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Donnerstag, 3. Oktober 2024

Die Modeschöpferin von Manhattan - Joan Weng

Geschichte unterhält über Zeitgeist und Modewelt New Yorks

Im Aufbau Taschenbuch Verlag erscheint Joan Wengs historischer Roman "Die Modeschöpferin von Manhattan".  

1939 in New York: Der Krieg tobt in Europa, in New York sorgt der Aufschwung für frischen Wind bei den Unternehmen. Die gut betuchten Kundinnen interessieren sich für elegante Kleidung und lassen sich von der exzentrischen Modeschöpferin Valentina Schlee die neuesten Modelle anpassen. Ihre Angestellte Daisy berät und unterhält die Kundinnen auf geschickte Weise und ist damit der ausgleichende Gegenpol zu Valentina. Daisys Eltern wollen sie mit Alistair, einem angehenden Anwalt verheiraten und es gelingt Daisy, der Verlobung immer wieder zu entgehen. Denn sie liebt den irischen Journalisten Christopher Flanagan, der für ihre Eltern als Schwiegersohn nicht in Frage kommt. 
 

 

 
In diesem Buch erlebt man den Zeitgeist, die Modeszene und das Leben der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Daisy ist die Hauptfigur, sie ist die gute Seele des Modegeschäfts der exzentrischen Modeschöpferin Valentina Schlee, die vermutlich von russischem Adel abstammt. Andere Nebenfiguren geben Einblick in ihr Leben und so bekommt man ein buntes Porträt der New Yorker Frauen in dieser Zeit geboten und erlebt den Zeitgeist. Sie vergnügen sich in Tanzlokalen, träumen von der großen Liebe und wissen von dem in Europa tobenden Krieg, der auch für Amerika gefährlich werden kann.
 
Daisy bekommt von mir mit ihrer liebenswürdigen Art von Anfang an Sympathiepunkte, ich habe sie gerne begleitet, mit ihr mitgefiebert und auf ihr persönliches Glück gehofft.  
Valentinas Person bleibt immer etwas distanziert, ihr Geheimnis liegt in ihrer Vergangenheit in Russland, wo sie alles verloren hatte. Sie ist verheiratet, doch die Ehe scheint nur eine Farce zu sein, um Valentina als ehrenhafte Frau darstehen zu lassen. Sie hat sich ihren Erfolg als Modeschöpferin ehrlich und hart verdient. Einige Informationen um ihre Person werden im Buch angedeutet, doch die wirklichen Umstände aus ihrer Vergangenheit werden nicht offen erklärt. Andeutungen gehen mir nicht weit genug und das Leben dieser Frau hätte unbedingt ausführlicher und tiefer gehend in die Handlung eingebaut werden können. Stattdessen werden Belanglosigkeiten, Rivalitäten der schauspielernden Kundschaft und Daisys Liebespläne ausführlich erörtet.
 

Die Modebranche boomt in dieser Zeit, die Menschen wollen die schlechten Zeiten vergessen. Mit wunderschönen bildhaften Beschreibungen von Kleidern, Accessoires und bunten Stoffen taucht man in eine Farbwolke voller Eindrücke ein, die im Luxussalon von Valentina die kaufkräftige Kundschaft einkleidet. Namen wie Greta Garbo,
Eleanor Roosevelt, Marlene Dietrich oder Katharine Hepburn reichen sich die Klinke in die Hand, um von Valentina ein Kleid ausgesucht zu bekommen.

Der eingängige Erzählstil hat mich locker durch die Handlung geführt, manche Szenen sorgen für Unterhaltung, andere drehen sich um Skandale und die Liebe spielt auch eine Rolle.

 
In diesem historischen Roman habe ich die Modeszenen genossen und ich konnte den Zeitgeist nachspüren. Der Handlung hätte etwas mehr Tiefgang gut getan und zu Valentina konnte ich leider so gar keine Beziehung aufbauen, deshalb ist die Lektüre für mich ein wenig enttäuschend.  

