Kein echter Psychothriller und hat mich nicht überzeugt
"Lügen. Nichts als Lügen" ist ein Psychothriller von Helen Callaghan, der als deutsche Übersetzung am 01.10.2018 im Knaur Verlag erscheint.
Sophia erlebt gerade einen heißen Flirt, als sie einen ängstlich klingenden Anruf ihrer Mutter Nina bekommt. Sie möchte bitte nach Hause kommen. Doch Sophia nimmt das nicht ernst, denn zu häufig hat ihre Mutter schon überreagiert. Hinterher bereut sich das zutiefst, denn was sie danach erwartet, hätte sie sich in den schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Ihre Mutter findet sie erhängt an einem Baum vor und ihren Vater blutüberströmt und ohne Bewusstsein. Was ist hier geschehen und wer hat diese braven und friedlichen Menschen auf dem Gewissen?
"Sophia, du bist die Weltseele. Du bist göttliche Weisheit, hineingezwängt in einen sterblichen Traumzustand, eine Art Dornröschenschlaf." Zitat Seite 349
In diesem Buch vereinen sich Familiendrama, eine Sekte mit Hippieverhalten und ein Kriminalfall, der das Leben von Sophia auf den Kopf stellt. Nichts von dem was ihre Eltern ihr vorgelebt haben, stimmt, alles ist Lüge gewesen und erst jetzt erfährt sie durch dieses schreckliche Ereignis davon.
Die Thematik finde ich äußerst spannend, Sophia findet nähere Informationen über ihre Eltern in versteckten Notizbücher, darin offenbahrt sich eine Sektenzugehörigkeit ihrer Mutter. Davon hatte Sophia keine Ahnung und immer mehr taucht sie in die Vergangenheit ihrer Mutter ein. Entsetzen und Fassungslosigkeit machen sich bei ihr breit. An den von der Polizei vermuteten Selbstmord glaubt Sophia nicht.
Diese Geschichte beginnt außerordentlich dramatisch, doch dann entwickelt sich die Handlung mehr und mehr als Familiendrama, in dem Sophias Mutter Nina die Hauptrolle einnimmt. Ihr Leben in den 80er Jahren in der Sekte "Morningstar" wird nach und nach sichtbar. Der Anführer Aaron Kessler ist ein ehemaliges Rockband-Mitglied und Nina verfällt ihm vom ersten Moment an. Sie ist eine junge, schüchterne und beeinflussbare Person und damit ein geeignetes Opfer für Aaron. Drogen, Alkohol und Sex gehören zum Lebensstil der Kommunen-Anhänger und Nina lässt sich darauf ein. Es geht um Bewusstseinserweiterung, das Leben als Ganzes ohne individuelle Persönlichkeit und dem Gehorchen des Gurus. Man fühlt sich an die Bhagwan-Kommunen in Indien erinnert.
Die Figuren werden bis auf Sophia, Nina und Aaron nicht sehr deutlich gezeichnet. Es wird hinter die Kulissen der Sekte geschaut, einige Erlebnisse Ninas überraschen und man bekommt einen Eindruck, wie schnell Abhängigkeiten entstehen können.
Die Ermittlung des Todesfalls macht sich die Polizei sehr leicht, sie glaubt an einen Suizid, ein Familiendrama und so bleibt es Sophia überlassen, selbst ermitteln. Dafür benötigt sie nur die Notizbücher ihrer Mutter, die Wahrheit ist dort verborgen.
Die Rahmenhandlung und der Schreibstil haben mir gefallen, die Ausarbeitung hat jedoch einige Längen und die Vorgänge, die einen Psychothriller rechtfertigen würden, haben mir ebenfalls gefehlt.
Dieser Thriller hat die Qualität eines Dramas, nicht mehr und nicht weniger. Das Thema Sektenzugehörigkeit und Abhängigkeit werden hier gut aufgezeigt, die Spannung bleibt aber etwas auf der Strecke.
