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Sonntag, 10. November 2019

Frida Kahlo und die Farben des Lebens - Caroline Bernard

Ein ganz besonderes Leseerlebnis über Frida Kahlos Lebens- und Leidenswerk


Der Roman "Frida Kahlo und die Farben des Lebens" von Caroline Bernard ist der 11. Band der Reihe "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe" aus dem Aufbau Taschbuch Verlag.


Mexiko, 1925: Frida will Ärztin werden, die Folgen eines schweren Unfalls fesseln sie in einem Gipskorsett ans Bett. Sie nutzt die Zeit und malt liegend Bilder. Als sie den berühmten Maler Diego Rivera kennenlernt, verliebt sie sich und später heiraten sie. Gemeinsam lieben sie die Kunst, doch Diego ist ihr untreu. Frida stürzt sich in in ihre Malerei und ins Leben und hat mit ihren Gemälden Erfolg. Die Pariser Surrealisten liegen ihr genauso zu Füßen wie Picasso und Trotzki. Frida geht ihren eigenen Weg.
 


Frida Kahlo de Rivera (* 6. Juli 1907 in Coyoacán, Mexiko-Stadt, † 13. Juli 1954)
Sie zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen einer volkstümlichen Entfaltung des Surrealismus.

Zitat: "Meine Bilder sind wie die Kinder, die ich nicht haben darf..." Seite 319

Diese Buchreihe mag ich sehr, denn es werden immer wieder interessante Frauenfiguren im Bereich Kunst, Literatur oder Musik vorgestellt. 

Von Frida Kahlo kenne ich einige ihrer Bilder und weiß, das sie kein leichtes Schicksal hatte.
Mit diesem Buch konnte ich sehr intensiv in Frida Kahlos Leben und in ihr künstlerisches Schaffen eintauchen und der Malerin wie ein unsichtbarer Schatten folgen. Das liegt zunächst einmal am wunderbar einfühlsamen Schreibstil der Autorin, aber auch an der interessanten Figur Frida Kahlos und ihrer gelungenen Darstellung im Buch an sich.

Caroline Bernard bringt sämtliche Gefühle und Stimmungen Fridas berührend und sehr deutlich zum Ausdruck und man fühlt sich ihr sehr nahe. Allen Schmerzen zum Trotz entwickelt Frida nach einem Unfall echten Kampfgeist und rappelt sich wieder auf, ständig begleitet von einem Gipskorsett, welches sie nach ihren Verletzungen tragen muss. Sie malt im Liegen und die Kunst und Malerei werden für sie zur treibenden Kraft und auch die Liebe zu Diego, in dem sie einen künstlerischen Seelenverwandten findet, ermutigt sie und gibt ihr Kraft, anstatt mit ihrem Schicksal zu hadern. Eine tolle Frau!
Richtig glücklich verläuft die Ehe mit Diego Rivera nicht, sie erleidet mehrere Fehlgeburten und Diego betrügt sie ständig. Irgendwann kann Frida auch damit umgehen und sie genießt ihr Leben, hat mehrere Liebschaften und nimmt sich vom Leben das, was sie glücklich macht. Ihre Krankheit, ihre Verzweiflung und ihren Kummer verarbeitet Frida in ihren Bildern und zeigt mit ihrer bunten mexikanischen Kleidung Lebensfreude, die überall auffällt. 

Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die intensive Darstellung von Fridas Gefühlen, den farbenfrohen Bildern und der schwierigen Ehe. Ich bewundere ihren enormem Lebensmut, ihre Leidenschaft und ihren Lebenshunger. Auch ihre politischen Ansichten und ihr revolutionärer Eifer werden im Buch deutlich.

Fridas Geschichte ist ausdrucksvoll eingebunden in das politische Zeitgefühl und gesellschaftliche Umfeld in Mexiko, aber auch in Amerika, wo Frida ebenfalls gelebt hat. Man kann ihre Familie und Freunde näher kennenlernen und entdeckt, wie wichtig die Kultur der Azteken für Frida war.

Eine starke Frau, die ihre Wut in Stärke verwandelt und sich aus ihren eigenen Tiefschlägen umso stärker wieder erhebt. Ihre farbenprächtigen Bilder sind Zeichen ihrer Kraft und ihres Mutes, ihren Weg weiter zu gehen. Allen Widerständen und Verlusten zum Trotz. Sie flüchtet in ihre Kunst, diese Gemeinsamkeit verbindet sie auch mit Diego und das ist auch ein Grund für ihre große Liebe zu ihm.   


Die einfühlende und lebendig erzählte Geschichte dieser Künstlerin hat mich fasziniert, ich bin betroffen vom schweren Schicksal Fridas und begeistert von ihrem enormen Kampfgeist. 
Selten hat mich ein Buch einem Menschen näher gebracht und ich habe Frida Kahlo einfach nur für ihre Courrage und ihren Lebensmut bewundern können und die Autorin für dieses äußerst gelungene Buch.


***Herzlichen Dank an wasliestdu und den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

Dienstag, 29. Januar 2019

Abendrot - Kent Haruf

Ein melancholischer Roman, der bewegend von Menschlichkeit, Einsamkeit und von Liebe erzählt. 



