Freitag, 22. Dezember 2023
Gedankenwelten POESIE - Solveig Klaus
Donnerstag, 3. Februar 2022
Wie süß das Mondlicht auf dem Hügel schläft! - Annette Roeder
Zum Träumen schön!
Kunst und Poesie verschmelzen zu einem schönen Gesamteindruck und eröffnen Kindern diese Welt.
Im Prestel Verlag erscheint das Sachbuch für Kinder "Wie süß das Mondlicht auf dem Hügel schläft!" von Annette Roeder.
Freitag, 1. Januar 2021
Neujahrsgedicht
Mit diesem Gedicht von Erich Kästner verabschiede ich das alte Jahr und schicke euch ganz liebe Neujahrsgrüße!
Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“
Erich Kästner (1899 - 1974)
Ein frohes, gesundes und glückliches Neues Jahr wünsche ich euch allen!
Donnerstag, 17. Dezember 2020
Dezember - Evelyne Polt-Heinzl
Stimmungsvolles Lyrikbändchen, zeitbeschreibend und schön zu lesen
Im Reclam Verlag erscheint das Büchlein "Dezember-Gedichte" als Teil der 12-bändigen Reihe "Monatsgedichte". Es ist eine Sammlung von monatlich passennden Gedichten deutscher Dichter/innen, die wunderbar in diesen Monat passen.
Im Dezember kommen mit Nikolaus, Weihnachten und Silvester gleich drei Feste daher, die die Menschen mit Gefühlen und Wünschen erfüllen. Es ist aber auch die Zeit der Rückbesinnung auf das vergangene Jahr und der guten Vorsätze und Hoffnungen für das neue Jahr.
Das Reclam-Bändchen bringt eine kleine Auswahl von 56 Gedichten, den erwartungsvollen Auftakt macht Rose Ausländer mit "Dezember", es folgen Eugen Roth, Jürgen Becker und Martin Greif mit "Barbarazweige". Der Nikolaus ist ein lang erwarteter Tag, er wird mit Knecht Ruprecht von Theodor Storm gehuldigt. Als Wintermonat bringt der Dezember Kälte und mancherorts Schnee, auch hierfür gibt es eine kleine Gedichtauswahl von Carl Zuckmayer "Wintervögel", Matthias Claudius und Rainer Maria Rilke. Wenn der Weihnachtsbaum aufgestellt wird, ist die Weihnachtsfreude groß, deshalb darf in diesem Büchlein auch A. Hoffmann von Fallerslebens "Der Weihnachtsbaum" nicht fehlen. Die Wünsche der Kinder rücken das Fest in ein ganz besonderes Licht, hierzu passt perfekt Heinrich Seidels "Ich wünsche mir ein Schaukelpferd". Auch modernere Dichter wie Günter Grass sind mit "Der Feiertag" vertreten.
Das Jahr klingt aus mit: Else Lasker-Schüler, Annette von Droste-Hülshoff, Kurt Tucholsky und Joachim Ringelnatz.
Die vielseitige Auswahl erfolgte von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell, die mit einem kurzen Vorwort "Was dieser Dezember zu bieten hat" für die Einleitung sorgten. Dieses Reclambändchen hat als eines der 12 Bücher der Reihe "Monatsgedichte" ein kleines kompaktes Format und fügt sich mit zeitlich passendem Cover wunderbar in die Reihe ein.
Eine kleine, aber feine Auswahl an bekannten und neueren Gedichten, die sich um die Tage im Dezember ranken. Für mich eine schöne Einstimmung und ein Moment des Innehaltens und Genießens dieser schönen Poesie.
Als kleines Mitbringsel in der Adventszeit sicher ein ideales Geschenk und auch für Kartengrüße wunderbar geeignet.
Montag, 23. Dezember 2019
Advent - Rainer Maria Rilke
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Advent
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.
von Rainer Maria Rilke
In diesem Sinne wünsche ich euch allen besinnliche und schöne Feiertage!
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Fröhliche Weihnachten!🎄🎁
Montag, 14. Januar 2019
Montagsfrage # 88

Die aktuelle Montagsfrage von Antonia von Lauter & Leiser heißt heute:
Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?
