Sonntag, 19. April 2026
Mirabellentage - Martina Bogdahn
Samstag, 11. April 2026
Spielverderberin - Marie Menke
Bleibt nicht in meiner Erinnerung haften!
Marie Menkes Debüt Spielverderberin erscheint bei Kiepenheuer & Witsch.
Marie
Menke beschreibt in wechselnden Zeitebenen das Aufwachsen und Erwachsenwerden der drei befreundeten jungen Frauen. Sie zeigt auch die Diskrepanz zwischen Dorfleben und der Annonymität der Großstadt mit verschiedenen Zukunftschancen auf und deutet ein düsteres Geheimnis an, dass die Frauen-Freundschaft in ihren Grundfesten erschüttert hat.
Als reiches Stadtkind erscheint Romy das Leben auf dem Land langweilig, während es für Sophie und Lotte gewohnter Alltag darstellt und sie gar nichts vermissen. Die Vor- und Nachteile zwischen Groß- und Kleinstadt werden im Buch indirekt angerissen und wir erfahren in der Gegenwart von Sophies Lehramtsstudium und der Liebesbeziehung zu Milan, die jedoch ziemlich im Hintergrund bleibt. Viel mehr steht die Dreierfreundschaft der Frauen im Fokus, die sich mal mehr, mal weniger eng verbunden fühlen. Sie haben unterschiedliche Ansprüche an ihre Zukunft und leben sich mit der Zeit auseinander. Als Romy verschwindet, besteht nur noch der Kontakt über Instagram, wo sie von ihren Reisen und Erlebnissen berichtet.
Was führte zu einem Bruch der Freundschaft und warum hat Lotte Schrauben auf der Stirm?
Samstag, 21. Februar 2026
Real Americans - Rachel Khong
Dieser Familien- und Gesellschaftsroman bietet Denkanstöße
Der Bestseller Roman Real Americans von Rachel Khong erscheint im Kiepenheuer & Witsch Verlag.
Lily Chen wurde als Tochter chinesischer Einwanderer in Amerika geboren und hat es an die Universität geschafft. Sie arbeitet als Praktikantin in einem Medienunternhemen und lernt auf einer Feier Matthew kennen, der ihr einen Fernseher schenkt und ihr einen luxusriösen Ausflug spendiert. Er ist der Erbe eines Pharmaimperiums, Lily kann sich mit diesem Reichtum nicht gut arrangieren. Aber Matthew ist ein charmanter und herzensguter Mensch und umsorgt Lily auf liebevolle Weise. So kommt es, dass sie sich verlieben, heiraten und ein Kind bekommen. 21 Jahre später lebt Lilys mit ihrem Sohn Nick auf einer abgelegenen Insel. Nick möchte mehr über seinen Vater wissen und als er nach ihm sucht, entdeckt er Geheimnisse, die alles verändern.
Rachel Khong erzählt von einer Liebe zwischen zwei Nationen und von einem Sohn, der seinen Vater nicht kennt und mehr über ihn erfahren möchte.
Real Americans ist in drei Teile aufgesplittet, die jeweils aus der Perspektive von Lily, ihrem Sohn Nick und ihrer Mutter Mei erzählen. Der Roman dreht sich darum, was die Nationalität eines Menschen bedeutet und mit ihm macht. Wie hängt unsere Freiheit und unser Leben von der Familie und den Genen ab und wie steht es um Rassismus und Ausgrenzung im modernen Amerika? Und dann spielt noch die Wissenschaftsethik eine entscheidende Rolle.
Jeder Teil lässt uns in die Geschichte der einzelnen Protagonisten eintauchen und mehr über ihr Leben in China und in den USA erfahren. Es ist Rachel Khong gut gelungen, die Teile eigenständig zu erzählen und das Ganze am Ende perfekt miteinander zu verknüpfen und das Geheimnis zu lüften. Bestimmte Entscheidungen Meis kann man erst dann verstehen, wenn man ihre erschütternde Geschichte erfährt.
