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Samstag, 21. Februar 2026

Real Americans - Rachel Khong

Dieser Familien- und Gesellschaftsroman bietet Denkanstöße

Der Bestseller Roman Real Americans von Rachel Khong erscheint im Kiepenheuer & Witsch Verlag. 

Lily Chen wurde als Tochter chinesischer Einwanderer in Amerika geboren und hat es an die Universität geschafft. Sie arbeitet als Praktikantin in einem Medienunternhemen und lernt auf einer Feier Matthew kennen, der ihr einen Fernseher schenkt und ihr einen  luxusriösen Ausflug spendiert. Er ist der Erbe eines Pharmaimperiums, Lily kann sich mit diesem Reichtum nicht gut arrangieren. Aber Matthew ist ein charmanter und herzensguter Mensch und umsorgt Lily auf liebevolle Weise. So kommt es, dass sie sich verlieben, heiraten und ein Kind bekommen. 21 Jahre später lebt Lilys mit ihrem Sohn Nick auf einer abgelegenen Insel. Nick möchte mehr über seinen Vater wissen und als er nach ihm sucht, entdeckt er Geheimnisse, die alles verändern.



 

Rachel Khong erzählt von einer Liebe zwischen zwei Nationen und von einem Sohn, der seinen Vater nicht kennt und mehr über ihn erfahren möchte. 

Real Americans ist in drei Teile aufgesplittet, die jeweils aus der Perspektive von Lily, ihrem Sohn Nick und ihrer Mutter Mei erzählen. Der Roman dreht sich darum, was die Nationalität eines Menschen bedeutet und mit ihm macht. Wie hängt unsere Freiheit und unser Leben von der Familie und den Genen ab und wie steht es um Rassismus und Ausgrenzung im modernen Amerika? Und dann spielt noch die Wissenschaftsethik eine entscheidende Rolle. 

Jeder Teil lässt uns in die Geschichte der einzelnen Protagonisten eintauchen und mehr über ihr Leben in China und in den USA erfahren. Es ist Rachel Khong gut gelungen, die Teile eigenständig zu erzählen und das Ganze am Ende perfekt miteinander zu verknüpfen und das Geheimnis zu lüften. Bestimmte Entscheidungen Meis kann man erst dann verstehen, wenn man ihre erschütternde Geschichte erfährt. 

Mei wächst im kommunistischen China Maos auf und erlebt mit, wie Regime-Kritiker verhaftet werden. Sie möchte Wissenschaftlerin sein, flieht vor derKulturrevolution und wandert nach Amerika aus. Dort wird ihre Tochter Lily geboren und schafft es an die Universität. Chinesisch spricht Lily nicht, ihr Sohn Nick ist Halbamerikaner und seine chinesischen Wurzeln sieht man ihm nicht an. Alle drei haben den Wunsch frei zu leben, sind aber den Umständen entsprechend eingeschränkt. 

Rachel Khong erzählt vom Traum der Einwanderer, die alles dafür tun, um als Amerikaner zu gelten und dazu zu gehören. Ihre Charaktere lernen wir gut kennen und doch bleiben sie für mich auf eine bestimmte Weise unnahbar und distanziert. Die etwas nüchterne Erzählweise hat mir gut gefallen, insgesamt wird es aber streckenweise doch etwas langatmig und ich habe echte Emotionen vermisst. Am interessantesten erschien mir Meis Geschichte, während Nick am lebendigsten geschildert wurde.   

Der Roman bietet viele Denkanstöße zu Fragen der Herkunft, der Identität und der Zugehörigkeit in einer modernen Gesellschaft. Aber noch mehr spielt die Frage nach den Grenzen der Wissenschaft für mich eine entscheidende Rolle. Wer sich mit den Fragen unserer Zeit auseinandersetzen möchte, ist mit dem Roman gut bedient. 

Ein Familien- und Gesellschaftsroman über Herkunft, Identität und Wissenschaftsethik, der viele Denkanstöße liefert.  

***Herzlichen Dank an Kiwi für das Bloggerpaket!***

 


 

 

Freitag, 2. Mai 2025

Das Licht in den Wellen - Janne Mommsen

Eine Friesin erobert New York!

 
Janne Mommsens Roman Das Licht in den Wellen erscheint bei Rowohlt Polaris. 
 
Inge Martensen haut kurz vor ihrem 100. Geburtstag ab und reist mit Urenkelin Swantje per Schiff nach New York. In ihrem langen Leben hat sie viel erlebt, die Auswanderung nach Amerika gehört zu ihren aufregendsten Erlebnissen, aber es liegt ihr noch etwas auf der Seele, dass sie vor ihrem Tod noch erledigen möchte. 
 
 
 
 
In diesem Buch zeigt Janne Mommsen mal eine andere Seite seines Schreibens und widmet sich Inge, die ziemlich überstürzt von Föhr nach Amerika auswandert und in Manhatten landet. Dort muss sie ohne Sprachkenntnisse um ihr Überleben kämpfen, doch sie ist harte Arbeit gewohnt und hat auf der Überfahrt von Karolina ein paar Brocken Englisch gelernt. In einerm Feinkostgeschäft findet sie eine Anstellung und ihr "magic potato salad" kommt gut an, sie lernt neue Freunde kennen und die große Liebe, wird aber auch von Schicksalsschlägen nicht verschont. Und später kehrt sie zurück auf ihre Heimatinsel Föhr.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, wir erfahren was Inge in Manhatten alles erlebt, dazu gehören auch die Freundschaft zum italienischen Gemüsehändler Giovanni und das Kennenlernen des Bankers David Leary, der eine ganz besondere Rolle spielt. 
Doch neben dem Leben in der pulsierenden Metropole New Yorks beschreibt Janne Mommsen aus Inges Leben auf Föhr. Auf der Überfahrt nach New York schüttet Inge ihrer Ur-Enkelin Swantje ihr Herz aus und lässt sie an den Höhen und Tiefen ihres Lebens teilhaben. Als Leserin taucht man hautnah in dieseSchilderungen ein, erfährt den Grund für die Auswanderung und warum Inge später wieder nach Föhr zurück kehrt. Ihr Leben in Amerika hat sie sich hart erarbeitet, sie hat mit ihrem Mann das Restaurant eines Segelclubs in der Nähe von New York übernommen und dadurch Kontakt zur High-Society New Yorks bekommen. Diese Treffen sorgen für interessante Begegnungen, die Ausflüge in die Umgebung und die kulinarischen Einblicke lockern den Roman wunderbar auf. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Lebens-Erfahrungen und Emotionen, die Inge damals wie heute umtreiben. Doch nicht jede erfolgreiche Auswanderung ist auch eine glückliche und so ist es spannend, dass sich Inge eines Tages auf den Weg zurück in die Heimat macht.
 