Das ist mal wieder eine sehr interessante Frage, zu der ich gerne meinen Senf beitragen möchte.
Lyrik, was ist das überhaupt?
Das sind Texte bei denen Gefühle, Stimmungen oder Gedanken mit den formalen Mitteln von Reim, Rhythmus und anderen Formen ausgedrückt werden. Eine der ältesten Formen von Lyrik sind die Minnegesänge. Alles was in Gedichtform verfasst wird, fällt unter den Begriff Lyrik.
Ich liebe Gedichte, schon immer und auch wenn mich manche nie erreicht haben, gibt es doch bestimmte Dichter und Dichterinnen, die mich vom ersten Lesen ihrer Texte begeistert haben und die ich immer wieder gerne lese. Auf meinem Blog habe ich mal einen Thread über Gedichte gestartet, die ich aber dann zugunsten von Rezensionen wieder eingestellt habe.
Wenn ich an Gedichte denke, fallen mir Emotionen, Bilder und sprachliche Vollkommenheit ein. Ich beziehe mich überwiegend auf die deutschsprachigen Dichter, weil man in der Muttersprache doch die Gefühle am intensivsten erlebt.
Annette von Droste-Hülshoff, Ina Seidel, Christian Morgenstern und Rainer Maria Rilke gehören zu meinen liebsten Dichtern. Ganz unten finden sich Links zu veröffentlichen Posts auf meinem Blog.
Unabhängig von den Klassikern wie Goethe, Schiller, Eichendorff und Heinrich Heine, die auch weiterhin viel gelesen werden, entwickeln sich beständig neue Formen von Lyrik in Form von poetischen Sprechweisen. Heutzutage wird gerappt und beim Poetry Slam, bei dem ich Julia Engelmann mal lobend und beispielhaft erwähnen möchte, wird ebenfalls auch wieder Lust auf eine Auseinandersetzung mit sprachlichen Texten gemacht. Sie zeigen das Zeitgefühl, Bauchgefühl und das verwendete Mittel ist eine treffende Sprache. Besser können das Gedichte auch nicht aussagen.
Marco Tschirpke hat sich ebenfalls in moderner Lyrik ausgedrückt. Seine komischen Gedichte sind sehr überzeugend. Es muss nicht immer Comedy sein, wenn man lacht!
Die Lyrik wird vielen Menschen nur in Form von Gedicht-Interpretation in der Schule begegnet sein. Das Auswendiglernen von ellenlangen Gedichten ist nicht jedem in die Wiege gelegt und auch das Aufsagen ist nur bei Personen mit schauspielerischem Können ein angenehmes Erlebnis.
Zumal Pflichtlektüre ja nicht immer das ist, worüber man ins Schwärmen gerät. Wenn man dann auch noch das Versmaß bestimmen soll, ist eventuell auch noch das kleinste Flämmchen Vorliebe für Gedichte ausgelöscht und für immer erledigt.
Aber die Lyrik hat viele Jahrhunderte überdauert und auch wenn sie nicht die am meisten gelesene Schriftform ist, so hat sie sich doch immer noch Bestand.
Ich habe einen Gedichtband, der einen zeitlichen Überblick über die deutsche Lyrik zeigt, in dem lese ich gerne ab und zu mal etwas.
Gerne möchte man die Intentionen des Autors selbst nachfühlen können, aber das ist nicht bei allen Gedichten möglich. Für manche Gedichte braucht man genügend Lebenserfahrung, für manche einfach nur den Sinn für die verwendete Sprache. Gedichte müssen einen mitnehmen auf eine Reise, dann haben sie ihren Zweck erfüllt. Wohin die Reise dann auch immer gehen mag.
Die Vorliebe für Lyrik wird wohl nie aussterben, vielleicht nicht unbedingt Mainstream werden, aber sich doch seinen Platz in der Literatur behaupten. Und die Weiterführung durch moderne Aussageformen hat bereits in vollem Maße stattgefunden. Vielleicht führt das Rappen eines Tages manche Menschen hin zu den alten Klassikern. Wäre doch schön!
Ina Seidel
Christian Morgenstern
Hundert Gedichte von R. M. Rilke
Jetzt, Baby - Julia Engelmann
Marco Tschirpke
Sonntag, 21. Januar 2018
Gedichte am Wochenende # 7 Die Frösche - Johann W. von Goethe
Auch Johann Wolfgang von Goethe hat sich dieser Frage angenommen.