"Abendrot" ist die Fortsetzung von "Lied der Weite" des amerikanischen Autors Kent Haruf. Die Bücher erscheinen im Diogenes Verlag


Holt ist eine Kleinstadt im Herzen Colorados. Die Menschen leben hier von der Viehzucht, so wie die alten McPheron-Brüder. Schweren Herzens müssen sie ihre Ziehtochter Victoria gehen lassen. In einem Wohntrailer lebt die Familie Wallace, unterstützt von der Sozialamtmitarbeiterin Rose, der elfjährige DJ kümmert sich liebevoll um seinen kranken Großvater. Egal wir hart das Schicksal hier zuschlägt, so gibt es doch noch Mitmenschlichkeit in Holt. Sie haben sich gegenseitig im Blick und versuchen, sich umeinander zu kümmern.
 

"Es war Samstagabend, der Himmel über ihm wolkenlos, die Sterne so blitzblank und hell, als wären sie nicht weiter weg als der nächste Pfosten des Drahtzauns, der über dem Straßengraben neben der schmalen geteerten Landstraße aufragte. Alles ringsum war klar und offen. Er liebte diesen Anblick..." Zitat Seite 286



Holt liegt in den Weiten der amerikanischen Prärie in Colorado. Das Leben dreht sich hier hauptsächlich um Viehzucht, es ist eintönig und von harter Arbeit geprägt. Jeder lebt hier seinen eigenen Alltag und doch achtet man aufeinander, wie es in Kleinstädten üblich ist.

"Abendrot" ist die Fortsetzung von "Lied der Weite" in fiktiven Städtchen Holt.
Zurück in Holt konnte ich mich gleich wieder gut einfinden und die beiden alten Brüder Raymond und Harold kamen mir wie zwei alte Bekannte vor. Sie sind Viehhalter und zeigen Menschlichkeit und es fällt ihnen schwer, von Victoria und ihrer kleinen Tochter Abschied nehmen zu müssen. Immerhin waren sie so etwas wie eine kleine Familie. 

Kent Haruf schildert in seinem Buch die Lebensumstände von normalen Menschen und Familien, das harte, einfache Leben in einer amerikanischen Kleinstadt. Und wie das in Kleinstädten nun einmal so ist, man achtet aufeinander. Das soziale Miteinander zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, auch wenn einige Personen das Gegenteil an den Tag legen. 

In Abendrot lernen wir neben bekannten Figuren auch neue Charaktere kennen. 
Da gibt es die auf Sozialhilfe angewiesene Familie Wallace, die trotz ihrer großen Liebe für die beiden Kinder mit sich selbst nicht klar kommen und Anweisungen für ein normales Leben benötigen. Rose Tyler ist ihre zuständige Sozialarbeiterin, die ihre Aufgabe ernst nimmt und über das erforderliche Maß hinaus die Familie betreut.
Wir lernen DJ Kephart kennen, ein tougher Junge und Vollwaise. Er kümmert sich um seinen kranken Großvater, ist hilfsbereit, setzt sich für andere ein, versucht Streit zu schlichten und ist fleißig. 

Inhaltlich wird durch genaue Schilderungen das Landleben beschrieben, alles dreht sich um Viehhaltung, Weidetrieb, Auktionen, Geburtshilfe und die ständige Arbeit und Sorge um die Tiere.
Wenn der Autor die Landschaft oder die Natur beschreibt, benutzt er bildhafte und sprachgewaltige Beschreibungen, die auch leicht poetisch wirken können. Doch er wird knapper und direkter, wenn er die Protagonisten sprechen lässt. So sind die Menschen hier in Holt, direkt und eher wortkarg.

Kent Harufs Schreibstil ist sehr ruhig, geradlinig, etwas melancholisch und nüchtern und lenkt trotzdem den Blick auf die Gefühle und Lebensumstände seiner Figuren. Er wertet nicht, sondern beschreibt lediglich die Menschen mit ihren zwischenmenschlichen Problemen. Kent Haruf versetzt sich gut in die Figuren hinein und bringt die tragischen Momente ihrer Schicksale deutlich zur Geltung. Ohne wertend zu werden, gibt er mit der Beschreibung der Handlung seiner Erzählung Tiefe und Gefühle mit. In Holt hat jeder mit seinen persönlichen Schwierigkeiten des Lebens zu kämpfen und doch gibt es Hilfsbereitschaft und einen Hoffnungsschimmer in dieser Einöde. Die menschliche Einsamkeit scheint hier ein besonderes Problem zu sein. Doch auch das kann überwunden werden.

Die Entwicklung der Figuren treibt Haruf immer weiter voran, sie machen ihre Erfahrungen, gute und schlechte, traurige und positive, man ist ihnen im Buch sehr nahe und erlebt alles hautnah und bewegt mit. Diese Nähe bindet mich an die Figuren und ich möchte bald lesen, wie es weitergeht in Holt und mit seinen Bewohnern. 


Ich lese die Bücher von Kent Haruf immer wieder gerne und bin fasziniert von seiner Erzählweise. Er vermag es, den Charaktern sehr nahe zu kommen und ihnen in seinen Büchern Leben einzuhauchen. Warmherzig und bewegend zeigt Haruf in "Abendrot", wie wichtig ein sozialer Zusammenhalt unter Menschen ist. Es ist ein großartiges und zeitloses Buch über Menschlichkeit und Einsamkeit. Einfach lesenswert!


***Vielen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Buch, das ich für eine Leserunde bei Wasliestdu bekommen habe!***



Rezensierte Bücher dieses Autors: