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Montag, 4. Mai 2026

Arrivederci am Lago Maggiore - Alexandra Holenstein

Mord in exklusiver Lage 

Der Krimi "Arrivederci am Lago Maggiore" von Alexandra Holenstein erscheint im Emons Verlag. Es ist der Folgeband von "Mord am Lago Maggiore", jedoch eigenständig lesbar. 

Tabea Kummer ist Lehrerin und wird von ihrem Vermieter gebeten, ihn als Hausdame in den Sommerferien in seinem exklusiven Boutiquehotel in Ascona zu vertreten und sich um die Belange und Wünsche der Gäste zu kümmern. Sie nimmt gerne an, lernt die Hausgäste näher kennen und genießt das Ambiente des Hotels, bis eine junge Influencerin, die Gast im Hotel war, tot aufgefunden wird. Und es wird nicht bei der einen Toten bleiben!

 


Als ermittelnde Hobbydetektivin ist Tabea auf die Informationen von Haushälterin Esmeralda angewiesen, die die Gäste, bzw. deren persönliche Gegenstände bis ins kleinste Detail beäugt und somit sogar ein paar hilfreiche Details beisteuern kann. Sie weiß genau Bescheid, welche Kosmetik oder welchen Duft die Gäste bevorzugen, welche Kleidung sich in ihrem Schrank befindet und was sie vor den Augen der Öffentlichkeit verstecken. 

Beim Lesen war ich umfangen von der herrlichen Atmosphäre des Lago und fühlte mich selbst als Gast des eleganten Hotels, in dem Sonderwünsche auch prompt erfüllt werden. 

Schon nach dem ersten Mord habe ich gespannt mitgerätselt und versucht, zwischen den vielen Verdächtigen und einigen sehr raffinierten Wendungen noch den Überblick zu behalten. Ständig führt uns Alexandra Holenstein in die Irre und bringt neue Opfer, viele Geheimnisse und zahlreiche Verdachtsmomente aufs Parkett des edlen Hotels. Wo liegt das Motiv und warum finden die Morde gerade hier statt? 

Die Dialoge wirken sehr lebendig und enthalten passend zum Lokalkolorit ein paar Aussprüche in italienischer Landessprache, wodurch man sich automatisch an den schönen Lago Maggiore versetzt fühlt. Das habe ich genossen, einige Begriffe musste ich aber nachschlagen, was den Lesefluss etwas hemmt. Die Figuren sind dieses Mal recht zahlreich, zu den Gästen und Hotelangestellten gesellen sich noch Freunde und Familie von Tabea und von Hotelchef Armando. Ein Personenregister wäre da durchaus hilfreich gewesen. 

Die Story überzeugt mit interessanten, vielfältig gezeichneten Charakteren und einem subtilem Wortwitz, der besonders bei Tabea zum Zuge kommt. Die Sprache ist flüssig und ganz in gewohnter Holenstein-Manier, zuweilen etwas eigenwillig. Besonders aus Tabeas Sicht werden die Vorgänge und Fakten ganz genau hinterfragt. Manche Vorgänge und Gedanken werden dadurch ein wenig auf die Spitze getrieben, was meistens mit feinem Humor begleitet ist. 

Die Ermittlungen werden natürlich von der Polizei geleitet, doch Tabea lässt sich nicht beirren und mischt munter mit. Wer den Vorgängerband kennt, darf sich wieder auf ihren treuen Basset Bruno freuen, der träge durch die Spuren tappt. Zum Ende wird es noch einmal besonders spannend, da Tabea vom Täter beim Schnüffeln erwischt wird und sie als nächstes Opfer auserkoren wird. 

 

Dieser Krimi unterhält wunderbar, ist mit einer feinen Spannung durchzogen und besticht durch das unnachahmliche Flair des Lago Maggiores. Herrlich als Urlaubslektüre oder einfach für Daheim! 

 

***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


 
  • Holenstein, Alexandra - Das Heinrich-Problem
  • Holenstein, Alexandra - Auszeit bei den Abendrots   
  • Holenstein, Alexandra - Mord am Lago Maggiore
  • Holenstein, Alexandra - Arrivederci am Lago Maggiore  
  • Freitag, 24. April 2026

    Gärten, Gift und kalte Rache - Klaudia Blasl

    Wortwitziger Gartenkrimi

    Gärten, Gift und kalte Rache von Klaudia Blasl ist der dritte Band der Reihe aus dem Emons Verlag.

    Oberdistelbrunn soll attraktiver für Touristen werden, alles soll blühen und mehr Insekten anlocken, die dann für mehr Biodiversität sorgen. Doch der Fund eines Hundeskeletts führt zu einer mysteriösen Gift-Mordserie in Gang, die das Dorfleben massiv in Aufregung versetzt. Wer will hier schon Urlaub machen, wo ein Giftmörder sein Unwesen treibt? Die Polizei ist uninteressiert und ratlos und so kommen die Hobbygärtnerinnen Berta und Pauline ins Spiel, die sich als potentielle Miss-Marple-Nachfolgerinnen bereits mehrfach bewiesen haben.  

     


     

    "Er hat sich ja geweigert, an einen Massenmörder ... zu glauben. Diese Realitätsverweigerung hatte ihn das Leben gekostet. Ein bei Männern sicher häufiger Wesenszug. Sie hielten sich so lange für unsterblich, his der Herzinfarkt, eine zu scharfe Kurve oder eben ein Mörder zuschlug." Zitat Seite 283    

    Direkt vor Paulines Haus wird der tote Jürgen Kofler gefunden, er war Revierjäger des Dorfes. Doch was wollte er von Pauline? Kurze Zeit später wird eine weitere männliche Leiche gefunden, ebenfalls ein Jäger. Da die örtliche Polizei nur wenig auf die Reihe bekommt und Paulines Miss-Marple-Instinkt geweckt ist, geht sie wie gewohnt mit Unterstützung ihrer Freundinnen auf Spurensuche. 

