Ein berührender Südstaatenroman, fesselnd wie ein Krimi und voller menschlicher Dramen
Der Debütroman "Alligatoren" von Deb Spera erscheint Anfang September 2018 im Verlag Harper Collins.
Brancheville, im Nordosten Alabamas in den 20er Jahren: Drei Frauen unterschiedlicher Herkunft und Lebensbedingungen sind durch ein gemeinsames Schicksal miteinander verbunden. Gertrude, Annie und Retta eint die unstillbare Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung. Die Emanzipation der Frau steht noch in den Anfängen.
"Einen Menschen töten ist leichter als einen Alligator töten, aber Geduld brauchst du für beides!" Zitat Seite 7
Es ist dieser erste Satz des Romans, der mich schon auf die weiteren Vorgänge vorbereitet hat, der mich erschreckte und dabei sofort Spannung für die weitere Handlung aufgebaut hat.
Gertrude Pardee lebt in einer Hütte am Sumpf, sie wurde von ihrem Vater an einen gewaltätigen Mann, Alvin, verheiratet und hat vier Töchter. Sie leben von der Hand in den Mund, Alvin arbeitet zwar bei seinem Vater auf einer Baumwollplantage, doch eine Käferplage hat dort die Ernte vernichtet. Um ihr Überleben zu sichern, will Gertrude einen Alligator schießen. Danach flüchtet sie mit ihren Töchtern aus dem Sumpf und sucht in Annies Näherei Arbeit.
Annie Coles ist die Frau des Baumwollplantagenbesitzers Edwin, ihr ältester Sohn verstarb als Kind, ihre erwachsenen Söhne wohnen in ihrem Haus, die Töchter haben keinen Kontakt mehr zu ihr. Sie unterhält eine Näherei mit einigen Angestellten, die ursprünglich als Baumwollsacknäherei begann und nun unter Mithilfe ihres Sohnes Lonnie Mode herstellt. Auch wenn sie nach außen hin ein komfortables Leben lebt, so hat sie doch einiges im privaten auszustehen und muss erst lernen, sich gegen das Böse zu wehren.
Oretta (Retta) Booties arbeitet als
Haushälterin bei Annie, sie ist eine befreite Sklavin und mit Odell verheiratet. Sie ist sehr gläubig, hellsichtig und hilfsbereit und nimmt das jüngste, kranke Mädchen von Gertrude zu sich und päppelt es auf. Dafür muss sie sich einiges von den Schwarzen in ihrer Wohnsiedlung anhören.
Zum zeitlichen Hintergrund muss man sich klar machen, in den Südstaaten war Rassismus, die überlegene Machtstellung von Männern und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung.
Es sind diese drei
Frauen, die sich mutig für die Gleichberechtigung einsetzen und erfolgreich dagegen ankämpfen. Der Kampf ist nicht leicht, es gilt Opfer zu bringen, sich über Regeln hinwegzusetzen und es gehört eine Menge Mut dazu.
Der Roman zeigt die schwierigen Umstände, die Sorgen und die Ängste der drei Frauen auf. Es gibt Familiendramen, Epidemien und Sturmkatastrophen zu überstehen und die Frauen überwinden ihre Angst und finden einen Weg aus dieser Düsternis. Sie kämpfen wie Alligatorenweibchen für ihre Kinder.
Die drei Protagonistinnen wechseln sich in der Rolle der
Ich-Erzählerin ab, der Erzählstil und die Sprache lassen eindeutige Zuordnung zur Sprecherin zu. So erfährt man hautnah von ihren Ängsten, Sorgen und Alpträumen und erlebt die Erkenntnisse und Veränderungen mit, die in ihren toben.
Was bei diesem Roman auffällt, ist die herausragende Rolle, die hier Frauen gegenüber Männern einnehmen. Es sind starke Frauen, sie haben Mut, unternehmerisches Geschick oder einem unerschütterlichen Glauben. Sie kämpfen trotz ihrer verschiedenen Gesellschaftsschichten für die Gerechtigkeit, befreien sich aus ihrer unterwürfigen Rolle in dieser Männergesellschaft.
Der Erzählton schwankt zwischen melancholischer Darstellung und hoffnungsvollen Veränderungen. Dadurch ist man stets auf der Seite der Protagonisten und hofft mit ihnen auf eine Verbesserung ihrer Lage. Gemeinsam erlebt man Hunger, Naturkatastrophen und Krankheiten und setzt doch alles auf die Hoffnung und Liebe. So gesehen sorgt dieser Roman für die ganz großen Gefühle, es ist der solidarische Kampf der Frauen gegen Unterdrückung und Unrecht.
Ein ganz besonders berührender Südstaatenroman und ein ganz großes Buch mit einem langen Nachhall. Unbedingt lesen!
***Herzlichen Dank an den HarperCollins Verlag für dieses Leseexemplar!***
Emotional, traurig, humorvoll: so wie das Leben spielt!
Anna Mc Partlin schrieb den Roman "Die letzten Tage von Rabbit Hayes", der 2015 bei rororo erschien. Das Buch habe ich im April letzten Jahres gelesen und nun möchte ich euch noch meine Rezension vorstellen.