Mei wächst im kommunistischen China Maos auf und erlebt mit, wie Regime-Kritiker verhaftet werden. Sie möchte Wissenschaftlerin sein, flieht vor derKulturrevolution und wandert nach Amerika aus. Dort wird ihre Tochter Lily geboren und schafft es an die Universität. Chinesisch spricht Lily nicht, ihr Sohn Nick ist Halbamerikaner und seine chinesischen Wurzeln sieht man ihm nicht an. Alle drei haben den Wunsch frei zu leben, sind aber den Umständen entsprechend eingeschränkt.
Rachel Khong erzählt vom Traum der Einwanderer, die alles dafür tun, um als Amerikaner zu gelten und dazu zu gehören. Ihre Charaktere lernen wir gut kennen und doch bleiben sie für mich auf eine bestimmte Weise unnahbar und distanziert. Die etwas nüchterne Erzählweise hat mir gut gefallen, insgesamt wird es aber streckenweise doch etwas langatmig und ich habe echte Emotionen vermisst. Am interessantesten erschien mir Meis Geschichte, während Nick am lebendigsten geschildert wurde.
Der Roman bietet viele Denkanstöße zu Fragen der Herkunft, der Identität und der Zugehörigkeit in einer modernen Gesellschaft. Aber noch mehr spielt die Frage nach den Grenzen der Wissenschaft für mich eine entscheidende Rolle. Wer sich mit den Fragen unserer Zeit auseinandersetzen möchte, ist mit dem Roman gut bedient.
Ein Familien- und Gesellschaftsroman über Herkunft, Identität und Wissenschaftsethik, der viele Denkanstöße liefert.
***Herzlichen Dank an Kiwi für das Bloggerpaket!***
Freitag, 5. September 2025
Das glückliche Leben - David Foenkinos
Bleibt mir nicht lange in Erinnerung
Im Kiwi Verlag erscheint David Foenkinos Roman Das glückliche Leben.
Eric ist sehr erfolgreich in seinem Beruf, er übt eine Stelle im Staatsdienst aus, muss viel reisen und alles in seinem Leben ordnet sich diesem Job unter. Er reist mit Amélie zu einem extrem wichtigen Termin nach
Südkorea und ist ausgebrannt, sehr gestresst und überlastet. Zur Entspannung macht er einen Spaziergang und entdeckt einen Laden, in dem als Selbsthilfe-Ritual ein Schein-Begräbnis angeboten wird. Er nimmt daran teil und macht er sich Gedanken über die Endlichkeit und den Sinn des Lebens und verändert sein Leben.
Dieses Buch ist mein erstes von David Foenkinos, ich habe den angenehmen Erzählstil gern gelesen, fand seine Lebenshilfe interessant, aber auch etwas ausufernd und konnte mich nicht mit der Idee der Fake-Beerdigung anfreunden.
In Südkorea scheinen solche Selbsthilfe-Rituale üblich zu sein. Sie sollen den Menschen dazu bewegen, sich mit seiner eigenen Endlichkeit zu beschäftigen. Das mag eine Form von Therapie sein, die manche Menschen zum Nachdenken über den Sinn des Lebens anregt und zu einer Änderung der Lebensweise bzw. zu einem Neustart bewegt, wie in diesem Fall auch bei Éric. Sein Handeln habe ich interessiert verfolgt, auch wenn mir so ein Ritual nicht zusagt, weil ich kein esoterischer Mensch bin.
Éric erfährt während des Rituals absolute Stille und Dunkelheit, die ihm bewusst machen, was ihm in seinem Leben wichtig ist und was ihm fehlt. Er reist zurück nach Paris, kündigt seinen Job, kümmert sich um seinen Sohn und nimmt wieder Kontakt zur Ex-Frau auf. Die Idee der Fake-Beerdigung greift er auf und eröffnet selbst ein Therapiezentrum, in dem Menschen geholfen wird, um Ängste zu überwinden und selbstständig ihr Leben gestalten zu können.