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Die Frösche
Ein großer Teich war zugefroren;
Die Fröschlein in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,
Versprachen sich aber, im halben Traum,
Fänden sie nur da oben Raum,
Wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
Nun ruderten sie und landeten stolz
Und saßen am Ufer weit und breit
Und quakten wie vor alter Zeit.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
Mittwoch, 6. Dezember 2017
Nikolaustag - Zeit für ein Gedicht
Knecht Ruprecht
Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!
Ich sprach: „O lieber Herr Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ -
„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“ -
„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier:
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil den rechten.“
Christkindlein sprach:„So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find’!
Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?
(Theodor Storm 1817-1888, deutscher Schriftsteller)
Sonntag, 24. September 2017
Quarter Life Poetry - Samantha Jayne
Die Stimme einer Generation
Samantha Jaynes Buch "Quarter Life Poetry" trägt den einführenden Untertitel "Warum meine Freunde Kinder bekommen und bei mir nicht mal ein Kaktus überlebt". Die Gedichtsammlung erscheint als deutsche Übersetzung im btb Verlag.(Werbung)
Samantha Jayne ist in den 25ern, weiß von den Schwierigkeiten nach der Uni einen passenden und ebenso lukrativen Job zu bekommen und sieht sich mit Studienkrediten, Dating-Apps statt Kindersegen und Alltagsproblemen konfrontiert. Die Fragen an das Leben kann sie nicht beantworten. Ihre Methode, damit umzugehen zeigt sie mit diesem Buch. Mit Selbstironie dichtet sie ihre Poetry und fügt passende Illustrationen bei.
"Das Shirt ist zu klein, die Hose schliesst schwer. Wer trägt die Schuld - Trockner oder Dessert?" Zitat Seite 129
So lautet für mich der größte Lachflash des Buches.
Dieses Büchlein ist eine Sammlung von Gedichten der amerikanischen Autorin Samantha Joyce zu ihrem gleichnamigen Instragram-Account.
Sie zeigt mittels vierzeiliger Gedichte die Sorgen, Nöte und Orientierungschwierigkeiten im Leben der Ü-20 Generation. Trotz erfolgreichem Studium findet sich nicht immer ein lukrativer Job und die Studienkredite drohen ungetilgt die Zukunft zu blockieren. Auch im Mitmenschlichen gibt es nicht immer Glück und Harmonie, erst einmal muss das passende Gegenstück gefunden werden. Das Thema Liebe und Sex sind daher ebenfalls Gedichtinhalte.
Aber auch um das Thema Essen drehen sich einige Gedichte, daraus resultieren als Folge dann auch Gedichte um Klamotten- und Figurfragen.
Hier wird der Zeitgeist dieser Generation gut eingefangen, ich kann das als Mutter dieser Altersklasse gut nachvollziehen. Manche Gedichte gefallen mir richtig gut. Doch nicht alle sind wirklich ausdruckstark. Einige sind total humorvoll und manche nichtssagend. Es ist eine bunte Mischung, die durch die Illustrationen aufgepeppt wird.
Samantha Jayne ist Bloggerin und auf ihrem Blog finden sich die Originalpoetrys in Englisch.
Die deutschen Gedichte haben zwar Charme, wirken aber nicht alle richtig rund und flüssig wie die Originale. Dennoch ist die Übersetzung gut gelungen und inhaltlich getroffen.
Die Poetry Sammlung richtet sich hauptsächlich an die Jungen, Gebrochenen und Suchenden um die 25. Aber auch andere Gedichtinteressierte werden einige gute Sprüche entdecken, diese Generation näher kennenlernen und vielleicht einfach nur Spaß am Humor haben.
***Vielen Dank an das Bloggerportal und den btb Verlag für die Zusendung dieses Buches!***
Sonntag, 30. April 2017
Sommer - Rainer Maria Rilke
Bin leider etwas enttäuscht, zu melancholisch und getragen wirken die Gedichte und Texte!
