Es gibt einige Abenteuer, die mich an die Geschichte gefesselt haben und das eingebaute Wissen über die anfallenden Arbeiten, Überschwemmungen, eine Kirche im Umbruch dank Martin Luther und kriegerische Auseinandersetzungen sorgen für ein authentisches Bild dieser Zeit. Der bildhafte und gut beschreibende Erzählstil sorgt dafür, dass ich Elzes Lebensweg gespannt verfolgt habe. 

    In Am Fluss der Zeiten wird der Zusammenhalt der Menschen untereinander deutlich, hier musste jeder jedem helfen, sonst wäre man nicht in der Lage gewesen, zu überleben.    

    Ulrike Renk beschreibt das Leben und den Arbeitsalltag der einfachen Bevölkerung und macht deutlich, wie ein Leben in Unfreiheit als Eigenbehörige ablief. Etwas mehr Spannung hätte der Handlung den letzten Schliff gegeben.

     


     

    Mittwoch, 18. Dezember 2024

    Die Arznei der Könige - Sabine Weiß

    Fesselnder Mittelalterroman über eine Heilerin

     
    Im Lübbe Verlag erschien 2018 der historische Roman Die Arznei der Könige von Sabine Weiß.
     
     
    Lüneburg im 14. Jh.: Jakoba lebt nach dem Tod von Mann und Sohn im Kloster und findet in dieser Abgeschiedenheit ihren Seelenfrieden. Sie erlernt die Heilkunde der Kräuter und hilft in der Krankenpflege. Doch ihr Bruder holt sie aus dem Kloster und verheiratet sie für seine Zwecke erneut, diese Ehe ist geprägt von Gewalt. Später flieht Jakoba gemeinsam mit dem Theriak-Krämer Arnold durch deutsche Städte nach Venedig und nach Paris. Sie erwirbt Kenntnisse als Heilerin und wird sogar an den Königshof geholt. 



     
    Der Roman startet mit Jakobas Zeit in einem Kloster und man erfährt, warum sie dort lebt und wie es ihr ergeht. Was dann folgt ist richtig dramatisch und die fesselnden Schilderungen machen von Anfang an neugierig auf den weiteren Lebensweg Jakobas. Die Handlung wird sehr lebendig erzählt wird und die bildhaften Szenen
    spielten sich vor meinem geistigen Auge ab, sodaß ich den Schmöker innerhalb kürzester Zeit durchgelesen habe.
     
    Jakoba ist eine menschliche und sehr empathische Protagonistin, die das Wohl von Kranken über ihre eigenen Wünsche stellt, aus diesem Grund hat sie sofort alle Sympathiepunkte auf ihrer Seite. Man fühlt mir ihr und möchte die Untaten ihrer Gegenspieler einfach nur von ihr abwehren.
    Die Figur ihrer Jakoba hat Sabine Weiß nach dem Leben der historischen Figur Jakoba la Félice de Alemania erdacht, sie war in der frühen Medizingeschichte eine berühmte Heilerin.

    Gemeinsam mit dem Heiler Arnold und seiner Frau Mona erlebt Jakoba auf ihrer Reise im Knobelwagen die Widrigkeiten ihrer Zeit, mangelnde Hygiene und auch schlechte Erlebnisse, es kommt zu Überfällen durch Widersacher und so wird es spannend und abenteuerlich und die Lektüre entfesselt einen echten Lesesog.

    Die Handlung hat einige wenige Längen, ansonsten wird alles sehr stimmig und abwechslungsreich geschildert. Durch die eingebauten Informationen über politische und gesellschaftliche Gegebenheiten erhält man ein passendes Bild dieser Zeit und die Beschreibung der Art und Weise der frühen Heilkunst und die Überheblichkeit der Ärzteschaft sind informative und stimmige Fakten, die die Geschichte passend untermalen.
    Zum Theriak, dem Medikament der Könige, und seinen Anwendungsbereichen hätte ich gern noch mehr erfahren. 

    Dieser lesenswerte Roman ist mit seiner fiktiven Handlung sehr unterhaltsam, die bildhaften Beschreibungen der Schauplätze und die stimmig wirkende Atmosphäre der damaligen Zeit sind gut eingefangen. Der Wunsch einer Frau nach einem selbstbestimmten und eigenständigen Leben Jakobas stand für mich besonders im Fokus.
     
     

    Samstag, 14. September 2024

    Ostseefinsternis - Eva Almstädt

    Ein geheimnisvoller Fall und eine alte Familienfehde  


    Der Krimi "Ostseefinsternis" von Eva Almstädt ist der 19. Fall der Pia Korritki-Reihe, die bei Lübbe erscheint. 