Inges Lebensmotto ist "sink or swim" und so schafft sie es aus der Armut Föhrs sich als starke Frau in Amerika eine neue Lebensgrundlage aufzubauen. Dabei hilft auch die Föhrer Gemeinschaft, die sich in Amerika als feste Truppe gemeinsam unterstützt und sich die Inselsprache Fering erhält. In die Dialoge werden Sätze in Fering eingebunden, was den authentischen Charakter der Figuren untermauert. Für mich waren die Informationen über die Föhrer Community sehr interessant, weil ich darüber noch nicht viel gehört habe. 
Swantje nimmt die Rolle einer Nebenfigur ein, die von Inge in eine berufliche Schiene gedrängt wird. 
 

"Das Licht in den Wellen" ist eine unterhaltsame und authentisch wirkende Auswanderer- und ganz besondere Lebensgeschichte, die ich gerne und sehr interessiert gelesen habe.
 

***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 

 
  • Mommsen, Janne - Die kleine Inselbuchhandlung
  • Mommsen, Janne - Die Bücherinsel  
  • Mommsen, Janne - Friesensommer
  • Mommsen, Janne - Mein wunderbarer Küstenchor 
  • Mommsen, Janne - Oma dreht auf 3  
  • Mommsen. Janne - Ein Fest im kleinen Friesencafé
  • Mommsen, Janne - Das Licht in den Wellen 
  • Mommsen, Janne - Das Salz in der Luft 
  • Dienstag, 1. Oktober 2024

    Die Frauen jenseits des Flusses - Kristin Hannah

    Fehlende Anerkennung von Frauen im Kriegsdienst

    Bei Rütten & Loening erscheint der historische Roman "Die Frauen jenseits des Flusses" von Kristin Hannah.
     
    In den sechziger Jahren macht Frances McGrath in Kalifornien eine Ausbildung zur Krankenschwester. Dort will sie arbeiten, bis sie einen Ehemann gefunden hat. Ihr Bruder, dem sie eng verbunden ist, zieht als Soldat nach Vietnam, dafür findet er Anerkennung bei seinen Eltern. Daraufhin beschliesst Frances, ebenfalls in Vietnam als Sanitäterin zu dienen. Ihr Bruder kehrt aus dem Krieg nicht wieder und Frances erlebt die Schattenseiten des Krieges. Nach zwei Jahren Arbeit mit Verletzten und Sterbenden kehrt Frances nach Amerika zurück. Die Erinnerungen haben sie traumatisiert und sie kann die Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit in ihrer Heimat kaum aushalten. Außerdem vermisst sie die Anerkennung für den Kriegs-Einsatz bei ihren Eltern und generell bei den Amerikanern für alle Zurückgekehrten. Ihr schlägt Ablehnung entgegen und sie wird als Baby-Killer betitelt. Und als Frances große Liebe gefallen ist, bricht für sie eine Welt zusammen aus der es kein Entrinnen zu geben scheint.
     
     


    Bestsellerautorin Kristin Hannah beschreibt in ihrem Roman die Erlebnisse der jungen Frances, sie sich freiwillig zum Dienst im Vietnam-Krieg gemeldet hat. Frauen in diesem Krieg werden im Romanbereich selten thematisiert, und genau diese Frauen haben in der amerikanischen Geschichte auch keine anerkennende Erwähnung gefunden. Das war Kristin Hannahs Anliegen mit diesem Roman. Insoweit hat mich Frances Geschichte, die Hannah uns in perfekter Erzählweise auf bewegende Weise näher bringt, auch beeindruckt und die schrecklichen Kriegserlebnisse anschaulich näher gebracht. In diesem Krieg gab es viele Tote und die Überlebenden trugen ihre Traumatisierung lebenslang mit sich. In Amerika gab es auch Protest gegen den Vietnamkrieg und die Veteranen mussten lange um eine Anerkennung kämpfen. Erst Jahre nach dem Krieg wurde ein Mahnmal zur Ehrung der Gefallenen, doch Frauen wurden in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, dabei waren auch sie Teil dieser Soldaten. Die Anerkennung von Frauen im Kriegsdienst wurde von amerikanischer Seite lange Zeit vernachlässigt, dieses Buch macht das sehr deutlich.   
    Neben den historischen Ereignissen nimmt auch die Liebesgeschichte von Frances einen Raum im Buch ein, die mit Problemen, Enttäuschung und Verlust einhergeht. Es hat mich sehr berührt, wie Frances im Leben ihren Platz sucht, durch ihre Erlebnisse im Krieg und durch private Verluste strauchelt und es schwer hat, wieder ihren Weg zu finden. Leider ist sie keine Protagonistin, die mir sympathisch wurde und ihre Suche nach Anerkennung war in allen Lebensbereichen präsent und wurde damit überstrapaziert.

    Der Roman hat mich mit der literarischen Umsetzung und der Beschreibung von dramatischen Kriegsszenen, sowie mit Frances Entwicklung und ihrer psychischen Belastung und dem Kampf um Anerkennung und Suche nach Glück überzeugen können. Doch es gibt einige Dinge, die mich wirklich gestört haben. So werden unnötige Klischees eingebaut, die Liebe wird dramatisch überstrapaziert und nimmt einen zu großen Teil im Roman ein. Das sorgt meiner Meinung nach für Längen in der Geschichte, die die Handlung unnötig strecken. Auch die kritische Sicht auf den Krieg hätte man noch mehr in den Vordergrund stellen können. 
     
    Dieser Roman ist für alle Leserinnen interessant, die sich dem Thema Vietnamkrieg aus Frauensicht annähern wollen. 

     
     ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


     
     
     

    Montag, 24. Juni 2024

    Savannah - Malou Wilke

    Preußische Auswanderer erobern Georgia!

     
    Bei DTV erscheint der historische Roman "Savannah – Aufbruch in eine neue Welt" von Malou Wilke
     
    Nellie Bernstein ist die Älteste von sechs Geschwistern, sie wird ungewollt schwanger und ihr jähzorniger Vater verstösst sie. Ihre einzige Chance sieht sie in der Fremde und gelangt auf einem Auswandererschiff 1733 in die neue Welt, wo der englische Abenteurer James Oglethorpe im sumpfigen Marschland die Stadt Savannah und die Kolonie Georgia gründet.Vor den Siedlern liegen viele Probleme und Schwierigkeiten und die Wildnis birgt einige Gefahren, die sie überstehen müssen. Auch Nellie hat zu kämpfen, dochmit dem Anwalt Samuel findet sie einen Mann, der für sie da ist. Gemeinsam bauen sie sich ein neues Leben auf. 



