Unglaublich berührender und dramatischer Roman über die tiefe
Verbundenheit zwischen Geschwistern.
Lisa Wingates Roman "Libellenschwestern" erscheint als Taschenbuch 2019 im Blanvalet Verlag.
Memphis, Tennessee:
1939 lebt
die 7-köpfige Familie Foss auf dem Mississippi als Flußzigeuner auf
einem Hausboot. Queenie, die Mutter von vier Mädchen Rill, Camellia,
Lark, Fern und einem Sohn, Gabion, liegt in den Wehen, die Geburt ist
kompliziert, denn sie erwartet Zwillinge. Ohne ärztliche Hilfe wird sie
die Geburt nicht schaffen, also bringt sie ihr Mann Briny in ein
Krankenhaus. Die fünf Kinder bleiben im Boot allein zurück und werden
von Mitarbeitern in ein Waisenhaus der Tennessee Childrens´s Home
Society in Memphis gebracht. Den Kindern wird erzählt, dass die Eltern
sie bald wieder abholen werden und sie fügen sich in ihr Schicksal. Rill
hat mit ihren 12 Jahren das Versprechen abgegeben, auf ihre Geschwister
aufzupassen. Doch sie hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die sie nicht
erahnen kann.

Dieser
Schicksalsroman basiert auf wahren Gegebenheiten und zeigt das Ausmaß an
tragischen Ereignissen verschiedener Personen, in diesem Fall am
Beispiel einer fiktiven Familie und ihren 5 Kindern, die ein einfaches
Leben auf einem Hausboot auf dem Mississippi führen.
Die
Tennessee Childrens´s Home Society unter der Führung von Georgia Tann
war ein grausames Kapitel in der Waisenhaus- und Adoptionsgeschichte von
Memphis in den 20er bis 50er Jahren. Unter dem Deckmantel der Fürsorge
für arme, unerwünschte und vernachlässigte Kinder, wurden Babies und
Kleinkinder durch Späher ausgesucht, ihren Eltern abgeluchst oder sogar
verschleppt, um dann gegen Geldzahlungen an adoptionswillige Eltern
verkauft zu werden. Die Heime wurden nicht kindgerecht geführt und
niemand ging den wahren Machenschaften der geldgierigen Kriminellen
nach, der Skandal wurde selbst von höheren Regierungskreisen
unterstützt. Offiziell wurden armen Kindern ein neues Heim und bessere
Lebensbedingungen geboten. Aber eigentlich war das nur Kinderhandel in
übelster Art und Weise und es betraf Tausende von Kindern, die nie
wieder in ihre Familien zurück kehrten.
In ihrem Roman arbeitet Lisa Wingate die schrecklichen Schicksale dieser den Familien entrissenen Kinder auf.
Dazu stellt
sie in einem Handlungsstrang das Leben auf dem Hausboot und die
Entführung und den weiteren Verlauf der Kinder der Familie Foss dar. Es
sind schöne, bildhafte Darstellungen von der Natur, vom Leben auf dem
Fluss, von Armut und Familienleben und dem engen Zusammenhalt der
Geschwister, aber auch sehr betroffen machende Schilderungen durch die
Verschleppung ins Waisenhaus und den schlimmen Machenschaften vor Ort.
Circa 70
Jahre später macht Avery Stafford, eine junge Juristin, in einem
Altenheim eine ungewöhnliche Entdeckung. Ihr Libellenarmband, ein
Familienerbstück, wird von der über 90jährigen Bewohnerin May als ihres
erkannt. Diese Erkenntnis bringt Avery dazu, sich auf die Suche nach dem
dahinter liegenden Familiengeheimnis zu machen, denn ihre Großmutter
ist an Demenz erkrankt und von ihr sind keine Informationen zu erfahren.
Avery kommt zu erschütternden Erkenntnissen, die auch ihr eigenes Leben
verändern werden.
Mich hat
diese Geschichte sehr berührt und ich habe insbesondere mit Rill und den
anderen Kindern mitleiden müssen. Es ist schwer zu glauben, wie herzlos
und ohne jegliche Schuldgefühle Giorgia Tann und ihre Mitarbeiter mit
den Kindern umgingen und sie wie eine Handelsware auf dem "Markt" zu
Geld machten. Der Autorin lag sehr an einer Publikmachung dieses
Skandals und das ist ihr mit ihrer Aufarbeitung in Romanform
ausgesprochen gut gelungen.