    Pia fährt in den Herbstferien mit Sohn Felix und Marten in sein neues Haus in Kaltenbrode an der Ostsee und freut sich auf eine schöne gemeinsame Zeit. Doch kaum dort angekommen ruft Pias Chef sie zu einem neuen Fall in der Nähe. In einer Bucht wurde die Leiche eines Mannes gefunden und ein weiterer Überfall in der Gegend ereignete sich dort wenige Wochen zuvor, Opfer war die junge Stella Böttcher.  Beim Toten handelt es sich um Benno Hagenberg, er war der Geliebte von Stella. Somit deutet sich ein Zusammenhang der Fälle an. Pia soll nun herausfinden, wer von den Mitgliedern der Familie ein Mordmotiv gehabt haben könnte. Durch die Familienfehde zwischen den zahlreichen Familienmitgliedern gestalten sich die Ermittlungen recht schwierig. Aber der Grund für den Mord könnte ja auch woanders liegen. 




    In diesem Fall stürzt sich Pia trotz ihres Urlaubs in die Ermittlungen und hat es mit zahlreichen Personen und auch Verdächtigen zu tun, die Befragungen nehmen einen Großteil der Handlung ein. Das ist auch schon gleich zu Beginn meine entscheidende Kritik an diesem Krimi. Man kann trotz Personenregister schon mal den Überblick verlieren und muss sich konzentrieren, um die jeweilige Person auch entsprechend einordnen zu können. Die Befragungen sind zeitaufwendig und Pia hat ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Sohn Felix und Freund Marten. Denn eigentlich wollten sie die Ferien gemeinsam verbringen. 
     
    Pia und Kollege Broders finden schnell heraus, dass zwischen den zwei Familien Böttcher und Hagendorf eine alte Fehde vorherrscht, die sie seit langer Zeit entzweit. Die wahren Gründe für den Zwist möchte niemand nennen, die jüngere Generation scheint nichts zu wissen. Dieses Geheimnis zu lüften hat für mich den größten Reiz an der Geschichte ausgemacht. Man muss sich lange gedulden, bis der Grund endlich am Ende gelüftet wird.  
     
    Das Mordmotiv lässt Varianten wie geschäftliche Probleme, Eifersucht oder einen Racheakt zu, insgesamt war mir das Ganze zu wage, denn hier sind so viele Personen verdächtig, das ich mich einfach nicht festlegen wollte. Die Auflösung hat mich nicht wirklich überrascht, doch die Erklärung hatte für mich einen sehr konstruierten Beigeschmack.  

    Der Krimi ist wieder durchzogen vom Privatleben Pias, diese Unterhaltung bringt ein wenig Abwechslung in die recht ausufernde Polizeiarbeit. Spannend wird es nur am Ende, doch das ist mir für den gesamten Krimi einfach zu wenig.  

    Dieser Band der Krimireihe konnte mich leider nicht von sich überzeugen, denn er ist mit zahlreichen Personen und Verhören überfrachtet und lässt nur am Ende Spannung aufkommen. 


                                                    


    Freitag, 6. September 2024

    Ostseenebel - Eva Almstädt

    Gute Krimiunterhaltung im Ostseenebel

    In "Ostseenebel" schickt Eva Almstädt ihre Ermittlerin Pia Korittki zum 18. Mal ins Rennen, der Krimi erscheint im Lübbe Verlag.  

    Pia Korittki wird zur Unterstützung der örtlichen Polizei an den Küstenort Stüvensee geschickt. Dort wurde im Garten eines Ferienhauses von der Urlauberin Alva Dohrmann ein brutal zugerichteter Toter gefunden, bei dem es sich um den umstrittenen Bürgermeister des Ortes handelt. Pia ermittelt in alle Richtungen. Der Fall wird brisant als die Urlauberin spurlos verschwindet und eine weitere Leiche gefunden wird.   

     



    Der Fund eines erschlagenen Bürgermeisters im Seerosenteich führt Pia Korittki und ihr Kollege Broders von der Kripo Lübeck nach Stüvensee, sehr zum Unmut des örtlichen Revierleiters Holger Jansen. Sie finden heraus, dass der Tote einige Feinde hatte und die Nichte und Alleinerbin des Toten und andere Bewohner haben eher dürftige Alibis. Und Alva Dohrmanns Verhalten mutet merkwürdig an, als sie verschwindet, stehen für die Ermittler noch mehr Fragen offen.

    Wie gewohnt ist "Ostseenebel" ein gut geschriebener Krimi mit einer Prise Lokalkolorit, in dem Eva Almstädt ihre Protagonistin Pia in einen mysteriösen Mordfall schickt und mit reichlich Ermittlungstätigkeit eindeckt. Der tote Bürgermeister hatte einige Feinde und es gibt viele Tatverdächtige, die alle irgendetwas zu verbergen haben. Als unterhaltsame Note wird wie gewohnt Pias Privatleben einbezogen und das Miteinander mit den Kollegen zeigt das kollegiale und freundschaftliche Verhältnis, das in keinem der Bände fehlen darf. Der Fall enthält einige falsche Fährten und Wendungen, die den Leser zum Miträtseln einladen und die nebelige Atmosphäre an der Ostsee sorgt für den passenden Hintergrund dieses Krimis.  