Zu Anfang verpasst Éric in Südkorea einen beruflichen Termin mit Amélie. Im letzten Abschnitt gibt es einen Rückblick und wir erfahren, was sich in Amélies Leben ereignet hat. Diese Nebenhandlung nimmt reichlich Raum ein, ist aber auch lesenswert.
Foenkinos Erzählstil ist eingängig und er geht ausführlich auf die Befindlichkeiten und Vorgänge seiner Figuren ein. Seine Charakterdarstellung erfolgt mit feiner Zeichnung, er lässt Arbeitseifer, Karrieredenken und Lebenszweifel sichtbar werden und zeigt, wie sich Éric vom gestressten Workaholic zu jemandem verändert, der nach dem persönlichen Glück sucht. Auch Amélie wagt ein Ritual-Angebot bei Éric und kommt zu dem Punkt eines Neuanfangs. Das Ende habe ich genossen, denn es ist schön zu sehen, wie zwischen beiden Gefühle entstehen und sich eine Beziehung anbahnt.
In diesem Buch geht es um Verlust, eigene Identität und den Sinn des Lebens, das macht nachdenklich. Ob die eigene Beerdigung als sinnstiftende Neuausrichtung des Lebens hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln.
Unser Leben haben wir selbst in der Hand, wir können Dinge ändern und dem Leben wieder eine neue Richtung geben. Ob man dafür eine Schein-Beerdigung braucht, ist jedem selbst überlassen.
Für mich ist dieser Roman keiner, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.
***Herzlichen Dank an Kiepenheuer & Witsch für dieses Rezensionsexemplar!***
Mittwoch, 21. Mai 2025
Die Garnett Girls - Georgina Moore
Alles andere als ein leichter Sommerroman!
Der Roman Die Garnett Girls ist das Debüt von Georgina Moore aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag.
Nachdem der Vater die Familie verlassen hat, leben die Garnetts Girls, das sind Mutter Margo und ihre drei Töchter Rachel, Imogen und Sasha in Sandcove auf der Isle of Wight. Inzwischen sind die Töchter erwachsen und führen recht unterschiedliche Leben mit ihren Partnern, doch ihr Zusammenhaltsgefühl zieht sie immer wieder zurück zur Familie.
Zu Beginn ging es darum, die unterschiedlichen Charaktere kennenzulernen und einordnen zu können. Erzählt wird wechselweise zwischen Margo und den drei Schwestern, dadurch kommt man ihren Gefühlen, Problemen und Gedanken näher.
Mutter Margo ist eine
dominante Frau, die Partys und junge Männer liebt, Probleme mit dem
Älterwerden hat und zwar ihre Töchter gern um sich hat, sich aber auch in ihr Leben einmischt. Nachdem ihre große
Liebe, ihr alkoholkranker Mann Richard sie verlassen hat, hat sie
wechselnde Männerbekanntschaften, aber keine feste Bindung.
Unter
der Trennung der Eltern leiden die Töchter leiden bis heute, doch es
durfte nie darüber gesprochen werden, Margo hat den Mädchen verboten,
über Richard zu sprechen, was traumatische Folgen gehabt hat. Außerdem
durften sie seitdem ihren Vater nicht mehr wiedersehen.
Die
älteste Tocher Rachel ist der Zusammenhalt der Frauen, sie hat sich um
ihre Schwestern, aber auch um ihre Mutter gekümmert, als diese wegen der
Trennung zu nichts fähig war. Imogen schreibt Theaterstücke, sie ist
verlobt mit einem guten Mann, kann sich aber nicht entscheiden ihn zu
heiraten. Die Jüngste ist Sasha, eine Rebellin, die in ihrer Ehe um ihre
Freiheit ringt. Alle drei Frauen haben wie ihre Mutter Probleme mit
Bindungen und sind auf ihre Weise unglücklich.
