Sonntag, 31. Juli 2016

Lesemonat Juli 2016

Meine gelesenen Bücher im Juli!  

 

Im letzten Monat ist der Sommer endlich richtig angekommen und ich konnte wieder einige Stunden im Freien lesen. Das mache ich gerne im Schatten auf der Terrasse, im Juli war es eher in der prallen Sonne und daher auch recht brutheiß und diaphoretisch oder auf gut Deutsch: schweißtreibend!   
Trotzdem liebe ich diese Zeit, denn alles blüht und grünt und es gibt so viele leckere Obstsorten, die ich jetzt in rauen Mengen zu mir nehme. 
Aber auch buchtechnisch war dieser Monat üppig, es kamen viele Rezensionsexemplare eingetrudelt und auch einige Buchkäufe "musste" ich einfach tätigen. Dabei fing der Juli schon vielversprechend an, das erste gelesene Buch des Monats war sofort ein 5-Sterne-Buch, es handelt sich um den Thriller "Boy in The Park".


Wie immer sind meine geliebten Leserunden von lovelybooks dabei, der Aufbau Verlag und das Bloggerportal von randomhouse haben mich unterstützt und ein paar Wunsch-Exemplare kamen ebenfalls dazu. Das Krimi-Team in der Challenge Krimi gegen Thriller von lovelybooks habe ich mit 6 Büchern gepuscht. Für meine Goldmann-Challenge habe ich 5 Bücher gelesen. Es geht voran! :-)

Insgesamt habe ich 19 Bücher gelesen und rezensiert! Damit bin ich vollends zufrieden, es waren einige niveauvolle Romane dabei, ein paar echte Wälzer und das dauert eben so seine Lesezeit!  

Hier ist erst einmal die Genre - Übersicht:

Krimi:              9
Thriller:           1
Roman:           9
Sachbuch:     
Kinderbuch:   

Hörbuch:          

Ich hatte im vergangenen Monat sehr viele ausgezeichnete Bücher, die ich als 5-Sterne Bücher bewertet habe. Es sind sagenhafte 8 Bücher, das finde ich super und ich freue mich richtig darüber. 


Hier sind die Spitzenreiter meiner Juli-Liste:










Mit einer Gartenimpression aus dem Juli beschliesse ich diesen Post und wünsche euch eine schöne Lesezeit im August!



Viele liebe Grüße

Sommerlese!




Hexenkind - Sabine Thiesler

Leider enttäuschend und zu viele Zufälle



Der Roman "Hexenkind" von Sabine Thiesler erschien 2007 im Heyne Verlag.


Sarah, deutschstämmig und Frau des Trattoriabesitzers Romano, wird mit durchgeschnittener Kehle in einem Bauernhaus von einem Pilzsucher aufgefunden. Die Bewohner des beschauliches toskanischen Dorfes sind geschockt. Welches Motiv könnte hinter dieser Tat stecken? 


Bei diesem Buch geht es hauptsächlich um das Leben und Handeln von Sarah und ihre Familie. Es geht nicht so sehr um die Aufklärung der Tat, als um die Erklärung der Umstände.
Rückblenden geben Aufschluss darüber, langweilen aber mit zu vielen Details und teilweise auch überflüssigen Angaben. Lange überlegte ich, ob es hier um eine Familiengeschichte oder um einen Krimi bzw. Thriller geht. Ich kann es bis heute nicht beantworten, es ist ein Mischmasch von jedem. 


Die Charaktere haben mich enttäuscht, sie bleiben mir fremd und unsympathisch. Sarah ist nicht nur ihrem Mann gegenüber rücksichtslos, sondern geht sogar mit dem Freund ihrer Tochter ein Verhältnis ein. Da will ich gar nicht wissen, wer sie ermordet hat. Es gibt zu viele Einzelschicksale, die hier im Roman Beachtung finden, da bleibt das Interesse einfach auf der Strecke. 


Dabei fehlt dem Roman an und für sich die Spannung, die einen dazu antreibt, weiter lesen zu wollen. Die Dialoge wirken aufgesetzt, die Auflösung ahnt man schon zur Hälfte des Buches und mit Zufällen hat es die Autorin bei diesem Buch wirklich übertrieben. Ich musste mich echt zusammen reißen, um weiter zu lesen. Dadurch wirkt die Story absolut konstruiert und das finde ich enttäuschend und langweilig.


Am Schreibstil kann man der Autorin nichts vorwerfen, sie erzählt wunderbar flüssig und dank der geschickten Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit kommt Dramatik und Abwechslung ins Spiel. 
Am Ende kommt zwar noch etwas Spannung auf, aber nach diesen unglaubwürdigen Bausteinen, ist es einfach zu unrealistisch als logisch zu sein. 



Schade, ich hatte mir mehr von diesem Buch versprochen!


Samstag, 30. Juli 2016

Totensommer - Trude Teige

Ein fesselnder Krimi über eine unerlaubte Liebe in Kriegszeiten

 

Die Journalistin Trude Teige gehört zu Norwegens erfolgreichsten Kriminalautoren, ihr Buch "Totensommer" erscheint 2016 im Aufbau Taschenbuch Verlag.


Kajsa Coren ist Fernsehjournalistin, sie hat sich an die Küste von Møre nach Losvika zurückgezogen, um ein Buch zu schreiben. Als ein Deutscher ermordet wird, der seit Jahrzehnten seinen Urlaub im Ort bei der alten Jenny verbrachte, ist die alte Frau mehr als normal betroffen. Sie trauert wie eine betroffene Angehörige. 
Kajsa beginnt zu recherchieren, ihr Buch soll über die Kriegsfrauen erzählen. Sie hinterfragt die Vergangenheit unter deutscher Besatzung und kommt einigen dunklen Geheimnissen auf die Spur.




