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Freitag, 14. Februar 2020

Ein wenig Glaube - Nickolas Butler

Wenn Glaube blind macht, wird es gefährlich.  


Leise und sehr ausdrucksstark erzählte Geschichte um Glaubensdogmen

Der Roman "Ein wenig Glaube" von Nickolas Butler erscheint im Klett-Cotta Verlag.

Lyle und Peg Hovde leben auf dem Land in Wisconsin. Sie verloren ihren Sohn im ersten Lebensjahr und Lyle damit auch seinen Glauben an Gott. Mit der Adoption ihrer Tochter Shiloh wurden sie wieder Eltern, doch sie lebten sich auseinander. Shiloh wird Mutter und als der Kindsvater sie verlässt, kehrt sie mit ihrem Sohn Isaac zu ihren Eltern zurück und findet Trost in einer radikalen Glaubensgemeinschaft. Diese zieht sie immer mehr in ihren Bann, sie beginnt ein Verhältnis mit dem Pastor und auch Isaac wird in das Leben der Sekte immer mehr hineingezogen, denn ihm werden heilerische Kräfte zugesprochen. Dieses Gebahren bringt Lyle dazu, eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen.


Der neue Roman von Nickolas Butler ist einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 2008 nachempfunden. Das Buch dreht sich um Glaube und Fanatismus und die Schwierigkeit, sich gegen Sekten und ihre Dogmen zu wehren und dabei die involvierten Menschen nicht zu verlieren. 

Die Geschichte beginnt sehr beschaulich auf dem Land in Wisconsin und man erlebt das glückliche Großelternpaar Lyle und Peg mit ihrem fünfjährigen Enkelsohn Isaac. Sie lieben den Jungen sehr, er bringt eine fröhliche Stimmung in die Familie, die alle sehr genießen. Dieses Glück wurde schon einmal getrübt, als Adoptivtochter Shiloh sich im Teenageralter von ihren Eltern abwandte. Was sich aber mit dem Anschluss Shilohs zu einer Sekte nun zu wiederholen scheint.

In "Ein wenig Glaube"erkennt man auf beeindruckende Weise die liebevollen und ängstlichen Gefühle und den Zwiespalt der Großeltern. Sie merken, wie sehr ihr Enkel Isaac in der Glaubensgemeinschaft als heilerisches Instrument vereinnahmt wird und wollen ihn schützen.
Genauso eindringlich beschreibt Butler aber auch die Gefühle von Shiloh, die sich in der Sekte angekommen und mit der Bindung an den Pastor Steven immer enger verbunden fühlt. Steven ist ein Menschenfänger und nutzt sein Charisma, um Menschen an die Sekte zu binden. Shiloh scheint nicht zu erkennen, in welcher drohenden Gefahr sie und ihr Sohn sich befinden und rennt kopflos in ihr Unheil. Je mehr sich Lyle und Peg Shiloh zuwenden, umso mehr kehrt sie sich von ihnen ab. Die Dogmen der Glaubensgemeinschaft beginnen mit blindem Gehorsam zu wirken.

Nickolas Butler erzählt ruhig und beschaulich, aber trotzdem sehr einfühlsam und mit ausdrucksstarken Worten, was sich in einem Jahr in dieser Familie abspielt. Man kann sich voll und ganz auf die Personen einlassen und sieht nebenbei die wunderschön beschriebene ländliche Idylle in bunten Bildern vorbeiziehen. Manche Szenen wie mit dem Apfellaster und den Problemen des Eisregens und dem Rettungsversuch Lyles sind mir allerdings zu ausführlich geraten.

Es ist ein Roman, der mich an dieser Familie, ihrer Liebe und ihren Problemen und Konflikten teilhaben lässt. Die Liebe zu ihrem Enkelsohn und ihrer Tochter bringen Peg und Lyle an ihre Grenzen und sie versuchen behutsam zu handeln. Es ist ein Roman, der aufrüttelt, weil viele Menschen ihren Glauben nutzen, um andere in blindem Gehorsam folgen zu lassen.


Eine ergreifende Geschichte, die nachdenklich macht und die man so schnell nicht vergessen wird.  Wenn Glaube blind macht, wird es gefährlich. 