»Sommer: für ein paar Tage der Zeitgenosse der Rosen sein; atmen,
was um ihre aufgeblühten Seelen schwebt.«
In zahllosen Gedichten und Texten besingt Rainer Maria Rilke den Sommer: Er schreibt von der erotischen Spannung, die sich an einem heißen Sommertag zwischen zwei Menschen aufbauen kann, beschwört prächtige Sternennächte und mondbeschimmerte Wege im sommerlichen Garten, erfreut sich an einem ländlichen Garten.
So verspricht der Klappentext ein buntes Potpourri an sommerlichen Texten, die vor Farbenpracht sprühen, die die Freude am Sein und lauen Sommerabenden hoffen lassen.
In einigen Gedichten kann man sommerliche Gefühle gut miterleben, dazu zählen "Wilder Rosenbusch", "Rosa Hortensie" und "Blaue Hortensie" und "Der Apfelgarten". Man sieht die Farben und Formen der Blüten und der Natur deutlich vor Augen.
Viele seiner bekannten und wunderbaren Gedichte sind enthalten:
Die Flamingos
Papageien-Park
Der Panther
Übung am Klavier
Die Sommer Rilkes sind angefüllt mit Reisen. Er weilt in Prag, besucht Venedig und Assisi und schreibt bei seinem Aufenthalt auf Capri Briefe an Fürstin Taxis. Der Tourismus steckt in seinen Kinderschuhen und Rilke profitiert als einer der ersten Reisenden von Baedeker und seinen Reisebeschreibungen. Allerdings betrachtet Rilke viele Städte mit Unwillen. Er schreibt von enttäuschter Liebe und seine Gedanken ranken um Sein und Vergehen. Treibt ihn eine verlorene Liebe zu solchen melancholisch anmutenden Texten?
Ich habe nicht mit so vielen Briefwechseln, längeren Sonetten und Texten gerechnet. Zwar machen sie den Zeitgeist deutlich und zeigen die Art der Sprache, die damals gesprochen wurde. Aber es sind tiefsinnige Gedanken, sehr persönlich und sie wirken mit ihrer Melancholie sehr trübsinnig auf mich.
Im Nachwort von Thilo von Pape erfährt man über Rilkes Verhältnis zum Sommer. Er hatte kein einfaches Verhältnis zum Sommer.
Das ist wirklich schade, denn hätte ich das eher gewusst, hätte ich eher das Buch vom Frühling oder Herbst gekauft.
Nicht die beste Sammlung von Gedichten und Texten Rilkes. Ich wäre gern in sommerbunte Blumenvielfalt eingetaucht und hätte mehr romantische Zeit umter dem Sternenhimmel einer lauen Sommernacht verbracht.
Samstag, 8. April 2017
Gedichte am Wochenende # 6 April von Heinrich Seidel
Mit dem April beginnt wieder ein Auf und Ab des Wetters, von sommerlich schön bis herbstlich grau ist alles dabei. Es gibt ein Gedicht, das das richtig gut beschreibt und mich sehr an früher erinnert.
April von Heinrich Seidel
April! April!
Der weiß nicht, was er will.
Bald lacht der Himmel blau und rein,
bald schaun die Wolken düster drein,
bald Regen und bald Sonnenschein!
Was sind mir das für Sachen,
mit Weinen und mit Lachen
ein solch Gesaus zu machen!
April! April!
Der weiß nicht, was er will.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee
und schneit mir in den Blütenbaum,
in all den Frühlingswiegentraum!
Ganz greulich ist´s, man glaubt es kaum:
Heut Frost und gestern Hitze,
heut Reif und morgen Blitze,
das sind so seine Witze!
O weh! O weh! Nun kommt er gar mit Schnee!
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Und treibt der raue Wintersmann
auch seinen Freund, den Nordwind, an
und wehrt er sich, so gut er kann -
es soll ihm nicht gelingen:
Denn alle Knospen springen,
und alle Vögel singen.
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Heinrich Seidel
(1842-1906)
Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel (1842 - 1906) war ein deutscher Ingenieur und Schriftsteller.
Das bekannteste Werk Seidels ist das Buch Leberecht Hühnchen, das aus mehreren Episoden besteht, die zwischen 1880 und 1893 entstanden. Darin geht es um die Beschreibung einfachen Glücks.
Der berühmte Spruch „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ ist sein Motto gewesen und die erste Zeile seines 'Ingenieurlieds' von 1871
Noch einen schönen April mit hoffentlich nicht allzu launischem Wetter wünscht euch Sommerlese!
Sonntag, 29. Januar 2017
Hundert Gedichte - Rainer Maria Rilke
Unvergleichlich schön und zeitlos aktuell
Die hundert schönsten Rilke-Gedichte aus seiner frühen und mittleren Lebenszeit laden den Leser ein, mitzuhören auf die Stimmen und hintergründigen Töne im Herbsttag, den geschmeidigen Schritten des Panthers zu folgen, mitzugehen auf den Spuren eines Mädchens, dessen Weg ein frühes Gedicht zeichnet. Bilder und Beobachtungen, Farben und Klänge erfreuen jeden, der sich diesen Versen unbefangen nähert.
"Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit, in der die Welten weite Wege reisen, mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit und will hinauf und will mit ihnen kreisen ... Und das ist Seele." Prag 1896
Dieses edle Büchlein trägt einen petrolfarbenen Leineneinband und hat ein Lesebändchen und bietet sich wunderbar als schönes Geschenk oder als Dauerlektüre an.
Rainer Maria Rilke lebte von 1875 bis 1926. Seine Dichtkunst ist einzigartig in der Ausdrucksweise und der daraus erzeugten Bildsprache. Er malt mit Worten Bilder und erweckt sie zum Leben.
Er beschreibt das Naheliegende, die Menschen, Blumen, Tiere und die Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Dabei scheint er von Außen auf die Dinge zu sehen, fast wie ein stiller Beobachter.
Seine Gedichte sind unpolitisch, er betrachtet eher Gefühle und Stimmungen, aber auch die Liebe und den Tod.
Wenn man zum Beispiel sein bekanntes Gedicht "Der Panther" liest, hat man den Eindruck, die Verzweiflung des eingesperrten Tieres zu sehen, aber auch die dösende Raubkatze, die jederzeit zum Sprung bereit ist.
Das Gedicht "Zum Einschlafen zu sagen" ist ein sehr berührendes Gedicht, zu der Zeit war er gerade frisch verliebt und das merkt man ihm an.
Mein erklärtes Lieblingsgedicht ist "Blaue Hortensie". Rilke beschreibt so wunderbar, als ob man die Blütendolde direkt vor Augen hat.
In dieser Sammlung erscheinen die Gedichte in chronologischer Reihenfolge, so wirken die ersten Gedichte noch jugendlich frisch und beschreiben Gesehenes und handeln von der Liebe.
Hierzu zählt auch die Zeit Rilkes in Paris: "Die Liebenden" und "Die Flamingos" entstanden dort.
Weitere Beispiele für diese frühe Lebensphase sind "Die spanische Tänzerin" und "Die Erblindete", beides wundervolle Werke.
In der späteren, mittleren Schaffensperiode zeigt sich dann die wahre Reife des Künstlers, dort wird er sich aber auch des Themas Tod bewusst und seine Werke werden deutlich länger und von der Wirkung her viel ausdrucksstärker und intensiver.
"Die Sonette an Orpheus" zeigen mit ausführlichen Inhalten einen gereiften Rilke.
Ein interessantes Nachwort von Dr. Ulrich Häussermann beschliesst diesen schönen Gedichtband.
Dieser Gedichtband ist für mich ein wunderbarer Fundus zum immer mal wieder Hineinlesen. Je nach persönlicher Stimmung empfindet man die Gedichte immer wieder etwas anders. Unvergleichlich schön und zeitlos aktuell. Ein Buch für die Ewigkeit!
Sonntag, 10. Januar 2016
Die lustigsten Geschichten von Wilhelm Busch für Kinder
Geniale humorvolle Bildergeschichten in Reimform. Auch heute noch Spitzenklasse!
Wilhelm Busch lebte von 15.4.1832 bis 9.1.1908.Anlässlich seines heutigen 108. Todestages schreibe ich eine Rezension des Buches Die lustigsten Geschichten von Wilhelm Busch für Kinder aus dem Schwager & Steinlein Verlag von 2013.
