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Samstag, 25. Juli 2026

Zuagroast - Martina Parker

Unterhaltsames Krimi-Debüt mit Humor und Lokalkolorit! 

Im Gmeiner Verlag erscheint mit Zuagroast der Auftakt der Gartenkrimireihe von Martina Parker. 

Architekt Paul und seine Frau Eva ziehen als Zuagroaste ins Südburgenland, dort gibt es billiges Bauland und Paul wittert lukrative Geschäfte. Auch die Journalistin Vera zieht mit ihrer Tochter aufs Land in das geerbte Haus ihrer Großmutter. 



 

Durch den schwarzen Humor und dem Frust auf Männer hat mich der Krimi ein wenig an die Bücher von Ingrid Noll erinnert. Martina Parker schreibt sehr unterhaltsam, lebendig und humorvoll und lässt ihre vielseitigen Charaktere so rasant agieren, dass man von der Geschichte sofort eingefangen wird. 

Eva wird von ihrem Ehemann Paul unterdrückt und möchte endlich aus dieser Ehe ausbrechen. Als sie Vera kennenlernt, freunden sie sich an. Vera ist auch gerade hinzugezogen, arbeitet als Journalistin und kämpft in ihrem Garten gegen viele Nacktschnecken an. Beide Frauen treten in den Klub der Grünen Daumen ein, den Johanna als Gründerin leitet. Johanna kenne sich in Flora und Fauna  gut aus und teilt ihr Wissen mit ihren Klubkameradinnen, die bei jedem Treffen auch mit zubereiteten Köstlichkeiten verwöhnt werden und Tipps und Workshops zur Verwendung der Pflanzen wie beispielsweise Seifen und Tees erhalten. Diese Szenen habe ich genossen und wäre gern selbst dabei gewesen. Gut gefallen haben mir auch die informativen Kapitelanfänge mit Wissenswertem aus Flora und Fauna. Das erfreut alle Freunde der Natur und man lernt noch einige überraschende Fakten hinzu. 

Bei der Vorstellung und charakterlichen Ausstattung ihrer Figuren hat Martina Parker echtes Talent bewiesen, hier findet man alle Arten von Menschen aus Gottes Garten: fiese, naive, unterwürfige, tierliebe, hilfsbereite, neugierige, hinterwäldlerische, schrullige, lustgesteuerte und gestörte Personen, die der Geschichte ihre besondere Würze verleihen. 

Das Lokalkolorit verdeutlichen auch diverse Ausdrücke im Dialekt der südburgenländischen Sprache, die nur zum Teil im angehängten Glossar übersetzt werden. Ich war überrascht, dass es so gewaltige Sprachunterschiede zum Deutschen gibt, hatte das Meiste aber durchaus sinngemäß verstanden.   


Bei "Zuagroast" erfolgt der Kriminalfall erst recht spät, die Story ist mäßig spannend, der große Unterhaltungswert überwiegt jedoch. Ein Krimi, bei dem man das Opfer nicht bemitleidet und am Ende den Täter irgendwie verstehen kann. 

Ein kurzweiliger Auftakt der Reihe!  

***Herzlichen Dank an dieses Geschenk vom Gmeiner Verlag und der Autorin!*** 

 


  • Parker, Martina - Zuagroast 1
  • Parker, Martina - Ausg´stochen
  • Parker, Martina - Eintunkt
  • Donnerstag, 26. Februar 2026

    Der Tote auf Öland - Agneta Sjöberg

    Hat mich leider nicht gefesselt!

    Im Gmeiner Verlag erschien 2024 der Kriminalroman Der Tote auf Öland von Agneta Sjöberg.

    Touristen finden auf der schwedischen Insel Öland einen grausigen Leichenfund. Die nackte männliche Leiche hat Schnitte im Gesicht und wurde offensichtlich Opfer eines Gewaltverbrechens. Deshalb übernehmen die Kommissare Luna Bofink und Alban Larsson die Ermittlungen. Als innerhalb weniger Tage vier weitere Menschen sterben, ist klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss. 


    Mit diesem Krimi habe ich mich sehr schwer getan und ziemlich durch gequält. 

    Der Erzählstil ist zwar flüssig, aber die kurzen Sätze wirken teilweise wie abgehackt, dafür mochte ich die vielen Dialoge, die für eine stimmige und lebendige Atmosphäre sorgen. Ich finde die Idee mit dem Thema Menschenhandel durchaus passend für einen Thriller und die gezeigten Szenen sind Beispiele für die brutale Kriminalität in diesem Bereich.  

    Die Handlung enthält sehr viele Protagonisten und wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, das sorgt für Verständnisprobleme und man muss sich sehr konzentrieren, um die verschiedenen Personen richtig einordnen zu können.  

    Die Hauptfiguren Luna und Alban wirken leider gar nicht wie professionelle Kommissare. Viel mehr sind sie oft ratlos und mit den zahlreichen Leichen einfach überfordert. Als Team wachsen sie trotz vieler Reibereien etwas zusammen, auf mich persönlich machen sie beide keinen sympathischen Eindruck.  