Die Frauen
wurden mir bis auf Rachel nicht sympathisch, obwohl ich mit ihnen
gelitten habe. Dafür habe ich Margos Schwester Alice als sehr umsichtig
und verständnisvoll empfunden, sie war für mich der stärkste Charakter
im ganzen Buch.
Sehr schön ist die beschriebene Kulisse der Isle of Wight, doch vor den ganzem Drama konnte sie mich leider nicht erreichen.
Von diesem Buch hatte ich mir eine abwechslungsreiche Familiengeschichte mit urlaubsmäßigen Sommergefühlen erhofft, geworden ist es leider ein problematisches Familiengefüge mit ernsten Themen. Dazu gehören eine zerbrochene Liebe, der Verlust einer Vaterfigur, mangelnde Kommunikation und Familiengeheimnisse, die die Frauen auf unterschiedliche Weise geprägt haben. Was mich sehr gewunder hat, ist der Umgang mit Alkohol. Als schlechtes Beispiel und Grund des Scheiterns ihrer Ehe, nennt Margo häufig Richards Alkoholsucht. Dabei fließt auch bei den Garnett Girls regelmäßig der Alkohol in Strömen und anscheinend wird das als völlig normal angesehen. Wer ein Alkoholproblem hat, sollte diesen Roman unbedingt meiden!!!
Die Einblicke in die verschiedenen Charaktere
lassen ständig neue Probleme aufkommen, die zwar tiefgründig sind, aber
eher oberflächlich erwähnt werden. Von Aufarbeitung oder
Auseinandersetzung mit den ernsthaften Problemen ist keine Spur. Den
wahren Trennungsgrund zwischen Margo und Richard erfährt man erst spät,
zu dem Zeitpunkt fand ich es nicht mehr entscheidend, weil Richard
inzwischen andere Probleme hat, die für die Töchter viel
bedeutungsvoller sind.
In der Ankündigung wurde mir ein süchtigmachendes Familiendrama versprochen, bekommen habe ich leider nur ein Suchtdrama innerhalb einer problembelasteten Familie!
Ein Debüt, das es auf die Sunday-Times-Bestsellerliste
geschafft hat, das allein hätte mich schon stutzig machen sollen. Denn
bisher konnte mich von dieser Liste kein Buch begeistern. Und leider ist
es auch mit diesem Buch so gekommen. Es ist wie eine Soap-Serie, problembeladen, trotzdem irgendwie trivial und wenig sympathische Figuren
Der Roman konnte mich leider nicht überzeugen, das lag
hauptsächlich an der an eine Soap erinnernde Handlung und die meisten Figuren kamen
mir einfach nicht nahe. Unter perfektem Sommerroman verstehe ich etwas
anderes!
Kein leichter Sommerroman, sondern die Beschreibung einer dysfunktionalen Familie! Konnte mich nicht abholen, zuviel Lärm, Drama und Alkohol!
***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

Montag, 24. März 2025
Flusslinien - Katharina Hagena
Ein tiefgründiger Roman über Wendungen des Lebens!
Katharina Hagenas Generationenroman Flusslinien erscheint bei Kiepenheuer & Witsch.
Margrit war früher Atemtherapeutin und Stimmbildnerin, sie ist 102 Jahre alt und lebt in einer Seniorenresidenz nahe der Elbe. Täglich bringt sie ihr Fahrer Arthur in den Römischen Garten, wo sie beim Anblick der Elbe ihre Gedanken in die Vergangenheit schweifen lässt. Sie hat viel erlebt und denkt an ihre Jugend zurück, an die Kriegsjahre und an die Beziehung ihrer Mutter Johanne zu einer anderen Frau. In dieser Zeit sucht Arthur mit einem Metalldetektor das Flussufer ab. Margrits Enkelin Luzie hat kurz vor dem Abi die Schule abgebrochen, sie möchte Tätowiererin werden. Alle drei Figuren haben ihre persönlichen Geheimnisse und Traumata, die ihnen zusetzen.