Das Buch enthält einige der bekanntesten und schönsten Bildgeschichten von Wilhelm Busch. So wie die berühmten Geschichten von Max und Moritz, Plisch und Plum, Maler Klecksel, Hans Huckebein und Fipps dem Affen und einige andere. Es ist zum Vorlesen und Anschauen geeignet und man möge bedenken, dass diese Geschichten vor fast 150 Jahren entstanden sind.
Bitte beachten:
Altersempfehlung ist laut Verlag bei 4 - 6 Jahren. Aber ich empfehle unbedingt gemeinsam mit Kindern die Geschichten zu lesen, denn nicht immer verstehen Kinder die satirische Sprache oder es gibt Erklärungsbedarf z. B. bei der Prügelstrafe, die früher üblich war.
Wilhelm Busch hat mit Witz und teilweise satirischer Überzeichnung Geschichten geschaffen, die faszinieren. Er zeigt aber auch böse Charaktere und unsympathische Typen und echte Plagegeister, die manch harmlosen Bürger zum Opfer werden lassen.
Dabei bedient er sich Binsenwahrheiten und Lautmalereien und hat einen wahren Wortwitz, der erstaunen lässt.
Vielleicht kann man sogar so weit gehen und W. Busch als Vorfahr des Comics bezeichnen. Auf jeden Fall ist er ein unübertroffenes Genie der Zeichenkunst und seine Gedichte erstaunen immer wieder. Wie hier zielgenau formuliert wird, neue treffende Wortspiele und Reime in wucderbare Geschichten umgewandelt werden und dann auch noch die Bösartigkeit von Mensch und Tier in den Vordergrund stellen, das hat Wilhelm Busch noch niemand nachgemacht.
Dieser Künstler ist ein Teil unserer Kultur und auch wenn er in einer vergangenen Epoche lebte und eine vergangene Gesellschaft beschreibt, so ist es doch interessant und sein Humor zeigt sich auf vielfältige Weise. Er ist grotesk, er karikiert und wirkt sogar makaber, aber er trifft immer genau den Punkt des Üblen und zeigt Gut und Böse auf.
Ein wunderbares Buch mit bekannten und nicht so bekannten Geschichten, die begeistern und gut unterhalten und das große Zeichentalent Wilhelm Buschs zeigen.
Mittwoch, 9. Dezember 2015
Die komischen Gedichte des Marco Tschirpke
Erheiternde Comedy in Gedichtform: eine gelungene Aufmischung von Altbekanntem mit neuen Gedanken!
Die komischen Gedichte des Marco Tschirpke erscheinen im Ullstein Verlag. [Werbung]
Frühling, Sommer, Herbst und Günther
Am Pult der Zeit
Ein Fliegenschiß war so placiert,
Daß er den Maestro irritiert:
Die Note da hat keinen Sinn,
Die ganze Harmonie ist hin.
Beschließt, den Mozart hinzuknalln.
Bei Schönberg wär´s nicht aufgefalln.
Mit witzigen und hintergründigen Pointen unterhält Marco Tschirpke aus Beste. Dabei wirken die Verse so leicht und überhaupt nicht mühselig gereimt und erdacht. Es geht um die Musik, alte und neue Meister der Kunstszene, historische Persönlichkeiten, aber auch ganz banale Alltagsgedanken werden zum zentralen Thema seiner Gedichte.
Seine Lyrik zerstreut und erheitert Stück für Stück. Tschirpke hat einen genialen Blick, er schaut tiefer hinter die äußeren Kulissen und entdeckt immer wieder neu eine interessante Spur hinter alten Redewendungen. Es scheint ihm leicht zu fallen, mit neuen Reimen den alten Sprüchen eine Spur von Komik zu verleihen.
Er ist ein Meister des schrägen Wortes, er verdreht es oder bildet es geschickt um zu einem völlig neuen Wort: Oder kennen Sie Algenhumor oder das Komasutra?
Mir haben diese Gedichte sehr viel Spaß bereitet und ich habe herzlich gelacht und häufig geschmunzelt.
Auf jeden Fall sorgt dieses Buch für gute Unterhaltung und für beste Laune. Eine moderne Lyrik, die wieder Lust macht auf Gedichte. Es muss nicht immer Comedy sein, wenn man lacht!