Wie hier
die kindliche Protagonistin Rill/May ihre inneren Kämpfe ausfechtet, um
ihre Geschwister zu schützen, ist überaus beeindruckend und überzeugend
dargestellt. Sie allein vermag es nicht, sich gegen die Mitarbeiter zu
wehren, auch wenn sie es noch so gern möchte. Die ständige Angst um die
Geschwister und die Strafen im Heim hat man als Leser dauernd vor Augen
und man möchte sie am liebsten beschützen.
Dieses Bild
von Kinderheimen setzt sich dauerhaft fort, es wird nicht nur im
amerikanischen Heimen solche Machenschaften gegeben haben, das ist nach
dieser Lektüre das schlimme Resümee. Man kann nur hoffen, dass heutige
Jugendämter mehr Kontrolle ausüben.
Die
Nachforschung Averys sorgt für den neueren zeitlichen Bezug, man möchte
mit ihr hinter das Geheimnis ihrer Großmutter kommen. Es gibt noch eine
eher nebensächlich verlaufene Liebesgeschichte, die sich nicht so sehr
in den Vordergrund drängt.
Der
Schreibstil der Autorin ist sehr detaillreich, bildhaft und lebendig
gestaltet, man findet sich in Rills kindlicher Sichtweise wieder und
erkennt ihre Liebe zu den Geschwistern sehr genau. Ebenso deutlich wird
auch der Zwiespalt von Avery in ihrer Verantwortung für den guten Ruf
ihrer Familie. Doch im Ganzen folgt man viel gespannter Rill und ihren
Erlebnissen.
Das Ende
klärt einige Ungereimheiten auf, es führt Menschen zusammen und kann
doch die Lücken der Familien nicht endgültig schliessen.
Ein
Schicksalsroman, der den Leser teilhaben lässt an kindlichen Schicksalen
und der besonders die tiefe
Verbundenheit zwischen Geschwistern sehr gut zeigt. Von mir eine volle
Leseempfehlung, denn so etwas darf sich nicht wiederholen.
***Herzlichen Dank für dieses Leseexemplar an den Blanvalet Verlag!***
Unglaublich berührender und dramatischer Roman über die tiefe
Verbundenheit zwischen Geschwistern. Besonders der wahre Hintergrund ist
dabei so erschreckend.
Lisa Wingates Roman "Libellenschwestern" erscheint als deutschsprachige Ausgabe 2018 im Limes Verlag. (Werbung)
Memphis, Tennessee:
1939 lebt die 7-köpfige Familie Foss auf dem Mississippi als Flußzigeuner auf einem Hausboot. Queenie, die Mutter von vier Mädchen Rill, Camellia, Lark, Fern und einem Sohn, Gabion, liegt in den Wehen, die Geburt ist kompliziert, denn sie erwartet Zwillinge. Ohne ärztliche Hilfe wird sie die Geburt nicht schaffen, also bringt sie ihr Mann Briny in ein Krankenhaus. Die fünf Kinder bleiben im Boot allein zurück und werden von Mitarbeitern in ein Waisenhaus der Tennessee Childrens´s Home Society in Memphis gebracht. Den Kindern wird erzählt, dass die Eltern sie bald wieder abholen werden und sie fügen sich in ihr Schicksal. Rill hat mit ihren 12 Jahren das Versprechen abgegeben, auf ihre Geschwister aufzupassen. Doch sie hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die sie nicht erahnen kann.

Dieser Schicksalsroman basiert auf wahren Gegebenheiten und zeigt das Ausmaß an tragischen Ereignissen verschiedener Personen, in diesem Fall am Beispiel einer fiktiven Familie und ihren 5 Kindern, die ein einfaches Leben auf einem Hausboot auf dem Mississippi führen.
Die Tennessee Childrens´s Home Society unter der Führung von Georgia Tann war ein grausames Kapitel in der Waisenhaus- und Adoptionsgeschichte von Memphis in den 20er bis 50er Jahren. Unter dem Deckmantel der Fürsorge für arme, unerwünschte und vernachlässigte Kinder, wurden Babies und Kleinkinder durch Späher ausgesucht, ihren Eltern abgeluchst oder sogar verschleppt, um dann gegen Geldzahlungen an adoptionswillige Eltern verkauft zu werden. Die Heime wurden nicht kindgerecht geführt und niemand ging den wahren Machenschaften der geldgierigen Kriminellen nach, der Skandal wurde selbst von höheren Regierungskreisen unterstützt. Offiziell wurden armen Kindern ein neues Heim und bessere Lebensbedingungen geboten. Aber eigentlich war das nur Kinderhandel in übelster Art und Weise und es betraf Tausende von Kindern, die nie wieder in ihre Familien zurück kehrten.