Durch die Erzählweise, die zwischen Margrits, Luzies und Arthurs Perspektive wechselt, tauchen wir in die unterschiedlichen Geschichten ein, die das Leben am Fluss geprägt haben. Nicht nur die Vergangenheit hatte dunkle Schatten, auch die Jugend erfährt schlimme und prägende Erlebnisse, die wie bei Luzie und Arthur schon traumatische Auswirkungen haben. Nach und nach taucht man in die verschiedenen Geheimnisse ein, so wird der Roman zu einer nebulösen Geschichte, aus der die Vorgänge allmählich sichtbar werden und aus dem Nebel aufsteigen.
Aufgrund der sich langsam öffnendem Sichtweise hat mir "Flusslinien" sehr gut gefallen, trotzdem führten mich einige Szenen zu weit über die eigentliche Handlung hinaus und ich hätte auf diese Längen verzichten können. Ich konnte auch nicht nachvollziehen, dass sich Margrit von Luzie eine Tätowierung in Form von Flusslinien stechen lässt und bis auf die Verbindung zur Elbe fand ich es etwas unglaubwürdig.
Die unterschiedlichen Perspektiven lassen tiefe Einsichten in die drei Schicksale zu und verleihen dem Roman eine tiefgründige Aussage, die zum Nachdenken anregt. Für mich war besonders die gegenseitige Beziehung der Protagonisten ein schöner Aspekt, der das Buch zu einer warmherzigen Geschichte gemacht hat.
Ein tiefgründiger Roman mit vielen Facetten, auf den man sich einlassen muss, damit er seine volle Wirkung entfalten kann!
Sonntag, 16. Februar 2025
Von hier aus weiter - Susann Pásztor
Nach 30 Jahren Ehe stirbt der vom Krebs gezeichnete Rolf durch einen Suizid, seine Witwe Marlene bleibt erschüttert zurück. Denn sie wollte gemeinsam mit Rolf aus dem Leben scheiden, nun bleibt sie mit ihrer Trauer und ihrer dunklen Stimmung allein zurück. Nach der Trauerfeier zieht sie sich zurück, Beruhigungsmittel helfen ihr den Alltag zu überstehen und ihren Gedanken zu entfliehen. In dieser Situation kommt Klempner Jack, um eine defekte Dusche zu reparieren. Und auch Dorfärztin Ida und Freundin Wally lassen nicht locker und versuchen, Marlene aus ihrer Lethargie zu reißen. Wird es ihnen gelingen und hat Marlene wieder Freude am Leben?
Dieser Roman hat mich von Anfang an dermaßen gepackt, dass ich ihn innerhalb eines Tages durchgelesen habe. Die Geschichte startet außergewöhnlich mit dem Kapitel "Limbo", wohinter sich die eigenwillige Auslegung einer Trauerfeier verbirgt, die humoristische Momente aufweist. In diesem Abschnitt wird schnell deutlich, dass Marlene nicht mehr leben will, nachdem ihr Mann Rolf ohne sie aus dem Leben geschieden ist. Sie schleppt sich mit Medikamenten durch ihren tristen Alltag und kann die Trauer einfach nicht verarbeiten. Dann geschieht das Unglaubliche! Wegen eines Defekts ihrer Dusche erscheint der gerufenen Klempner Jack, der den Fehler repariert und Marlene bittet, bei ihr Duschen und übernachten zu dürfen. Jack lebt in seinem Auto, nachdem private Gründe ihn obdachlos gemacht haben. Marlene willigt ein und Jack bedankt sich, indem er für Marlene kocht.
Es folgen Besuche der Stiefsöhne mit ihren Familien und man bekommt immer mehr Einblicke in Marlenes und Rolfs bisheriges Leben. Manche Szenen wirken nicht wie aus einem Guß, etwas aneinandergereiht und doch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, es siegte meine Neugier auf den Fortgang der Geschichte.