    Klaudia Blasls Krimis enthalten Gartenthemen und interessante Informationen über Heilpflanzen. Sie zeigt uns das Dorfleben mit einem warmherzigen Blick auf die Bewohner und ihre Gewohnheiten. Erneut hat die Autorin in der Giftküche des Gartens und der Botanik geschnuppert und sich eine ganz spezielle Mordserie erdacht, der ihren Krimi mit viel Wortwitz, reichlich Gartenwissen und liebenswerten Hobby-Ermittlerinnen zu einer lesenwerten Lektüre macht. 

    Ein toter verbuddelter Hund macht den Anfang, danach folgen weitere Todesfälle im menschlichen Milieu. Lange Zeit fehlt eine heiße Spur zum Täter, doch die beiden charmanten älteren Damen Pauline und Toni verbeißen sich wie Spürhunde in die Ermittlungen. Nebenbei muss sich Pauline auch noch um ihren an einem Herzinfarkt erkrankten Mann kümmern. Die Handlung wurde dank der vielen eigenwilligen Charaktere nicht langweilig, die Spannung steigt allmählich an und ich wurde mit interessantem, giftigen Gartenwissen versorgt, was mich potentiell auch zu einer Giftmörderin machen könnte. 

    Die Erzählweise kommt mit perfekt gesetztem Wortwitz und Situationskomik daher und die Figuren wirken, auch wenn sie größtenteils die 60 berschritten haben, sehr lebendig und authentisch, jedenfalls die lebenden. Wieder mit von der Partie ist der deppige Hauptkommissar Hartmann und viele liebenswerte Dorfbewohner, die die Geschichte zu einem Lesevergnügen werden lassen. Allen voran die scharfzüngige Ex-Lehrerin und Dorf-Miss-Marple Pauline, die uns als Erzählerin immer genau erklärt, wie sie ihre Mitmenschen einschätzt und was sie von ihnen hält. Ich hatte einen Verdacht, wer hinter den raffiniert ausgeführten Giftmorden stecken könnte, doch ich konnte mir insgesamt keinen Reim darauf machen. Die Auflösung am Ende ist logisch und zeigt ganz klar, dass Rache nicht bekanntermaßen süß ist.  

    Wer humorvolle und gut geschriebene Cosy Crime mag, sich für die Giftwirkung von harmlos erscheinenden Alpenveilchen und Co. interessiert und der agilen Pauline beim Ermitteln über die Schulter schauen möchte, sollte Gärten, Gift und kalte Rache unbedingt lesen.  

     

    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

     


     
  • Blasl, Klaudia - Gärten, Gift und tote Männer  
  • Blasl, Klaudia - Gärten, Gift und große Liebe 2
  • Blasl, Klaudia - Gärten, Gift und kalte Rache 3 
  • Dienstag, 29. Juli 2025

    Schlossteichleich - Veronika A. Grager

    Unterhaltsamer Lokalkrimi mit wenig Spannung

     
    Schlossteichleich ist der dritte Band der Reihe um Dorli und Lupo Schatz von Veronika A. Grager aus dem Emons Verlag.  
     

    Livio Moretti, ein prominenter Maler und Bildhauer, wird auf dem Christkindlmarkt ermordet aufgefunden, direkt hinter Mariannes Punschstand. Und weil Marianne der Gemeindesekretärin Dorli eher vertraut als der Polizei, wird Dorli informiert. Sie findet heraus, dass Morettis Lebenspartner verschwunden ist, die Polizei hält das Ganze für eine Beziehungstat. Doch dann wird die Leiche Morettis unter dem Eis des zugefrorenen Hernsteiner Schlossteichs entdeckt. Dorli ist Hobby-Ermittlerin und sie sorgt dafür, das ihr Freund der Privatdetektiv Lupo vom Vater des Toten mit Nachforschungen beauftragt wird. Und schon sind beide wieder gemeinsam auf Spurensuche.    


     

    Nachdem mir der vierte Fall "Sauglück" vor acht Jahren sehr gut gefallen hat, habe ich mir diesen Band für meinen Urlaub gekauft. 
     
    Die Themenbreite dreht sich um Verbrechen wie Drogenhandel und russischer Bandenkriminalität und die Autorin zeigt das Gedankengut rund um Fremdenhass auf.  
    Der Aushilfspfarrer der Gemeinde ist ein Afrikaner, der mit seiner Schwester anreist. Das sorgt für viel Gerede und Hetzerei im Dorf. Es hat mich bei diesem Buch sehr gestört, dass der Tod der jungen Frau sehr kurz abgehandelt wird und sich die Geschichte vorrangig um die beiden Ermordeten dreht. Ausserdem verliert sich die Handlung immer wieder in Nebensächlichkeiten, was meinen Lesefluss mehrmals zum Erliegen brachte.  

    Der einfach gehaltene Erzählstil enthält Dialoge in Mundart, das wirkt sehr lebendig und ist mit eingebautem Humor unterhaltsam zu lesen. Von den Dorfbewohnern bleibt für mich leider der Eindruck ihrer Vorurteile und die beiden Toten entpuppen sich auch keineswegs als Unschuldsknaben. 
     
    Das Buch ist für mich eher Unterhaltungslektüre als ein spannender Krimi! Wobei mir der Lokalkolorit und die Protagonisten gut gefallen haben. 
     