    Die Hauptcharaktere sind wie gewohnt gut gezeichnet und ich habe mich gefreut, Pias Privatleben mit ihrem Sohn Felix weiter verfolgen zu können. Das nimmt in diesem Band aber nur wenig Raum ein. Die Handlung ist gut aufgebaut und liest sich flüssig, dafür sind die Wendungen und falschen Fährten auf undurchschaubare Figuren aufgebaut, was auf mich doch sehr konstruiert wirkt. Man kann hier zwar mitraten, aber die vielen Verdachtsmomente werden so schnell durch weitere Spuren überlagert, dass man keinen klaren Durchblick hat, was oder wer wirklich dahinter stecken könnte. 

    Zum Ende sorgt ein Alleingang Pias noch einmal für einen Anstieg der Spannungskurve, die Auflösung erfolgt dann aber doch recht plötzlich und bei einigen Figuren bleiben Fragen offen. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, sie wurden alle nur erfunden, um vom Täter abzulenken. 

    Dieser Krimi fügt sich lückenlos in die Reihe der Ostseekrimis von Eva Almstädt ein und lässt Pia einige Geheimnisse der Ortsbewohner aus der nebeligen Stimmung aufdecken und einen Täter dingfest machen. 

    Gute Krimiunterhaltung im Ostseenebel, bei der mir das gewisse Etwas gefehlt hat!


                             

    Samstag, 17. Juli 2021

    Die Walfängerin von Borkum - Claudia Schirdewan

    Ein unterhaltsamer Schmöker zur Zeit des Walfangs

    Der historische Roman "Die Walfängerin von Borkum" von Claudia Schirdewan erscheint im Lübbe Verlag. 

    1653 Nordseeinsel Borkum: Die Inselbewohner sind arm, sie leben vom Fischfang und die Männer, die  auf einem der Walfängerboote anheuern und wohlbehalten von der großen Fahrt nach Hause kommen, können ihre Familien gut über die Runden bekommen. Das ist auch Joris Ziel, er möchte Fenja heiraten, doch zuvor muss er das Kommando auf dem Walfänger antreten. Fenja ist wie alle Angehörigen von Walfahrern besorgt, denn nicht alle schaffen es gesund zurück. Joris Schiff wird überfallen und so tritt sein Bruder Nils an seine Stelle und drängt Fenja zur Heirat, schliesslich hat er seinem Bruder versprochen, auf sie aufzupassen. Wie wird sich Fenja entscheiden und welches Schicksal hat Joris erlitten? 



    In diesem Roman tauchen wir in ein Leben auf Borkum ein, als von urlaubsmäßiger Beschaulichkeit noch nichts zu spüren war. Es war eine schwierige Zeit, in diesen Anfangsjahren des Walfangs sicherte die Heuer den Seeleuten zwar gute Einkünfte, doch es war auch eine sehr gefährliche Fahrt ins Eismeer, von der nicht jeder Seemann gesund und lebendig zurückkehrte. Fenjas Freund Joris hat die Ausbildung zum Commandeur gemacht und möchte nun auf einem Walfänger Geld verdienen, sein Bruder Nils hat durch ein Unglück leider ein schweres Schicksal und soll auf Fenja und ihre kleine Schwester Sina aufpassen. Fenjas Mutter starb früh und so kümmert sie sich aufopferungsvoll um Sina und ihren Vater, der alkoholabhängig ist.

    Claudia Schirdewan fesselt mit bildhaften Beschreibungen das Leben in dieser Zeit, man bekommt einen Eindruck, wie die Bewohner damals lebten und welche Sorgen und Ängste um ihre Liebsten auf hoher See sie umfingen. Auch die Arbeit auf einem Walfänger bekommt man sehr genau erklärt, diese Vorgänge fand ich besonders interessant und konnte mich gut in die Zeit hineinversetzen.
     
    Wie in historischen Romanen üblich, dreht sich die Handlung um Hoffnungen, Intrigen, Neid und Übergriffen, die zum Teil der Liebe geschuldet sind. Die gemeinen Vorhaben einiger Figuren sorgen für spannende Momente und man hofft und bangt mit den Protagonisten Fenja und Joris auf ein gutes Ende.

    Vom Erzählstil her schafft es die Autorin mit bildhafter und flüssiger Sprache, bestimmte Situationen zu schaffen und ihre Leserinnen in eine lebendige Atmosphäre zu versetzen. Die Handlung ist nicht immer verständlich, einige zwischenmenschlichen Vorgänge konnte ich leider nicht nachvollziehen. Da wirkte manches zu konstruiert und nicht immer glaubwürdig. Leider hat für mich auch der Titel ganz andere Erwartungen geweckt, die dann im Buch nicht aufgegriffen wurden. 

    Es ist trotz einiger Schwächen ein schöner Schmöker, der seine Leserinnen in eine spannende Geschichte versetzt, die mit Emotionen zwischen Liebe und Hass fesselt und mit der Zeitbeschreibung und der Geschichte der Walfänger gut unterhält.    