Der Erzählstil ist etwas poetisch, sehr bildhaft, erzählerisch rund und lässt sich wunderbar lesen. Sehr schön sind auch die atmosphärischen Naturschilderungen, die so sehr im Kontrast stehen zu Marlenes Wut und Lebenskrise. Das Thema Trauer bildet Susann Pásztor mit allen Stimmungen ab, die dazu gehören. Sie stellt Marlenes Einsamkeit in den Vordergrund und zeigt sie abweisend und distanziert. Wie kann man Hoffnung schöpfen und weiter machen, wenn die Trauer einem alle Sinne vernebeln?
Doch die Geschichte ist keine tragische, die nur mahnend die Trauer aufzeigt. Susann Pásztor baut neben all dem Schmerz und dem Verlust mit einem Augenzwinkern Momente des Lebens ein, die von Situationskomik erfüllt sind. Das Leben endet nicht wenn jemand stirbt, auch wenn Marlene vor ihrer Trauer mit Alkohol und Valium zu flüchten versucht. Man muss sich an neue Situationen anpassen und weiter leben, so wie es sich Rolf anscheinend auch für Marlene gewünscht hatte.
Die Charaktere werden mit vielen Facetten ausgestattet, die erkennbar dargestellt werden. An manchen Stellen konnte ich Marlenes übersinnliche Erscheinungen nicht nachvollziehen, den Grund dafür ahne ich in den Beruhigungsmitteln.
Der Roman endet mit einer veränderten Lebenseinstellung Marlenes, das macht Hoffnung und zeigt, dass Trauerbewältigung immer seine Zeit braucht, sowie Menschen, die einem hilfreich zur Seite stehen.
Obwohl mir manche Vorgänge ein wenig aneinander gereiht vorkamen, konnte mich das Buch bis zum Ende fesseln und in eine Lebenslage hinein versetzen, die das Leben auf den Kopf stellt. Es hat mich einfach gefesselt wie feinfühlig und mit einer Prise Humor hier ein schweres Thema dargestellt wird.
***Herzlichen Dank an den KiWi Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
Dienstag, 4. Februar 2025
Bretonischer Ruhm - Jean-Luc Bannalec
Honeymoon mit Wein, Weib und Mordermittlung!
Mittwoch, 22. Januar 2025
Kleine Probleme - Nele Pollatschek
***Herzlichen Dank an den Ki Wi Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
Montag, 5. August 2024
Pi mal Daumen - Alina Bronsky
Menschliche Symbiose
Mein Eindruck vom privilegierten Oscar hat sich im Laufe der Geschichte mit seiner persönlichen Entwicklung gewandelt. Anfangs ist er der typische Hochbegabte, der Mathe-Nerd, dessen Intellekt ihn anderen überlegen macht und der nur bestrebt ist, eine berühmte Mathekoryphähe kennen zu lernen. Zum Teil lassen sich bei ihm autistische Züge erkennen, denn im Umgang mit anderen Menschen geht er auf Distanz. Doch die auffällige, beliebte, lebensnahe und arbeitssame Moni zeigt ihm, wie das wahre Leben läuft. Sie lebt ihm andere Ebene vor und zeigt, dass auch Frauen im gehobenen Alter Fähigkeiten und Träume haben, für die sie bereit sind, alles zu geben. Im wahren Leben ist Moni diejenige, die ihm haushoch überlegen ist.
Da sich Oscars Leben ja an der Uni abspielt, beeinhaltet der Roman auch mathematische Themen und so wird mit Formeln jongliert und Gedankengänge über vierdimensionale Politope erörtert oder über die Taylor-Formel diskutiert. Das habe ich persönlich inhaltlich eher ausgeblendet, Mathefreaks können sich hier aber sicher gedanklich inspirieren lassen. Mich haben diese Themen aber nicht von der Botschaft des Romans abgelent, der darauf abzielt, zu zeigen, wie sich Menschen auch trotz großer Unterschiede näher kommen, sich unterstützen und gegenseitig akzeptieren und schliesslich zu einem Wir-Gefühl kommen.