***Vielen Dank an den Knaur Verlag für die Übersendung dieses Rezensionsexemplars!***
Liebenswerter Roman über Menschen in Kriegszeiten
"Liebe
Mrs. Bird" ist der Debütroman von AJ Pearce, er erscheint im September 2018 bei Rowohlt Kindler.
Emmeline
Lake, Emmy, ist 22 Jahre alt und möchte Kriegsreporterin werden. Sie nimmt eine Stelle an, die sie vermeintlich als Journalistin beim "London Evening Chronicle" beschäftigen soll, es ist aber ein Job als Sekretärin bei der Kummerkastentante einer
Frauenzeitschrift, der resoluten älteren Henrietta Bird. Diese
hat ziemlich veraltete Ansichten was Frauen anbelangt, anstößige Briefe ihrer
Leserinnen, die auf Fragen zur Ehe, Geschlechtlichkeit oder Politik
abzielen, werden aussortiert und landen im Papierkorb. Die Aufgabe des Aussortieren der anstößigen Briefe
soll Emmy übernehmen, doch das bringt sie nicht übers Herz. Ihr tun die Frauen leid und sie beantwortet einzelne Briefe.
"Mrs. Bird hing in einem anderen Zeitalter fest. Ihre Ansichten mochten
vor dreißig Jahren vertretbar gewesen sein, aber nun waren sie veraltet.
Es war nicht nur ihr Krieg." Zitat Seite 95
In "Liebe
Mrs. Bird" erzählt die Autorin eine Geschichte, die ins London von 1940/41 führt, eine Zeit der nächtlichen Bombenangriffe durch deutsche Flieger und eine Zeit der Einschränkungen, Angst und der Unsicherheit mit Zerstörung und Verlust von zahlreichen Menschenleben. Die Menschen führen auch ein Alltagsleben, so erfahren wir von Mut und Verzweiflung, von Freundschaften und Liebe, die in dieser Zeit so viel schwieriger erscheint. Man lebt mehr im Jetzt.
Die Leserbriefe an Mrs. Bird werden nach schicklich und unschicklich sortiert, letztere sollen laut Mrs. Bird als unerwünschte Post in dem Müll landen. Doch die Meinung dieser alten Frau teilt Emmy überhaupt nicht, schliesslich sind die Sorgen der Leserinnen nicht so anstößig, sondern verlangen eine Antwort auf ihre Fragen. Emmy beantwortet die Briefe und gibt einzelne in Druck. Die Auflage steigt, diese Veränderung wird von Mrs. Birds Assistentin Kathleen bemerkt.
Der Roman zeigt durch bildhafte Schilderungen die erschreckenden Zustände während des Bombenhagels durch Fliegerangriffe, die mich sehr bewegt haben. Doch die Menschen lassen sich nicht unterkriegen und setzen ihre Kräfte ein, um wieder aufzubauen, zu retten und zu helfen. Emmy hilft nach Feierabend bei der Freiwilligen Feuerwehr und nimmt Notrufe entgegen. Sie muss etwas tun, ihren Mitmenschen helfen. Doch sie ist eine junge Frau und möchte auch gern ein wenig Normalität erleben, sie besucht mit ihrer besten Freundin Bunty einige Bars und Tanzlokale.
Bunty ist mit Bill verlobt, Emmy wird von ihrem Freund Edmund für eine Krankenschwester verlassen und verliebt sich später in Charles. Sie ist eine herzensgute Person, kann sich den Sorgen der Menschen nicht verschliessen und hat stets Mitleid. Mit ihr erleben wir die Einschränkungen der Bevölkerung Londons während der Luftangriffe während des Zweiten
Weltkrieges und erleben, wie der Krieg geliebte Menschen tötet und die Freundschaft der Freundinnen eine Zerreißprobe wird.
Die Geschichte beginnt ein wenig trivial und etwas altmodisch anmutend mit den Sorgen der Frauen der damaligen Zeit, doch sie entwickelt sich zu einer tieferen Geschichte vor den historischen Hintergründen Londons zur Zeit des Krieges. Sie legt offen was die Menschen erlebten und wie sie unter der Kriegssituation litten und so entwickwelt sich der Roman in ein Drama über Liebe und Vertrauen in einer schwierigen Zeit.