     

    Sonntag, 16. Mai 2021

    Die Sterne über Falkensee - Luisa von Kamecke

    Ein fesselnder Roman mit berührenden Schicksalen

    "Die Sterne über Falkensee" ist der zweite Band der Westpreußen-Saga von Luisa von Kamecke, das Buch erscheint im Lübbe Verlag. 

    Westpreußen 1925: Isabella von Bargelow heiratet den Kaufmann Julius Kirchner auf Gut Falkensee, die Ehe beginnt  , doch schon bald trübt ein Schatten das Eheglück. Julius wird Mitglied der NSDAP und Isabella kommt mit seinem Gedankengut nicht mehr zurecht. Als er eine Fremde im Gutshaus versteckt, vermutet Isabella dahinter eine Geliebte und als sie die Wahrheit erfährt, stellt sie ihre Ehe auf den Prüfstand. Doch wie kann sie ihre Kinder und die Heimat schützen?


    Dieser zweite Band der westpreußischen Familiengeschichte lässt sich auch ohne das Vorwissen des ersten Bandes gut lesen. Mich hat der Roman schnell in seinen Bann gezogen und ich habe die Figuren, allen voran natürlich Isabella, mit emotionaler Anteilnahme gerne und gespannt begleitet. 

    Das Leben auf Gut Falkensee wird über den Zeitraum von 11 Jahren gezeigt und wir erleben wie die politischen Veränderungen zunehmend Einfluß nehmen auf die Charaktere und deren Ansichten und Lebensvorstellungen. Die Führung eines Gutes mit den anfallenden Aufgaben wird ebenso klar umrissen, wie der historische Kontext der sich verändernden Politik, man kann die Hoffnungen und Sorgen der Bevölkerung dieser Zeit gut nachvollziehen. In Isabellas Ehe gibt Julius den Ton an, schnell wird deutlich, was er und andere Männer dieser Generation von ihren Frauen erhofften, nämlich die Versorgung der Kinder und des Haushaltes und ihren Männern gehorsam zu sein. Doch das ist nicht das Bild einer Frau was Isabella vorschwebt. Sie entwickelt sich vom unerfahrenen, anhänglichen Mädchen zur gestandenen Frau, die sich nicht unterordnen möchte. Ihre Figur wird zum Sympathieträger des gesamten Romanes und so liest man gefesselt die verschiedenen Erlebnisse und Veränderungen ihres Lebens. 

    Der bildhafte und detailreich beschreibende Erzählstil zeigt einen umfassenden Eindruck vom Leben auf Gut Falkensee und anderen Schauplätzen, sowie von wichtigen Situationen im Leben der Protagonisten. Die Figuren werden mit ihren Handlungen zum Leben erweckt und auch das Gefühlsleben wird intensiv durchleuchtet, sodaß man mit ihnen fühlt und leidet. Die politischen Ansichten und die Abneigung gegen die jüdische Bevölkerung prägen diese Zeit, das macht sich auch in der Stimmungslage bemerkbar, glückliche Momente sind eher selten, das Klima wird bedrohlicher. 

    Insgesamt hat mich dieser Roman sehr gut unterhalten, es gibt einige Längen, die mit ausführlichen Beschreibungen zwar den Zeitgeist und die Situation gut erklären, aber auch die Spannung vermindern. 

    Ein authentischer und schön erzählter historischer Roman, der mich in seinen Bann ziehen konnte. 

     



    Mittwoch, 17. Februar 2021

    Die vier Gezeiten - Anne Prettin

    Eine fesselnde Familiensaga, voller Überraschungen und wunderbar geschrieben

    "Die vier Gezeiten" von Anne Prettin erscheint im Lübbe Verlag.

    Die Familie Kießling betreibt das Hotel de Tiden auf der Insel Juist, Patriarch Eduard Kießling hat sich viele Jahre als Bürgermeister für die Belange der Insel eingesetzt, nun soll er das Bundesverdienstkreuz erhalten. Zu diesem Ereignis muss auch die Familie dabei sein: Eduards Frau Adda, die drei Töchter, sowie Großmutter Johanne. Als plötzlich Helen aus Neuseeland in die Generalprobe hinein platzt und behauptet, mit den Kießlings verwandt zu sein, bekommt die Familiengeschichte langsam Risse. Es kommen viele Wahrheiten ans Licht, die jahrelang im Verborgenen blieben. 


