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Freitag, 25. September 2026

Das Seebad am Nordseestrand - Regine Kölpin

Ein fesselnder Blick ins historische Wangerooge

Regine Kölpins historischer Roman Das Seebad am Nordseestrand erscheint im Piper Verlag.  

Wangerooge, 1829: Bernhardine Westings Mann ist wenig begeistert als er zum Badekommissar von Wangerooge ernannt wird, seine Frau dafür umso mehr. Sie möchte aus der Insel ein exkulsives Seebad machen und macht sich voller Tatkraft an die neue Aufgabe. Allerdings muss sie ihr Vorhaben gegen die ablehnende Haltung einiger Insulaner durchsetzen, während andere erkennen, dass hier neue Arbeitsplätze entstehen und lohnende Einnahmen durch Kurgäste winken. 

                             

Beeke Tammen ist Insulanerin aus einfachen Verhältnissen, ihr Vater hat sie Okko, dem Sohn des Lehrers versprochen, doch Beeke träumt von einer Heirat mit ihrem Jugendfreund Edo, was ihre Eltern ablehnen. Mit dem Antritt des neuen Badekommissars bietet sich für Beeke die Chance, dort eine Anstellung zu bekommen. Sie hat Glück und arbeitet in der Küche. Sie hofft mit ihrem Verdienst nicht länger auf eine Verheiratung angewiesen zu sein. 

Mit erzählerischer Leichtigkeit zeichnet Regine Kölpin ein anschauliches Bild des damaligen Lebens auf Wangerooge, sodaß man wie bei einer Zeitreise die Schauplätze und gesellschaftlichen Strukturen erleben kann. Figuren wie Beeke und Bernhardine sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich war gefesselt, die bewegenden Schicksale der beiden Frauen zu begleiten und zu erleben, wie sich beide Frauen gegen ihre persönlichen Widersacher behaupten müssen. In Beekes Fall entsetzten mich besonders die übergriffige Gewalt durch Männer, die die junge Frau in eine ausweglose Situation gebracht haben, aber nicht für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wurden. Statt dessen hatten stets die Frauen als Gefallene einen schlechten Stand. 

Die Schilderung der Maßnahmen zum Ausbau Wangerooges als modernes Seebad habe ich interessiert verfolgt. Man musste den reichen Bürgern und Kleinadel schon etwas bieten, um sie auf den Geschmack der heilenden Seeluft zu bringen. Diese Aufgabe übernahm die reale Figur Bernhardine Westing, die Regine Kölpin sehr ausdrucksstark in ihre Geschichte einbindet und das Ganze mit einer glaubhaften historischen Nordsee-Atmosphäre einfängt. 

Für Töchter wie Beeke gab es früher keine großen Möglichkeiten, eigene Wege zu gehen. Sie hatten anfallende Aufgaben im Haushalt der Familie zu erledigen, auf die kleineren Geschwister aufzupassen und sich dem Diktat der Männer in eine Verheiratung zu fügen. Deshalb hat mich Beekes Lebensweg sehr gefesselt und ich war angetan, wie sie dank ihrer fleißigen und loyalen Art in Bernhadine eine Fürsprecherin gewinnt, die ihr mehrfach aus schwierigen Situationen heraushilft. Schon früh erkennt Bernhardine Beekes Potential und durch ihre Unterstützung entwickelt sie sich Beeke in eine selbstbewusste junge Frau, die keine Ehe ohne Liebe eingehen will.  

Dieser historische Roman zeigt ein buntes Bild des Alltagslebens der damaligen Zeit mit den gesellschaftlichen Unterschieden und lässt uns zwei starke Protagonistinnen begleiten, die sich ihren Platz in der Männerwelt erkämpfen.  

***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

                                    

Montag, 21. September 2026

Die Weihnachtsfähre - Janne Mommsen

Stille Nacht an Bord

Im Rowohlt Verlag erscheint Janne Mommsens Nordseeroman Die Weihnachtsfähre.

Heiligabend 1990: Einige Fahrgäste haben in Dagebüll die letzte Fähre nach Föhr verpasst, doch der ebenfalls gestrandete Innenministers spielt seinen Einfluss aus und so legt eine Sonder-Fähre an, um die Menschen noch pünktlich zum Weihnachtsfest auf die Insel zu bringen. Die Fahrgäste sind ein bunter Mix an Personen: der Minister, die gebürtige Föhrerin Beeke, die alleinerziehende Maria mit ihren beiden Kindern, Florian und Sandra aus Hamburg, ein Oberstaatsanwalt mit seiner Frau, sowie der Weihnachtsmann und der Pastor, die zur Ausübung ihrer weihnachtlichen Aufgaben dringend erwartet werden. Obwohl die schlechte Witterung ungemütlich ist, kommt die Fähre problemlos voran, bis sie plötzlich im Schlick fest sitzt. Damit zerplatzt der Traum vom gemütlichen Weihnachtsfest auf der Insel und die Reisenden müssen Weihnachten an Bord verbringen.

 

Janne Mommsen startet seine Geschichte romantisch unter der tropischen Sonne einer karibischen Insel, dort lebt die Föhrerin Beeke seit einem halben Jahr und genießt das Nichtstun, sowie Land und Leute. Aber je näher Weihnachten rückt, umso mehr sehnt Beeke sich nach ihrer rauen Heimat Föhr, wo um diese Zeit die Nordsee tobt und ein eisiger Wind weht und die Menschen in ihren gemütlichen Reethäusern die Adventszeit verleben.

Mommens Inselliebe macht sich in den schönen Landschaftsbeschreibungen und der norddeutschen Mentalität der Bewohner bemerkbar und ich bin in eine warmherzige Geschichte eingetaucht, wo die Nordseewellen, Ebbe und Flut und der Zusammenhalt der Insulaner spürbar wurde. 

Während die Reisegäste auf dem Fährschiff festsitzen und sich zusammen raufen müssen, um Heiligabend friedlich verleben zu können, herrscht auch auf Föhr der Ausnahmezustand. Der Pastor und das köstliche Catering sind an Bord der Fähre und so muss jemand anderes für die Predigt im Friesendom gefunden werden und Ersatzessen für die große Heiligabendparty heran geschafft werden. Inselpolizist Ralf ist nun gefordert und sorgt mit seiner Auswahl für humorvolle Szenen. 

Das Buch liest sich wunderbar flüssig und es entsteht eine kurzweilige Geschichte mit einigen Widrigkeiten, in die ich gespannt eingetaucht bin. 

Auf dem Schiff kommt es noch zu weiteren Problemen, doch da sich die Menschen hilfreich unterstützen, ist am Ende der weihnachtliche Friede wieder hergestellt. Und diese friedliche Eintracht mit menschlicher Warmherzigkeit ist die echte Botschaft von Weihnachten.  

Eine wunderbar warmherzige Weihnachtsgeschichte mit Nordseefeeling, die für eine gemütliche Lesezeit in der Adventszeit bestens geeignet ist. 

***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

                                                    

 
  • Mommsen, Janne - Die kleine Inselbuchhandlung
  • Mommsen, Janne - Die Bücherinsel  
  • Mommsen, Janne - Friesensommer
  • Mommsen, Janne - Mein wunderbarer Küstenchor 
  • Mommsen, Janne - Oma dreht auf 3  
  • Mommsen. Janne - Ein Fest im kleinen Friesencafé
  • Mommsen, Janne - Das Licht in den Wellen 
  • Mommsen, Janne - Das Salz in der Luft  
  • Mommsen, Janne - Die Weihnachtsfähre 
  •                                                     

    Samstag, 11. Juli 2026

    Sturmland - Miriam Georg

    Fesselnder Auftakt über die Unberechenbarkeit der Nordsee und der Liebe  

    Im Rowohlt Verlag erscheint Miriam Georgs Roman Sturmland, der erste Band der historischen Sturmland-Reihe.  

    Die Reedertochter Cora flieht aus ihrem fremdbestimmten Leben in Hamburg und nimmt unter falschem Namen eine Stelle als Hauslehrerin im Seebad Norderney an. Unbedarft bringt sie sich und ihre Schülerin Emmi in Gefahr und wird vom Tagelöhner Onnen gerettet. Beide könnten von ihrer Bildung und Lebensbedingungen kaum unterschiedlicher sein. Onnen hegt ein Gemeinmis, dass ihn immer wieder auf seine Heimatinsel Borkum führt und Cora versucht, ihre Vergangenheit zu verbergen. 
     

     
     
    Der flüssige und bildhafte Erzählstil Miriam Georgs hat mich durch den Roman fliegen lassen. Sie schafft es, die Figuren mit Leben zu füllen und interessante Wendungen und Schicksalswege einzubauen, die mich gefesselt haben. 
    Die Geschichte enthält viele Vorkommnisse, die die damalige Zeit und die Lebensumstände verdeutlichen und gleichzeitig auf kurzweilige Weise das widrige Leben auf den Nordseeinseln näher bringen. Die Liebesgeschichte zwischen Cora und Onnen ist früh erahnbar, doch ihr Glück ist nicht von Dauer. 
      
    Sturmland hat mich mit den Erlebnissen der gut gezeichneten Figuren und mit der eingebauten Liebesgeschichte gut unterhalten und mir gleichzeitig das Leben um 1860 mit seinen gesellschaftlichen Unterschieden, der Wunsch der Frauen nach Selbstbestimmung und die Heilkunst von Inselhebammen näher gebracht. Die damalige Rolle der Frau war eine untergeordnete, Bildung war kaum erwünscht, die Frauen mussten sich dem Willen ihres Ehemannes oder Vaters beugen. Cora hat genug von diesem Leben.
     
    Als die Nordseeinseln Norderney und Borkum als Seebäder anerkannt wurden, fuhren wohlhabende Reisende vom Festland zur Kur auf die Inseln, um dort die Luft, das Meer und wohltuende Bäder zu genießen. Für die zahlenden Gäste räumten die Inselbewohner ihre Schlaf- und Wohnzimmer, um mit der Beherbergung zusätzlich Geld zu verdienen. Denn ansonsten gab es nur den Fischfang, um Geld zu verdienen. Die Menschen auf den Inseln hatten ständig mit der Unberechenbarkeit der Nordsee zu kämpfen, viele Seeleute kehrten wegen Sturm und rauer See nicht von ihren Touren zurück und hinterließen Witwen und Waisen, die sich abmühen mussten, um finanziell über die Runden zu kommen. Eine organisierte Seenotrettung gab es damals noch nicht und so ließen viele Seeleute ihr Leben auf See. Miriam Georg hat in ihrem Roman nicht nur die damalige Rolle der Frau beleuchtet, sondern mir auch die Gefahren an Nordsee lebendig vor Augen geführt. 
     
    Das Buch endet mit einem Paukenschlag, der mich gespannt auf die Fortsetzung warten lässt. 
     
    Miriam Georg verwebt zeitbeschreibende Perspektiven und lebendige Beschreibungen mit dem Wagemut ihrer Protagonistin und anderer Figuren. Damit gelingt es ihr, mich emotional zu fesseln und gleichzeitig mit dem Geschehen und den Widrigkeiten des Lebens am Meer und auf See zu unterhalten. 

     
     
    ***Herzlichen Dank an den Rowohltverlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     

     

    Sonntag, 24. Mai 2026

    Tödliche Hallig - Hendrik Berg

    Fesselnder Krimi mit Wattenmeer- und Hallig-Atmosphäre 

    Im Goldmann Verlag erscheint mit Tödliche Hallig von Hendrik Berg der 12. Band der Nordsee-Krimireihe. 

    Im nordfriesichen Wattenmeer wird vor der Hallig Süderoog eine männliche Leiche gefunden. Theo Krumme und seine Kollegin Pat aus Husum untersuchen den Fall. Wer ist der Mann, wurde er angespült oder hier ermordet? Theo befragt die Bewohner der Hallig, ein junges Paar und eine Gruppe von Archäologiestudenten, die hier nach alten Schiffsspuren suchen.  

     


     

    Direkt im Wattenmeer liegt einsam die Hallig Süderoog, die zur Gemeinde Pellworm gehört. Wer hier abgeschieden lebt, ist von den Gezeiten abhängig, nur umgeben von Wasser und den Geräuschen der Vögel und des Meeres. So einsam zu leben, ist nicht einfach und manchmal wohl auch beängstigend, wenn Stürme toben und die Wellen über die Hallig steigen. Hendrik Berg hat diese spezielle Stimmung gut eingefangen und in seinen Krimi eingewoben. 

    Der Ermittler Theo Krumme ist ein sympathischer und angenehmer Mensch, der seine Arbeit einfühlsam und mit der nötigen Ruhe erledigt. Mit seiner Kollegin Pat ist er ein eingespieltes Team, die sich gut ergänzen. Der flüssige Erzählstil Hendrik Bergs lässt sich sehr gut lesen, die Figuren werden vor dem Hintergrung der Nordsee-Atmosphäre mit den Gezeiten der Nordsee vorgestellt und man kann sich gut in die Handlung hineinfühlen. Für gruselige Stimmung sorgt die alte Legende um den dunklen Nickels, der aus dem Meer steigt und Menschen holt. Einige Figuren scheinen mit ihren fiesen Charakterzügen direkte Nachfahren dieses Nickels zu sein. Deshalb vermischt sich im wabernden Nebel öfter Legende und Wahrheit. 

    Dank der bildhaften Landschafts- und Szenenbeschreibungen war ich mittendrin, spürte die wechselnde Atmosphäre des Meeres und erlebte die Figuren aus nächsten Nähe. Ich rate bei Krimis immer gerne mit, doch es war mir nicht möglich, den Täter selbst zu ermitteln, dafür kamen einige Hinweise erst sehr spät. 
     
    Die Spannung baut sich allmählich auf, es gibt eine fesselnde Grundstimmung und einige bedrohliche Szenen sorgen für Nervenkitzel. Die Mischung aus glaubhafter Ermittlertätigkeit, die örtlichen Wechsel zwischen Pellworm und der Hallig und ein Gang durchs Watt wirken sehr authentisch und prägen den Krimi in besonderem Maße.  

    Fesselnder Krimi, der mit einem interessanten Fall, echter Nordsee-Atmosphäre und glaubhaften Figuren punktet!

     
    ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!***  
     

     
     
  • Berg, Hendrik - Lügengrab 2
  • Berg, Hendrik - Schwarzes Watt 4
  • Berg, Hendrik - Kalte See 5  
  • Berg, Hendrik - Dunkler Grund 7
  • Berg, Hendrik - Tödliche Hallig 12 
  • Freitag, 9. Januar 2026

    Das Echo der Gezeiten - Rebekka Frank

      

    Die Geheimnisse der Nordsee

     
    Im Fischer Krüger Verlag erscheint der Roman Das Echo der Gezeiten von Rebekka Frank. 

     
    St. Peter, 1955: Tilla sieht ihre Zukunft nicht in einer Heirat, sie will tauchen und die Kraft des Meeres und seiner Geheimnisse nach spüren.  
     
    1633: Nes und ihre Mutter suchen nach einem Schicksalsschlag Zuflucht in einem Beginenkonventauf der Nordseeinsel Strand. Doch als Kinder spurlos verschwinden, wird ihre Anwesenheit von den Inselbewohnern kritisch beäugt. Als am Horizont ein Schiff auftaucht, könnte das Rettung oder Verderben bedeuten.
     

     
      
    Rebekka Franks Buch rankt sich um ein geheimnisvolles Schiffswrack, das mit zwei Frauen in zwei Zeitebenen verbunden ist. Der erste Handlungsstrang erzählt die Geschichte von Nes beginnend im Jahr 1633 und die zweite Handlungsebene startet 1955 mit Tilda. Beide Frauen widersetzen sich den Widrigkeiten ihrer Zeit und stehen für ein selbstbestimmtes Leben ein. Beide Geschichten werden von der authentisch geschilderten Atmosphäre der unberechenbaren Nordsee begleitet, die dem Roman einen runden Schliff verpasst. 
     
    Tilla beginnt ein Studium und hat es nicht leicht, sich in der Männerdomäne zu behaupten. Sie träumt davon, eine berühmte Taucherin zu werden und alte Schiffswracks auf dem Meeresgrund aufzuspüren. 1633 flieht die Friesin Nes mit ihrer Mutter und findet Zuflucht in einem Beginenkonvent. Sie muss sich gegen den Aberglauben der Insulaner behaupten. Als Tillas Traum wahr wird, kommt sie dem Leben von Nes näher und bringt Vergangenes ans Tageslicht.
     
    Beide Frauen sind willensstarke Charaktere, die sich ihre gesteckten Ziele entgegen der geltenden Konventionen ihrer Zeit erkämpfen und dabei vor allem ihre Unabhängigkeit im Blick haben. Mit Tilla und ihrer Leidenschaft fürs Tauchen bin ich schnell warm geworden und habe ihre Geschichte gespannt verfolgt. Nes wirkte auf mich dagegen etwas nebulös, ich habe sie als mystische Figur ohne große Einblicke in ihr Innenleben gesehen, die mir deshalb nicht so nahe kam wie Tilla.   
     
    In diesem Roman gibt es spannende Charaktere und Szenen zu entdecken, dramatische und schicksalshafte Vorgänge zu verkraften und emotionale Momente im Leben der beiden Frauen mitzuerleben und mit ihnen mitzufiebern. Und als Hintergrundszenerie lockt die Nordsee und sorgt mit ihrem Rauschen nicht nur für die passende Begleitung, sie bringt zusätzliche Dramatik ins Spiel. 
     
    Die Geschichte stellt die Magie des Meeres in den Mittelpunkt, macht den gesellschaftlichen Wandel im Bereich der Emanzipation sichtbar und verknüpft ihn anschaulich mit weiblichen Schicksalen. Eine interessante und fesselnde Kombination!  
     
     
    ***Herzlichen Dank an Lesejury für diesen Buchgewinn!***
     
     
     

    Dienstag, 11. Februar 2025

    Die Zweisteins – Familie formt den Charakter - Regine Kölpin

    Humorvoller Roman, der den Familienzusammenhalt feiert!  

     
    Im Knaur Verlag erscheint Regine Kölpins Familienroman "Die Zweisteins – Familie formt den Charakter". 
     
    Juna erbt von ihrer Tante ein ungenutztes, renovierungsbedürftiges Hotel an der Nordsee, den früheren Charme kann man noch ahnen. Sie ist Feuer und Flamme, möchte mit ihrer Familie dorthin ziehen und das Hotel wieder in Betrieb nehmen. Doch machen da die Kinder und ihr Mann mit? Denn die sind ganz zufrieden mit ihrem Leben in Wilhelmshaven und können dem Kaff Tulpenboom nicht viel abgewinnen. Familiäre Turbulenzen sind vorprogrammiert.
     


    Es ist nicht so einfach, wenn sich eine Familie in einem Heimatort etabliert hat und dort wohl fühlt. Deshalb muss Juna gut überlegen, wie sie ihre Familie

    von einem Neustart in Tulpenboom in seiner schönen ländlichen Gegend überzeugen kann. Ihr Mann Matthis ist Banker und will eigentlich nichts groß verändern. Ihre Teenager-Tochter Leonie hält es für unmöglich von der Stadt aufs Dorf zu ziehen, dort ist ja nichts los. Nur der 13-jährige Friedrich entdeckt durch sein geschichtliches Interesse das ein oder andere Argument für Tulpenboom. Leider sind die Tulpenboomer Bewohner ziemlich rückständig und stehen Veränderungen, inclusive einem neuen Hotel, wenig offen gegenüber. Doch Juna setzt ihren gesamten Ehrgeiz ein, findet schnell Mitstreiter, die sie unterstützen und bezieht ihre Familie in ihr neues Projekt mit ein. Das bringt natürlich einige Überraschungen mit sich, doch wenn alle zusammen halten und eigene Ideen einbauen, kann das klappen.
     
    Der locker-flüssige Erzählstil führt abwechslungsreich und humorvoll durch die Handlung. Regine Kölpin führt uns den landschaftlichen Nordsee-Charme ihres fiktiven Ortes Tulpenboom vor Augen und lässt uns in das unterhaltsame Alltagsleben ihrer Zweisteins eintauchen. Es gibt einige Hürden zu überwinden, die die Familie vor neue Herausforderungen stellt. Gemeinsam kommen sie sich wieder als Familie näher und stehen enger zusammen als je zuvor. 
     
    Interessante und gut gezeichnete Charaktere findet man in diesem Buch zuhauf, ihre unterschiedlichen Ansichten und Besonderheiten macht Regine Kölpin mit erkennbaren Eigenschaften deutlich und so kann man sich die Figuren wunderbar vorstellen. Ich habe die Zweisteins, ihre Verbündeten und ihre Widersacher gerne bei ihren Vorhaben begleitet und wurde gut unterhalten.
     
    Ein wunderbar humorvoller Roman, der den Familienzusammenhalt in den Vordergrund stellt und uns vom Urlaub an der Nordsee träumen lässt.    
     
    ***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

       

    Mittwoch, 3. Juli 2024

    Das Schweigen der Dünen - Kaja Petersen

    Ein atmosphärischer Krimi um ein Verbrechen auf Spiekeroog!

    Im Emons Verlag erscheint der Küsten Krimi "Das Schweigen der Dünen" von Kaja Petersens (Pseudonym von Katharina Drüppel).

    Kriminaloberkommissarin Serafine Küster hat nach einem Schicksalsschlag beruflich eine Pause einlegen müssen und leidet immer noch an ihrem Trauma. Doch nun möchte sie langsam wieder mit der Arbeit starten und reist als Sommerverstärkung bei der Polizei nach Spiekeroog. Sie hofft, hier ausspannen zu können und mit kleinen Aufgaben wieder den Beruf in ihr Leben einbinden zu können. Aber dann sorgt ein rätselhafter Mordfall schon kurz nach ihrer Ankunft für eine neue, fordernde Aufgabe. Mitten in den Dünen eines Naturschutzgebietes wurde ein Skelett entdeckt, das laut rechtsmedizinischer Untersuchung eine Frau ist. Wer ist auf der Insel verschwunden und warum scheint niemand zu wissen, wer das Opfer sein könnte? Serafine ermittelt in alle Richtungen und je tiefer sie in die Vergangenheit eintaucht, umso rätselhafter wird der Fall.
     
     


    Der Krimi startet mit einem spannenden Prolog am Strand der Nordseeinsel Spiekeroog, der mich gleich auf den Fall und das Setting eingestimmt und neugierig gemacht hat.  

    Kaja Petersen fängt mit ihren bildhaften und authentischen Küsten- und Ortsbeschreibungen das Spiekeroog-Flair wunderbar ein und lässt damit automatisch Urlaubssehnsucht aufkommen. 

    Protagonistin Serafine kommt nach einem erlittenen Schicksalsschlag langsam wieder im Leben an und möchte auf der Nordsee-Insel einen ruhigen Polizeidienst starten. Gewaltverbrechen sind auf Spiekeroog nicht üblicher Polizeialltag. Aber Ausruhen ist nicht, Fine wird sofort mit dem Fall eines Skeletts betraut, der sie ziemlich fordert und gemeinsam mit Inselpolizistin Susa Most versucht Fine, den Mörder zu finden.

    Der Erzählstil ist flüssig, Petersen zeigt emotionale Ebenen der Personen auf und lässt viele umgangsprachliche Dialoge einfließen, die lebendig wirken und die Lage der Ermittlungen sichtbar machen. Die Figuren wirken authentisch und bekommen ein vorstellbares Profil, zu Fine konnte ich aber keine engere Verbindung aufbauen, sie blieb mir irgendwie fremd.

    Durch die tieferen Einblicke in das Leben des Opfers kommt Spannung auf und ich habe gespannt gerätselt, wer von den zahlreichen Tatverdächtigen ein Mordmotiv haben könnte. Die Schilderungen halten jedoch wichtige Informationen bis zum Ende zurück und die Auflösung am Ende hat mich dann schlichtweg überrrascht. 

    Die eingebauten Textnachrichten finde ich interessant, sie sind dem heutigen Alltagsleben angepasst. Allerdings konnte ich nicht glauben, dass mehrere Personen hier Jahre alte Nachrichten noch nicht gelöscht haben. 

    Der Auftaktband der Küstenkrimi-Reihe um Serafine ist eine echte Urlaubslektüre für den Strandkorb, unterhaltsam, fesselnd und gespickt mit kulinarischen Genüssen, die man an der Nordsee gerne isst. 


    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



    Freitag, 19. April 2024

    Die Tote am Kai - Bente Storm

    Spannende Verwicklungen 

     
    "Die Tote am Kai" ist der zweite Band um die Küstenkrimi-Kommissare Agatha Christensen und Victor Carvalho aus Cuxhaven. Bente Storms Reihe erscheint im Ullstein Verlag. 
     

    Agatha Christensen arbeitet bei der Wasserschutzpolizei Cuxhaven und hat mit ihrem Kollegen Ingmar den Dienst getauscht. Genau an diesem Tag wird Ingmar angeschossen und schwer verletzt, galt der Schuss ihm oder doch Agatha? Agatha fühlt sich verantwortlich und will den Täter finden. Kurz darauf wird eine junge Frau tot in einem Krabbencontainer gefunden und je mehr Agatha in diese beiden Fälle eintaucht, umso mehr erhärtet sich der Verdacht, dass hier ein Zusammenhang bestehen könnte.  


     
    Der Krimi spielt in der niedersächsischen Küstenstadt Cuxhaven und startet mit einem dramatischen Prolog. Beim Einlaufen in den Hafen wird das Boot der WaPo Cuxhaven beschossen und Agathas Kollege Ingmar schwer verletzt. Agatha hat ein schlechtes Gewissen, denn sie hat mit Ingmar den Dienst getauscht. Zeitgleich entdeckt Agathas Vater in einem Krabbencontainer am Fährhafen die aufgehängte Leiche einer jungen Frau. Es könnte Selbstmord gewesen sein, aber die Spuren führen Ermittler Victor Carvalho zu einem portugiesischen Restaurant, das auch Zimmer mit Frauen anbietet. Agatha beginnt ihre eigene Nachforschungen und ist Victor mit vielen Informationen voraus. 
     
     
    Die Figuren werden mit ihren Eigenheiten sehr lebendig vorgestellt und gleichzeitig werden auch ihre Beziehungen und das Miteinander sichtbar gemacht. Dazu bekommt man einen bildhaften Eindruck Cuxhavens und der Landschaft an der Nordseeküste und die Schilderung der Vorgänge auf dem Polizeiboot zeigen diese Arbeit sehr authentisch und schaffen eine lebendige Darstellung, in die man schnell hinein gezogen wird. 

    Es gibt knackig kurze Kapitel, die man schnell lesen kann und die Vorgänge der Ermittlungen und Befragungen werden in flüssigem Schreibstil so anschaulich geschildert, sodass man als Leser:in stets über den aktuellen Stand der Ermittlungen im Bilde ist. Es gibt aber immer wieder Spuren, die im Sande verlaufen oder die noch nicht zu Ende gedacht sind. Solche Wendungen geben dem Krimi die entscheidende kurzweilige Note. 
     
    Ein spannender Küstenkrimi, der viele Einblicke in die Arbeit der Küstenpolizei gibt, aber auch von Fangquoten und Geldsorgen der Fischer berichtet.
     
    ***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  
     


     

    Montag, 15. Januar 2024

    Föhr in Flammen - Eva-Maria Silber

    Packender Föhr-Krimi mit einem sich perfekt ergänzenden Ermittler-Duo

     
    "Föhr in Flammen" heißt der Insel-Krimi von Eva-Maria Silber, der im Emons Verlag erscheint. 
     
    Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Föhr werden in einer Holzhütte fünf Leichen entdeckt, alle wurden erschossen und gehören einer Familie an. Die örtliche Polizei fordert Kriminalhauptkommissar Jan Andretta von der Mordkommission Flensburg an, dem die Polizeianwärterin Maja Storm an die Seite gestellt wird. Andretta hat sich neben dem Fall noch einer weiteren Aufgabe zu widmen, denn er hat die Vormundschaft für seine Nichte Lisa übernommen und muss nun auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen. Andretta zieht mit Lisa nach Föhr, vor Ort kann er beide Aufgaben besser verbinden. Nun stellt sich die Frage: Wer hätte ein Motiv für diese Morde?
     


     
    Jan Andretta soll auf Föhr die Mordermittlungen leiten und wird von Maja Storm unterstützt. Maja geht logisch und objektiv an die bekannten Fakten heran, hinterfragt die Tathergänge intuitiv und ist für Andretta eine echte Bereicherung. Als Ermittler-Duo ergänzen sie sich perfekt und beide wirken sehr sympathisch. 

    In diesem Fall hat Andretta nicht nur mit vielen offenen Fragen zu kämpfen, sondern auch mit einem karriere-orientierten Kollegen, der sich gegen Andretta mit beruflichem Ehrgeiz um den Chefposten behaupten will. Doch Andretta ist ein Teamplayer und hält nichts von solchem Konkurrenzdenken. Er ist froh, mit Maja eine intelligente und engagierte Kollegin gefunden zu haben, mit der er harmoniert und deren Entwicklung er gerne unterstützt.

    Die Ermittlungen führen einige Dinge ans Licht, die einige Verdächtige ins Licht rücken. Als dann bei einem Brand ein weiterer Toter gefunden wird, bekommt der Fall die entscheidende Wendung.

    Der flüssige Schreibstil und die lokalen Beschreibungen lassen sich gut lesen, die Dialoge wirken lebendig und passen sich den unterschiedlichen Charakteren stimmig an und mit der sommerlichen Inselatmosphäre war ich sofort in die Handlung eingetaucht. Es gibt einige überraschende Wendungen, die sich logisch einfügen und der Geschichte den nötigen packenden Effekt verleihen.

    Sehr vielschichtig und interessant hat mich das menschliche Miteinander zwischen der Opfer-Familie, den Ermittlern und Andrettas Umgang mit Lisa unterhalten und die gegenseitige Anziehung zwischen Andretta und Storm lässt auf weitere Fälle hoffen. Ganz urlaubsmäßig haben auf mich die kleinen Ausflüge auf der Insel gewirkt, die als kleine Lichtblicke die grausamen Hintergründe der Morde etwas erhellt haben.  

    Überzeugend ist auch die stimmige Aufklärung der Taten, doch am Ende sorgt eine völlig überraschende Aussage für den großen Knall in dieser Geschichte.

    Dieser sehr atmosphärische Krimi hat mich mit seinem tollen Ermittlerteam auf eine spannende Tätersuche mitgenommen, mir die Sommerfrische auf Föhr näher gebracht und einen interessanten Einblick in die Psyche von Menschen ermöglicht, wie harmlose Menschen zu Tätern werden. 


    ***Herzlichen Dank an die Autorin für dieses Rezensionsexemplar!*** 




    Samstag, 17. September 2022

    Halligmord - Greta Henning

    Fesselnder Urlaubskrimi und Reihenauftakt mit Nordseeflair

    Der Sturm bringt es an den Tag

    "Halligmord" ist der Auftakt der Minke-van-Hoorn-Krimi-Reihe von Greta Henning, die im Ullstein Verlag erscheint.

    Auf der kleinen Hallig Nekpen wird nach einem Herbststurm ein Skelett freigelegt und Minke, die gerade neu als Kommissarin nach Friesland gekommen ist, soll den über dreißig Jahre zurückliegenden Fall aufklären. Was ist damals geschehen? Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn zusätzlich zu dem Mordfall hält Minke eine Entführung in Atem. 


                                   
    Mit "Halligmord" startet Greta Henning ihre neue Krimireihe um die Kommissarin Minke van Hoorn, die in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters tritt. Angesiedelt auf den Halligen in der Nordsee ist dieses Buch ein Handlungsort mit besonderem Flair und der ständigen Gefahr von Sturmfluten.

    Minke ist eine entschlossene, zielstrebige Person, sie engagiert sich in ihrer Freizeit als Watt-Rangerin und Robbenretterin und hat bei ihrem neuen Fall mit den alteingesessenen Familien auf Nekpen zu kämpfen, die die Ermittlung behindern und wohl etwas zu verbergen haben. Als der Sohn des alten Deichgrafen verschwindet, gewinnt die Ermittlung an Brisanz.  
    Leider ist ihr Kollege Klaus, ein waschechter Friese, der bald pensioniert wird, Minke keine große Hilfe, er möchte die letzten Arbeitstage lieber mit der Vorbereitung seines Ausstandes verbringen als die Aufklärung des Verbrechens zu unterstützen. Doch Minke kämpft sich wacker durch alle Hindernisse und bringt immer mehr Zusammenhängs ans Licht, die das Verbrechen vor über 30 Jahren erklären können.

    Der Krimi liest sich durch den flüssigen und situationsbeschreibenden Stil sehr lebendig, die Charaktere werden mit ihren besonderen Eigenheiten erkennbar dargestellt und der mysteriöse alte Fall, sowie der aufkommende Sturm sorgen für düstere Szenen, die der Handlung eine bedrohliche Stimmung verleihen. Außerdem würde eine Sturmflut auch alle Spuren beseitigen, die Minke jetzt noch zu dem Vermissten führen könnte.

    Greta Henning legt bei diesem undurchsichtigen Fall immer wieder falsche Fährten, die etwaige Schlussfolgerungen über den Haufen werfen. Wer verschweigt hier etwas und warum wurde der Tote ermordet? In Rückblenden erfahren wir einzelne Puzzleteile, die am Ende sehr schlüssig aufgeklärt werden und deutlich machen, wieso Menschen zu Mördern werden können.

    Ein atmosphärischer und fesselnder Nordseekrimi mit Hallig-Atmosphäre, der mich gut unterhalten hat.  

                                       

    Montag, 4. April 2022

    Austern surprise - Die Inselköchin ermittelt - Lili Andersen

    Unterhaltsamer Cosy-Crime an der Nordsee mit einem Hauch französischer Küche
     
    Im Heyne Verlag erscheint mit "Austern surprise - Die Inselköchin ermittelt" der zweite Teil der Inselköchin-Saga von Lili Andersen.
     
    Die französische Köchin Louise Dumas hat sich inzwischen gut auf Pellworm eingelebt, sie bekocht zur Zeit eine Gruppe aus Archäologen, Ethnologen und Historikern, die angefeuert durch Funde im Wattenmeer als „Rungholtfreunde“ um die Bedeutung der sagenumwobenen Handelsstadt Rungholt streiten. Leider bleibt es nicht bei Diskussionen, es sterben ein Archäologe, die Polizei hält es für einen Unfall, Louise geht aber von einem Mord aus und stellt mit Unterstützung ihres Freundes Momme Mommsen erste Nachforschungen an. Damit mischt sie sich aber auch in die Arbeit der Inselpolizistin Solveig Olms ein.


     
    Wie schon der erste Band, bietet auch der neue Fall um Inselköchin Louise eine schöne Mischung aus guter Unterhaltung, unblutiger Spannung und norddeutschem Inselflair mit Anklängen der französischen Küche. Das passt perfekt für eine gute Urlaubslektüre, denn das schön beschriebene Inselflair Pellworms mit Meer, Wind und salziger Luft macht auch Lust auf einen eigenen Besuch der Insel. Auch wenn die Tücken des Wattenmeeres bei Seenebeln durchaus Angst einflößen können.
     
    Der Fall startet mit einem fesselnden Prolog und baut sich kontinuierlich auf, nach dem ersten Toten geht das Morden weiter und damit steigt auch die Spannung weiter an. Man kann wunderbar miträtseln, erlebt die sprachlichen Ausflüge ins Plattdeutsche und ins Französische und bekommt eine so eine authentische Atmosphäre beider Nationalitäten geliefert.

    Dieser Krimi lässt sich ohne Vorwissen des ersten Buches lesen, man fährt aber besser, wenn man die Reihenfolge einhält und ich habe mich über das Wiedersehen mit den liebenswerten Figuren Louise, Tine und Momme gefreut. Die lebendig gezeichneten Figuren wuchsen mir weiter ans Herz, einige humorvollen Szenen lockern die Szenerie auf und die Rungholtsage wird auch auf interessante Weise eingebunden. 

    In Louises Küche entstehen einige wunderbare Gerichte, die ich gerne mitgegessen hätte. Und wie schon im ersten Band findet man zum eigenen Nachkochen auf den letzten Seiten des Buches ein paar Rezepte.

    Ein schöner Cosy-Crime zum Abschalten, der sich als schöne Urlaubslektüre anbietet.

     

    ***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!****

     

                                                

     Andersen, Lili - Krabbenchanson 

     

    Mittwoch, 2. März 2022

    Das Haus am Deich – Sicherer Hafen - Regine Kölpin

    Ein wunderbar stimmiger Abschluß der Reihe

    Im Piper Verlag erscheint mit "Das Haus am Deich-Sicherer Hafen" der dritte und abschließende Band von Autorin Regine Kölpin. 

    Fridas Hochzeit mit Wilfried sollte eigentlich ein Glückstag sein, doch noch während die Besucher ihnen nach der Trauung gratulieren, erscheint Fockos Mutter und stösst Frida gegenüber einen schrecklichen Fluch aus. Dabei hat Focko selbst das Weite gesucht und Frida fand in Wilfried einen verlässlichen Mann, mit dem sie endlich eine glückliche Familie führen wollte. Erna, die immer noch in Wilfried verliebt ist, zieht mit Heiko nach Ost-Berlin. Aber kann sie sich dort unter den sozialistischen Bedingungen wohlfühlen und wird sie mit Heiko glücklich? Wie wird sie sich entscheiden, als 1961 der Mauerbau eine Rückkehr in ihre Heimat versperrt?



    Das Leben der beiden Freundinnen Erna und Frida hatte schon viele Höhen und Tiefen, die sie immer gemeinsam gemeistert haben. Aber 1961 droht der Mauerbau ihr Leben für immer zu trennen. Erna suchte dort die Freiheit, das ein Leben in einer Großstadt verspricht. Doch sie fühlt sich nicht nur vom Sozialismus eingeengt, sie merkt auch, dass ihr Heikos Gesinnung nicht gefällt. Ihr gelingt die Flucht und wieder kann sie sich auf Fridas Hilfe verlassen. 

    Doch auch an der Küste ist das Leben nicht immer eitel Sonnenschein, die Folgen der großen Sturmflut sind verheerend und auch Frida zweifelt, ob sie im Haus am Deich alt werden will. 

    Nach dem beiden Vorbänden wollte ich unbedingt wissen wie es mit Frida und Erna weitergeht. Der Roman lässt sich gespannt lesen, die Freundinnen sind reifer und übernehmen selbst Verantwortung für ihr weiteres Leben. 

    Authentisch und nachvollziehbar beschreibt Regine Kölpin einerseits den Mauerbau 1961 in Berlin und die tragische Sturmflut an der Nordsee. Beide Ereignisse bedeuteten für zahlreiche Menschen einen dramatischen Kampf ums Überleben und einen gewaltigen politischen Einschnitt in ihr Leben. Einige Menschen verloren ihr Leben und Familien wurden für immer getrennt. Man kann während dieser im Buch gezeigten Szenen nur demutsvoll lesen und mit den Menschen mitleiden.

    Auch Frida und Erna erleben ihre eigenen Lebensprüfungen, beide Charaktere werden auf einfühlsame und lebendige Weise und ohne klischeehaft zu werden, beschrieben. Man kann mit beiden Frauen mitfühlen, mit ihnen lachen und weinen und wird auch über das Leben anderer Nebenfiguren, die einem ebenfalls ans Herz gewachsen sind, unterhaltsam und gefühlvoll informiert. Regine Kölpins flüssigem Erzählstil lässt sich interessiert folgen, die ihr typischen bildhaften Beschreibungen lassen die Zeit lebendig werden, sei es im Alltagsleben oder mit politischen Ansichten und gesellschaftlichem Hintergrund. Das dargestellte Leben der beiden Freundinnen habe ich gern begleitet und finde den Abschluß der Reihe gelungen und zufriedenstellend gelöst.


    Regine Kölpin hat ihrer Haus am Deich-Trilogie mit "Sicherer Hafen" einen stimmigen Abschluß der Reihe verschafft, bei dem man am Ende zufrieden das Buch schließt. 


    ***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Dienstag, 15. Februar 2022

    Ein Fest im kleinen Friesencafé - Janne Mommsen

    Ein leichter Wohlfühlroman mit Nordsee-Flair! 

    Im Rowohlt Verlag erscheint der Roman "Ein Fest im kleinen Friesencafé" von Janne Mommsen.

    Es wird Herbst auf Föhr, dort hat sich Julia mit dem kleinen Friesencafé ihren Traum erfüllt und stellt nebenbei noch ihre Bilder aus. Nach der Sommersaison werden nur noch wenige Gäste ins Café kommen, da muss sie sich etwas einfallen lassen, um finanziell durch den Winter zu kommen. Ein paar Ideen hat sie bereits, sie möchte Tanzstunden anbieten und Familienfeiern ausrichten. Trotz ihrer Verliebtheit zu Finn-Ole ist aus dem beiden leider kein Paar geworden, ständig gibt es zwischen ihnen Missverständnisse und nun muss er beruflich auch noch nach Amrum. Aber das ist ja bei Ebbe kein Problem, dann läuft man eben einfach durchs Watt. 