     
    In diesem Roman erlebt man die entbehrungsreiche Schiffspassage nach Amerika und taucht an Nellies Seite in das Leben im wilden Marschland ein, das immer wieder mit Gefahren aufwartet. Wilde Tiere, Krankheiten, Armut und der Kampf ums Überleben machen den Siedlern das Leben schwer. 
    Nellie hat für sich und ihr ungeborenes Kind zu sorgen und ist dankbar als sie Sam kennenlernt und sie gemeinsam ihr Leben in Savannah bestreiten. Sie errichten eine Seidenmanufaktur und stellen kostbare Stoffe her, die sie in Europa verkaufen.

    Malou Wilke beschreibt auf realistische Weise die Herausforderungen der Auswanderer, denen sich Nellie mit ihrem Neuanfang in Savannah gegenüber sieht. Sie kümmert sich um verwaiste Siedlerkinder und erlebt an der Seite von Sam eine liebevolle und führsorgliche Beziehung. Die einzelnen Schicksale der vielen Kinder und weiteren Personen werden in die Handlung eingebunden, es gibt berührende und zu Herzen gehende Szenen, die die Nöte in der neuen Welt sichtbar machen und auch die menschlichen Tragödien der Sklaven aufzeigen. Auch wenn viele dieser Einzelschicksale nur kurz angerissen werden, zieht das die Handlung in die Länge und verhindert damit die Spannung der Geschichte.

    Die Charaktere werden erkennbar dargestellt, viele ertragen schwere Schicksalsschläge, bleiben aber dennoch merkwürdig blass und distanziert und kamen mir nicht fühlbar nah. Der Erzählstil ist flüssig und bildhaft beschreibend, mit den vielen detaillierten Abbildungen der Landschaft und den Schwierigkeiten vor Ort erlebt man den Kampf ums Überleben der damaligen Siedler gut mit. Bei mir sprang aber der Funke des spannenden Interesses aber leider nicht über, die Handlung schleppte sich mit dem Aufbau der Siedlung von Szene zu Szene und hätte durchaus emotionaler gestaltet werden können. 
    Nellie und ihre Mitmenschen ertragen schwere Schicksalsschläge, ihnen machen Krankheiten, Schlangenbisse und auch Streitigkeiten das Leben schwer. Aber Nellie verschafft sich mit ihrer zupackenden Art Respekt und sorgt für Schulbildung in ihrem verfügbaren Rahmen. Ihre Liebe zu Sam war für mich lange Zeit nicht fassbar, er ist ihre Stütze, aber große Leidenschaft oder tiefe Liebe wird leider nicht spürbar.
     
    Dieser Roman nimmt uns mit auf eine Reise in die neue Welt und erzählt von den Schwierigkeiten der Überfahrt und dem Start im Marschland mit all seinen Tücken und Gefahren. 
     
    Auch wenn mich die Schicksale berührt und mich die Landschaftsbeschreibungen wunderschön und bildhaft unterhalten haben, ist leider bei mir der emotionale und fesselnde Funke nicht übergesprungen.   
     
    ***Herzlichen Dank an DTV für dieses Rezensionsexemplar!*** 



    Freitag, 14. Februar 2020

    Ein wenig Glaube - Nickolas Butler

    Wenn Glaube blind macht, wird es gefährlich.  


    Leise und sehr ausdrucksstark erzählte Geschichte um Glaubensdogmen

    Der Roman "Ein wenig Glaube" von Nickolas Butler erscheint im Klett-Cotta Verlag.

    Lyle und Peg Hovde leben auf dem Land in Wisconsin. Sie verloren ihren Sohn im ersten Lebensjahr und Lyle damit auch seinen Glauben an Gott. Mit der Adoption ihrer Tochter Shiloh wurden sie wieder Eltern, doch sie lebten sich auseinander. Shiloh wird Mutter und als der Kindsvater sie verlässt, kehrt sie mit ihrem Sohn Isaac zu ihren Eltern zurück und findet Trost in einer radikalen Glaubensgemeinschaft. Diese zieht sie immer mehr in ihren Bann, sie beginnt ein Verhältnis mit dem Pastor und auch Isaac wird in das Leben der Sekte immer mehr hineingezogen, denn ihm werden heilerische Kräfte zugesprochen. Dieses Gebahren bringt Lyle dazu, eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen.


    Der neue Roman von Nickolas Butler ist einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 2008 nachempfunden. Das Buch dreht sich um Glaube und Fanatismus und die Schwierigkeit, sich gegen Sekten und ihre Dogmen zu wehren und dabei die involvierten Menschen nicht zu verlieren. 

    Die Geschichte beginnt sehr beschaulich auf dem Land in Wisconsin und man erlebt das glückliche Großelternpaar Lyle und Peg mit ihrem fünfjährigen Enkelsohn Isaac. Sie lieben den Jungen sehr, er bringt eine fröhliche Stimmung in die Familie, die alle sehr genießen. Dieses Glück wurde schon einmal getrübt, als Adoptivtochter Shiloh sich im Teenageralter von ihren Eltern abwandte. Was sich aber mit dem Anschluss Shilohs zu einer Sekte nun zu wiederholen scheint.

    In "Ein wenig Glaube"erkennt man auf beeindruckende Weise die liebevollen und ängstlichen Gefühle und den Zwiespalt der Großeltern. Sie merken, wie sehr ihr Enkel Isaac in der Glaubensgemeinschaft als heilerisches Instrument vereinnahmt wird und wollen ihn schützen.
    Genauso eindringlich beschreibt Butler aber auch die Gefühle von Shiloh, die sich in der Sekte angekommen und mit der Bindung an den Pastor Steven immer enger verbunden fühlt. Steven ist ein Menschenfänger und nutzt sein Charisma, um Menschen an die Sekte zu binden. Shiloh scheint nicht zu erkennen, in welcher drohenden Gefahr sie und ihr Sohn sich befinden und rennt kopflos in ihr Unheil. Je mehr sich Lyle und Peg Shiloh zuwenden, umso mehr kehrt sie sich von ihnen ab. Die Dogmen der Glaubensgemeinschaft beginnen mit blindem Gehorsam zu wirken.

    Nickolas Butler erzählt ruhig und beschaulich, aber trotzdem sehr einfühlsam und mit ausdrucksstarken Worten, was sich in einem Jahr in dieser Familie abspielt. Man kann sich voll und ganz auf die Personen einlassen und sieht nebenbei die wunderschön beschriebene ländliche Idylle in bunten Bildern vorbeiziehen. Manche Szenen wie mit dem Apfellaster und den Problemen des Eisregens und dem Rettungsversuch Lyles sind mir allerdings zu ausführlich geraten.