 

***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



Dienstag, 24. Oktober 2023

Ich bin Frida - Caroline Bernard

Ein intensiver Blick in Frida Kahlos Leben, Lieben, Malen und Leiden  
 
Der Roman "Ich bin Frida" von Caroline Bernard ist der 23. Band der Reihe "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe", die im Aufbau Taschenbuch Verlag erscheint. Hinter diesem Autorennamen verbirgt sich Tania Schlie.
  
 
Frida Kahlo de Rivera (* 6. Juli 1907 in Coyoacán, Mexiko-Stadt, † 13. Juli 1954) Sie zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen einer volkstümlichen Entfaltung des Surrealismus. 


 
Über ihr bewegtes Leben und die angegriffene Gesundheit der Ausnahmekünstlerin Frida Kahlo habe ich bereits im Roman "Frida Kahlo und die Farben des Lebens" einiges erfahren. Mit diesem Buch konnte ich an mein Wissen anknüpfen und erneut in einen Lebensabschnitt von Frida Kahlo eintauchen. Es geht um die Zeit, als sie ihren großen künstlerischen Erfolg in New York startete, man erfährt, wen sie dort kennenlernte und was die räumliche Trennung von Diego mit ihr machte. Denn auch wenn die Ehe mit Diego durch seine treuloser Art auf einem Tiefpunkt angelangt ist, so liebt Frida ihn doch aus tiefster Seele und braucht seine Bestätigung auch für ihr künstlerisches Schaffen. 
 
Der einfühlsame Erzählstil von Caroline Bernard lässt mich teilhaben am Leben der Malerin und ich folge ihr durch das Buch wie ein unsichtbarer Schatten. Das liegt einerseits am wunderbar lebendigen Schreibstil der Autorin, aber natürlich auch an der interessanten Künstlerin und Frau Frida Kahlo, die in New York selbstbewusst aus dem Schatten Diegos tritt und ihre eigenen Werke als eigenständige Künstlerin präsentiert. Fridas Abnabelung von Diego ist ihr persönlicher künstlerischer Befreiungsschlag. Sie genießt ihre große Freiheit, geht Affären ein, trifft sich u.a. mit Nick Muray und nimmt am öffentlichen Leben teil und wird als Shootingstar der Kunstszene gefeiert. Doch ihr Körper hat seine Schwachstellen und ihre gesundheitliche Einschränkung verarbeitet sie auch in ihren Bildern. 
 
So sehr mir dieser Roman auch gefallen hat, er hat mich inhaltlich an den bereits erschienenen Roman "Frida" von M. Gottschalk erinnert. Beide Roman ranken sich um diesen besonderen Lebensabschnitt Frida Kahlos und beide beschreiben auf wunderbare Weise ihre persönliche Entwicklung und ihren Lebenshunger. 
 
Die Handlung umfasst sehr lebendig das ausschweifende Leben mit Freunden und Bekannten, es zeigt die künstlerische Anerkennung durch die Kunstszene und immer wieder wird deutlich, wie Frida Kahlo ihre Schmerzen und emotionalen Erlebnisse in ihren Bildern ausdrückt. Mit diesem künstlerischen Schaffen hat sie sich endgültig aus dem Schattenbereich Diegos gelöst. In diesem Buch geht Caroline Bernard auf einzelne Gemälde ein und erklärt die verarbeiteten Gründe und Anlässe. Im Anhang gibt es eine Liste der wichtigsten in New York und Paris ausgestellten Bilder. 
Was den Roman wunderbar lesbar macht und mit Farben anreichert, ist das Äußere Fridas, ihre Frisuren und die bunte Kleidung werden in allen Details beschrieben. Damit bekommt man einen guten Eindruck, wie sie mit ihrer auffälligen Kleidung für Aufsehen sorgte und erfährt, dass ihre mexikanischen Röcke ihr Markenzeichen waren und sie damit persönliche Makel verstecken konnte.   