***Dieses Buch habe ich mir über Prämienpunkte bei Vorablesen ertauscht! Herzlichen Dank dafür!***
- Bronsky, Alina - Baba Dunjas letzte Liebe
- Bronsky, Alina - Der Zopf meiner Großmutter
- Bronsky, Alina - Barbara stirbt nicht
Freitag, 16. Februar 2024
Mühlensommer - Martina Bogdahn
Als Maria auf dem Bauernhof eintrifft, hat sie sofort alte Erinnerungen an ihre Kindheit im Kopf. Ihr kommen die schönen Erlebnisse an unbeschwerte Tage in den Sinn, doch auch die negativen Seiten, die die Tierhaltung, die ständige Bereitschaft für die Tiere und die harte Arbeir mit sich bringen.
Marias Kindheit auf dem Mühlenhof war kein Urlaub auf dem Bauernhof mit angenehmen Dingen wie Tiere streicheln oder im Heu toben. Sie wurde genau wie ihr Bruder Thomas zum Arbeiten im Schweinestall oder bei der Hopfenernte eingebunden. Inzwischen sind Jahre vergangen und Maria arbeitet erfolgreich in ihrer Werbeagentur, die Rückkehr auf dem Mühlenhof setzt alte Erinnerungen frei, die nicht immer schön sind.
Diese lebendige und feinfühlige Erzählung versetzt mich in die Zeit meiner Jugend, als es ganz selten Hitzefrei gab und die Bauernhofkinder im Sommer nicht in den Urlaub fuhren, sondern bei der Ernte als Hilfskräfte eingesetzt wurden. In diesem Buch kommen auch die beschwerlichen und arbeitsintensiven Seiten des Landlebens offen und unverblümt zur Sprache. Und hier gibt es auch die kleinen Freiheiten, den gelebten Familienzusammenhalt und ein Leben in der Natur, die hier für positive Stimmungen sorgen.
***Herzlichen Dank für diese Buchprämie an den KiWi Verlag und an Vorablesen!***
Freitag, 29. April 2022
Verheizte Herzen - Sarah Crossan
Montag, 11. April 2022
Sommerschwestern - Monika Peetz
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Yella, die zweitälteste Schwester. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei kleinen Söhnen. Aus Yellas Sicht nehmen wir am Familientreffen teil und sehen welche Entwicklungen sich dort ergeben und erfahren in Rückblenden von Kindheits-Erlebnissen im Sommerurlaub, von den Erinnerungen an den Vater und von den Konflikten, die zwischen Mutter und Töchtern damals wie heute bestehen. Die Familie hat sich auseinander gelebt und die Schwestern stehen sich nicht mehr sehr nahe. Doch dieses Treffen bietet die Möglichkeit, zu reden und sich wieder anzunähern.
Besonders Yella erfahrt bei dieser Reise eine Rückbesinnung auf alte Zeiten und lernt, damit umzugehen und daraus eigene Erkenntnisse für ihr Leben zu gewinnen.
Durch den mitreißenden, flüssigen und sehr eingängigen Schreibstil liest sich das Buch wie von selbst. Man wird schnell warm mit der Familie und erlebt in bildhaften Beschreibungen die Orte, Naturschilderungen und Stimmungen einfühlsam mit und taucht als heimliche Beobachterin in die Handlung ein. Es war, als wäre ich selbst mit in dieser Gegend unterwegs gewesen und konnte die Kindheitsgefühle wunderbar mitleben. Das eingebaute Niederländisch sorgt für die nötige Stimmung, obwohl ich nicht alles verstanden habe.