    Es ist ein Roman, der mich an dieser Familie, ihrer Liebe und ihren Problemen und Konflikten teilhaben lässt. Die Liebe zu ihrem Enkelsohn und ihrer Tochter bringen Peg und Lyle an ihre Grenzen und sie versuchen behutsam zu handeln. Es ist ein Roman, der aufrüttelt, weil viele Menschen ihren Glauben nutzen, um andere in blindem Gehorsam folgen zu lassen.


    Eine ergreifende Geschichte, die nachdenklich macht und die man so schnell nicht vergessen wird.  Wenn Glaube blind macht, wird es gefährlich. 


     ***Herzlichen Dank an den Klett Cotta Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



     

    Dienstag, 16. Juli 2019

    Der Gesang der Flusskrebse - Delia Owens

    Ein unglaublich fesselndes Romandebüt, emotional und mit atemberaubenden Naturschilderungen 


    Delia Owens ist Zoologin und schrieb ihren ersten Roman mit dem Titel "Der Gesang der Flusskrebse". Ihr Debüt erscheint als deutsche Übersetzung durch Ulrike Wasel und Klaus Timmermann im Hanserblau Verlag.

    Kya Clark ist 6 Jahre alt, als sie ihre instabile Familie zerbricht und sie von ihrer Familie in der unwegsamen Einsamkeit des Marschlandes allein zurückgelassen wird. Man nennt sie das Marschmädchen, sie lebt unter einfachsten Bedingungen und kämpft um jede Mahlzeit. Die Natur wird ihr Freund, sie beobachtet die Seevögel, die Fische, Pflanzen und die Muscheln am Ufer. Mit Menschen hat Kya nur wenig Kontakt, sie sind ihr fremd, eine Schule besucht sie deshalb nicht, nur dank eines Jugendfreundes ihres Bruders lernt sie Lesen und Schreiben und reift zu einer Künstlerin heran. In der nahen Küstenstadt Barkley Cove wird über Kya geredet und sie lernt Chase Andrews kennen und lieben, doch sie bleibt misstrauisch und vertraut niemandem. Als Chase tot aufgefunden wird, wird Kya zur Verdächtigen.  



    "Es mochte ein hartes Land sein, aber es war keineswegs karg. Vielschichtiges Leben - wuselige Strandkrabben, schlammstakende Sumpfkrebse, Wasservögel, Fische, Garnelen, Austern, fette Hirsche und dicke Gänse - tummelte sich an Land oder im Wasser."  Zitat Seite 17

     
    Die Geschichte wird abwechselnd aus verschiedenen Zeitebenen erzählt, es beginnt 1952 als Kyas Mutter verschwindet und zeigt dann im Jahr 1969 den Tod von Chase Andrews und die nachfolgenden Ermittlungen.  

    Mit der Protagonistin tauchen wir ein in das als Kind Erlebte, in die ärmlichen Lebensverhältnisse der Sumpfhütte, die dank ihrer liebevollen Mutter und der Geschwister zu einem besonderen und heimischen Ort wurde. Doch nach dem Weggang der Mutter ändert sich das Leben für Kya, nach und nach verlassen auch die anderen Geschwister die Hütte im Marschland und Kya muss mit ihrem gewalttätigen und trinkenden Vater allein auskommen. Anfangs hat man noch Hoffnung, das ein Zusammenleben beider Personen möglich sein könnte, doch dann stirbt auch diese Hoffnung. Kya bleibt als einzige zurück und ist auf sich allein gestellt. In dieser Einsamkeit findet sie nur Trost bei den Tieren, den Strandmöwen und in der Natur. Und sie findet einen Weg, zu überleben und sich mit dieser menschenlosen Umgebung zu arrangieren und sie zu lieben. Menschen geht sie aus dem Weg, nur wenige lässt sie an sich heran. Aber auch daraus erwächst dann später eine Problematik, die sie und ihr Leben im Sumpf bedroht.

    Die Ermittlungen zum Todesfall von Chase bringen immer wieder neue Einblicke in das Geschehen, während man die Außenseiterin Kya zu einer schönen Frau heranwachsen sieht, beginnen die Vorverurteilungen über ihren Lebenswandel durch die Bewohner von Barkley Cove.
    Diese Mischung aus Heranwachsen unter schwierigsten Bedingungen, ohne liebevolle Zuwendung von anderen Menschen und die aktuelle Mordermittlung sorgen für einen unglaublichen Lesesog, man kann diesen Roman nur gefesselt verschlingen.

    Der Erzählstil der Autorin ist ein besonderer Genuss, bei dem mich die einzigartigen Naturschilderungen in ihren Bann gezogen haben. Man erlebt die Flora und Fauna aus allernächster Nähe und erkennt, nicht immer ist die Natur gut und wunderschön, auch im Tierreich verschlingt die Gottesanbeterin ihren Partner. 
      
    "Der Gesang der Flusskrebse" erinnert mich ein wenig an den Thriller Die Moortochter von Karen Dionne, auch dort hat die Protagonistin die Leser auf ihre Seite gezogen.



    Dieser Roman ist sensationell mitreißend geschrieben, man erlebt die Einsamkeit und Schönheit der Wildnis im Marschland und wie Kya allein auf sich gestellt ums Überleben kämpft, eins wird mit der Natur und dort Schutz findet. 

    Für mich die Buchentdeckung im Juli und Teil der Linkparty bei Monerl!  




    ***Diesen Roman habe ich als Prämie von Vorablesen bekommen, mein herzlicher Dank geht an den Carl Hanser Verlag!***

    Sonntag, 14. April 2019

    Nemesis - Jilliane Hoffman

    Gefährliche Rache im Spiel ohne Grenzen sorgt für Nervenkitzel


    "Nemesis" ist Teil 4 der Cupido-Reihe von Jilliane Hoffman. Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019 im ROWOHLT Wunderlich Verlag.

    Am Strand von Miami findet man eine grausam zugerichtete Frauenleiche ohne Kopf, sie trägt auf ihrer Schulter ein Branding. Für Staatsanwältin CJ Townsend ist das eindeutig die Handschrift des Snuff-Clubs, der vor einigen Jahren ganz Florida in Atem hielt. In diesem Club beobachten zahlende Mitglieder viel Geld, um per Live-Stream zu beobachten, wie Frauen brutal vergewaltigt und getötet werden. CJ kennt diese perverse Inszenierung der Morde, auch Cupido war dort aktiv und sie kennt die Namen der Mitglieder, zu einflussreich, um jemals von der Justiz belangt zu werden. Wenn sie weitere Morde verhindert will, muss CJ das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Dann verschwindet erneut eine junge Frau…




    "Sie ist Nemesis, die Göttin des gerechten Zorn Und sie kommt, euch alle zu vernichten." Zitat Seite 417

    Die ersten beiden Bänder der Thrillerreihe habe ich gespannt verfolgt, mit unterschiedlichem Ergebnis. Das soll hier aber keine Rolle spielen.