Skandinavische Kriminalromane sind beliebt und belegen oft vordere Plätze auf Bestsellerlisten. Das liegt sicherlich daran, dass die Schriftsteller genauesten über die gesellschaftlichen Strukturen und die herrschenden Sozialstrukturen ihres Landes informieren und die Handlung vor diesen Hintergrund stellen.

Trude Teige hat auf dem deutschen Buchmarkt keinen bekannten Namen, aber auch sie beschreibt im vorliegenden "Totensommer" eine bestimmte Haltung in der Gesellschaft. Sie zeigt, wie sich über die Jahrzehnte nach dem Krieg die Abneigung und der Haß auf Kriegsgegner, in diesem Fall deutsche Soldaten, weiter entwickelt und bei den Bewohnern des kleinen Ortes nicht in Vergessenheit gerät.

Es geht um eine unerlaubte Liebe während der letzten Kriegsjahre.

Die Protagonistin Kajsa Coren steht für eine emanzipierte junge Frau. Sie ist beruflich erfolgreich, geschieden und verbringt den Sommer mit ihren beiden Kindern in Losvika, dort hat sie ein Häuschen geerbt und möchte die Zeit für das Schreiben eines Buches nutzen.
Ihr Freund Karsten ist Polizist und untersucht den Mordfall. Gemeinsam stellen sie Nachforschungen an und kommen der Vergangenheit und den Beziehungen der Menschen zueinander immer näher.
Die Ermordung eines deutschen Urlaubers, der im Ort seit Jahren allen bekannt war, lässt sie die Menschen befragen. Warum kommt bei einigen Bewohnern immer noch die abwehrende Haltung gegenüber den Deutschen hoch. Was geschah in den Kriegstagen, können die Menschen die alten Zeiten nicht endlich vergessen?  

Überaus geschickt verknüpft die Autorin die verwandtschaftlichen Bande der Bewohner und stellt ein mörderisches Motiv auf die Beine. Die Erzählweise besticht durch häufige Wechsel zwischen der  Vergangenheit um 1942/43 und der Gegenwart mit der Mordermittlung. Das treibt die Spannung kräftig voran und man bekommt ein Bild der alten Zeiten.

Die Auflösung erfolgt schliesslich bei einem spannenden Showdown, sie erscheint logisch und nicht sehr konstruiert. Auch der Täter überrascht, die Gründe möchte ich hier aus Spoilergründen nicht offen legen.

Die norwegisch-deutsche Kriegsgeschichte wird glaubhaft und spannend erzählt, und die daraus entstandenen Feindbilder und Verstrickungen machen den Menschen immer noch zu schaffen.
Mich hat die Handlung mitgenommen, gerade, wenn man bedenkt, dass der Krieg mittlerweile 70 Jahre her ist und immer noch in den Köpfen der Menschen herum spukt und Hass und Abneigung erschreckende Wirkung mit sich bringen.



Ein fesselnder Krimi, der in die jüngste Vergangenheit eintaucht und über eine unerlaubte Liebe und Geheimnisse während des Krieges, von Eifersucht, Neid und Verlustgefühl erzählt.   


 

***Rezensionsexemplar vom Aufbau Verlag - Herzlichen Dank an Christine Seiler vom Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

   


Donnerstag, 28. Juli 2016

Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke

Das Experiment

Die amerikanische Autorin Karen Joy Fowler schrieb den Roman "Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke" 2013. Die deutsche Übersetzung von "Marcus Ingendaay" erscheint im Juli 2016 im Goldmann Verlag.


Die Cookes sind scheinbar eine völlig normale Familie: Vater, Mutter, die pausenlos plappernde kleine Rosemary, ihr großer Bruder Lowell und ihre ungestüme Schwester Fern. In Kindertagen ist Fern Rosemarys engste Gefährtin. Doch als die beiden etwa sechs Jahre alt sind, verschwindet Fern plötzlich. Ein Ereignis, das alles verändert. 



"Schuld daran ist die Sprache, denn sie tut der Erinnerung etwas an. Sie vereinfacht, sie konkretisiert, kodifiziert und mumifiziert das bloß Erinnerte. Eine oft erzählte Geschichte ist wie ein Foto in einem Familienalbum. Irgendwann ersetzt es den Moment, den es eigentlich nur festhalten sollte."  Zitat Seite 70

Achtung: Die Rezension enthält Spoiler! 
 
Es handelt sich um eine Art von Familienroman, der sich zwar um das  Zerbrechen einer Familie, aber mit ungewöhnlichen Gründen aufwartet. 

Die Autorin lässt Rosemary als Ich-Erzählerin berichten, was in ihrer Familie geschah. Die Erinnerungen lassen Rosemary zwischen den Jahren hin und her schweifen, die chronologisch ungeordnet sind.

Rosemarys Vater ist ein Psychologe an der Uni von Indiana und führt ein Experiment mit den Schwestern durch. Ihre Fähigkeiten in der Kommunikation und die allgemeine Entwicklung werden getestet.
 
Rosemary und Fern hängen zusammen wie Zwillinge. Rose wird eines Tages zu ihren Großeltern geschickt und als sie wieder nach Hause zurück kehrt, ist Fern verschwunden. Dieses Ereignis ist für Rose ein echter Schock, ein Bruch in ihrem Leben. Ihre Schwester fehlt ihr. Denn ihr Verhalten wurde durch sie geprägt, nun muss sie mit anderen Kindern Kontakt halten. Das fällt ihr schwer, auch im Studium findet sie nur schwer Freunde. Allmählich bekommt der Leser die volle Wahrheit mit: Rosemary redet wie ein Buch, Fern kann das nicht, denn sie ist eine Schimpansin.