 ***Herzlichen Dank an den Klett Cotta Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



 

Sonntag, 21. Oktober 2018

Lügen. Nichts als Lügen - Helen Callaghan

Kein echter Psychothriller und hat mich nicht überzeugt 


"Lügen. Nichts als Lügen" ist ein Psychothriller von Helen Callaghan, der als deutsche Übersetzung am 01.10.2018 im Knaur Verlag erscheint. 


Sophia erlebt gerade einen heißen Flirt, als sie einen ängstlich klingenden Anruf ihrer Mutter Nina bekommt. Sie möchte bitte nach Hause kommen. Doch Sophia nimmt das nicht ernst, denn zu häufig hat ihre Mutter schon überreagiert. Hinterher bereut sich das zutiefst, denn was sie danach erwartet, hätte sie sich in den schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Ihre Mutter findet sie erhängt an einem Baum vor und ihren Vater blutüberströmt und ohne Bewusstsein. Was ist hier geschehen und wer hat diese braven und friedlichen Menschen auf dem Gewissen?


                               
 

"Sophia, du bist die Weltseele. Du bist göttliche Weisheit, hineingezwängt in einen sterblichen Traumzustand, eine Art Dornröschenschlaf." Zitat Seite 349 

In diesem Buch vereinen sich Familiendrama, eine Sekte mit Hippieverhalten und ein Kriminalfall, der das Leben von Sophia auf den Kopf stellt. Nichts von dem was ihre Eltern ihr vorgelebt haben, stimmt, alles ist Lüge gewesen und erst jetzt erfährt sie durch dieses schreckliche Ereignis davon.
Die Thematik finde ich äußerst spannend, Sophia findet nähere Informationen über ihre Eltern in versteckten Notizbücher, darin offenbahrt sich eine Sektenzugehörigkeit ihrer Mutter. Davon hatte Sophia keine Ahnung und immer mehr taucht sie in die Vergangenheit ihrer Mutter ein. Entsetzen und Fassungslosigkeit machen sich bei ihr breit. An den von der Polizei vermuteten Selbstmord glaubt Sophia nicht.


Diese Geschichte beginnt außerordentlich dramatisch, doch dann entwickelt sich die Handlung mehr und mehr als Familiendrama, in dem Sophias Mutter Nina die Hauptrolle einnimmt. Ihr Leben in den 80er Jahren in der Sekte "Morningstar" wird nach und nach sichtbar. Der Anführer Aaron Kessler ist ein ehemaliges Rockband-Mitglied und Nina verfällt ihm vom ersten Moment an. Sie ist eine junge, schüchterne und beeinflussbare Person und damit ein geeignetes Opfer für Aaron. Drogen, Alkohol und Sex gehören zum Lebensstil der Kommunen-Anhänger und Nina lässt sich darauf ein. Es geht um Bewusstseinserweiterung, das Leben als Ganzes ohne individuelle Persönlichkeit und dem Gehorchen des Gurus. Man fühlt sich an die Bhagwan-Kommunen in Indien erinnert.


Die Figuren werden bis auf Sophia, Nina und Aaron nicht sehr deutlich gezeichnet. Es wird hinter die Kulissen der Sekte geschaut, einige Erlebnisse Ninas überraschen und man bekommt einen Eindruck, wie schnell Abhängigkeiten entstehen können.
Die Ermittlung des Todesfalls macht sich die Polizei sehr leicht, sie glaubt an einen Suizid, ein Familiendrama und so bleibt es Sophia überlassen, selbst ermitteln. Dafür benötigt sie nur die Notizbücher ihrer Mutter, die Wahrheit ist dort verborgen. 


Die Rahmenhandlung und der Schreibstil haben mir gefallen, die Ausarbeitung hat jedoch einige Längen und die Vorgänge, die einen Psychothriller rechtfertigen würden, haben mir ebenfalls gefehlt. 




Dieser Thriller hat die Qualität eines Dramas, nicht mehr und nicht weniger. Das Thema Sektenzugehörigkeit und Abhängigkeit werden hier gut aufgezeigt, die Spannung bleibt aber etwas auf der Strecke.


***Vielen Dank an den Knaur Verlag für die Übersendung dieses Rezensionsexemplars!***