    Enthält Spoiler! 
     
    "Nemesis" sorgt schon von Anfang an für reichlich Spannung und kann diese auch bis auf einige Längen kontinuierlich hoch halten. Das Buch beginnt aus der Sicht eines der Opfer, dadurch ist man sofort an die Story gefesselt und steckt gebannt im Geschehen. Es geht auch in dieser Folge wieder mit einigen grausamen Vorgängen hart zur Sache, dieses Mal aus der Snuff-Video-Szene. Dieses Buch ist daher nichts für zartbesaitete Leser/innen. Unmenschliche Abscheulichkeiten der Snuff-Videos demonstrieren die krankhafte Gewalttätigkeit der Täter und man kann sich gut vorstellen, wie CJ Townsend die weiblichen Opfer als Nemesis rächen möchte. Das Gesetz wird die Täter niemals belangen, zu einflussreich sind sie mit ihrem Machenschaften in den oberen Kreisen verknüpft. Doch CJ kennt ihre Namen und lässt sie ihre Rache spüren. Denn das genau ist ihre Mission in diesem Buch.

    Gleichzeitig schaut man in ihr Privatleben, sie ist mittlerweile 49 Jahre alt, plant mit ihrem Mann Dominick Falconetti die Adoption eines Meth-Babys und ist bereit, sämtliche Risiken dabei in Kauf zu nehmen. 
    Keine leichte Entscheidung und gerade deshalb freut man sich mit CJ. Andererseits ist es genau das, was ich ihr nicht ganz abnehmen kann. Denn wie passen Rachegöttin, regelkonforme Staatsanwältin und liebevolle Mutterrolle zusammen? In meinen Augen wirkt das sehr unglaubwürdig, denn ihr ist durchaus bewusst, dass sie für ihre Handlungen im Gefängnis landen könnte. 

    Sie will mit dieser Sache ein und für alle Mal abschliessen und das bezieht eben auch die Rache an den Tätern mit ein. 


    Die Autorin hat einen absolut flüssigen und mitnehmenden Schreibstil und baut nicht nur die grausamen Szenen vor dem geistigen Auge des Lesers emotional und bildhaft auf. Auch die privaten Vorgänge und besonders die Pläne der Adoption kann man gut nachempfinden.

    Es wäre kein echter Thriller, wenn es nicht am Ende auch einen fesselnden Showdown geben würde. 


    Nemesis ist ein echter und sehr schockierender Thriller, der mich abgestossen und auch gefesselt hat. Dennoch stören mich einige Unglaubwürdigkeiten, für mich ein Grund, diesem Buch 4 Sterne zu geben.
     


     ***Vielen Dank an den Wunderlich Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***



    • Cupido, 2004
    • Morpheus, 2005
    • Argus, 2012
    • Nemesis, 2019

    Mittwoch, 10. April 2019

    Giada kocht von Giada De Laurentiis

    Italienisch inspirierte Gerichte, mit amerikanischem Touch 

    Pizza, Pasta und la dolce vita

    Das Kochbuch "Giada kocht" dreht sich um die italienische Küche der erfolgreichen Kochshow-Betreiberin Giada de Laurentiis und erscheint im SüdwestVerlag. 

    Leichte und gesunde Varianten italienischer Lieblingsgerichte mit einem Hauch "californian-lifestyle".

    Dieses Kochbuch verspricht eine einfache Zubereitung von über 100 Rezepten für Antipasti, Primi, Secondi sowie verführerischen Dolci. Das Buch ist eine Mischung aus eindrucksvollen Fotos verschiedener Schauplätze Roms und den dazu passenden italienischen Gerichten und Rezepten. Giada de Laurentiis stammt aus Rom, lebt in Amerika und kocht mit angesagtem kalifornischem Touch. Sie unterhält eine Kochshop auf SIXX und gehört zu den beliebtesten Köchinnen Amerikas, ist bereits Autorin von sieben Kochbüchern, die alle New York Times Bestseller-Bücher waren und ist bekannt für ihre leichte, gesunde Variante der klassischen italienischen Küche. 



    In Amerika gilt Giada als gefeierter Star im Bereich Kochkunst. Hier erzählt sie, welche Rezepte, Aromen und Geschichten ihren Küchenstil inspiriert haben. Sie bereitet gegrillten Schwertfisch mit kandiertem Zitronensalat zu, Spaghetti mit Chianti und Fava Bohnen, Spargel mit gegrilltem Melonensalat oder einen Fenchel-Upside-Down-Kuchen. Allesamt Köstlichkeiten, die zu einer Italien-Reise passen.

    Zunächst fallen mir bei diesem Buch die großartigen Fotos auf, die persönlichen Ratschläge und Informationen Giadas zu ihrer Familie und manchen Ess-Gewohnheiten der Italiener. 

    Das Buch beginnt mit einem Vorwort Giadas, einer Einführung in den italienischen Vorratsschrank und danach beginnen die 7 Kapitel mit den Rezepten. Ich habe mal meine Favoriten aufgeführt.

    1. Vorspeisen
    Gegrille Artischocken mit Sardellenmayonnaise
    Avodado-Bohnen-Dip
    Aprikosen-Mostarda
    Garnelen calabrese
    Schinken-Ricotta-Röllchen

    2. Leicht & Einfach: Für Mittags
    Tortellini in Parmigiano-Reggiano-Brodo
    Pappa al Pomodoro
    Einfache Stracciatella
    Römische Fischsuppe
    Sardischer Nudelsalat (leider ohne Bild)

    3. Zwischendurch
    Weiße Pizza mit Zitrone
    Positano-Pizza
    Herzhafte Crostata
    Tramezzini (leider ohne Bild)
    Mozzarella-Erdbeer-Bruschetta 


    4. Schnell & Lecker: Für Abends
    Fusilli mit frischen Tomaten (nachgekocht und war wie in Italien)
    Zitronen-Erbsen-Alfredo (lecker und sehr kalorienreich durch Mascarpone)
    Huhn mit Reis (Foto fehlt, dafür sieht man Giarda als Kleinkind mit ihrer Oma)
    Knusprige Hähnchenschenkel mit Paprika und Kapern
    Schweinelende mit Kräutern
    Gegrillter Schwertfisch mit Zitronensalat
    Lachs mit Puttanesca
    Miesmuscheln in Weißweinsauce

    5. La Dolce Vita
    Sartu di Riso (sehr aufwändig zu kochen)
    Penne mit Parmesanpomodoro (Nudeln mit Tomatensauce und Parmesan)
    Penne mit Schweinefleisch
    Ziti Stufati
    In Barolo geschmorrte Rippchen mit Fenchelsalat
    Italienisches Frühlingslamm mit Gremolata
    Huhn-Involtini
    Geschmorter Lachs