Der
Roman ist liebenswert und leicht geschrieben. Die Leserbriefe sind vom Zeitgeist durchdrungen, die Frauen haben Fragen bezüglich Schwangerschaft, Beziehungsproblemen und wie man eine Scheidung durchführt. Auf die Dauer konnte mich das aber nicht fesseln, die Ratschläge von Emmy sind auch nicht immer richtungsweisend und daher war für mich die Entwicklung von Emmy und ihren Freunden das eigentliche Thema des Buches. Wie sie sich entwickeln und was alles geschieht wird sehr bewegend dargestellt.
Wer warmherzige Figuren mag und erfahren möchte, wie Freundschaften vor dramatischen Kriegshintergründen in Gefahr gebracht werden, der sollte sich dieses Buch näher ansehen.
***Mit herzlichem Dank an den Kindler Verlag für die Übersendung eines Rezensionsexemplars!***
Leider eine echte Enttäuschung
"Mörderischer Freitag" ist der 5. Band der Thriller-Reihe von Autoren-Duo Nicci French. Die Reihe erscheint im Penguin Verlag. [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]
Frieda Kleins Ex-Lebensgefährte Sandy wird ermordet in der Themse
aufgefunden. An seinem Handgelenk trägt er ein Patientenarmband mit
ihrem Namen. Frieda ist tief getroffen und wird Tatverdächtige
angesehen. Doch bevor es zur Anklage kommt, hat Frieda Klein sich
abgesetzt
und ermittelt auf eigene Faust.
Bei dieser Buchreihe bin ich mit diesem Band, immerhin Nr. 5, sozusagen als Quereinsteiger eingestiegen. Keine gute Idee, wie sich
beim Lesen herausgestellt hat.
Aber von vorn. Der Thriller beginnt mit einem grandiosen Prolog, in
dem das Kind Kitty die Hauptrolle spielt. Leider ist im folgenden Buch
nie wieder die Rede von dieser Kitty.
Der erste Mordfall geschieht und die Spuren des Ermittelnden
Detectives Hussein und Bryant führen zu Dr. Frieda Klein. Sie war vor
einiger Zeit mit dem Toten liiert, hatte sich aber von ihm getrennt. War
sie wirklich die Täterin?
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich noch voll bei der Sache und der
Thriller zog mich mit sich. Doch dann begann Frieda Klein, die von der
Polizei für schuldig gehalten wird, selbst zu recherchieren. Sie taucht
unter und irrt scheinbar ziellos durch London, sucht Bekannte des Toten
auf, die sie befragt.
Diese Frieda Klein ist für mich eine merkwürdige Person, sie wird in
diesem Buch leider nicht näher beschrieben, aber sie nahm wie
selbstverständlich den Platz der Protagonistin ein. Eine Figur, die auf
mich so unbeschrieben wirkt wie ein leeres Blatt. Hier stellte sich mir
die Frage, ob man diesen Band ohne Vorkenntnisse überhaupt lesen kann.
Ich widmete mich weiter Friedas Ermittlungen, nebenbei hätte ich gerne
selbst mitgerätselt, aber die weiteren Figuren erschienen wie aus dem
Hut gezaubert und so verwirrte mich das Ganze mehr und mehr. Wer ist
diese ominöse Figur von Dean Reeve? Leider muss die Lösung dieser Frage
in Teil 1-4 versteckt sein.
Erschwerend kam noch die Geschichte mit Frieda als Kindermädchen
hinzu, dort gibt es den 2-jährigen Ethan, dessen Reifezustand leider so
gar nicht seiner Altersklasse entspricht. Hier fehlt den Autoren wohl
der echte Vergleich mit Kindern diesen Alters.
Ich konnte weder Lesespaß, geschweige denn echten Thrill
bei diesem Buch fühlen. Daher vergebe ich nur zwei Sterne, denn ehrlich gesagt, ich bin richtig
enttäuscht.
***Ich bedanke mich beim Verlag und beim Blogger-Portal für dieses Buch, auch wenn es mich leider nicht überzeugen konnte.***