Donnerstag, 29. August 2019

Entführung - Petra Ivanov

Ein großartiger Krimi mit Einblicken in die Schweizer Justiz


"Entführung" ist der Titel von Petra Ivanovs neuem Kriminalroman aus dem Unionsverlag, der am 26. August 2019 erscheint.

Die Millionärstochter Lara Blum wurde entführt, der Täter sitzt in Haft und verweigert aber jede Aussage. Welches Motiv liegt hier vor, ist er ein Psychopath oder Terrorist? Dieser Fall schlägt auch in den Medien hohe Wellen.
Die Pflichtverteidigung wird Rechtsanwalt Pal Palushi zugesprochen. Als der ihm der Entführer einen versteckten Hinweis liefert, kann Palushi diesen nicht verwenden, denn er ist an das Anwaltsgeheimnis gebunden. Seine Karriere steht auf dem Spiel, wenn er hier rechtswidrig vorgeht. Durch diese Ermittlungen gerät er in Schwierigkeiten, doch seine Freundin, die Ex-Polizistin Jasmin Meyer, hält zu ihm und ermittelt auf eigene Faust. Sie findet eine tödliche Spur.



Gespannt habe ich mich an diesen Krimi gesetzt, denn das Ermittlerteam um Pal Palushi und Jasmin Meyer war mir neu und ich wurde nicht enttäuscht. 

Mal wieder ist der Autorin ein für sie so typischer Krimi gelungen, denn sie konstruiert einen logischen Plot um ein aktuelles Thema, sie erzählt klar und lässt einen tiefen Blick in die schweizerische Politik und Justiz zu.

Dieser Krimi dreht sich um die Entführung eines jungen reichen Mädchens, der Entführer wurde geschnappt, er ist ein Moslem. Palushi ist sein Pflichtverteidiger und ebenfalls Moslem, deshalb gerät er ins Kreuzfeuer von Anfeindungen. Die Medien zerreißen den Fall und wettern gegen Palushi. Der hat als Pflichtverteidigern keinen Einfluss auf seine Mandate, sondern bekommt sie von oben zugewiesen. 
Die Ermittlungen gestalten sich als ein Wettlauf gegen die Zeit. Palushi kann dem Entführer weder mit dem Versprechen auf Hafterleichterung, noch mit Drohungen Hinweise entlocken. Der einzige Weg ist der Zugang über die Religion an Informationen zu gelangen.  


Es gibt viele Personen mit für mich ungewöhnlichen Namen, die ich nicht immer vor Augen hatte. Petra Ivanov zeigt viele Details und interessanterweise auch islamische Denkstrukturen ihrer Figuren auf, die für mich persönlich für einen Krimi etwas ausufernd wirken. Dennoch sind die Inhalte gerade über das Tragen eines Schleiers sehr interessant.

Bei diesem Krimi zeigt die Autorin neben den religiösen Einblicken auch die Arbeitsbedingungen im Bereich der Pflichtverteidigung auf. Nicht immer ist die Verteidigung eines bekannten Täters eine überzeugende Sache. Außerdem ist es häufig ein großes Problem an überzeugende Beweisstücke zu gelangen. Dabei gerät der Verteidiger auch mal auf Messers Schneide und setzt seine Arbeitserlaubnis aufs Spiel. 

Wie sehr Medien über ihre verbreiteten Nachrichten die Menschen beeinflussen können und ihnen eine bestimmte Sichtweise verordnen können, kommt hier ebenfalls gut zum Ausdruck. 

Bei einigen Begriffe wie "Semtex" (Plastiksprengstoff) und "Rubaijat" war ich persönlich überfragt und musste sie nachschlagen. Auch das Schweizer Obligationenrecht, welches im deutschen Recht ein "Schuldverhältnis" darstellt, war mir nicht bekannt.

Insgesamt ist Petra Ivanov ein großartiger Krimi gelungen, den ich sehr empfehlen kann.


***Vielen Dank an den Unionsverlag für dieses Rezensionsexemplar!***


  

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