Der Roman zeigt eine Familie, die nach dem Fehlen von Fern in sich zerbricht. Der Vater ist Wissenschaftler und untersucht, wie sich beim Zusammenleben Affen- und Menschenkinder gegenseitig fördern oder beeinflussen.
An die emotionale Bindung wird bei diesem Experiment nicht gedacht. Auch die körperliche Entwicklung kann Probleme bereiten. So gelten Bonobos als sexuell besonders aktiv und das schon in sehr jungen Jahren. Sie haben auch ein anderes Aggressionspotential als Menschen.
Die Familie nimmt jedenfalls Schaden, denn Fern fehlt allen ungemein. Als dann auch noch Rosemarys Bruder verschwindet, fällt die Familie wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Für mich heißt die Quintessenz dieses Romans: 

 
Nicht alle Experimente sind in der Praxis ohne Nachteile durchführbar. Selbst wenn wichtige Erkenntnisse gewonnen werden können, ziehen diese auch Probleme nach sich, die Probanden seelischen und körperlichen Schaden zufügen können.

Mich hat dieses unaufhörliche Erzählen von Rosemary nicht mitgenommen, eher genervt. Ich konnte auch kein Interesse für die sehr oberflächlich dargestellten Personen aufbringen. Es entsteht bei mir der schale Geschmack einer traurigen Geschichte, die ich nicht nachvollziehen kann.
Dieses Buch wird viel gelobt und hat einige Preise erhalten. Leider kann ich das nicht nachvollziehen. 



Ein Buch über wissenschaftliche Experimente, die nicht immer Nutzen bringen, sondern auch den Betroffenen schaden können.   





Top Ten Thursday # 3




Das Thema heute lautet:

10 Bücher, die zum Sommer passen

Bei dem Top Ten Thursday geht es um Bücherlisten, die jeden Donnerstag zu einem vorgegebenen Thema erstellt werden könne. Die Ideen und Aufgaben erstellt  Steffi von Steffis Bücher-Bloggeria.

Das ist ein wunderbares Thema, ich freue mich richtig, wie schön es zu meinem Blognamen passt! :-)
Gerade Bücher, die ich mit dem Thema Sommer verbinde, müssen als leichte Urlaubslektüre passen und einfach eine sommerlich frische und unterhaltsame Wirkung haben. Sie müssen nach Meer, Strand, Sonne und Sommergefühl "riechen" und den Leser in Urlaubsstimmung versetzen oder ihm fremde Gegenden näher bringen. Auch wenn ich im Sommer gerne Krimis oder Thriller lese, stelle ich eher mal überwiegend typische Sommerromane vor. 




Ziemlich unverhofft von Frauke Scheunemann:

Eine tolle, mitreißende Familienkomödie, die mich humorvoll überzeugt hat.


Luis Sellanos Lissabon-Krimi:

Man fühlt sich bei diesem Krimi fast schon selbst in Lissabon und wird richtig neidisch auf den Protagonisten. Wer dort selbst mal die leckeren, süchtig machenden "Pastéis de Nata" gegessen hat, weiß, was ich damit meine! 


Karen Bojsens Roman Im Herzen das Meer:

Es ist einfach ein sooo schönes Buch mit den Seepferdchen, der Liebesgeschichte und der Stimmung am Meer, so muss Sommer sein!  

Hier noch mal ein Zitat aus dem Buch:

 "Immer sind Inseln Orte der Sehnsucht. Nah und fern zugleich. Und das Meer? Es schweigt wohl nie."
Das kleine Inselhotel von Sandra Lüpkes:

Der erste Band einer Reihe um Jannike, eine sympathische junge Frau, die an der Nordsee ein Hotel übernimmt. Für mich die Sommer-Urlaubs-Reihe schlechthin!
Die Eismacher von Ernest van der Kwast:

Was sagt ihr zu diesem Cover? So sieht doch der Sommer aus, oder? 

Doch allzu leicht und sommerlich ist dieser Roman dann doch nicht, er ist poetisch und 

 tiefgründig, handelt aber auch von Eis, sodaß man sich bei der Lektüre immer in der Versuchung sieht, schnell mal eines zu essen!
 

Klüpfel/Kobr "In der ersten Reihe sieht man Meer":

Damit ist die erste Reihe der Liegestühle an der Adria gemeint. Allerdings in den 70 er Jahren und wer diese Zeit miterlebt hat, macht mit diesem Roman eine lustige Zeitreise in die (eigene) Vergangenheit. Sommerspaß in Italien!
Nele Jacobsen bringt uns mit Unser Haus am Meer nach Usedom. Hier träumt man vom Strandkorb, sieht den langen Sandstrand und das Meer und lässt sich den Wind um die Ohren wehen. 
 
1 Salat - 50 Dressings vom GU Verlag: 

Gerade im Sommer esse ich gerne mal einen Salat statt einer warmen Mahlzeit. Dieses Buch bringt tolle Dressing-Ideen mit, die nicht nur im Sommer schmecken. 









   
Auch morgen werden Rosen blühen   

Dieser Roman ist durch sein Cover fruchtig und macht Lust auf den Sommer, auch wenn die große Liebe erst im Herbst des Lebens eintritt.     

    









       
 Der Pfau von Isabel Bogdan ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher in 2016!
Unbedingt lesen und die Natur und das Miteinander der Figuren geniessen!


In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Sommer, an Lektüre mangelt es dazu ja nun wirklich nicht! 

Liebe Grüße 

Sommerlese!

Mittwoch, 27. Juli 2016

Kino-Tipp #1: Toni Erdmann

*WERBUNG*
Neben meiner Leidenschaft für Bücher gehe ich auch gerne ins Kino. Zur Zeit läuft ein ausgezeichneter Film, den ich jedem nur ans Herz legen kann. 
Es handelt sich dabei um den Film "Toni Erdmann".