    Oma Anita und Kapitän Hark wagen einen Tanzkurs und weil sich Hark den Knöchel verletzt, lässt sich Anita vom attraktiven Tanzlehrer führen. Schliesslich will sie ja tanzen lernen. Das macht dem eifersüchtigen Hark ordentlich zu schaffen und er bringt sich durch unüberlegtes Handeln auch in Gefahr. Julia darf eine Silberhochzeitsfeier ausrichten und lenkt sich damit von ihrem Beziehungskummer ab. Aber wird diese Feier wirklich stattfinden? Man wird sehen...




    Durch den leichten und flüssig zu lesenden Schreibstil Janne Mommsens taucht man sofort in die Handlung ein und nimmt teil am alltäglichen Leben auf der Nordsee-Insel. Julia ist glücklich mit ihrem Café, hat aber finanzielle Sorgen, denn die nachlassenden Einnahmen werden sie nicht über den Winter bringen und ihre Oma Anita möchte sie auch nicht um Hilfe bitten. Deshalb versucht sie das Geschäft mit einem Partydienst und dem Ausrichten von Familienfeiern umzusetzen. Leider läuft es auch privat nicht so gut, ihre große Liebe Finn-Ole hat scheinbar eine neue Flamme auf Amrum und Julia findet nie die richtigen Worte, um ihm zu sagen, wie sehr sie ihn mag. Sehr gefreut habe ich mir für die späte Liebe zwischen Hark und Anita. Anita genießt ihr Rentenalter, möchte ihre Zeit nun mit schönen Dingen verbringen und freut sich auf den Tanzkurs. Allerdings kann sie Harks komisches Verhalten und seine Eifersucht nicht richtig deuten und bekommt plötzlich doch Zweifel, ob sie beide zusammen passen. 

    Bei diesem Roman spürt man das Zwischenmenschliche der Figuren, erlebt ihre Sorgen und wie sie bei Schwierigkeiten zusammenhalten. Über allem spürt man  die frische Luft und das besondere Flair auf der Insel. Man hört die Wellen rauschen und steckt bei der Wattwanderung mit den Füßen im Schlamm. Und dann wäre man zum Aufwärmen selbst gerne im kleinen Frisencafé mit einem leckeren Stück Ostfriesentorte und einer heißen Tasse Tee mit Kluntje. 

    Janne Mommsen präsentiert mit seiner Geschichte das normale Leben mit Alltags- und Beziehungsproblemen, mit einem abenteuerlichen Segel-Ausflug nach Helgoland, mit matschiger Wattwanderung und herbstlicher Küstenlandschaft und sorgt damit einfach für Wohlfühlstimmung. Wer das Leben an der Nordseeküste kennt, wird sich sofort dorthin sehnen und dabei alle Szenen bildhaft genau vor sich ablaufen sehen.

    Dieser stimmungsvolle Wohlfühlroman sorgt für angenehme Lesestunden, in denen man ohne Abstandsregeln eine Reise an die Nordsee erleben darf. Dabei kann man vom Urlaub auf Föhr oder Amrum träumen und wird gut unterhalten.


     ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

     


    Samstag, 11. Dezember 2021

    Das Haus am Deich - Unruhige Wasser - Regine Kölpin

    Mitreißender Roman mit der lebensnahen Atmosphäre der 50er Jahre


    "Das Haus am Deich – Unruhige Wasser" ist der zweite Band der Reihe um Frida und Erna aus Ostfriesland von Autorin Regine Kölpin. Die Reihe erscheint im Piper Verlag. 

    1951: Der Wohlstand des Wirtschaftswunders ist für die Menschen ein Segen, doch Frida, die mit einem Unternehmer verheiratet ist, lebt gefangen in einer unglücklichen Ehe. Auch ihre Freundin Erna macht als ledige Mutter schmerzhafte Erfahrungen, weil ihr Kind Sanne nicht bei ihr leben kann. Glückliche Momente erleben die Freundinnen nur, wenn sie gemeinsame Zeit mit ihren Kindern im Haus am Deich mit dem wunderbaren Garten verbringen können. 


     

    Vor dem Hintergrund der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders erzählt Regine Kölpin die fesselnde und lebendige Geschichte der Freundinnen Frida und Erna weiter. Durch zeitbeschreibende und lebensnahe Vorgänge und Erlebnisse der Freundinnen erlebt man die Zeit und ihr jeweiliges Leben hautnah mit und gefesselt von den Höhen und Tiefen ihrer Schicksale habe ich das Buch wieder sehr interessiert verschlungen. Sehr betroffen machen eindringliche Schilderungen aus der Gefangenschaft im Krieg und die Art und Weise, wie damals Kinder von ledigen Müttern im Waisenhaus weggesperrt und dort ihren Müttern und Familien entzogen wurden. 

    Frida und Erna sind ein Gespann, das durch Dick und Dünn geht. Sie sind beide selbstbewusste Frauen, haben damals aber noch nicht die emanzipatorische Freiheit, um ihre Lebensträume zu verwirklichen. Stets sind sie auf das Wohlwollen der Männer angewiesen, sei es vom Mann oder Vater. 

    Sehr gespannt bin ich in die Handlung eingetaucht, war von den Schicksalen ergriffen und habe das Geschehen berührt verfolgt. Man lebt mit den Figuren mit und kann mit ihnen lachen und weinen. Regine Kölpin versteht es wie keine andere, das echte Leben hautnah abzubilden und mit ihren bildhaften Beschreibungen authentisch auszuschmücken. Sei es die Kleidung der Zeit, die schlimmen Folgen der Kriegsgefangenschaft, das Leben im Waisenhaus oder die Stimmung der norddeutschen Lebensart und der Landschaft am Meer. Hier kann man wunderbar abtauchen in eine vergangene Zeit, die mit ihren toll gezeichneten Charakteren sehr gut unterhält und die Lebensbedingungen klar zum Ausdruck bringt. 

    Eine wunderbare Fortsetzung der Reihe, die man von vorne lesen sollte, um die Figuren besser zu kennen. Ich freue mich schon auf den dritten Teil! Vielen herzlichen Dank, Regine Kölpin!

     

    ***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

     

                                       

     

    Band 1: Das Haus am Deich – Fremde Ufer
    Band 2: Das Haus am Deich – Unruhige Wasser
    Band 3: Das Haus am Deich – Sicherer Hafen