In
diesem Roman geht es um die krebskranke Rabbit Hayes, 40 Jahre alt und
Mutter der 12jährigen Juliet, die in ein Hospiz gebracht wird, um zu
sterben. Dabei lernen wir ihre Kranken- und Leidensgeschichte, ihre
Familie und Freunde, aber auch ihr Leben kennen.
"Alles,
was ich möchte, ist, dass ihr offene Worte findet, dass ihr lacht,
Geschichten erzählt und mich in guter Erinnerung behaltet." Zitat S. 438
Anna Mc Partlin hat einen berührenden und emotionalen Roman geschrieben,
der tiefe Einblicke in die Seele der todkranken Rabbit gibt, einer
tapferen Frau, die trotz ihres schweren Schicksals sehr stark ist und
ihre Familie in ihren letzten Lebenstagen enorm zusammen schweißt.
Bei
dieser Geschichte überwiegen nicht die traurigen Seiten der sterbenden
Frau. Die Einblicke in ihr Leben und ihre Vergangenheit machen auch ein
erfülltes Leben und erlebtes Glück bewusst. Außerdem erlebt man hier
auch eine Familie, die mutig zusammen hält, die der Kranken mit Nähe und
auch Humor über die schwere Zeit hinweg hilft und Hoffnung gibt. Denn
die große Sorge der Rabbit Hayes gilt ihrer geliebten kleinen und
dennoch sehr fürsorglichen Tochter, die sie verlassen muss. Ihre Zukunft
liegt Rabbit am Herzen und sie möchte sie nach ihrem Tode gut versorgt
wissen.
Die Charaktere sind in diesem Roman die großen
Highlights. Sie werden mit vielen Stärken und Schwächen versehen und man
lernt sie im Verlauf der Geschichte sehr gut kennen. Dabei hat mir
besonders der humorvolle Umgang innerhalb der Familie gefallen. Dieser
Humor, diese Liebe und Anteilnahme gibt selbst dem Leser Kraft und
Stärke mit auf den Weg und das macht diesen Roman so außergewöhnlich
eindrucksvoll und interessant.
Auch wenn der Tod von Rabbit von
Anfang an dem Leser bewusst ist, so wird das Ende doch mit Spannung und
Interesse erwartet. Dieser Roman reflektiert das Leben mit all seinen
Höhepunkten und Schattenseiten. Er zeigt welch hohe Wertstellung Liebe,
Freundschaft und ein enger Familienzusammenhalt im Leben haben. Das auch
über den Tod hinaus ein geliebter Mensch nicht in Vergessenheit gerät,
sondern das gemeinsam Erlebte in den Erinnerungen weiter lebt.
Dieses Buch rührt zu Tränen, wenn man sich die Hilflosigkeit der
Situation vor Augen führt, aber es weckt auch die Hoffnung auf ein "in
der Liebe getragen sein-Gefühl" und das macht Mut auch über den Tod
hinaus.
Ein außergewöhnlicher, bewegender Roman, der
mich tief beeindruckt hat und ein ganz besonderes Leseerlebnis
darstellt. Für mich eine ganz klare Leseempfehlung über ein dramatisches
Schicksal und eine tolle Familie.

Eine bewegende Familiengeschichte um ein Kind mit Downsydrom!
Kim Edwards schrieb 2008 den Schicksalsroman Die Tochter des Fotografen. Das Buch erscheint im Aufbau Verlag.[Werbung]
1964 tobt in Lexington in Kentucky ein Schneesturm. So entbindet der
Arzt David seine Frau Norah unter Narkose selbst. Sie bekommen einen
Jungen, Paul, und mit großer Überraschung folgt ein weiteres Kind, ein
Mädchen mit Down-Syndrom, Phoebe. David trifft seine Entscheidung, er
übergibt Phoebe der Krankenschwester Caroline, um sie in ein Heim zu
bringen. Als seine Frau aus der Narkose erwacht, behauptet David, das
Mädchen sein gestorben.
Im Roman zieht das Leben der Familie am Leser vorüber. Erst jetzt wird
langsam klar, warum David sich gegen Phoebe entschieden hat. Doch sein
Schuldgefühl frisst ihn innerlich auf und er verliert die Beziehung zu
Norah und seinem Sohn. Sein Leben ist geprägt von seiner Leidenschaft
zur Fotografie. Er verfolgt das Leben durch die Linse seiner Kamera.
Norah hat auch ihre Probleme mit dem Verlust ihrer Tochter, sie trinkt Alkohol und hat mehrere Affären.
Paul hat keine einfache Kindheit, er spürt innerlich das Fehlen seines Zwillings, kennt die Wahrheit allerdings nicht.
Caroline
lebt und arbeitet nur für Phoebe, die Tochter, die sie selbst nie
hatte. Sier lernt ihre große Liebe kennen und ist glücklich.
Zur
damaligen Zeit waren behinderte Menschen noch nicht mit der heutigen
Selbstverständlichkeit angesehen und so merkt man im Roman die
Ausgrenzung sehr deutlich. Hier sind einige Szenen, die mich traurig
berührt haben. Die Liebe Carolines zu Phoebe ist wunderbar beschrieben
und hat mich regelrecht beseelt.
Mich hat dieses Buch
nachdenken lassen, es hat mich bis zum Schluss nicht loslassen können.
Die Schicksale gehen zu Herzen, man schimpft mit den Personen, leidet
und freut sich aber auch mit ihnen.