Regie: Maren Ade
Gesamtlaufzeit: 155 Min
Freigegeben ab 12 Jahren

Inhaltsangabe laut DVD:
Peter Simonischek ist TONI ERDMANN und er ist Winfried, 65, ein Musiklehrer mit ausgeprägtem Hang zum Scherzen, der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines - gespielt von Sandra Hüller - ist eine Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Vater und Tochter könnten also nicht unterschiedlicher sein: Er, der gefühlvolle, sozialromantische Alt-68er, sie, die rationale Unternehmensberaterin, die bei einem großen Outsourcing-Projekt in Rumänien versucht aufzusteigen, und sich in einer Männerdomäne zu behaupten.
Da Winfried zu Hause also nicht viel von seiner Tochter sieht, beschließt er, sie nach dem Tod seines Hundes spontan zu besuchen. Statt sich anzukündigen, überrascht er sie mit Scherzgebiss und Sonnenbrille in der Lobby ihrer Firma.  


Meine Meinung:

Dieser Film geht schon recht ungewöhnlich los und ist im Laufe der Handlung immer wieder für Überraschungen gut.

Winfried ist Musiklehrer, stets zu Scherzen aufgelegt und steht auf Verkleidungen skurrilster Art. Seine Tochter Ines ist Unternehmensberaterin und rationalisiert Betriebe eines Ölkonzerns, derzeit in Bukarest. Vor lauter Arbeit lernt sie das Land jedoch nicht kennen, sie lebt ausschliesslich in ihrer Berufswelt. Ihr Vater besucht sie in Bukarest und merkt, wie unglücklich sie im Grunde ihres Herzens ist. Er begegnet ihr wie zufällig im beruflichen und privaten Leben als "Toni Erdmann" mit "Horst Schlämmer-Zähnen" und Perücke getarnt und bringt sie mehrfach in groteske, für sie peinliche Situationen.
Dabei will er sich ihr nur wieder annähern, die Beziehung wieder intensivieren und sie wieder dem Leben zurückzuführen. Doch sie hält trotz aller noch so absurden Auftritte ihres Vaters die Distanz aufrecht.


Als Zuschauer ist man gebannt von den sich abwechselnden Szenen und Filmsequenzen, die mal urkomisch, dann wieder traurig stimmen. Es ist ein ungewöhnlicher Film, man muss sich erst mal darauf einstimmen und bekommt in den 155 Minuten niemals Langeweile. 


Dabei unterhält dieser Film wunderbar mit seiner Figurenentwicklung und besticht durch eine insgesamt tolle Darstellerleistung, besonders aber von Peter Simonischek (Toni) und Sandra Hüller (Ines). Ihre Schauspielleistung überzeugt und man gewinnt die Charaktere richtig gern. Die unterschwellig eingebaute Kritik am globalen Kapitalismus mit seiner Rationalisierungsschraube nimmt man betroffen wahr, sie ist jedoch nicht vordergründig aufgebaut. Dieser Film geht einem nahe, er ist schlecht in eine einzige Kategorie zu packen. Ich musste viel lachen, es gibt viele komische Filmmomente, die man nicht wieder vergisst!


"Toni Erdmann" ist ein überzeugender Film, der dem Glück des Lebens nachspürt und die Zuschauer überraschen wird. Ein Erlebnis, ein Film der wegen seiner vielseitigen Facetten im Gedächtnis bleibt.





Dienstag, 26. Juli 2016

Portugiesisches Erbe - Luis Sellano

Lebendiger Krimi mit Stadteinsichten

Luis Sellanos "Portugiesisches Erbe" spielt mitten in Lissabon, der pulsierenden Stadt am Tejo und das Verblüffende daran ist, es ist gar kein Portugiese, der hier schreibt. Denn der Autor ist ein Deutscher, Oliver Kern, der bereits Thriller geschrieben hat und hauptberuflich im Marketing arbeitet. Der Krimi erscheint 2016 im Heyne Verlag.


Ex-Polizist Henrik Falkner macht unverhofft eine Erbschaft in Lissabon, dort hat ihm sein unbekannter Onkel ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Kaum angekommen, überstürzen sich die Ereignisse und Henrik findet Spuren für ein lange zurückliegendes Verbrechen, das scheinbar vertuscht wurde.
 




 

Es geht um Henrik Falkner, der ein Haus in Lissabon erbt, in dem er wichtigen Beweismitteln auf die Spur kommt, die zu einem Verbrechen führen, das vor Jahrzehnten vertuscht wurde.
Henrik ist ehemaliger Polizist aus Deutschland, der seinen Dienst nicht mehr ausübt, mit seiner Berufserfahrung ist er jedoch der geeignete Kandidat für die spannende Ermittlung. Das wusste scheinbar auch sein Onkel, der ihm das Erbe vermacht hat.

Immer wieder befindet sich der Protagonist in brenzligen Situationen, die tödlich enden können. Doch ihn verlässt nie der Mut, wenn er sich erst einmal in etwas verbissen hat, zieht er es auch durch.

Der Autor schreibt versiert und flüssig und entwickelt seine Geschichte allmählich, so fügt sich Steinchen für Steinchen aneinander und endet logisch. 