Dieser Roman lässt einen berührenden und intensiven Blick auf die Frau und Künstlerin Frida Kahlo zu und macht deutlich, wie Fridas Abnabelung von Diego ihr künstlerischer Befreiungsschlag war. Meine Leseempfehlung für alle Frida-Fans!


***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

Mittwoch, 26. Juli 2023

Die Fabrik der süßen Dinge - Helenes Hoffnung - Claudia Romes

Zwischen Liebe, Frauenpower und Lakritz

 
Im Aufbau Taschenbuch Verlag erscheint der erste Band der Romanreihe "Die Fabrik der süßen Dinge - Helenes Hoffnung" von Claudia Romes
 
Köln, 1927: Helene von Ratschek hat als Tochter eines Süßwarenfabrikanten die Leidenschaft für süße Köstlichkeiten geerbt. Sie liebt es, eigene Rezepte für Lakritz, Konfekt oder Weingummi zu entwickel. Ihr Vater plant für seine Nachfolge in der Manufaktur Helenes beiden Brüder ein, Helene wird einfach übergangen und soll einen Geschäftspartner heiraten. Doch danach steht Helene nicht der Sinn, sie möchte ihr Leben frei bestimmen können. Deshalb zieht sie nach Hamburg und übernimmt bei der Konkurrenz eine Stelle und trifft dort auf den Fabrikantensohn Frederik.


Der Roman katapultiert mich in die Zeit um 1927 als Firmen den Söhnen der Familie überlassen wurden und sich das Rollenbild einer Frau auf Ehemann, Kinder und Haushalt beschränkte. Diese Rolle soll laut Helenes Vater auch ihr beschieden sein. Aber die junge Frau widersetzt sich den Wünschen und nimmt unter falschem Namen in einer anderen Süßwarenfirma eine Stelle an. Bei dieser Arbeit kann man ihr wunderbar über die Schulter schauen, sieht die Entstehung der süßen Köstlichkeiten und Lakritzspezialitäten und kann sich die Düfte wunderbar vorstellen. 

Die Charaktere hat Claudia Romes gut dargestellt, sie zeigen Emotionen und besondere Ecken und Kanten, die sie klar definieren. Helene wurde mir während des Lesens immer sympathischer, ihre Suche nach einem selbstbestimmten Leben schlossen auch die große Liebe mit ein. Die Handlung ist gut nachvollziehbar, sehr klar kristallisiert sich heraus, dass Helene eine starke Persönlichkeit ist, sich gegen einige Widrigkeiten behaupten kann und trotz aller Süßigkeiten nicht ihre Gefühle vergisst. Der zeitbeschreibende und leichte Erzählstil führt flüssig durch die Handlung, große Spannungsmomente habe ich nicht erwartet und wurde von der Story gut unterhalten. Es hat mir gut gefallen, wie es Helene gelingt, ihrem vorgesehenen Schicksal die Stirn zu bieten.
Mit diesem Roman reist man in eine Zeit als die Emanzipation noch in den Kinderschuhen steckte. Die Protagonistin bereitete den Weg vor und ich erwarte mit Spannung den nächsten Band der Reihe.

***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


Sonntag, 10. November 2019

Frida Kahlo und die Farben des Lebens - Caroline Bernard

Ein ganz besonderes Leseerlebnis über Frida Kahlos Lebens- und Leidenswerk


Der Roman "Frida Kahlo und die Farben des Lebens" von Caroline Bernard ist der 11. Band der Reihe "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe" aus dem Aufbau Taschbuch Verlag.


Mexiko, 1925: Frida will Ärztin werden, die Folgen eines schweren Unfalls fesseln sie in einem Gipskorsett ans Bett. Sie nutzt die Zeit und malt liegend Bilder. Als sie den berühmten Maler Diego Rivera kennenlernt, verliebt sie sich und später heiraten sie. Gemeinsam lieben sie die Kunst, doch Diego ist ihr untreu. Frida stürzt sich in in ihre Malerei und ins Leben und hat mit ihren Gemälden Erfolg. Die Pariser Surrealisten liegen ihr genauso zu Füßen wie Picasso und Trotzki. Frida geht ihren eigenen Weg.
 


