Donnerstag, 25. Juni 2026

Der vergessene Wald - Sharon Gosling

Problembaustelle, aber schöne Atmosphäre im Wald

Im Dumont Verlag erscheint Sharon Goslings Roman Der vergessene Wald.

Saskia Tilbury-Martin verbrachte im Grenzgebiet zwischen England und Schottland als Kind viel Zeit mit ihrem Vater, die Ruine von Schloss Gair war ein häufig angesteuerter Punkt und inmitten des Waldes lernte sie die Natur kennen und lieben. Nach dem Tod des Vaters kauft sie Schloss Gair und das umliegende Land mit einem Wald. Sie möchte die verfallene Ruine erhalten und vor dem Verfall retten. Ganz besonders am Herzen liegt ihr die alte Eiche in Innenhof, die bei Baumaßnahmen total im Wege steht, aber stehen bleiben soll. Saskia zieht in ein Tiny House und nimmt den Bauleiter Owen unter Vertrag. Für ihn ist Saskia eine überzogene Großstädterin und ihr Plan ein utopisches Unterfangen. Doch er braucht den Job und muss sich ihren Wünschen fügen. Gemeinsam stellen sie sich den Hindernissen und sehen in dem Projekt einen persönlichen Neuanfang.

 


Es ist immer ein Genuss wie facettenreich und warmherzig Sharon Gosling ihre Figuren ausstattet und ihnen Leben einhaucht. Sie haben eigene Konflikte, Gefühle, Wünsche und Gedanken an die Zukunft. Saskia möchte die Schlossruine Gair inmitten eines Waldes wieder aufbauen und eine alte Eiche retten. Owens Ehe ist zerbrochen und um seiner Tochter etwas bieten zu können, übernimmt er die Bauleitung von Gair. Die Protagonisten haben eine schwierige Aufgabe, denn ihnen werden von allen Seiten Steine in den Weg ihres Projekts gelegt. Das verleiht der Geschichte reichlich Abwechslung und die Idylle des Waldes und die geheimnisvolle Ruine bieten eine Kulisse, die mich mit ihrer Ruhe und schönen Natureindrücken beim Lesen zum Innehalten angeregt haben und für Entschleunigung sorgen.  

"Der vergessene Wald" zeigt, welche Hindernisse es bei der Durchsetzung von Bauprojekten geben kann. Kaum ist ein Problem überwunden, verhindert das nächste die Fortsetzung der Baumaßnahmen. Für mich hätten es ein paar Widrigkeiten weniger sein können. Zwischen Owen und Saskia entsteht trotzt der Anfeindungen der Gegnern des Schlossaufbaus und ihrer anfänglichen Abneigung ein angenehmes Miteinander, sie lernen sich besser kennen und vielleicht entsteht noch mehr. In dieser Geschichte werden Zukunftsträume auf besondere Weise miteinander verbunden und gezeigt, wie ein Leben im Einklang mit der Natur gehen kann.

Über der Geschichte liegt die Botschaft an die Leser:innen, nicht vorschnell über andere Menschen zu urteilen, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Saskia ist sehr hilfsbereit und mitfühlend, sie versucht zu verhandeln und Lösungen mit den Beteiligten zu finden. Das hat mir imponiert, ihr Festhalten an diesem uferlosen Bauprojekt war für mich allerdings etwas naiv. 

Insgesamt wurde ich gut unterhalten und bin gern in dem schönen Wald abgetaucht, doch im Großen und Ganzen kam dieser Roman nicht ganz an die anderen Bücher der Autorin heran. 

***Herzlichen Dank an den Dumont Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

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