     

    Dienstag, 8. Oktober 2024

    Moorlichter - Nicola Förg

    Todesfall zwischen Natur- und Umweltschutz

     
    Im Emons Verlag erscheint mit "Moorlichter" von Nicola Förg ein weiterer Band der Reihe um Kommissar Weinzirl. 

    Zur Kitzrettung überfliegen Naturschützer eine Wiese und finden einen Toten, es ist Altbauer Mair, der mit einen Saufänger erstochen wurde. Als unbeliebter Mitbürger und Querulant hatte er einige Feinde, es steht eine umfangreiche Ermittlung an und Kommissar Gerhard Weinzirl und seine Kollegin Evi Straßgütl haben viele Befragungen durchzuführen. Doch sie kommen irgendwie nicht weiter, erst als ihnen ein altes Tagebuch in die Hände fällt, kommen ungeahnte Dinge aus der Vergangenheit ans Licht, die im Dorf lieber verschwiegen wurden. 



     
    Wie gewohnt bezieht Nicola Förg in ihrem neuen Fall für Weinzirl ihre Heimat mit ein und zeigt die Menschen mit ihren Schwächen und Stärken. Interessanterweise werden auch wieder eine Reihe von Natur- und Umweltschutz-Themen aufgezeigt, die den Leser über aktuelle Bereiche aufklären und den ländlichen Bezug zur Region herstellen. Der Verlauf der Handlung und die vielschichtigen Figuren sind interessant und hintergründig beschrieben, auch das Ambiente ist durch Landschaftsbeschreibungen und einige Dialoge in Mundart sehr stimmig. Mit dem Dialekt habe ich mich etwas schwer getan, ich hätte mir dazu Fußnoten zur Erklärung gewünscht. 
      
    Nicola Förgs Erzählstil führt in lebendiger Weise durch die Handlung, ihre ganz persönliche Note ist der Einbau von Umweltschutz-Themen in ihre Krimis und wie gewohnt hat sie dazu gründlich recherchiert und gibt ihr Wissen aus unterschiedlichen Sichtweisen an ihre Leser weiter. Dabei wird schnell deutlich, wie bei den beteiligten Personen die Interessenkonflikte aufeinander prallen und man dort sicher auch ein Mordmotiv finden könnte. Bei Kitzrettung, Verbissschäden an jungen Bäumen, Biberschutz und gefluteten Wiesen und Äckern gehen häufig die Meinungen auseinander und das sorgt für Zoff zwischen Naturschützern und Landwirten bzw. Jägern, die ihre Ländereien und Wälder schützen wollen. Diese Probleme nehmen einen Großteil der Handlung ein, dessen sollte man sich bewusst sein. Ich schätze solche naturthematischen Exkurse und habe das Buch deshalb auch sehr gern gelesen.
     
    Unter diesem Aspekt habe ich Weinzirl und Straßgütl gespannt begleitet und versucht, den Täter aus dem Personengemenge zu ermitteln. Doch Nicola Förg hat noch eine andere Fährte gelegt, indem sie vergangenes Leid in einem Tagebuch verbirgt. Weinzierl versucht hinter das Dickicht aus Tierschutz und Hass auf Bibertöter Mair zu schauen, es gibt aber noch Aspekte, die schwerer wiegen als diese Themen. 

    Durch die Naturthemen ist dieser Krimi wieder besonders interessant zu lesen, der Mordfall bringt noch menschliche Abgründe mit hinzu und das Ende sorgt für eine Überraschung, mit der ich nicht gerechnet hätte.

     ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


    Freitag, 9. August 2024

    Mordsschnitzel - Ulrike Moshammer

    Urlaubslektüre mit regionalem Alpenpanorama
     
    Im Emons Verlag erscheint Ulrike Moshammers Krimi "Mordsschnitzel". 
     
    Valerie Thaller freut sich, denn der in Bad Gastein beliebte »Schnitzelkönig« möchte seinen siebzigsten Geburtstag in ihrem Hotel feiern. Überraschenderweise gesellen sich zu den geladenen Gästen auch unerwünschte Gäste. Am nächsten Morgen wird der Gastronom tot in seinem Wohnzimmer aufgefunden. In der Diskussion um eine Neuanlage von exklusiven Chalets und großen Liften hatte sich der Tote gegen das ausufernde Projekt ausgesprochen, um die Natur und den ländlichen Charme des Ortes zu erhalten. Diese Meinung könnte einige Menschen gegen ihn aufgebracht haben. Valerie untersucht mit ihrer Freundin Nora, was in der Tatnacht geschehen ist.  

     

    Der beschauliche Kurort Bad Gastein liegt im idyllischen Bergpanorama und so soll es nach Meinung der meisten Bewohner auch bleiben. Doch geldgierige Investoren versuchen, ein gigantisches Projekt mit luxuriösen Chalets mit weiteren Skipisten und Seilbahnen in Gang zu setzen. Ulrike Moshammer lässt den Konflikt sichtbar werden und baut auf bildhafte Weise den regionalen Charme der Gegend in ihre Handlung ein. Die Figuren sind bunt gemischt und wirken authentisch und lebensecht. Hier sind alle Charaktertypen vertreten und so kann man unter den Verdächtigen selbst mitraten, wer der Täter sein könnte.

    Der flüssige Erzählstil lässt den Leser in die Szenerie eintauchen und man erlebt die Nachforschungen ausführlich und in das Alpenpanorama eingebettet mit. Der regionale Bezug ist für Ortskundige sicherlich noch schöner zu lesen. Zahlreiche Dialoge sorgen für lebendige Szenen. Kriminalpolizistin Dorothea Oswald duldet Valeries Mithilfe, weil sie die Menschen und die Örtlichkeiten hier genau kennt. Doch die Zusammenarbeit war nicht auf ein Miteinander ausgerichtet und die Handlung velor sich teilweise in Alltagsszenen und ausführlich beschriebenen Nachforschungen.  