Generell gesehen ist die Handlung hauptsächlich eine kriminalistische Ermittlung, aber bei den Streifzügen des Protagonisten durch das malerische Lissabon erklärt der Autor nebenbei die touristischen Sehenswürdigkeiten, aber auch allgemeine  Informationen über das Alltagsleben in Lissabon. Den berühmten Fado, Vinho Verde und die berühmten Pastéis de Nata (siehe privates Foto unten) lernt man so näher kennen und damit wird der Krimi fast zu einem Urlaubsbuch. Es ist allerdings nicht so, dass wir hier einen Reiseführer vor uns haben. Aber das Interesse an einem Besuch wird definitiv geweckt. Mich haben die ausführlichen Beschreibungen von Plätzen, Sehenswürdigkeiten und allgemeinen Eindrücken gerne an meinen eigenen Aufenthalt erinnert, nicht jeder wird aber diese detaillierte Stadtansicht mögen.

Diese Mischung aus actionreicher Verfolgung sowie umfangreicher Recherche vor dem eindrucksvollen Hintergrund der einzigartigen Stadtatmosphäre hat mich gefesselt mitermitteln lassen. Es gibt aber auch einige Längen, viele Ausführungen sind vielleicht zu umfangreich ausgearbeitet.

 

Dieses Buch macht richtig Lust auf einen Trip nach Lissabon und die spannende Kriminalgeschichte unterhält wunderbar lebendig! Ein tolles Urlaubsbuch!




***Dies ist ein Rezensionsexemplar vom Blogger-Portal - Vielen Dank für die freundliche Bereitstellung des Buches!***

 

 

Das Kreidekreuz - U. Schweikert

Spannende Liebesgeschichte vor historischem Rahmen der Bauernkriege

 

Der historische Roman "Das Kreidekreuz" ist die Fortsetzung von "Die Tochter des Salzsieders" von Autorin Ulrike Schweikert  aus dem Blanvalet Taschenbuch Verlag im Jahr 2009. 


Schwäbisch-Hall im 16. jahrhundert: Nur auf Drängen ihrer Familie und nicht aus Liebe hat Anne Katharina Vogelmann den Salzsieder und Ratsherrn Michel geheiratet. Die bis in ihren Heimatort führenden Unruhen der Bauernkriege bringen Rugger, Katharinas große Jugendliebe zurück. Als er ihr plötzlich begegnet, merkt sie erneut die große Leidenschaft für diesen Mann. Bald gerät Anne Katharina zwischen die Fronten der verfeindeten Parteien. Sie muss sich entscheiden – nicht nur, auf welcher Seite sie steht, sondern auch zwischen ihrem Ehemann und ihrer Jugendliebe.




In diesem Band ist Anne Katharina Vogelmann nach einer arangierten Ehe an Michel gebunden. Sie hat drei Kinder, die Ehe ist  aber ziemlich unglücklich. Auch hat sie nun eine böse Schwiegermutter, die ihr das Leben schwer macht. Das Auftauchen ihrer großen  Jugendliebe Rugger macht ihr schwer zu schaffen, denn die alte Liebe entflammt erneut. Da Rugger und Michel während der Aufstände auf verschiedenen Seiten kämpfen, gerät auch Anne zwischen die Fronten. Einige Beschreibungen sind schwülstig genau beschrieben, dafür gibt es sicher Fans, mir erschien es streckenweise recht übertrieben.


Neben der ziemlich ausführlich ausgeführten Liebesgeschichte geht es aber auch um historische Belange, die in vielen Schlachten beschrieben werden. Die soziokulturellen Gegebenheiten im Mittelalter und der gelebte Alltag der Menschen wird klar deutlich gemacht. 


Man merkt, wie umfangreich sich die Autorin mit den Gegebenheiten auseinandersetzt und sieht sich bildhaft in die Zeit der Bauernkriege versetzt. Auch hier muss ich die Menge der Kampfhandlungen kritisieren.
Wobei mich die Autorin jedoch wieder völlig gepackt hat, sind ihre authentisch wirkenden Charaktere, deren Schicksal mich unglaublich fesselten und in die ich abgetaucht bin.


Die Autorin hat durch ihre überzeugende Schreibleistung einen historisch interessanten Roman geschrieben, der mir trotz einiger Übertreibungen von Klischees gut gefallen hat. 


Die Tochter des Salzsieders - U. Schweikert

Tolles Sittengemälde aus dem Mittelalter

 

"Die Tochter des Salzsieders" von Autorin Ulrike Schweikert erschien 2001 im Knaur Verlag.


Schwäbisch Hall im Jahre 1510: Anne Katharina Vogelmann ist die Tochter einer angesehenen Salzsiederfamilie. Ihre Eltern sind verstorben, ihr Brüder führen das Familienunternehmen weiter.
Annes ruhiges und beschauliches Leben ändert sich abrupt, als sie dunkle Geheimnisse und sogar einen Mord entdeckt. Für die Zeit ist sie sehr fortschrittlich und auch neugierig und geht dem Verbrechen auf die Spur. Sie führen in die eigene Familie.  




Dieser historische Roman hat mich sofort in seinen Bann geschlagen und ich bin in die authentisch wirkenden Schilderungen des mittelalterlichen Denkens und Lebens eingetaucht.

Die Protagonistin wird für die damaligen Verhältnisse recht aufgeklärt und neugierig beschrieben. Sie hat einen Wissensdrang, der beeindruckt und ihre rebellische Art wirkt total anziehend.
Der Schreibstil ist äußerst mitreißend gestaltet und man folgt gespannt der Handlung.
Wie hier die herrschenden Ansichten der damaligen Bevölkerung geschildert werden, kann ich auch nur loben. Mord und Betrug, Liebe, Hass und Neid werden etwas übertrieben, aber dennoch sehr unterhaltsam in Szene gesetzt.

Ulrike Schweikerts Schreibstil führt den Leser gekonnt durch den Roman, man erliegt einem Lesefluss und versinkt in den bildhaften Beschreibungen des mittelalterlichen Lebens.


Ein historischer Roman, der von seinen gelungenen Beschreibungen der soziokulturellen Gesellschaft und der bunten Charaktere lebt. Für mich absolut verdiente 5 Sterne.  




