Mein Lesehighlight im Juni!
Im Penguin Verlag erscheint Hannah Häffners Roman Die Riesinnen.
Das kleine Dorf Wittenmoos im Schwarzwald ist die Heimat der Riessberger Frauen, Großmutter, Tochter und Enkelin, die mit ihrer Größe und den kupferroten Haaren einfach auffallen und mit ihrem eigenwilligen Auftreten in der Dorfgemeinschaft als Außenseiterinnen gelten. Doch sie leben nun einmal hier und suchen ihre eigenen Wege, deren Grenzen eng gesteckt sind. Da ist Liese, die den Metzgersohn Bernhard heiratet, anstatt eines männlichen Stammhalters eine Tochter bekommt und stoisch, streng und arbeitssam die Metzgerei führt. Ihre Tochter Cora möchte aus der Enge des Dorfes ausbrechen und etwas erleben. Ihre Tochter Eva zieht für ein Studium in die Großstadt, erst dort erkennt sie, wie sehr sie den Wald liebt.
"Sie liebt den Blick auf Wittenmoos, das oft genug so tut, als hätte es nie darum gebeten, geliebt zu werden. Dass sie nach Hause kommen kann, gibt ihr das Gefühl, fallen zu können, aber nicht zu tief, gerade so, das man den Schmerz noch aushält." Zitat S. 269
Dieser Roman ist etwas ganz Besonderes und hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Hannah Häffner erzählt wie das Leben dreier Generationen verläuft und sie verändert. Sie zeigt, wie das Leben bei der in den 1950er Jahren geborenen Liese enge Grenzen vorgibt und sie nach dem Tod ihres Mannes das Gefühl zermürbt, nicht frei zu sein, weil die Verantwortung für ihre Tochter im Vordergrund steht. Die eigenwillige Cora macht ihren Wunsch vom Fortgehen wahr, testet ihre eigenen Grenzen aus und als ihre Träume platzen, kehrt sie wieder zurück. Eva ist frei in ihrer Wahl, für sie zählt am Ende nur die Heimat und die Wurzeln, die sie im Schwarzwald als Kind schon gefestigt hat.
Es ist spannend und berührend zu lesen, was es mit Menschen macht, wenn Lebensträume sich zerschlagen und man weiter machen muss. Die Frauen sind starke Figuren, die ihr Leben ohne Männer meistern und sich auch nicht reinreden lassen. Nur die eigene Tochter ist der Mittelpunkt im Leben, der zählt. Dieses Verhältnis verändert sich in den Generationen, doch die tiefe Liebe zum Kind ist allen drei Frauen gemein.
Die Ausgestaltung der Charaktere ist Hannah Häffner auf eine feinfühlige und intensive Weise gelungen. Ihre Frauen sind starke und liebenswerte Personen mit Ecken und Kanten, die sich mutig den Gegebenheiten des Lebens anpassen und die Sehnsucht nach Freiheit und das Gefühl von Heimat in sich tragen.
Die Erzählweise ist sehr besonders, poetisch, eindrücklich und intensiv rühren die Figuren an und machen diesen Roman so unvergesslich. Ganz wunderbar lässt die Autorin atmosphärische Bilder des Waldes und der Natur einfließen und fesselt mit ihren eindringlichen Figuren und ihren Geschichten.
Die Geschichte beschreibt Lebenswege, die sich um Heimat, Freiheit und Selbstbestimmung drehen. Stimmungsvoll, eindringlich und alltäglich, gerade das macht den besonderen Reiz aus!
Großartig geschrieben, atmosphärisch und eindringlich! Mein Lesehighlight im Juni!


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