Die sich langsam herauskristallisierenden Familiengeheimnisse sorgen für kleine Spannungsmomente, mehr interessiert haben mich aber die Konflikte innerhalb der Familienmitglieder und wie sie lernen, miteinander umzugehen. Die Charaktere fand ich gut herausgearbeitet, wobei Mutter Henriette mich mit ihrer kritischen Art nicht überzeugen konnte. Ständig erteilt sie Yella, die ihr im Verhalten recht ähnlich ist, Ratschläge, lässt aber ihr eigenes Handeln nicht hinterfragen. Der Roman lässt Lebensträume aufblitzen, zeigt aber auch die realen Probleme, sowie die schönen Momente innerhalb einer Familie.
***Herzlichen Dank an den KiWi Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***
Sonntag, 6. März 2022
Gezeitenmord - Dennis Jürgensen
Ein guter Auftakt mit reichlich Luft nach oben
Im Kiwi Verlag erscheint der Krimi "Gezeitenmord" von Dennis Jürgensen.
Der Lehrer Lasse und sein Schüler Villads sind bei einer Wattwanderung in eine Nebelbank geraten und irren herum, dabei finden sie einen Toten. Lykke Teit übernimmt erstmalig die Ermittlungen in diesem Mordfall im Deutsch-Dänischen Grenzgebiet. Sie kannte den Toten, um aber den Fall nicht entzogen zu bekommen, verschweigt sie das. Von deutscher Seite bekommt sie Unterstützung von Rudi Lehmann von der Flensburger Mordkommission und sie konzentrieren ihre Ermittlungen auf die Bewohner des kleinen Dorfes Melum. Es gilt aber nicht nur den Mord aufzuklären, denn Lasse wurde niedergeschlagen und Villads ist seitdem wie vom Erdboden verschwunden. Und es gab schon einmal ein vermisstes Kind im Dorf Melum.
Bei diesem Krimi habe ich mich auf ein neues Ermittlerteam gefreut und wurde nicht enttäuscht. Lykke und Rudi waren mir schnell sympathisch, auch wenn sie grundverschieden sind, kommen sie gut miteinander aus und ergänzen sich perfekt. Beide tragen dunkle Erlebnisse aus der Vergangenheit mit sich, die jedoch nur informationshalber in die Handlung einfließen. Bei der Zusammenarbeit mit der recht unfähigen Provinzpolizei wird es durch ihre übergeordnete Befugnis schwierig, denn die ortsansässigen Beamten fühlen sich der Aufgabe durchaus gewachsen. Die Einbindung solcher Klischees sorgt immer für einen besonderen Unterhaltungskick, den ich in Krimis gerne miterlebe.
Das erste Kapitel (Ist das dann ein Prolog?) wirkte auf mich sehr nebulös, etwas unheimlich und im Ganzen ziemlich fragwürdig. Mit den beschriebenen Vorgängen konnte ich erst viel später etwas anfangen.
Dennis Jürgensen hat einen sehr flüssigen Schreibstil und führt mit recht bildhaften Beschreibungen angenehm durch die Handlung. Man erhält die nötigen Informationen über den Fall und die Personen und wird nicht mit unnötigen Nebensächlichkeiten zugetextet.
Der Tote steht in Verbindung mit verschwundenen Kindern und durch die Nachforschungen durchdenken Lykke und Rudi ständig den Wendungen angepasste neue Theorien, die man gespannt verfolgt. Doch gerade mit diesen häufig durchdachten und dann wieder verworfenen Theorien habe ich mich schwer getan. Das wirkt auf Dauer nicht mehr spannend, weil man kaum noch eigene Ideen zu den Tatvorgängen entwickeln kann und dann das Interesse irgendwann nachlässt.
Ein guter Auftakt einer Krimireihe mit sympathischen Ermittlern und einem interessanten Fall im Deutsch-Dänischen Grenzgebiet. Auf die nächsten Fälle bin ich schon gespannt.
***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***


