Montag, 25. Juli 2016

Glitzer, Glamour, Wasserleiche - Tatjana Kruse

Slapstickhafte Krimödie für Hundeliebhaber


Operndiva Pauline Miller wird bei den Bregenzer Festspielen die Turandot von Puccini auf der Bühne singen. Zusammen mit ihrem geliebten Hündchen Radames und ihrer gesamten Entourage bezieht sie eine noble Villa am Bodensee. Aber ehe die Proben aufgenommen werden können, zehrt ein Dognapper an Paulines zarten Nervenkostüm, denn die Hunde verschwinden reihenweise. Dabei hätte alles so schön werden können, denn endlich tritt mal wieder ein Mann in Paulines Leben.  





Ich bin Tatjana Kruse-Fan, weil der rabenschwarze Humor aus ihren Zeilen springt wie bei kaum einer anderen Autorin.

Auch mit dem zweiten Teil ihrer Krimireihe um Operndiva Pauline Miller ist Tatjana Kruse ein äußerst spaßiger Krimi gelungen, dessen Krimihandlung zwar nicht mit atemloser Höchstspannung daherkommt, dafür punktet er aber wie gewohnt mit reichlich Situationskomik und viel Wortwitz.



Pauline Miller ist eine erfolgreiche Operndiva, die Champagner und Mozartkugeln liebt und am liebsten Designer-Fummel in Übergröße trägt. Sie hat so ihre Starallüren, benimmt sich wie eine Diva und liebt ehrlich gesagt nur sich und ihren Hund, den Boston Terrier Radames. Für ihn hat sie einen Tierenergetiker samt Schwester engagiert und ihre kleinwüchsige Managerin Bröcki ist auch wieder mit von der Partie.
Dennoch ist sie sympathisch und hat ihr Herz auf dem rechten Fleck. Ihre lustigen Sprüche, die ihr Tatjana Kruse immer geschickt in den Mund legt, sorgen für Lacher beim Lesen und gleichzeitig klärt Pauline auch über den Inhalt der zu singenden Oper Turandot auf.
Sie geht sogar so weit, dass sie beim gemeinsamen Käsefondue mit ihrer Truppe Shakespeare rezitiert: "Feuer sprühe, Kessel glühe...". So wird interessant inhaltliche Tiefe eingebaut.

Leider kann die Spannung hier nicht mithalten, die eine Wasserleiche dümpelt durch den Bodensee, die Lösegeldübergabe zerfließt im Schweiß der Sauna und die Spannung weicht eher einer slapstickhaften Verfolgungsjagd mit Tretboot. Auch der Hundeanteil nimmt meines Erachtens zu viel Raum in der Handlung ein. Wahre Hundefreunde mögen das anders sehen.

Aber nicht nur Pauline verliebt sich in diesem Sommer in den isländischen musikalischen Leiter, sondern auch Radames vergeht vor Liebe zu einem echten Bodensee-Schwan.
Das mag man glauben oder nicht, es ist mit einem humorvollen Zwinkern geschrieben. 

Der wunderbar schräge Erzählstil der Autorin hat mich wieder gut unterhalten und über die vermisste Spannung hinweggetröstet. Insgesamt gesehen, habe ich schon bessere Bücher der Autorin "verschlungen". Aber ich werde auch den nächsten Auftritt Paulines nicht verpassen, schliesslich bin ich Opernfan. 



***Leserunde von lovelybooks - Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Buches und an die Autorin für die Begleitung der Leserunde!***

 

Sonntag, 24. Juli 2016

Im Herzen das Meer - Karen Bojsen


Dieses Buch hat mich verzaubert, Nordseeinselflair und Seepferdchenromantik pur! Wie Urlaub am Meer!


"Karen Bojsen" ist das Pseudonym der Autorin Katrin Burseg, die den Roman Im Herzen das Meer geschrieben hat, der im Diana Verlag erscheint.

Lumme Hansen ist Meeresbiologin und lebt mit ihrer Familie in Übersee. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie auf ihre Heimatinsel zurück und leitet dort das Inselaquarium. Hier sieht es mit der finanziellen Situation nicht gerade rosig aus. Die Zukunft der Insel soll durch den Bau eines Windparks wirtschaftlich gesichert werden. Die Natur und die Kinderstube von Schweinswalen und anderen Meerestieren würde aber unter den extrem lauten Baumassnahmen massiv leiden.
Als ein seltenes Seepferdchen gefunden wird, stehen die Inselbewohner den Tierschützern abwehrend gegenüber. Auch Lummes alte Jugendliebe taucht unter den Gegnern auf.
Was kann Lumme hier ausrichten? 





"Immer sind Inseln Orte der Sehnsucht. Nah und fern zugleich. Und das Meer? Es schweigt wohl nie." (Seite 7)

Dieses Buch ist so ganz nach meinem Geschmack.
Schon allein die Sprache dieses Romans ist wunderbar, es gibt so schöne Textstellen, die man richtig genießen kann. Ich schwelge berauscht und könnte hier noch viele Zitate bringen!


Ganz entscheident ist bei diesem Roman, er unterscheidet sich auch durch inhaltliche Tiefe von anderen Sommer-Sonne-Meer-Romanen. Es werden die Probleme von Windparks und deren Beeinträchtigung der Tierwelt thematisiert und einige Ausflüge in die Meeresbiologie des Inselaquarium geben interessante Einblicke über Seepferdchen, deren Balz- und Brutverhalten.
Hier wird die Küste vor der Inselwelt vorgestellt, die mit Felswatt, Tangwald und der Kinderstube der Schweinswale eine einzigartige schützenswerte Natur darstellt. Man erlebt sogar die atemberaubenden gewagten Sprünge junger Trottellummen mit, deren Nistfelsen sie zu wirklich lebensgefährlichen Sprüngen nötigen.