In ihrem Roman arbeitet Lisa Wingate die schrecklichen Schicksale dieser den Familien entrissenen Kinder auf.
Dazu stellt sie in einem Handlungsstrang das Leben auf dem Hausboot und die Entführung und den weiteren Verlauf der Kinder der Familie Foss dar. Es sind schöne, bildhafte Darstellungen von der Natur, vom Leben auf dem Fluss, von Armut und Familienleben und dem engen Zusammenhalt der Geschwister, aber auch sehr betroffen machende Schilderungen durch die Verschleppung ins Waisenhaus und den schlimmen Machenschaften vor Ort.
Circa 70 Jahre später macht Avery Stafford, eine junge Juristin, in einem Altenheim eine ungewöhnliche Entdeckung. Ihr Libellenarmband, ein Familienerbstück, wird von der über 90jährigen Bewohnerin May als ihres erkannt. Diese Erkenntnis bringt Avery dazu, sich auf die Suche nach dem dahinter liegenden Familiengeheimnis zu machen, denn ihre Großmutter ist an Demenz erkrankt und von ihr sind keine Informationen zu erfahren. Avery kommt zu erschütternden Erkenntnissen, die auch ihr eigenes Leben verändern werden.
Mich hat diese Geschichte sehr berührt und ich habe insbesondere mit Rill und den anderen Kindern mitleiden müssen. Es ist schwer zu glauben, wie herzlos und ohne jegliche Schuldgefühle Giorgia Tann und ihre Mitarbeiter mit den Kindern umgingen und sie wie eine Handelsware auf dem "Markt" zu Geld machten. Der Autorin lag sehr an einer Publikmachung dieses Skandals und das ist ihr mit ihrer Aufarbeitung in Romanform ausgesprochen gut gelungen.
Wie hier die kindliche Protagonistin Rill/May ihre inneren Kämpfe ausfechtet, um ihre Geschwister zu schützen, ist überaus beeindruckend und überzeugend dargestellt. Sie allein vermag es nicht, sich gegen die Mitarbeiter zu wehren, auch wenn sie es noch so gern möchte. Die ständige Angst um die Geschwister und die Strafen im Heim hat man als Leser dauernd vor Augen und man möchte sie am liebsten beschützen.
Dieses Bild von Kinderheimen setzt sich dauerhaft fort, es wird nicht nur im amerikanischen Heimen solche Machenschaften gegeben haben, das ist nach dieser Lektüre das schlimme Resümee. Man kann nur hoffen, dass heutige Jugendämter mehr Kontrolle ausüben.
Die Nachforschung Averys sorgt für den neueren zeitlichen Bezug, man möchte mit ihr hinter das Geheimnis ihrer Großmutter kommen. Es gibt noch eine eher nebensächlich verlaufene Liebesgeschichte, die sich nicht so sehr in den Vordergrund drängt.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr detaillreich, bildhaft und lebendig gestaltet, man findet sich in Rills kindlicher Sichtweise wieder und erkennt ihre Liebe zu den Geschwistern sehr genau. Ebenso deutlich wird auch der Zwiespalt von Avery in ihrer Verantwortung für den guten Ruf ihrer Familie. Doch im Ganzen folgt man viel gespannter Rill und ihren Erlebnissen.
Das Ende klärt einige Ungereimheiten auf, es führt Menschen zusammen und kann doch die Lücken der Familien nicht endgültig schliessen.
Ein Schicksalsroman, der den Leser teilhaben lässt an kindlichen Schicksalen und der besonders die tiefe
Verbundenheit zwischen Geschwistern sehr gut zeigt. Von mir eine volle Leseempfehlung, denn so etwas darf sich nicht wiederholen.
***Herzlichen Dank für dieses Leseexemplar aus dem Limes Verlag, ich habe es von Buecher.de als Buchflüsterin erhalten!***
[Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]