    "Liebe und Tod, mein Mädchen, sind wie Ebbe und Flut... In dem Moment, in dem die Liebe beginnt, wartet auch schon der Tod." Zitat Seite 281

    Die Geschichte beginnt 1978 mit einem Tagebucheintrag, der davon erzählt, dass eine Frau ihrem Leben im Watt ein Ende setzen möchte. Dann gibt es einen Zeitsprung und wir befinden uns im Jahr 2008, Adda erzählt von der bevorstehenden Generalprobe der Feier anläßlich der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes an ihren Mann Eduard. Er ist keine sympathische Figur, um es mal positiv auszudrücken. Das unerwartete Auftauchen der jungen Helen sorgt für Aufregung in der Familie, zudem sie Adda auch noch sehr ähnlich sieht. Es wird ein Stein ins Rollen gebracht, der die verschiedenen Charaktere der Familie näher beleuchtet und mehr aus ihrem Leben verrät und den Leser damit unweigerlich in einen Lesesog mitnimmt, der wie bei Ebbe und Flut Höhen und Tiefen zeigt in menschlichen Gefühlen wie Zuneigung, Liebe und Verlust.  

    Anne Prettin Schreibstil hat mich begeistert, sie schreibt sehr schön, lebendig und bildhaft und dadurch wird das Lesen einfach zu einem Vergnügen. Ihre Charaktere hat sie mit großer Ausdrucksstärke versehen, die Gefühle und Erlebnisse sind so nachfühlbar und vielseitig beschrieben wie im echten Leben. Ich habe alle Figuren direkt beim Lesen vor Augen gehabt und bin tief in die Geschichte mitsamt seinen Geheimnissen und Wendungen eingetaucht. 

    Die Inhalte eines Tagebuchs lassen Stück für Stück immer mehr hinter die bröckelnde Fassade der Familie blicken. Dabei werden Abgründe familiärer Autorität und menschliche Dramen entlarvt, die für emotionale Momente sorgen und mich bis zum Ende nicht losgelassen haben. Sehr stimmungsvoll sind auch die Beschreibungen des Meeres mit Strandspaziergängen und der lauernden Gefahr des Watt, wo Priele und Untiefen für Gefahr sorgen.

    "Die vier Gezeiten" ist ein wunderbar unterhaltsamer Roman über eine Familie, die mit facettenreichen Charakteren, zu lüftenden Geheimnissen sowie einiges an Spannung aufwarten kann.

     

    ***Herzlichen Dank an Buecher.de für dieses Reziexemplar!***


    Mittwoch, 16. Dezember 2020

    Der Glanz der neuen Zeit - Fenja Lüders

    Sehr unterhaltsam und fesselnd

    Mina kämpft um ihren Platz im Kontor

    Aus der Romanreihe der Speicherstadt-Saga erscheint im Lübbe Verlag der zweite Band "Der Glanz der neuen Zeit" von Fenja Lüders.

    Die Folgen des Weltkriegs sind in den 20er Jahren auch bei der Kaffeeimportfirma Kopmann und Deharde in Hamburg spürbar. Um die Geschäfte des Kontors wieder anzukurbeln, muss Mina sich etwas einfallen lassen. Allem männlichen Widerstand zum Trotz nimmt sie ihre Rolle in der Firma wahr, auch wenn besonders ihr Mann Frederik das nicht gutheißen mag. Doch er glänzt häufig mit Abwesenheit und Mina trifft überraschenderweise einen alten Freund wieder.

    In diesen Roman konnte ich auch ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes ohne Verständnisschwierigkeiten einsteigen.  

    Nach dem Ende des Weltkriegs hat auch das Kaffeekontor mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die Speicher sind leer und Mina übernimmt wegen der Abwesenheit ihres Mannes die Geschäfte. Sie beantragt einen Kredit, für den sie die Unterschrift ihres Mannes benötigt. Der wehrt sich dagegen, doch Mina kämpft für das Kontor. Schliesslich hat ihre Schwester Agnes die Idee, ihren Schwiegervater Paul in Guatemala mit seiner Kaffeeplantage in die Geschäfte einzubinden. Das Privatleben zwischen Mina und Frederik läuft nicht gut, erst vergnügt er sich in Berlin und dann ist er auf einmal wieder in Hamburg und zeigt sein wahres Gesicht. Mina hat sehr unter seinem Verhalten zu leiden, wie sie damit umgeht, ist nur schwer zu ertragen.

    Fenja Lüders nimmt mich mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Ihr bildhafter und wunderbar zu lesender Schreibstil lässt beim Lesen ein Kopfkino entstehen, durch das ich der Handlung gespannt gefolgt bin. Die gesellschaftliche Stellung der Frau in dieser Zeit ist der Autorin am Beispiel von Mina sehr überzeugend gelungen. In dieser Männerdomäne übernimmt Mina entgegen des gängigen Frauenbildes nicht nur leitende Aufgaben im Kontor, sie setzt auch noch Pläne zur Geschäftsankurbelung um, über die so mancher Mann nur staunen konnte. Die Ehe mit Frederik wird aber immer schwieriger, einige Szenen haben beim Lesen für emotionale Anteilnahme gesorgt und zeigen seinen fiesen Charakter. Er ist ein schlechter Mensch, ein Spieler, der seine Kontakte gegen Mina einsetzt. Mehr möchte ich darüber aber nicht verraten.   

    Dieses Buch hat mich sehr gut unterhalten und konnte mich mit seinen vielfältigen Figuren, den spannenden Vorgängen im Kontor und mit seiner historischen Einbindung wirklich fesseln. Und über allem schwebte der Duft von frisch gemahlenem Kaffee. Herrlich!  

     



    Dienstag, 15. September 2020

    Das Mätressenspiel - Martha Sophie Marcus

    Fesselnd, unterhaltsam und mitreißend wird hier Hannovers Adel näher beleuchtet und der Zeitgeist bei Hofe gezeigt.

     
    Der historische Roman "Das Mätressenspiel" von Martha Sophie Marcus erschien 2018 im Lübbe Verlag.

    1682: Die Zukunft von Helena von Minnigerode verläuft anders als sie es sich erhofft hat. Als ihr Bruder stirbt, fällt damit der ganze Besitz des Guts an den männlichen Verwandten der Linie, ihr
    en Onkel Roderick. Die Familie ihres Verlobten Adrian löst die Verbindung zu Helena. Nun muss sie einen reichen Ehemann finden, um die Existenz ihrer Mutter und Schwestern zu sichern. Sie geht an den Hof der Herzogin Sophie von Hannover.

    Die couragierte Helena ist wortgewandt, besitzt Charme und kann ihre Intelligenz auch bei Hofe geschickt einsetzen. Die Aussicht auf eine gute Partie lässt sie mitten in den Trubel der Intrigen eintauchen, Unterstützung erhält sie zu einem hohen Preis von der Clara von Platen, die einflussreiche Mätresse des Herzogs. Diese möchte sie den Herzogsohn Georg als Mätresse zuführen, um sich so über Helena Einfluß bei Hofe zu sichern.

    Bildhaft taucht man direkt in das damalige Leben am hannoverschen Hof ein. Herzogin Sophie von  Braunschweig/Lüneburg ist eine Gartenfreundin und engagiert Gärtner und Planer mit der Anlage in Herrenhausen, neben einer Fontäne wird ein Kräutergarten angelegt, der die Grundlage des heutigen Berggartens bildet. Die Beschreibung des Gartens und der Pflanzen nehmen in diesem Buch förmlich Gestalt an und man kann die Schönheit nur genießen.

    Die Handlung fesselt mit den Intrigen und Ränkespielen, die Dialoge zeigen wie die höfische Etikette funktionierte und wie sich Untergebene vor der Ungnade des Adels in Acht nehmen mussten.
     
    Helenas Schicksal nimmt den Leser von Anfang an gefangen, ihre geplatzte Verlobung nimmt sie zum Anlass, sich als Geliebte der Herzogsohnes zu "verkaufen". Mutig kämpft sie wortg
    ewandt gegen die Ungerechtigkeit und versucht, das Spiel der Oberen nicht mitzuspielen. Mit viel schriftstellerischem Geschick, einigen unerwarteten Wendungen und vielen bösen und guten Figuren gelingt es der Autorin ihre Leserinnen an diese Geschichte zu fesseln. Ihre bildhaften Beschreibungen der Figuren und der Kleidung und das alltägliche Leben bei Hofe mit Tanz, Musik und Spiel erweckt sie förmlich zum Leben und lässt die Leser stimmungsvoll in diese Zeit eintauchen.

    Ein fesselnd zu lesender Roman, der mit einer fiktiven Geschichte das Leben bei Hofe realistisch darstellt und mich als Hannoveranerin besonders interessiert hat.
        

                                   

    Sonntag, 13. September 2020

    Mord in Barcelona - Isabella Esteban

    Stimmungsvoller Urlaubskrimi mit viel Flair 


    "Mord in Barcelona" ist der Krimiauftakt von Isabella Esteban (Brigitte Pons), der im Lübbe Verlag erscheint. 

    Die Hitze des Sommers liegt über Barcelona als auf dem Friedhof Montjuic die Leiche einer deutschen Touristin gefunden wird. Comissari Jaume Soler ermittelt und bekommt Unterstützung durch seine Schwester Montse, die die Tote zufällig kannte. Bei ihr reden die Menschen und so findet sie einige Hinweise heraus, die ihr Verdächtige mitteilen. 
     


    Dieser Cosy Crime zeigt viel lokales Flair Barcelonas und das typische Lebensgefühl der Bewohner. Die Ermittlungen führen Soler und seine Schwester quer durch die Stadt und führen dem Leser das lebendige Stadtgeschen, sowie den Friedhof Montjuic, den wunderschönen Park Güell und andere Orte vor Augen. Die Figuren werden alle gut eingeführt und vorgestellt und man bekommt einen Eindruck über ihr Wirken bei der Polizei und über ihr privates Leben. 