Neben der Story mit dem drohenden Windparkbau vor der Insel, die mich an Helgoland erinnert, erzählt die Autorin den Wendepunkt im Leben von Lumme, die sich mit ihrem Mann in Übersee scheinbar auseinandergelebt hat, aber ihren Sohn Josh sehr vermisst. 

"Während Todd die Welt aus den Angeln zu heben schien, kam Lumme sich vor wie Treibgut,das an den Strand gespült worden war. ...Wie ein Fisch, der aufs Land geworfen war und verzweifelt nach Luft schnappte." Zitat.S. 101 

 

Auf der Insel fühlt sie sich in ihrem Element, kämpft entschlossen um die Schutzzone für die Seepferdchen und für den Erhalt des vom Schliessen bedrohten Aquariums. Aber plötzlich steht Lumme auch ihrer Jugendliebe gegenüber und erinnert sich an die Zeit, in der ein gemeinsamer Freund ums Leben kam. Die Gefühle in ihr kämpfen extrem zwischen Schmerz und Liebe, Verlust des Freundes und der Familie und ob sich ihre Hoffnungen auf ihre gesicherte Zukunft auf ihrer Insel erfüllen. Dabei bleibt es lange spannend, ob der Bau des Windparks abgewendet werden kann oder nicht.


 
Diese Geschichte zieht den Leser völlig in den Bann, man schwankt zwischen herrlich erzählter Urlaubsatmosphäre auf einer Nordseeinsel und der wunderbaren Welt der Meerestiere und den Emotionen, die die sympathische Protagonistin erlebt. Ihren Neubeginn unter diesen schwierigen Umständen durchzuführen, ist nicht leicht und man leidet mit Lumme mit. Es ist fast so, als ob man selbst ein Inselbewohner wäre. Näher kann man in eine Handlung nicht eintauchen.

Es ist immer wichtig für mich, dass solche Romane nicht nur oberflächlich Gefühle beschreiben. Gerade die Einbindung der sehr aktuellen Thematik der umstrittenen Windparks finde ich hier sehr gelungen und informativ. Nicht jeder kennt die Probleme und kann hier Näheres dazu erfahren.
Wer das Meer in seinem Herzen trägt, der schützt es auch! Nur was man kennt, liebt man!

"Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was wir eigentlich durch sie bewahren wollen - die Natur!" Zitat S. 270

 

Ein hinreißend erzählter Urlaub-am-Meer-Roman für schöne Lesestunden mit viel Wissenswertem aus der Natur und der ersten Liebe einer jungen Frau!




***Dies ist ein Rezensionsexemplar vom Blogger-Portal - Vielen Dank für die freundliche Bereitstellung des Buches!***

 


Neuzugänge # 14

Hallöchen meine lieben Bücherfreunde!

Letzte Woche haben der Briefträger und die Paketboten wieder schwer für mich geschuftet, vielen lieben Dank an euch mal an dieser Stelle! Es haben mich wieder einige schöne Bücher erreicht, diese Post ist mir doch die liebste...! :-)

Heute ist es hier wieder sehr warm und vor allen Dingen unheimlich schwül, da möchte ich nicht lange vor dem PC sitzen und lasse heute nur mal Bilder sprechen! 
Dem Inhalt und den edlen Spendern der Leseexemplare widme ich mich dann bei der jeweiligen Rezension!  
  



Auffällig ist nur, wie viele Krimis unter dem Buchzuwachs zu finden sind! 
Gerade mal ein Roman hält einsam und allein die Stellung gegen die geballte Kraft der Verbrechensbekämpfung! hihi

Nun verabschiede ich mich mit einem blumigen Sommerbild aus dem Garten meiner Mutter und wünsche schöne Lesestunden! 

Sonnige Grüße, Sommerlese!


 

Samstag, 23. Juli 2016

Jahreszeitenlesetipps für den Sommer


Blogger stellen dir ihr Lieblingsbuch vor - Lesetipps für den Sommer 






Diese Aktion ist eine Idee von „Meine Welt voller Welten“ und „Der Duft von Büchern und Kaffee“.  
Da dieses tolle Banner sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und ich auch häufig auf Tipps anderer Leser zurückgreife, mache ich hier gerne mit!

Mein Lesetipp für euch ist ein Regionalkrimi, der mich als Nord- und Ostseefan natürlich ans Meer zieht. Wer liebt es nicht, bei heißen Temperaturen am Strand zu sein oder sich wenigstens dorthin zu träumen. Ein wenig Spannung darf auch nicht fehlen und die Gegend muss man richtig fühlen können. Diese Kriterien erfüllt dieser Krimi, von dem mittlerweile eine tolle Buchreihe auf dem Markt ist. (meine Rezensionen zu Band 2 und Band 3 sind hier zu finden)



Krabbenbrot und Seemannstod


Christiane Franke und Cornelia Kuhnert sind die Autorinnen des ostfriesischen Regionalkrimis "Krabbenbrot und Seemannstod". Das Buch erschien 2014 im Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Es ist Winter in Neuharlingersiel und im Hafenbecken findet man die Leiche des Geschäftsführers der Krabbenschälfabrik. Für die Kripo in Wittmund   steht als Täter Hauke Matthiesen fest, dessen Frau ein Verhältnis mit dem Toten gehabt haben soll. Doch die Einheimischen kennen Hauke besser. Auf eigene Faust ermitteln Dorfpolizist Rudi, Postbote Henner und Lehrerin Rosa - und finden den wahren Grund heraus: den Krabben-Preis-Krieg zwischen Fischern und Großhändlern.
Dieser Krimi verspricht eine flotte Unterhaltung mit echten Originalen.
Rudi, der allein erziehende Dorfpolizist mit seinem klapprigen Moped ist immer ohne Waffe unterwegs. Die braucht er hier in der friedlichen Gegend ja nun wirklich nicht. Gegen seine dösbaddeligen Kollegen in Wittmund ist er ja direkt ein Vorzeigekommissar und ahnt gleich, dass Hauke als Täter nicht in Frage kommt.