    6. Beilagen
    Romana-Radicchio-Salat
    Italienischer Karottensalat
    Gerösteter Kürbis süßsauer
    Zucchini sottolio auf Crostini
    Rahmmais mit Pancetta
    Cremiges Kartoffelpüree (mit Knoblauch) 
    Polenta mit Spinat

    7. Süsses
    Pannacotta
    Chianti Affogato
    Gestürzter Fenchelkuchen
    Sandkuchen mit Schoko-Haselnuss-Glasur (sehr amerikanisch)
    Limoncello-Zabaglione
    Brownies mit Salz und dunkler Schokolade (sind nicht italienisch)
    Üppige Chokochip-Cookies (passen nicht in ein italienisches Kochbuch)

    Einige Rezepte und Gerichte entsprechen meinem Geschmack und ich kenne sie aus Italien. Sie sind nicht alle einfach zuzubereiten, manche benötigen einige Arbeitsschritte, lange Zubereitungs- und Garzeiten, doch sie sind die Mühe wert. Manche Gerichte wie die Cookies und Brownies verorte ich aber eindeutig nach Amerika.

    Die Fotos der Gerichte sind sehr appetitanregend und die Rezepte sind in der Regel nicht sehr schwierig nachzukochen. Die Anleitungen sind verständlich und mir gefällt die lebendig gestaltete Aufmachung und die Bildauswahl sehr. Es gibt viele Rezepte und davon auch tolle Abbildungen, aber auch Giada ist häufig zu sehen. Diese hübsche Frau vor italienischer Kulisse versprüht Esprit und scheint eine sehr positive und lebensbejahende Person zu sein. Sie wird gezeigt, wie sie Eis essend mit ihrer Tochter durch Rom schlendert, in einer blühenden Gartenidylle mit Freunden gemeinsam isst und wie sie einkauft und kocht. Das bringt zwar ein authentisches und lebendiges Bild ihrer Reise und Koch-Tätigkeit mit dem Flair Italiens mit, aber es suggeriert auch zu sehr die Szenerie eines Lifestil-Magazins mit einer Fotostrecke des Stars Giada in Rom. Insofern erscheint mir das als recht personifiziertes Kochbuch, was es wohl auch sein soll. Ihre Fans werden es lieben.
    Mir kommt es bei einen Kochbuch mehr auf die Rezepte an.

    Leider sucht man Zeitangaben zur Zubereitung, Nährwerttabellen und Kalorienangaben bei diesem Buch vergeblich. 

    Abgerundet wird das Buch durch ein gutes Index, das es ermöglicht, zwischen Speisen und Zutaten zu suchen.

    Dies ist eine lukullische Reise durch Italien mit vielen inspirierenden Bildern von Giada in Rom mit atemberaubenden Fotos und großartigen Rezepten.
    Die Rezepte sind vielfältig, doch der amerikanische Einschlag ist spürbar. Das Buch versprüht italienisches Flair eines Journals mit Giadas Rom-Reisebildern und den entsprechenden Rezepten, die fotografisch wunderbar in Szene gesetzt sind. Für mich etwas zuviel Giada und zuwenig Kochbuch, dennoch kann ich dieses Kochbuch Italien-Fans und denen von Giada nur ans Herz legen. 
     

    ***Herzlichen Dank an den Südwest Verlag und das Bloggerportal für dieses tolle Rezensionsexemplar!***






    Freitag, 1. Februar 2019

    Nighthawks - Lawrence Block

    Eine großartige Idee und fesselnde Lektüre für Fans amerikanischer Gegenwartsliteratur und Kunst Hoppers.


    Lawrence Blocks Sammlung von 17 Kurzgeschichten in "Nighthawks" erschien bereits 2017 im Droemer Verlag.


    In Nighthawks hat Lawrence Block namhafte US-Autoren Geschichten zu berühmten Gemälden des Malers Hopper gesammelt. Sie ließen sich von Gemälden zu kriminalistischen Stories inspirieren und hauchen so den Bildern neues Leben ein.




    Der amerikanische Maler Edward Hopper (1882 - 1967) gilt als eine Ikone des modernen Amerikanischen Realismus. Er zeigt Momentaufnahmen vom Alltagsleben und seine überwiegend in kühlen Farben dargestellten realistischen Bilder weisen auf die Einsamkeit des modernen Menschen hin. Er gilt als Chronist der amerikanischen Zivilisation.

    Gemälde haben immer eine besondere Aussage, Wirkung oder eine Geschichte, die jeder Betrachter ganz individuell empfindet.  
    Die Portraits von Edward Hopper zeigen Menschen, die in ihre Einsamkeit versunken scheinen. Das regt die Phantasie beim Betrachter an und lässt siebzehn namhafte US-Autoren ihre persönliche Geschichte schreiben.  
    Wie diese Gemälde von amerikanischen Autoren empfunden werden, haben sie in ihren Geschichten auf vielfältige Weise und mit hohem literarischen Anspruch zum Ausdruck gebracht.

    Dabei ist es interessant zu sehen, wie sich die Autoren die Story hinter dem Bild vorstellen. Da werden besondere Existenzprobleme oder einfach nur alltägliche Vorgänge beschrieben, die Figuren bekommen spezielle charakterliche Züge verpasst oder es gibt Einsichten in Schicksale oder Schauplätze, die man sich in Verbindung zu dem jeweiligen Gemälde gut vorstellen kann.


    "Familiengeschäfte" heißt der Titel von Craig Ferguson zum Bild South Truro Church von 1930.  

    Intensiv und sehr gelungen ist "Das Musikzimmer" von Stephen Kind zum Bild "Room in New York" (1932).

    Joyce Carol Oates Geschichte "Die Frau am Fenster" zu Eleven A.M. von 1926 passt inhaltlich perfekt.


    Ganz besonders eindrucksvoll finde ich hier die großartige Idee, der engen Verknüpfung von Malerei und Literatur. Da entstehen ganz eigene Geschichten, die das weiter erzählen, was auf dem Bild nur als Momentaufnahme zu sehen ist. Die Autoren setzen sich mit den Bildern intensiv auseinander und machen lesbar, was noch nicht sichtbar ist. Da gibt es Auftritte in Nachtclubs, man beobachtet New Yorker Stadtszenen oder erlebt emotionale Erlebnisse unterschiedlicher Personen.

    Hoppers Gemälde waren mir fast gänzlich unbekannt, sie haben mich aber überwiegend angesprochen und ich habe mir meine eigenen Gedanken dazu machen können. Dagegen hat mir nicht jeder Erzählstil zugesagt, bei einigen verliert man sich in manche Stories und genießt einfach nur, andere konnten mich nicht so erreichen. Insgesamt hat man hier einen Querschnitt durch Hoppers Werke und einen Überblick verschiedenster Autoren, die man neu für sich entdecken kann. Das gefällt mir an Anthologien so sehr.


