Wendungsreicher Thriller mit Sogwirkung
Der Thriller Aprikosenkind von Judith Merchant erscheint im Kiepenheuer & Witsch Verlag.
Auf dem Land in dem kleinen Ort Kirchbach im Westerwald lebt eine Familie ihren Traum mit Haus und großem Garten. Doch die Idylle trügt, mit ihrer Tochter Ruby stimmt etwas nicht, die Fünfjährige ist introvertiert und entwickelt sich nicht altersgemäß. Mutter Nathalie weiß das und sie merkt, dass Ruby keine sozialen Kontakte aufbaut, weshalb sie häufig Anrufe von der Erzieherin des Kindergartens bekommt, die sich um die Entwicklung von Ruby sorgt. Ruby malt gerne, doch nicht so wie andere Kinder, sie lebt in einer Farbenwelt ohne Objekte. Was kann die Ursache dafür sein?
Nathalie und Vater Gabriel kümmern sich liebevoll um ihre Tochter und gehen verständnisvoll auf sie ein. Sie sperren sich gegen den Stempel der Andersartigkeit ihrer Tochter durch die Erzieherin und haben keine Ambitionen, Hilfe von Medizinern oder Therapeuten anzunehmen. Sie akzeptieren ihre Tochter so wie sie ist und ihre Tochter soll sich auf dem Land so entfalten, wie es ihr gut tut. Doch plötzlich geschehen merkwürdige Dinge, Türen und Fenster stehen offen und nieman hat dafür eine Erklärung. Gabriel versucht Nathalie zu beruhigen, aber als Ruby ein Bild malt, auf dem eine Frau zu sehen ist, beginnt die Situation zu kippen.
Dieses Buch fängt sehr rätselhaft mit der verzögerten Entwicklung von Ruby an und lässt im Laufe der Handlung Zweifel an der Figur der Nathalie entstehen, die sich als Betrügerin bezeichnet und ihr Mann Gabriel behauptet später, dass seine Frau ihn nicht liebt, obwohl sie einen guten Umgang pflegen.
Gerade bei Gabriels Aussagen ploppten für mich Fragezeichen auf, die sich mit den Albträumen und der Verfolgungsangst von Nathalie immer mehr zu einer rätselhaften Situation verdichteten.
Was von den geschilderten Vorgängen stimmt und was geschieht hier wirklich?
Die Handlung hat mich schnell in ihren Bann gezogen und atemlos weiterlesen lassen. Die Seiten fliegen aufgrund der kurzen Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven nur so dahin. Dieser Psychothriller dreht sich um Kontrolle, Manipulation, Missbrauch und eine spezielle Mutterliebe.
Als schliesslich ein schockierendes Geheimnis gelüftet wird, steht die Familie nicht mehr so harmonisch da wie vorher. Es gibt Wahrheiten, die bisher verschwiegen wurden und die für Spannung und Nervenkitzel sorgen.
Judith Merchants "Aprikosenkind" ist lange nicht zu durchschauen, die Idylle der beschriebenen Familie bröckelt und die Figuren legen besondere Wesenszüge an den Tag, die mich erschüttert haben.
Ein fesselnder und verstörender Thriller, der viele Fragen aufwirft, menschliche Abgründe offenlegt und diese wendungsreich auflöst.
***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag für dieses Überraschungsbuch!***


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