Rosa ist Grundschullehrerin und neu nach Neuharlingersiel gezogen. Mit ihrer herzlichen, fröhlichen Art kommt sie gut an und wird auch gleich von den neuen Nachbarn gut aufgenommen.
Sie steckt ihre Nase in alles hinein und geht den Sachen auf den Grund, das gefällt mir an ihr. Eine Frau zum Pferde stehlen.


Mit Henner kann man gut klönen. Er ist so ein gutmütiger Typ, der auf seiner Posttour gern mal ein Tässchen Tee trinkt und den neuesten Tratsch hört. Selbst gibt er wohl eher wortkarge Antworten nach landestypischer Art: Jo! 

Dieser Krimi hat mich sehr gut unterhalten und dabei authentisch den typischen norddeutschen Küstenwinter mit Rauhreif, Eisgang und stürmischem Wind treffend beschrieben. Gegen den winterlichen Frost gibt es bei den Bewohnern auch mal den ein oder anderen Schnaps, Grog oder deftigen Grünkohl mit ordentlich Fleischeinlage. Auch die ostfriesische Teezeremonie wird vorgestellt. Wer Neuharlingersiel kennt, denkt sofort an den idyllischen Anblick der Krabbenfängerflotte in dem kleinen Hafen und wird bei der Lektüre verführt, diesen Ort aufzusuchen. 

Einige plattdeutsche Dialoge sind gut eingebaut und bringen noch einmal mehr das gemütliche ostfriesische Lebensgefühl dem Leser nahe.

Was ich an diesem Krimi bewundere, ist die Art und Weise wie hier unterhaltsam Tatsachen zur Krabbenfischerei und deren Problematik dem Leser beigebracht werden. Von den holländischen Stahltrawlern und von Fangquoten haben sicher schon viele gehört, aber die Bedeutung für die deutsche Krabbenfischerei wird hier im Buch noch einmal deutlich gemacht. Durch den Preiskampf muss so mancher Fischer sein Boot aufgeben und sich andere Arbeit suchen. 


Wer einen gut unterhaltenden Krimi sucht, die Nordsee liebt und Spaß hat an urigen Charakteren, dem kann ich "Krabbenbrot und Seemannstod" uneingeschränkt empfehlen.


Freitag, 22. Juli 2016

Hotel Iris - Yoko Ogawa

Stösst ab und fesselt dennoch...

Sprachlich fast teilnahmslos erzählt, fesselt die Geschichte mit Dramatik und verstörender Abhängigkeit Maris.

 

Der Roman "Hotel Iris" wurde von der japanischen Autorin Yoko Ogawa bereits 1996 geschrieben. 2016 erscheint die deutsche Übersetzung  im Aufbau Taschenbuch Verlag.

Die junge Mari leidet unter ihrer herrischen Mutter und macht die Bekanntschaft eines deutlich älteren Mannes. Er wohnt auf einer einsamen Insel, wo er als Übersetzer arbeitet. Sie nehmen eine dunkle Beziehung auf, er schreibt ihr faszinierende Briefe, die für Mari nach sehnsüchtiger Liebe klingen. Bis die Situation schliesslich eskaliert.  




Dieses Buch zog mich magisch in einen Lesesog. Auch wenn ich Maris Gefühle für den alten Übersetzter nicht verstehen kann und  einige Szenen mir ekelhaft und abschreckend erscheinen, wollte ich dennoch wissen, wie die Geschichte ausgeht. 

Außerdem fasziniert mich die Ausdruckskraft der Erzählweise Ogawas. Die knappe, einfache und doch voller Sinnlichkeit fesselnde  Sprache ist ein einziger Lesegenuss.

Dabei beschreibt dieses Buch echte Tabuthemen - Sado-Masochismus und Sexualität zwischen Partnern mit hohem   Altersunterschied.
Hier erkennt man die beiden verlorenen Seelen. Da sind die zwei Seiten des alten Mannes und Maris Sehnsucht nach Liebe, die sie ihm entgegen bringt. Denn in seinen Briefen zeigt er sich voll verzehrender Liebe nach ihr, besucht sie ihn in seinem Haus, ist er der Bestrafer. Er will sich vergewissern, ob es ihn noch gibt. Sie geniesst die neu erweckte Lust und ein Leben neben ihrer Rolle als Tochter und Arbeitskraft.

Die perversen sexuelle Neigungen drücken den Schmerz beider Figuren aus, es wird aber niemals anzüglich oder obszön. Hier schafft Yoko Ogawa es, die unverständliche Zuneigung Maris auszudrücken. 

Der Erzählstil in einer zurückgenommenen, knappen, fast kargen Sprache wirkt wie eine Beobachterrolle. Das erweckt einen kargen traurigen Eindruck, die Aussicht auf die herrische Mutter oder den kranken Alten, wo ist hier Hoffnung?
Ist es wirklich eine Liebesbeziehung oder fliehen hier zwei verlorene Seelen vor ihrem tristen Alltag?


Ein Roman, der abschreckt und dennoch fesselt, weil man lesen möchte, wie die Figuren enden. Dramatisch und verstörend zugleich!

 

  ***Rezensionsexemplar vom Aufbau Verlag - Herzlichen Dank an Christine Seiler vom Verlag für die Bereitstellung des Buches!***