    Wer die Werke von Edward Hopper kennt, sollte sich dieses Buch näher ansehen, es ist die perfekte Verbindung zwischen bildender Kunst und fiktiver Geschichte. Eine großartige Idee und fesselnde Lektüre für Fans amerikanischer Gegenwartsliteratur und Kunst Hoppers.


    ***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für dieses wundervolle Buch, das ich im Rahmen der Droemer-Knaur Challenge 2018 gewonnen habe!***





    Dienstag, 29. Januar 2019

    Abendrot - Kent Haruf

    Ein melancholischer Roman, der bewegend von Menschlichkeit, Einsamkeit und von Liebe erzählt. 



    "Abendrot" ist die Fortsetzung von "Lied der Weite" des amerikanischen Autors Kent Haruf. Die Bücher erscheinen im Diogenes Verlag


    Holt ist eine Kleinstadt im Herzen Colorados. Die Menschen leben hier von der Viehzucht, so wie die alten McPheron-Brüder. Schweren Herzens müssen sie ihre Ziehtochter Victoria gehen lassen. In einem Wohntrailer lebt die Familie Wallace, unterstützt von der Sozialamtmitarbeiterin Rose, der elfjährige DJ kümmert sich liebevoll um seinen kranken Großvater. Egal wir hart das Schicksal hier zuschlägt, so gibt es doch noch Mitmenschlichkeit in Holt. Sie haben sich gegenseitig im Blick und versuchen, sich umeinander zu kümmern.
     

    "Es war Samstagabend, der Himmel über ihm wolkenlos, die Sterne so blitzblank und hell, als wären sie nicht weiter weg als der nächste Pfosten des Drahtzauns, der über dem Straßengraben neben der schmalen geteerten Landstraße aufragte. Alles ringsum war klar und offen. Er liebte diesen Anblick..." Zitat Seite 286



    Holt liegt in den Weiten der amerikanischen Prärie in Colorado. Das Leben dreht sich hier hauptsächlich um Viehzucht, es ist eintönig und von harter Arbeit geprägt. Jeder lebt hier seinen eigenen Alltag und doch achtet man aufeinander, wie es in Kleinstädten üblich ist.

    "Abendrot" ist die Fortsetzung von "Lied der Weite" in fiktiven Städtchen Holt.
    Zurück in Holt konnte ich mich gleich wieder gut einfinden und die beiden alten Brüder Raymond und Harold kamen mir wie zwei alte Bekannte vor. Sie sind Viehhalter und zeigen Menschlichkeit und es fällt ihnen schwer, von Victoria und ihrer kleinen Tochter Abschied nehmen zu müssen. Immerhin waren sie so etwas wie eine kleine Familie. 

    Kent Haruf schildert in seinem Buch die Lebensumstände von normalen Menschen und Familien, das harte, einfache Leben in einer amerikanischen Kleinstadt. Und wie das in Kleinstädten nun einmal so ist, man achtet aufeinander. Das soziale Miteinander zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, auch wenn einige Personen das Gegenteil an den Tag legen. 

    In Abendrot lernen wir neben bekannten Figuren auch neue Charaktere kennen. 
    Da gibt es die auf Sozialhilfe angewiesene Familie Wallace, die trotz ihrer großen Liebe für die beiden Kinder mit sich selbst nicht klar kommen und Anweisungen für ein normales Leben benötigen. Rose Tyler ist ihre zuständige Sozialarbeiterin, die ihre Aufgabe ernst nimmt und über das erforderliche Maß hinaus die Familie betreut.
    Wir lernen DJ Kephart kennen, ein tougher Junge und Vollwaise. Er kümmert sich um seinen kranken Großvater, ist hilfsbereit, setzt sich für andere ein, versucht Streit zu schlichten und ist fleißig. 

    Inhaltlich wird durch genaue Schilderungen das Landleben beschrieben, alles dreht sich um Viehhaltung, Weidetrieb, Auktionen, Geburtshilfe und die ständige Arbeit und Sorge um die Tiere.
    Wenn der Autor die Landschaft oder die Natur beschreibt, benutzt er bildhafte und sprachgewaltige Beschreibungen, die auch leicht poetisch wirken können. Doch er wird knapper und direkter, wenn er die Protagonisten sprechen lässt. So sind die Menschen hier in Holt, direkt und eher wortkarg.

    Kent Harufs Schreibstil ist sehr ruhig, geradlinig, etwas melancholisch und nüchtern und lenkt trotzdem den Blick auf die Gefühle und Lebensumstände seiner Figuren. Er wertet nicht, sondern beschreibt lediglich die Menschen mit ihren zwischenmenschlichen Problemen. Kent Haruf versetzt sich gut in die Figuren hinein und bringt die tragischen Momente ihrer Schicksale deutlich zur Geltung. Ohne wertend zu werden, gibt er mit der Beschreibung der Handlung seiner Erzählung Tiefe und Gefühle mit. In Holt hat jeder mit seinen persönlichen Schwierigkeiten des Lebens zu kämpfen und doch gibt es Hilfsbereitschaft und einen Hoffnungsschimmer in dieser Einöde. Die menschliche Einsamkeit scheint hier ein besonderes Problem zu sein. Doch auch das kann überwunden werden.

    Die Entwicklung der Figuren treibt Haruf immer weiter voran, sie machen ihre Erfahrungen, gute und schlechte, traurige und positive, man ist ihnen im Buch sehr nahe und erlebt alles hautnah und bewegt mit. Diese Nähe bindet mich an die Figuren und ich möchte bald lesen, wie es weitergeht in Holt und mit seinen Bewohnern. 


    Ich lese die Bücher von Kent Haruf immer wieder gerne und bin fasziniert von seiner Erzählweise. Er vermag es, den Charaktern sehr nahe zu kommen und ihnen in seinen Büchern Leben einzuhauchen. Warmherzig und bewegend zeigt Haruf in "Abendrot", wie wichtig ein sozialer Zusammenhalt unter Menschen ist. Es ist ein großartiges und zeitloses Buch über Menschlichkeit und Einsamkeit. Einfach lesenswert!


    ***Vielen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Buch, das ich für eine Leserunde bei Wasliestdu bekommen habe!***



    Rezensierte Bücher dieses Autors:

    Mittwoch, 5. Dezember 2018

    Vorstadtgeflüster - Abbi Waxman

    Für Freundinnen von Vorabend-Soaps genau das richtige Buch. 


    Der neue Roman von Abbi Waxman heißt "Vorstadtgeflüster" und spielt in Los Angeles. Das Taschenbuch erscheint am 20.11.2018 im Rowohlt Verlag.

    In einem Vorort von Los Angeles leben vier befreundete Familien harmonisch mit- und nebeneinander. Doch wenn man hinter die Fassaden schaut, entdeckt man die Probleme und Sorgen, die die Menschen beschäftigen und nach außen nicht zeigen wollen. 
    Die gute Seele der Straße ist Frances Bloom, Hausfrau und Mutter. Sie übernimmt den Fahrdienst für die sieben Kinder der Straße zur Schule oder Kindergarten. Sie entdeckt bei ihrer Nachbarin Anne deren außereheliches Verhältnis und das bringt die vermeintlichte Idylle ins Wanken.




    Frances und Michael leben eine glückliche Ehe, die sich dem Alltag angepasst hat. Durch ihre 3 Kinder hat Frances nicht nur täglichen Stress, sondern auch reichlich zugenommen, was aber beide Ehepartner tolerieren. Im Laufe ihrer Ehe ist ihr Liebesleben ziemlich auf der Strecke geblieben. Frances tröstet sich mit Essen über ihre Probleme hinweg. Vor allem ihre pubertäre Tochter Ava treibt sie oft in den nächsten Kalorienexzess. Außerdem kann sie kein Hilfeersuchen ablehnen und lässt sich von ihren Nachbarn zu sehr vereinnahmen.  

    Die anderen Bewohner sind bunt gemischt: Es gibt ein Lesbenpaar mit Kind, ein Vorzeigeehepaar, bei dem ein außereheliches Verhältnis besteht und die Ehe auseinanderbrechen lässt und einen Vater mit seinem Sohn, dessen Frau vor kurzem verschwunden ist.   

    In Abbi Waxmans Debüt "Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen" hat sie bereits ihr schriftstellerisches Können bewiesen. Sie bringt lockere Unterhaltung lebendig und mit viel Pepp auf den Punkt und scheut sich auch nicht vor vulgären Begriffen. Sie zeigt in ihrem Roman eine Nachbarschaft, die doch nicht so spießig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. 


    Wer das Buch liest, wird sofort an die Serie "Desperate Housewives" erinnert. Auch dort herrscht offiziell einvernehmliche Harmonie unter den Nachbarinnen und in Wahrheit wird übereinander gelästert und getrascht.

    Der leichte Schreibstil passt zu diesem Buch, er zeigt die normalen Pflichten des Alltags mit Haushalt, Eheproblemen, Gewichtszunahme, Unterricht und Erziehung der Kinder und Pubertät auf eine teilweise recht direkte und lebendige Art. Diese Probleme treiben die meisten Familien um und die Sicht der Kinder lässt mich immer mal wieder schmunzeln. 


    Die Autorin führt ihre Geschichte durch den Ehebruch in eine bestimmte Richtung, sie bringt ihre Leserinnen dazu, über eine gute Ehe nachzudenken oder wie man sie auch nach langer Zeit glücklich weiter führen kann. 
    Durch die verschiedenen Familien bietet sich dem Leser ein reichhaltiges Arsenal an Figuren und Charakteren, die ihre vielfältigen Sichtweisen leben und erklären.  
     

    Ein leichter Frauenroman für alle Fans von Vorstadt-Serien, der das Ehe- und Alltagsleben von verschiedenen Seiten beleuchtet und zeigt, dass auch hinter perfekter Fassade alle möglichen Wünsche und Sorgen stecken.


    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***




     

    Montag, 5. November 2018

    Zuckerküsse und Lamettaglitzern - Candis Terry

    Seichtes Liebesgeplänkel

     

    Zuckerküsse und Lamettaglitzern heißt der Roman von Candis Terry aus dem MIRA Taschenbuchverlag.


    Es ist nicht mehr lange bis Weihnachten und Parker Kincade weiß vor Arbeit nicht, wo er anfangen soll. Sein Restaurant im Sunshine Valley muss noch vor dem Fest fertig werden, denn sein Bruder Jordan möchte dort seine Winterhochzeit mit Lucy feiern. Köchin Gabriella hat die Nase voll von ihrem alten Job und fragt in Parkers Restaurant nach einer neuen Stelle, dabei sucht Parker gar keine neue Kraft. Aber Gabriella lässt nicht locker und schließlich kann Parker der schönen Halbitalienerin und ihren Reizen nicht widerstehen. 





    Hier handelt es sich um Band 3 der Sunshine Valley-Reihe, was mir nicht bekannt war. Das Buch ist aber ohne Vorkenntnisse einfach zu verstehen. 

    Wer hier eine romantische Weihnachtsgeschichte erwartet, könnte enttäuscht werden. Hier geht es hauptsächlich um Leidenschaft und Sex. Anfangs fand ich das Knistern noch toll, doch insgesamt konnte ich mich nicht mit den beiden Charakteren Gabriella und Parker anfreunden, beide sind gutaussehend, er mit Waschbrettbauch, sie mit tollen weiblichen Kurven, aber sie sind sehr oberflächlich und haben nur ihr Vergnügen im Sinn.
     
    Große Erwartungen sollte man auch nicht an die Handlung stellen, es plätschert so vor sich hin und das Liebesgeplänkel entwickelt sich zu einem nervigen Hin und Her, bei dem die Protagonisten dann doch wieder in der Kiste oder wo auch immer landen. 


    Nebenbei lernt man an Thanksgiving typisch amerikanische Kost kennen und die liebenswürdige Familie von Parker. Jordan heiratet, doch von seinen Brüdern sind noch nicht alle unter der Haube, also man kann wohl noch weitere Bände der Reihe erwarten. 

    Das Buch liest sich locker und flüssig, aber einige Wiederholungen haben mich genervt, wie das Klackern der Absätze, ständig klackerten die Absätze von Gabriella. Was wollte die Autorin uns damit sagen?

    Auf jeden Fall geht es hier hauptsächlich um die Beziehungsgeschichte, die von beiden Figuren nur körperliches Vergnügen zum Ziel hat. Bloß keine feste Beziehung, oh nein. Und ständig landen sie im Bett und irgendwann wird doch Liebe daraus. Na also, geht doch! Puh, dieser Weg war kein leichter!

    Eine schöne romantische Weihnachtsgeschichte hatte ich mir erhofft, bekommen habe ich eine platte Geschichte mit übermäßigem Sex, der recht derb und sich ständig wiederholend beschrieben wird.


    Kurz gesagt: dieses Buch war eine seichte Geschichte, die mich nicht begeistern konnte. Romantik geht anders, aber für Fans der Buchreihe sicher kein Hindernis. Wer Weihnachtsromantik mit heißen Sexszenen und Liebesgeplänkel in Verbindung bringt, für den ist dieses Buch genau richtig.


    ***Danke an den HarperCollins Verlag für dieses Reziexemplar!***