Frida Kahlo de Rivera (* 6. Juli 1907 in Coyoacán, Mexiko-Stadt, † 13. Juli 1954)
Sie zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen einer volkstümlichen Entfaltung des Surrealismus.

Zitat: "Meine Bilder sind wie die Kinder, die ich nicht haben darf..." Seite 319

Diese Buchreihe mag ich sehr, denn es werden immer wieder interessante Frauenfiguren im Bereich Kunst, Literatur oder Musik vorgestellt. 

Von Frida Kahlo kenne ich einige ihrer Bilder und weiß, das sie kein leichtes Schicksal hatte.
Mit diesem Buch konnte ich sehr intensiv in Frida Kahlos Leben und in ihr künstlerisches Schaffen eintauchen und der Malerin wie ein unsichtbarer Schatten folgen. Das liegt zunächst einmal am wunderbar einfühlsamen Schreibstil der Autorin, aber auch an der interessanten Figur Frida Kahlos und ihrer gelungenen Darstellung im Buch an sich.

Caroline Bernard bringt sämtliche Gefühle und Stimmungen Fridas berührend und sehr deutlich zum Ausdruck und man fühlt sich ihr sehr nahe. Allen Schmerzen zum Trotz entwickelt Frida nach einem Unfall echten Kampfgeist und rappelt sich wieder auf, ständig begleitet von einem Gipskorsett, welches sie nach ihren Verletzungen tragen muss. Sie malt im Liegen und die Kunst und Malerei werden für sie zur treibenden Kraft und auch die Liebe zu Diego, in dem sie einen künstlerischen Seelenverwandten findet, ermutigt sie und gibt ihr Kraft, anstatt mit ihrem Schicksal zu hadern. Eine tolle Frau!
Richtig glücklich verläuft die Ehe mit Diego Rivera nicht, sie erleidet mehrere Fehlgeburten und Diego betrügt sie ständig. Irgendwann kann Frida auch damit umgehen und sie genießt ihr Leben, hat mehrere Liebschaften und nimmt sich vom Leben das, was sie glücklich macht. Ihre Krankheit, ihre Verzweiflung und ihren Kummer verarbeitet Frida in ihren Bildern und zeigt mit ihrer bunten mexikanischen Kleidung Lebensfreude, die überall auffällt. 

Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die intensive Darstellung von Fridas Gefühlen, den farbenfrohen Bildern und der schwierigen Ehe. Ich bewundere ihren enormem Lebensmut, ihre Leidenschaft und ihren Lebenshunger. Auch ihre politischen Ansichten und ihr revolutionärer Eifer werden im Buch deutlich.

Fridas Geschichte ist ausdrucksvoll eingebunden in das politische Zeitgefühl und gesellschaftliche Umfeld in Mexiko, aber auch in Amerika, wo Frida ebenfalls gelebt hat. Man kann ihre Familie und Freunde näher kennenlernen und entdeckt, wie wichtig die Kultur der Azteken für Frida war.

Eine starke Frau, die ihre Wut in Stärke verwandelt und sich aus ihren eigenen Tiefschlägen umso stärker wieder erhebt. Ihre farbenprächtigen Bilder sind Zeichen ihrer Kraft und ihres Mutes, ihren Weg weiter zu gehen. Allen Widerständen und Verlusten zum Trotz. Sie flüchtet in ihre Kunst, diese Gemeinsamkeit verbindet sie auch mit Diego und das ist auch ein Grund für ihre große Liebe zu ihm.   


Die einfühlende und lebendig erzählte Geschichte dieser Künstlerin hat mich fasziniert, ich bin betroffen vom schweren Schicksal Fridas und begeistert von ihrem enormen Kampfgeist. 
Selten hat mich ein Buch einem Menschen näher gebracht und ich habe Frida Kahlo einfach nur für ihre Courrage und ihren Lebensmut bewundern können und die Autorin für dieses äußerst gelungene Buch.


***Herzlichen Dank an wasliestdu und den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***