    Ein wenig vermisst habe ich die polizeilichen Ermittlungen und der Krimi hätte es etwas mehr Spannung vertragen können, die geht in den Alltagsszenen etwas unter. Doch zum Ende steigt die Spannungskurve noch einmal an und der Krimi wird mit logischer und für mich vorhersehbarer Auflösung beendet.

    Als Urlaubslektüre bietet dieser Wohlfühl-Krimi mit dem Flair der Alpen gute Unterhaltung.  
     
    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  


    Sonntag, 21. Juli 2024

    Tod im Strandhaus - Petra Tessendorf

    Solider Krimi mit interessanter Schilderung einer Sturmflut

    Der Kriminalroman "Tod im Strandhaus" von Petra Tessendorf erscheint im Emons Verlag, es ist der dritte Band der Reihe um Kommissar Paul Lupin.
     
    Am Strand von Graswarder in Heiligenhafen findet Paul Lupin einen Toten, kurz darauf ist er verschwunden. Er ruft seinen Freund Kommissar Heimdahl zu Hilfe, der ihn zu einer Teilnahme an einer Fastenwanderkur in der benachbarten Strandvilla überredet, um dort Hinweise auf den Toten zu finden. 
    Es gibt eine Spur, die in die siebziger Jahre zum legendären Hippiefestival in Heiligenhafen führt, bei dem auch Pauls Vater auf der Bühne stand. Brisant wird es, als ein weiterer Todesfall geschieht. Was ist hier los und wer hat ein Motiv zum Töten?  
     




     
    Mir war nicht bewusst, dass "Tod im Strandhaus" der dritte Band der Reihe um Paul Lupin ist. Deshalb hatte ich auch einige Mühe, in das Buch hinein zu finden.

    Aufgrund der vielen Figuren war es mir nicht möglich, sie alle gleich gut einordnen zu können. Ich hätte mir der Einfachheit halber ein Personenregister gewünscht, das ich mir selbst angelegt habe, um den Überblick nicht zu verlieren. So konnte ich mich mit den Personen besser arrangieren und habe mein Hauptaugenmerk auf die Ermittlungen gesetzt. Das war allerdings nicht so einfach, immer wieder stören nebensächliche Handlungen den Lesefluss, was mich bei Krimis einfach stört. Der Fall führt auch in die Vergangenheit in die 70er Jahre, diese Szenen sorgen für abwechslungsreiche Einblicke, wobei ich die entscheidenden Puzzleteile lange Zeit nicht mit den aktuellen Morden verbinden konnte. Unter den Personen wurden Paul und sein Vater Johann mir mit Abstand am sympathischsten. Mich hat es gewundert, das Johann angeblich demente Züge haben soll, mir erschien er doch recht klar und geistig sehr fit. Zwischen Vater und Sohn gibt es ein paar humorvolle Dialoge, den angekündigten schwarzen Humor habe ich aber vermisst. 
     
    Der Erzählstil lässt sich leicht lesen, die bildhaften Beschreibungen der Landschaft, der Natur und der Stimmungen während der Wettereskapaden an der Ostsee sind der Autorin besonders gut gelungen. 
    Auf eindringliche Weise werden hier die Folgen der Sturmflut beschrieben, die Zerstörung und Überflutung der Häuser an der Wasserkante werden deutlich sichtbar gemacht und man ahnt, wie hoch die Schäden ausfallen. 
     
    Die Spannungskurve verläuft auf einem unterschwelligen Level, die Ermittlungen nehmen viel Raum ein und die Tatvorgänge versteht man erst im Nachhinein.  

    Dieser solide geschriebene Ostseekrimi lässt bildhaft die Landschaft am Meer der Ostseeküste sichtbar werden und der Krimifall führt in die wilden 70er Jahre.


    ***Herzlichen Dank an Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


    Donnerstag, 11. Juli 2024

    Inselfalle - Rieke Husmann

    Auf der Insel schlägt die Falle zu!
     
    "Die Inselfalle" von Rieke Husmann aus dem Emons Verlag ist der 11. Fall der Reihe um Ermittlerin Hella Brandt auf Spiekeroog.

    Kommissarin Hella Brandt genießt mit Freund Lars und Tochter Jella die letzten Tage ihres Urlaubs auf Spiekeroog, als der Inselpolizist ihr einen Mordfall meldet und auf ihre Mithilfe hofft. Hellas Spürsinn ist geweckt und als zuständige Leiterin der Kripo ist sie auch zuständig. Deshalb meldet sie ihre restlichen Urlaubstage ab und ermittelt. Der Tote ist ein 78-jähriger alleinstehender Mann, der seit vielen Jahren auf der Insel zurückgezogen lebt. Merkwürdig ist, dass niemand etwas über seine Vergangenheit weiß. Hella befragt seine Freunde auf der Insel und findet schliesslich im Haus des Opfers einen Hinweis.
     
     

    Bei diesem Krimi taucht man in einen undurchsichtigen Fall, dessen Opfer mit seiner Vergangenheit Rätsel aufgibt. Es stellt sich heraus, dass der Tote Auftragsmörder in der französischen Fremdenlegionär war. Sollte er für frühere Taten bis auf die Insel verfolgt worden sein? 
     