    An Verdächtigen mangelt es nicht, man kann locker mitraten, doch die Zusammenhänge erkennt man nicht sofort. Die vielen Ermittlungen und Befragungen werfen Fragen auf und sind auf die Dauer nicht so spannend, doch genauso läuft die Polizeiarbeit auch im realen Leben ab. Jaume Soler Martí ist nicht mein Lieblingscharakter, er wirkt sehr ruhig, mit südländischer Gelassenheit und etwas eingefahren, nur mit seiner Familie zeigt er etwas mehr Lebendigkeit. Lebendig, neugierig und besonders erscheint dagegen Montse, die mit ihrer sympathischen Art und ihrer katalanischen Zugehörigheit einen direkten Zugang zu den Bewohnern hat und damit auch mehr Antworten und Einsichten erhält als ihr Bruder als Kommissar. 
    Sie freundet sich mit dem Hauptverdächtigen Bastian Weinhold an, um an Infos zu gelangen. Leider ein Unterfangen, dass sie durch ihre Gefühle in Schwierigkeiten bringt.

    Durch den flüssigen Schreibstil lässt sich die Geschichte wie eine kleine Reise durch Barcelona lesen. Ortsbeschreibungen und Nebenhandlungen sorgen für gute Unterhaltung und mischen sich in die laufende Krimihandlung ein. Das mindert etwas die Spannung, unterhält aber auch prima. 

    Dieser unblutige Krimi ist gut durchdacht und bietet Urlaubsstimmung durch schöne Stadtansichten Barcelonas. 


                                  

    Sonntag, 12. April 2020

    Mordseeluft - Emmi Johannsen

    Unterhaltsame Strandlektüre mit Spannung, Humor und bunt gemixten Charakteren

    Kurarzt oder Kurschatten?

    Der Borkum-Krimi "Mordseeluft" von Emmi Johannsen erscheint im Lübbe Verlag.

    Nach der Trennung von ihrem untreuen Gatten begibt sich Caro Falk mit ihrem Sohn Justus von Köln zu einer Mutter-Kind-Kur auf Borkum. Sie erhofft sich davon ein wenig Entspannung und Abstand zu ihrem bisherigen Leben. Doch schon am ersten Abend findet sie in der Strandsauna die Leiche des Chefarztes ihrer Klinik. Die Polizei tippt auf einen Unfall und will den Fall zu den Akten legen, doch Caro hält einen Unfall für fragwürdig. Gemeinsam mit dem Türsteher Jan und unterstützt durch das Insiderwissen ihres ansässigen Schwiegervaters Hinnerk betreibt sie die Ermittlungen. Sie kommt einigen delikaten Geheimnissen auf die Spur und damit dem Täter immer näher.



    Caro lebt sich gerade bei ihrer Kur auf Borkum ein, als sie den Kurarzt tot in der Strandsauna entdeckt. Dieser Frauentyp war nicht gerade ein Mann von Traurigkeit, sein Ableben sorgt unter den meisten Frauen für große Betroffenheit. Insgesamt scheint das Kurleben im Mutter-Kind-Kurheim viel Abwechslung zu bieten, auch der tote Arzt war bei einigen Frauen wohl eine Unterhaltung der speziellen Art. Caro schiebt zwischen Gruppen-Therapie und Anwendungen ihre Ermittlungen, getarnt als Spaziergänge mit ihrem Hund. Jan Akkermann unterstützt sie bei ihren nicht ganz ungefährlichen Erkundungen. 
     
    Mit einem herrlich lockeren Schreibstil beschreibt die Autorin eine glaubwürdige und lebendige Geschichte, die sich durch die perfekte Mischung aus Krimispannung und Humor zu einer angenehm zu lesenden Story verbindet. Die Ermittlungen bringen einige Tatverdächtige ins Spiel, gut durchdachte Wendungen führen den Leser an der Nase herum und lenken den Verdacht auf immer wieder neue Personen. Bis zum Ende kann man gut mitraten und wird dann durch eine logische Auflösung auch erlöst.  
    Die Auswahl der Charaktere ist bunt gemischt, die vielseitigen Typen sind mit einigen Macken und Besonderheiten ausgestattet, die die Figuren wiedererkennbar machen und trotzdem glaubhaft erscheinen lassen. Das ist ein Balanceakt, der nicht immer so gut gelingt wie in diesem Buch.

    Ich mochte neben der sehr bodenständigen und natürlich wirkenden Caro, auch ihren Sohn, den gutmütigen Schwiegervater Hinnerk und Jan Akkermann scheint auch für weitere Überraschungen gut zu sein. Anzweifeln möchte ich die Auskunftfreudigkeit einiger Personen, die sicher der Polizei Rede und Antwort gestanden hätten, aber nicht einer Frau, die eine Chronik schreiben möchte. Doch nur so konnte sich Caro ja dem Fall annähern.    

    Nebenbei versetzt das schöne Nordsee-Insel-Flair den Leser in Urlaubsstimmung, man sieht den Sandstrand und hört das Rauschen des Meeres und kann diesen Ausflug nur genießen.

