Sonntag, 7. Januar 2018

Wenn die Wellen leuchten - Patricia Koelle

Meerestiefhimmelweitsommerhell lebendig

 

Abwechslungsreich, lebendig und mit schönem Schreibstil erzählter Start einer Trilogie von Amrum.
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Der Roman "Wenn die Wellen leuchten" von Patricia Koelle ist der Auftakt einer Nordsee-Trilogie aus dem Fischer Verlag von 2017.

Rhea betreibt gemeinsam mit ihrer Mutter Feline auf der Nordseeinsel Amrum eine besondere Minigolfanlage, die vom Leben auf der Insel erzählt. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt und ihre Mutter gibt nur bruchstückhaft über Jahre verteilt ihre Erinnung an Rhea weiter. Wird sie ihren Vater finden? Auch wenn sie mit der Insel eng verbunden ist, wagt sie den Sprung in die Ferne und macht sich nicht nur nach ihrem Vater auf die Suche, sondern auch nach der großen Liebe.


"Ich bin genau da, wo ich sein möchte! Sie (Rhea) beschrieb einen Bogen mit ihren Händen, die den Himmel, die endlose Weite des Kniepsands, die Heide, den Leuchtturm, die Dünen, sowie alle Kaninchen, Krabben, Eiderenten und sämtliche Bewohner des Watts einschloss." Zitat Seite 40 

Der Roman beginnt im 18. Jahrhundert mit einer alten Sage um den Töveree Fisk, der mit seinem blauen Leuchten ein Schiff in Seenot vor dem Untergang gerettet haben soll. Dem Kapitän bleibt als Beweis eine blau schimmernde Schuppe, die auch im Roman noch eine Rolle spielen soll.

Diese alte Legende bringt einen Hauch von Geheimnis in den Roman und man ist gespannt auf die Zusammenhänge mit der weiteren Handlung. 

Rhea ist eine bescheidene, bodenständige und mit sich selbst zufriedene Person. Sie liebt die Natur, die Tiere am Nordseestrand, ihre Spielpartner sind die Strandkrabben. Andere Kinder hänseln sie, denn sie wächst ohne Vater auf und ihre Mutter gibt nur bruchstückhafte Einzelheiten im Laufe ihres Lebens von ihm preis. 
Mit der Schilderung von Rheas Kindheit taucht man bildhaft und lebendig in die Natur des Wattenmeeres ein und lernt die Insel Amrum näher kennen. Einen weiteren Erzählstrang bildet die Geschichte von Filine, von ihrem Zwillingsbruder und ihrer Liebe zu einem Mann, von dem sie sich ein Kind wünscht und es mit Rhea auch bekommt.

Hier verknüpft sich die Legende mit dem Leben der Inselbewohner und wird zu einer mystisch anmutenden Geschichte, die den Leser neugierig macht und an sich fesselt. 

Die Charaktere sind starke Persönlichkeiten, sie beugen sich nicht dem Willen anderer, sondern suchen mutig ihren Platz im Leben und ihre Erfüllung.
Patricia Koelle erzählt wunderbar, sie malt farbige Bilder, zeigt schwierige Stimmungen und verschiedene Emotionen und taucht intensiv ein in die Schicksale und Perspektiven ihrer Figuren, dass man deren Hoffnungen und Wünsche deutlich und klar vor Augen hat. 

In den vielen Rückblenden kommt man den Protagonisten immer ein Stück näher und lernt sie immer besser kennen. Das ist aber auch gleichzeitig mein einziger Kritikpunkt, denn der Roman ist zwar sehr schön zu lesen, aber er zieht sich auch etwas in die Länge. 
Viele Personen kreuzen den Lebensweg von Rhea und Filine und nicht immer sind diese von Belang, verschwinden ohne große Spuren zu hinterlassen aus ihrem Leben.   

 
Wer sich auf der Nordseeinsel Amrum auf die stimmungsvolle Suche nach der großen Liebe und der Legende um den Töveree Fisk machen möchte, ist mit diesem Roman gut bedient. Er wird für wunderschöne Lesestunden sorgen und die Insel gedanklich näher rücken lassen. 


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