    Der Fall wirft einige offene Fragen auf, Hella und ihr Team müssen viele Befragungen durchführen, wodurch sich der Fall aber nicht viel transparenter gestaltet. Ich rätsel bei solchen Krimis immer gern mit, hatte aber irgendwann die eigenen Gedanken ausgeblendet, um die vielen Ansatzpunkte genau zu verfolgen. Doch hier kommt man mit Logik nicht weiter, ich hatte einen Verdacht, der sich am Ende auch bewahrheitet.
    Mich hat die Idee gereizt, dass ein Auftragsmörder seinen Ruhestand auf der kleinen beschaulichen Nordseeinsel Spiekeroog verbringt und dann getötet wird. Welche offen stehende Rechnung hat der Täter beglichen? Ich war neugierig, was dahinter steckt! 
     
    Die breit angelegte Ermittlung zeigt die übliche Polizeiarbeit, die Einblicke in das Leben des Opfers bringen soll und sich tief in seine Vergangenheit ausweitet. Die Freundes des Toten stehen ebenfalls im Fokus und werden intensiv verhört, doch die Erkenntnisse spülen immer nur Puzzleteile hervor, die zwar Verdachtsmomente aufkommen lassen, aber dann doch wieder ohne Spur verwischen. Insgesamt fühlte sich der Krimi für mich sehr undurchsichtig und etwas konstruiert an.
     
    Hellas Privatleben und die Frage nach der Zukunft ihrer Beziehung und die Chance auf ein Sabbat-Jahr sorgen für unterhaltsame Momente, die ich in diesem Ermittlungsgewusel gebraucht habe. 
     
    Was mir leider sehr gefehlt hat, war der regionale Bezug zur Nordseeinsel. Bildhafte und stimmungsvolle Szenen, die das Flair vom Leben am Meer sichtbar machen, gibt es leider fast gar nicht. Und das erwarte ich in einem Krimi, der auf Spiekeroog spielt. 

    Inselfalle ist ein interessant aufgemachter Krimi, weil er einen Auftragsmörder als Opfer präsentiert. Insgesamt gesehen konnte mich der Fall aber doch nicht ganz überzeugen.  


    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


    Inselstille 8

    Mittwoch, 3. Juli 2024

    Das Schweigen der Dünen - Kaja Petersen

    Ein atmosphärischer Krimi um ein Verbrechen auf Spiekeroog!

    Im Emons Verlag erscheint der Küsten Krimi "Das Schweigen der Dünen" von Kaja Petersens (Pseudonym von Katharina Drüppel).

    Kriminaloberkommissarin Serafine Küster hat nach einem Schicksalsschlag beruflich eine Pause einlegen müssen und leidet immer noch an ihrem Trauma. Doch nun möchte sie langsam wieder mit der Arbeit starten und reist als Sommerverstärkung bei der Polizei nach Spiekeroog. Sie hofft, hier ausspannen zu können und mit kleinen Aufgaben wieder den Beruf in ihr Leben einbinden zu können. Aber dann sorgt ein rätselhafter Mordfall schon kurz nach ihrer Ankunft für eine neue, fordernde Aufgabe. Mitten in den Dünen eines Naturschutzgebietes wurde ein Skelett entdeckt, das laut rechtsmedizinischer Untersuchung eine Frau ist. Wer ist auf der Insel verschwunden und warum scheint niemand zu wissen, wer das Opfer sein könnte? Serafine ermittelt in alle Richtungen und je tiefer sie in die Vergangenheit eintaucht, umso rätselhafter wird der Fall.
     
     


    Der Krimi startet mit einem spannenden Prolog am Strand der Nordseeinsel Spiekeroog, der mich gleich auf den Fall und das Setting eingestimmt und neugierig gemacht hat.  

    Kaja Petersen fängt mit ihren bildhaften und authentischen Küsten- und Ortsbeschreibungen das Spiekeroog-Flair wunderbar ein und lässt damit automatisch Urlaubssehnsucht aufkommen. 

    Protagonistin Serafine kommt nach einem erlittenen Schicksalsschlag langsam wieder im Leben an und möchte auf der Nordsee-Insel einen ruhigen Polizeidienst starten. Gewaltverbrechen sind auf Spiekeroog nicht üblicher Polizeialltag. Aber Ausruhen ist nicht, Fine wird sofort mit dem Fall eines Skeletts betraut, der sie ziemlich fordert und gemeinsam mit Inselpolizistin Susa Most versucht Fine, den Mörder zu finden.

    Der Erzählstil ist flüssig, Petersen zeigt emotionale Ebenen der Personen auf und lässt viele umgangsprachliche Dialoge einfließen, die lebendig wirken und die Lage der Ermittlungen sichtbar machen. Die Figuren wirken authentisch und bekommen ein vorstellbares Profil, zu Fine konnte ich aber keine engere Verbindung aufbauen, sie blieb mir irgendwie fremd.

    Durch die tieferen Einblicke in das Leben des Opfers kommt Spannung auf und ich habe gespannt gerätselt, wer von den zahlreichen Tatverdächtigen ein Mordmotiv haben könnte. Die Schilderungen halten jedoch wichtige Informationen bis zum Ende zurück und die Auflösung am Ende hat mich dann schlichtweg überrrascht. 

    Die eingebauten Textnachrichten finde ich interessant, sie sind dem heutigen Alltagsleben angepasst. Allerdings konnte ich nicht glauben, dass mehrere Personen hier Jahre alte Nachrichten noch nicht gelöscht haben. 

    Der Auftaktband der Küstenkrimi-Reihe um Serafine ist eine echte Urlaubslektüre für den Strandkorb, unterhaltsam, fesselnd und gespickt mit kulinarischen Genüssen, die man an der Nordsee gerne isst. 


    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



    Donnerstag, 27. Juni 2024

    111 Orte in Apulien, die man gesehen haben muss - Daria Rizzello

    Wunderschöne Tipps zum Entdecken Apuliens und seiner Geschichte!
     