    Das Buch hat großen Unterhaltungswert, es ist eine abwechslungsreiche Strandlektüre mit etwas Spannung, viel Humor und bunt gemixten Charakteren. Genau das Richtige für den Urlaub zu Hause. 

    ***Vielen Dank an den Lübbe Verlag und an Lesejury für dieses Leserundenexemplar!***


     

    Samstag, 28. September 2019

    Teufelskrone - Rebecca Gablé

    Ein packender Roman, der nicht das Level von "Das Lächeln der Fortuna" erreicht


    Rebecca Gablés historischer Roman "Teufelskrone" ist der 6. Band der Waringham Saga und gleichzeitig der Auftakt zur Reihe. Der Roman erscheint Ende August 2019 im Lübbe Verlag.

    England 1193: Yvain of Waringham tritt als junger Mann in den Dienst von John Plantagenet, beide stehen im Schatten ihrer ruhmreichen älteren Brüder. Yvains Bruder Guillaume of Waringham hat König Richard (Löwenherz) die Treue geschworen. Richard zieht gegen den französischen König in den Krieg, der englische Gebiete besetzt hat und als Richard stirbt, erbt John die Krone. Er ist ein Hitzkopf und bringt schliesslich den Adel gegen sich auf.    

     



    Rebecca Gablé knüpft mit diesem Roman die Vorgeschichte ihrer Waringham Reihe und selbst ohne Vorkenntnisse ihrer Bücher kann man der Handlung gut folgen. 

    Ihr hervorragender Schreibstil führt wie immer gekonnt durch die Kriege, Intrigen, Liebschaften und den historisch belegten Bruderkampf zwischen John Plantagenet und Richard, sodaß man den Figuren bis zum Ende gespannt folgen mag. Ihre Recherche ist wie immer gelungen, sie verbindet geschickt die historischen Hintergründe mit fiktiven Vorgängen und lässt ihre Figuren alle charakterlichen Facetten ausleben. Dabei erscheinen ihre Charaktere sehr lebendig, man kann ihre Beweggründe nachvollziehen und ihre Befangenheit aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für die Krone gut erkennen.

    Mir hat dieser packend geschriebene Roman gut gefallen, doch weil Frau Gablé die Meßlatte selbst so hoch angelegt hat, erscheint ihr mitreißender Roman nicht ganz so gewaltig und großartig wie "Das Lächeln der Fortuna". 
    Wie in historischen Romanen üblich, geht es um unerwiderte Liebe, bei Hofe werden ständig Intrigen und Ränke geschmiedet und die kriegerischen Auseinandersetzungen nehmen kein Ende. 

    Yvain of Waringham, ist ein Pferdenarr und hat Verständnis für die kleinen Leute. Leider liebt er dieselbe Frau wie sein Bruder Guillaume.

    Schliesslich findet er seinen Weg zwischen Richard Löwenherz und John Ohneland und wird trotzdem zum Spielball der Regierenden. König John arrangiert eine Ehe zwischen Yvain und Beatriz, eine Vertraute der Königin, die Yvain allmählich auch zu lieben lernt. Frauen haben in dieser Zeit einen schlechten Stand, sie können noch so hochgeboren oder intelligent sein, sie haben dennoch ihre Rolle als Gebärende und Dienende zu spielen. 

    Die Autorin beschreibt ihre Geschichte rund um die wahren historischen Fakten, wobei Richard Löwenherz nicht so edel daherkommt und John, der aus der Geschichtsschreibung als Egozentriker, Nichtbeachter der Kirche und jähzorniger und brutaler Mensch bekannt wurde, wird in diesem Roman seinem Ruf mehr als gerecht.


    Als Kritikpunkt muss ich leider die verwendete Sprache in den Dialogen anführen, hier fehlte mir entgegen der bisherigen Waringham Romane der typische Tonfall dieser Zeit.
    Insgesamt hat mir "Teufelskrone" gut gefallen, es war spannend, aufregend, kriegerisch, die Charaktere lieferten sich reichlich Ränkeschmiede und ein paar unnötige Liebesszenen sorgten für leichte Unterhaltung. Doch das gewisse I-Tüpfelchen hat mir zu 5 Sternen gefehlt.
    Außerdem blieb Yvain zu gut, zu perfekt in seinem Wesen und nicht einmal die Beziehung zu Amabel konnte seinem guten Ruf etwas anhaben. Das kam mir etwas zu heldenmäßig vor.

    Natürlich hat Rebecca Gablé mit "Das Lächeln der Fortuna" die Meßlatte selbst sehr hoch vorgelegt, dieses Niveau noch zu übertreffen dürfte selbst dieser Meisterautorin schwer fallen. 
     

    Für Freunde der historischen Romane ein Muss, welches spannend und historisch versiert die Grundlage für die Waringham-Reihe bildet. Packend geschrieben und ein mitreißender Roman, aber nicht so gewaltig und großartig wie "Das Lächeln der Fortuna".


    ***Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Lübbe Verlag!***