    In der 111-er Reihe vom Emons Verlag erscheint von Daria Rizzello der Band 111 Orte in Apulien, die man gesehen haben muss
     
    Apulien ist der Stiefelabsatz Italiens und es gibt gute Gründe, um dorthin zu reisen: Die atemberaubend schöne, 800 Kilometer lange Küste, alte Hafenstädte, der gute Rotwein zu hausgemachter Pasta, riesige Olivenhaine im Landesinneren und die bekannten kleinen Rundhäuschen. Schon der Stauferkaiser Friedrich der II. bewohnte im 13. Jahrhundert sein achteckiges Castel del Monte und genoss das Leben.  
     

     
    Dieses Buch kann man als Entdeckungsführer bezeichnen, denn man lernt darin viele Orte, Plätze, Museen, Dorfkirchen und Besonderheiten kennen, die Apuliens Geschichte erzählen und uns einen Blick auf die Vielfalt dieser Gegend werfen lassen. 
    Es gibt zahlreiche Vorschläge, die man bei einer Reise durch Apulien einbauen kann und für ein Bad im Meer gibt es ebenfalls viele Gelegenheiten. 
    Hier finden Kunstliebhaber, Aktivurlauber, Feinschmecker und Genießer und auch Familien viele Möglichkeiten, um ihren Urlaub nach ihrem Geschmack zu gestalten. 
     
    Die 111 Orte sind alphabetisch geordnet und zeigen einen umfangreichen Querschnitt der bekanntesten und interessantesten Locations, die hier mit Angabe von Adresse, Anfahrt, Öffnungszeiten und besonderen Tipps näher vorgestellt werden. 
     
    Es geht in die Provinzhauptstadt Bari, in die Barockstadt Lecce, zur Wallfahrtskirche nach Copentino, zum Orchideenpfad nach Mattinata, zur Mumienkrypta nach Oria oder zum Leuchtturm nach Otranto. Es gibt Bars und Eisdielen zu entdecken, eine Kanincheninsel und ein Zitrusgarten locken zu einem Besuch und viele weitere Tipps sorgen für eine abwechslungsreiche Zeit in Apulien. 








    Es gefällt mir, wie viele Informationen und geschichtliche Hintergründe hier bei den 111 Orten zusammengetragen wurden. Durch die detailreiche Vorstellung der verschiedenen Orte gewinnt man einen umfangreichen Einblick der geschichtsträchtigen Städte Apuliens und lernt seine Sehenswürdigkeiten und alten Bauten kennen, aber darüber hinaus auch viele unbekannte Ziele, die bei Touristen nicht unbedingt auf dem Reiseplan stehen. 
     
    Interessante Vorschläge zeigen bekannte und unbekanntere Orte, Plätze und Bauten, die man sich ansehen kann, wenn man in Apulien unterwegs ist. Mit diesem Buch lässt sich Apulien wunderbar entdecken!  
     
     
     ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

     

    Donnerstag, 23. Mai 2024

    Nur die Wühlmaus war Zeuge - Martina Pahr

     

    Aufregung in der heilen Welt des Kleingarten-Paradieses

     
    Im Emons Verlag erscheint Martina Pahrs Schrebergarten Krimi "Nur die Wühlmaus war Zeuge".
     
    Valentina hat sich einen Schrebergarten zugelegt und träumt von einem eigenen Teich. Als sie dafür ein Loch gräbt, stösst sie auf die Leiche des Vorbesitzers ihrer Parzelle. Die Idylle hat also auch ihre Macken und die Tätersuche erweist sich als schwierig, weil sich im Gartenverein einige Verdächtige anbieten. Alt-Hippie Jo baut Marihuana an, Senta ist die Schönheit der Anlage und ein Männertraum, ihr Mann erfüllt ihr jeden Wunsch. Dann sind da noch die waschechten Schwaben Konrad und Lisa alias »Maultäschle und Meerschweinle« und die bodenständige, betagte Friedl, die einer Miss Marple ähnlich den Durchblick zu haben scheint.
     

     
     
    Das ist ein echter Schock, als Valentina einen Teich anlegen möchte und ihren toten Vorgänger ausbuddelt. Doch mentale Unterstützung bekommt Valentina durch ihre Freundin Barbara, genannt Lerche. Diese bringt Valentina mit ihren fast schon therapeutischen Lebensweisheiten immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und erklärt ihr Gott und die Welt. Die betagte Gartennachbarin Friedl ist geistig noch sehr beschlagen und sorgt mit ihrem Rollator für Nachschub an Spirituosen. Jo baut in seinem Garten Marihuana an, aber macht ihn das gleich verdächtig? 
     
    Mir hat der lockere Erzählstil gut gefallen, die humorvollen Dialoge sprühen vor Leichtigkeit und sorgen einfach für gute Unterhaltung. Durch die zahlreichen Erkundungen Valentinas hat man die unterschiedlichen Figuren gut vor Augen und bekommt eine abwechslungsreiche Handlung geliefert, bei der man selbst nach dem Täter suchen kann und gleichzeitig auch noch allerhand Gartenwissen erfährt. Und Lerches philosophische Lebensbetrachtung verleihen der Geschichte geistige Tiefe, die mir für so einen Cosy Krimi manchmal etwas zu tiefgründig vorkam. Da haben mich Valentinas Äußerungen schon eher erfreut, bei ihr musste ich oft schmunzeln und freute mich, wenn ihre Gartenerfolge ihr eine Hülle an Früchten und Gemüsen schenkten. Bei all den Vorgängen kommt die Geselligkeit und die enge Gemeinschaft der Schreberleute gut zum Ausdruck und die Figuren werden durch ihre Ecken und Kanten regelrecht lebendig. So einen Krimi liest man gern und lässt sich von der vermeinlich harmonischen Gartenidylle betören. Da stört auch der ein oder andere Mord nicht, der ja am Ende einem Theaterstück gleich aufgeklärt wird.
     
     
    Ein erfrischender Gartenkrimi mit lebendigen Figuren und mit Humor erzählt. Es zeigt sich, auch im Kleingartenparadies wird gemordet. 
     
     
    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     
     

    Dienstag, 7. Mai 2024

    Mord am Lago Maggiore - Alexandra Holenstein

    Giftmord und eher Krimödie als Krimi!

     
    Im Emons Verlag erscheint der Krimi "Mord am Lago Maggiore" von Alexandra Holenstein.  

    Ascona liegt ganz idyllisch am Lago Maggiore und bietet ein herrliches Urlaubspanorama. Dorthin verschlägt es Tabea und Ludwig Kummer, die in die luxuriöse Villa seines Vaters Herbert ziehen. Das Zusammenleben gestaltet sich nicht gerade harmonisch, denn die Schrullen von Herbert muss man aushalten können. Aber bei dieser Traumlage machen Tabea und Ludwig halt Zugeständnisse. Doch eines Tages liegt Herbert vergiftet auf dem Fußboden. Wer könnte ein Motiv haben? Während Ludwig Kontakt zu der ermittelnden Kommissarin hält, macht sich Tabea selbst an die Nachforschungen und findet gleich mehrere Hinweise, die Herbert in einem anderen Licht darstellen und ein Verbrechen rechtfertigen würden. Doch damit scheucht sie auch den Mörder auf...   
     
     


     
    "Herbert war nur in Kleinstmengern verträglich. Er musste mit der Pipette verabreicht werden. Oder besser noch: in homöopathischer Dosierung. Verdünnt und nicht mehr nachweisbar." Zitat Seite 66/67
     
    Alexandra Holensteins Bücher sind immer durchzogen von einem feinen, aber leicht ironischen Humor, der ihrer Geschichte auch in diesem Fall die richtige Würze verleiht. 
     
    In dieser Geschichte wird schnell klar, Herbert ist ein Fiesling, der anderen gerne mal auf die Füße tritt. Für sich selbst nimmt er sich aber alle Rechte heraus und das kommt bei Tabea natürlich nicht so gut an. Sein Sohn Ludwig kuscht vor seinem Vater, denn er ist in einer prekären Lage, weil seine Fotoaufträge nicht so viel abwerfen, dass er große Sprünge machen kann. 
    Dann wird Herbert vergiftet und es gilt nicht nur, den Täter ausfindig zu machen, sondern das große Anwesen mit Seelage verspricht auch ein entsprechendes Erbe, mit dem es sich gut leben lässt. Hätte Herbert nicht auch so seine Geheimnisse gehabt, die nach und nach sichtbar werden. 

    Bei diesem Buch kann man eher von einer Krimödie sprechen als von einem Krimi. Der olle Herbert wandelt auf Freiersfüßen, sein Sohn und die Schwiegertochter ersetzen den Gärtner und die Köchin und plötzlich ist Herbert tot. 
    Tabeas kommt bei ihren Ermittlungen einigen Dingen auf die Schliche und man kann munter miträtseln. Die Spurenlage lässt einige Verdächtige zu und am Ende gerät Tabea noch in die Gewalt des Mörders. 
    Seeidylle und ein Leben in einer luxuriösen Villa können traumhaft sein, aber manchmal ist die Realität doch ganz anders!
     
    Der Erzählstil ist ein gewohnter Holenstein-Roman, bei dem man die Figuren deutlich gezeichnet mit Ecken und Kanten vor Augen hat und häufig über die Dialoge lachen muss. Erwähnenswert ist auch die wunderbare Beschreibung der Location am Lage Maggiore mit all seinen Blüten und Farben und den herrlichen Ausblicken auf den See. Damit zaubert die Autorin ein regelrechtes Urlaubsflair und man wünscht sich automatisch in Herberts Villa, um das Seepanorama zu genießen. 

    Die Aufklärung erfolgt etwas in die Länge gezogen und es werden immer mehr Details aufgedeckt, die Herberts Ausgangslage sichtbar machen. Doch dadurch hat man auch die Muße, sich in Tabeas und Ludwigs Eheprobleme einzufühlen, die anderen Nebenfiguren mit ihren Macken auf sich wirken zu lassen und einfach mal am Lgo die Seele baumeln zu lassen - Toter hin oder her!

    Für mich war dieses Buch ein echter Lesegenuss, bei dem sogar der Vergleich mit den bösen Ingrid-Noll-Romanen aufkam. Dort bekommen die bösen Buben auch immer eins auf die Mütze!
     
    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 


    Donnerstag, 2. Mai 2024

    Gärten, Gift und große Liebe - Klaudia Blasl

    Amüsanter Krimispaß mit Giftpflanzen und schwarzem Humor

     
    "Gärten, Gift und große Liebe" erscheint im Emons Verlag, geschrieben hat den Gartenkrimi Klaudia Blasl
     
    Die Seniorinnen Berta, Pauline, Emma und Elsbeth reisen zum Basenfasten in ein Wellnessresort. Gesund abnehmen ist die Devise, aber schon die ersten faden Mahlzeiten verhageln den Frauen die gute Laune. Doch dann fällt ein Mann beim Essen tot vom Stuhl und die Hobbygärtnerinnen nehmen die Spurensuche auf und stossen auf die merkwürdige »Liga zum Schutz pflanzlicher Gefühle«. 
     

     

    "...Die Wochen voller Schmetterlinge im Bauch dauerten oft meist nicht so lange wie die Jahre voller Schmutzwäsche im Bad..." Zitat
     
    Bei dieser Geschichte ist man schnell mitten im Geschehen und kann über den Wortwitz der Seniorinnen und ihren Sarkasmus herrlich schmunzeln. Die Reise zum Fasten erweist sich für die Hobbygärtnerinnen als spannende Ermittlungsangelegenheit und Claudia Blasl charakterisiert jede Figur mit speziellen Eigenarten, die zwischen bitterböse, mutig, verliebt und raffiniert viele verschiedene Facetten abbilden.
     
    Als die Seniorinnen ihre ersten, spärlichen Mahlzeiten einnehmen, stirbt Kurteilnehmer, er wurde mit Pflanzengift getötet und später erleidet ein weiterer Mann das gleiche Schicksal. Das bringt Unruhe in das Resort und Kommissar Hartmann erscheint mit einer Vielzahl an Polizisten. Doch dieser Mann ist ziemlich unfähig in seinem Metier und so bleibt den Seniorinnen nichts anderes übrig, als selbst die Spurensuche zu betreiben. 
     
    Erzählerin der Handlung ist Pauline, die nicht nur ihre Sichtweise zum Besten gibt, sondern auch die Freundinnen zu Wort kommen lässt und im Buch auch mit der größten Logik und gutem Bauchgefühl  ausgestattet ist. Berta ist gerade verliebt und dadurch nicht mehr Frau ihrer Sinne.
    Es beginnt eine humorvolle Lektüre, die durch die Eigenarten der Figuren unterhält und die Hintergründe der Todesfälle ergründet. Schwarzhumorige Krimis mag ich sehr, in diesem Fall fand ich die Figuren auf Dauer doch etwas zu kurios ausgearbeitet. Dafür wurde die gezeigte Pflanzenkunde im Buch mit vielen Einblicken in die giftige Welt der Pflanzen zu einer interessanten Angelegenheit, die über sinnvolle Heilmethoden und giftige Wirkung gleichermaßen aufklärt. Im Anhang gibt es eine sachgenaue Auflistung und näherer Vorstellung von vier Giftpflanzen, die im Buch eine entscheidende Rolle spielen. Das ist für Gartenfreundinnen auf alle Fälle eine interessante Bereicherung.

    Bei diesem Krimi kann man gut miträtseln, es gibt aber auch einige Wendungen, die Verdächtige dann wieder aus dem Kreis ausscheiden lässt. Und zwischendurch lenken die humoristischen Einlagen von jeder gerade aufgenommenen Spur ab. Am Ende wird in einer logischen Auflösung der Täter entlarvt und offene Fragen werden schlüssig geklärt.
     
    Ein schwarzhumoriger Krimispaß, der mit Pflanzenkunde im Giftbereich und einem kauzigen Ermittlerteam gut unterhält. 

    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     
     

    Montag, 29. April 2024

    111 Dinge über Pferde, die man wissen muss - Franziska Weyer

    Allerlei Wissenswertes über Pferde

     
    Im Emons Verlag erscheint der Ratgeber "111 Dinge über Pferde, die man wissen muss" von Franziska Weyer und Katrin Obst.
     
    Weltweit gibt es vermutlich etwa 60 Millionen Pferde, davon 2023 knapp 1,3 Millionen in Deutschland. Diese hohe Zahl zeigt, dass die Pferdebranche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, der europaweit geschätzt gut 100 Milliarden umsetzt. 
    Doch Pferde sind auch die Lieblinge der Menschen, sie eignen sich zum Reiten, Voltigieren, als Kutsch- oder Polizeipferde oder zum Rücken von Baumstämmen in unwegsamen Wäldern.
     


    111 Tipps und Geschichten über alles, was man über Pferde wissen möchte. Es gibt Erzählungen aus dem Reiterstübchen, praktische Tipps zu Gesundheit und Ernährung und viele spannende und kuriose Informationen über Pferde, Reitweisen, Zucht und Haltung. Denn das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde! 

    Jeder der 111 Geschichten ist eine Doppelseite gewidmet, die sich ein qualitativ hochwertiges Foto und dazugehörige Geschichte teilen. 
     
    Curly Horse




     
    Die Themen gliedern sich in unterschiedliche Bereiche auf und die Bandbreite reicht von A wie Abzeichen im Pferdesport bis Z wie Zuchtschauen. Dabei geht es auch um Pferderassen, um die Nahrung, um Kosten des Unterhalts und um viele weitere Dinge wie Sonnenbrand, Todesursachen oder Trächtigkeit.

    Besonders interessant waren für mich folgende Bereiche:
     
    - Curly Horses (der Pudel unter den Pferden)
    - Ektoparasiten
    - Farbige Schleifen
    - Friesen
    - Gangpferde
    - Husten bei Pferden
    - Isabell (nennt man auch Palomino)
    - Das Jacobsonsche Organ
    - Maultiere
    - Natural Horsemanship (Pferdepflüsterer)
    - Notfallapotheke
    - Rückepferde (Waldarbeiter auf vier Beinen)
    - Shetlandponys ( das älteste hält den Rekord mit sagenhaften 55 Jahren)
    - Qualzuchten (im Bereich von Kleinpferden)
    - Voltigieren 
    - Zahlen und Fakten
     
    Dieses vielseitige Buch wartet mit Informationen jeglicher Art rund um Pferde auf. Ob Wissenswertes, Kurioses, Pflege, Dressur oder Zucht, hier wird jeder Pferde- oder Tierfreund fündig und erfährt noch etwas hinzu. 
     

    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***