    Ich habe mich bemüht, den roten Faden im Dickicht der fragwürdigen Rückblenden mit Menschentransporten und den Einblicken in eine Sekte zu finden. Das ist mir leider nicht gelungen und ich habe das Ganze erst bei der Auflösung am Ende verstanden. Vielleicht lag es an der Vielzahl an Nebenfiguren oder an einem für mich sichtbaren Motiv für die Morde. Ein paar Spannungsmomente sind durchaus vorhanden, insgesamt war dieser Krimi für mich eher anstrengend und hat mich nicht gefesselt. 

    Dieser Schweden-Krimi hat mich leider nicht überzeugen können! 

     

                                          

    Mittwoch, 2. Juli 2025

    Miss Vergnügen - Martina Parker

    Kurzweiliger Auftakt der neuen Cosy-Crime-Reihe 

     
    Im Gmeiner Verlag erscheint mit Martina Parkers Krimi "Miss Vergnügen" der erste Fall für Miss Brooks.
     
    Miss Brooks untreuer Ehemann trennt von ihr und setzt sie in Wien aus. Zum Glück findet sie durch ihren Schwager eine neue Bleibe und eine zugelaufene Katze wird ihr neuer Weggefährte. Sie plant ihren Neustart und wird Beauty-Beraterin des Luxus-Konzerns Très Loué, doch als dort ein Kosmetikmogul verschwindet und bei der Verleihung der Parfum-Oscars ein Attentat geschieht, merkt Miss Brooks, dass hier irgendetwas gewaltig stinkt und zwar nicht nach Duftwässerchen. Bei Très Loué lernt Miss Brooks eine Journalistin und eine Celebrity kennen, die gemeinsam mit ihr die privaten Ermittlungen aufnehmen.  
     


     
     
    Die Hobbyermittlerin Miss Brooks wurde mir schnell sympathisch, sie besitzt einen Blick für menschliche Abgründe, sie ist Britin mit österreichischer Großmutter, was man anhand ihrer österreichisch gefärbten Sprachweise schnell erkennt. Verständnisprobleme sollte ein keine geben, denn viele dieser landestypischen Begriffe werden anhand von Fußnoten erklärt. 
     
    Der Krimi bietet eine etwas außergewöhnliche Protagonistin und interessante Ermittlerinnen und liefert einen originellen Fall, der sich im Bereich der Beautyindustrie in einer luxuriösen Parfumbranche abspielt. Es geht um den Einfluss von Social media, hauptsächlich ber auch um eine Frau, die sich nach ihrer Trennung ein neues Leben aufbaut.  
     

    Den lebendigen Erzählstil Martina Parkers mag ich sehr, auch hier sorgt ihr schwarzer Humor für amüsante Lesezeit und sie setzt das Wiener Setting inclusive der Beautywelt wunderbar in Szene. Durch den bunten Mix der Themen mit Neuanfang, Krimiermittlung und Einblicken in die Kosmetikbranche wird es nie langweilig und ich bin der Handlung gespannt gefolgt. Manche Szenen werden etwas übersptzt dargestellt, doch deshalb wird das Lesevergnügen unwesentlich getrübt. Gestört hat mich nur der Wurm bei Miss Brooks Schwester Suzy, das war dann doch etwas dick aufgetragen und eigentlich unnötig. 

    Es gibt einige Wendungen und die ganze Geschichte wirkt wie aus einem Guss, es ist ein unterhaltsamer Cosy-Crime mit englisch-österreichischem Touch und französisch klingenden Parfums.   

    Dieser kurzweilige Auftakt der neuen Cosy-Crime-Reihe hat mir gut gefallen, besonders die spezielle Ermittlerin, die mir ans Herz gewachsen ist.    
     

    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

     

     
  • Parker, Martina - Ausg´stochen
  • Parker, Martina - Eintunkt
  • Parker, Martina - Miss Vergnügen 
  • Donnerstag, 28. November 2024

    Leise tötet der Schnee - Friederike Schmöe

    Eine Leiche im Schneegestöber

    Im Gmeiner Verlag erscheint mit Leise tötet der Schnee von Friederike Schmöe der 9. Band der Krimi-Reihe um Kea Laverde. 
     
    Um ihre Fitness zu steigern, bucht Ghostwriterin Kea Laverde eine Schneeschuhwanderung in Tirol, die auch für Anfänger beworben wird. Gemeinsam wandert sie nun kurz vor Weihnachten mit einer Gruppe auf die Berghütte. Dort sind auch Teilnehmer einer sportlicheren Skitour. Als plötzlich das Wetter umschlägt und ein Schneesturm aufkommt, sind alle eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Internet- und Telefonverbindungen sind gestört, die Situation unter den Personen ist angespannt und es entstehen auch Konflikte. Scheinbar kennen sich einige Teilnehmer bereits, doch sie verschweigen es. Gibt es dafür besondere Gründe? Als Kea dann einen Toten entdeckt, geht sie von Mord aus und beginnt ihre Ermittlungen.  



     
    Bei diesem Whodunit- Krimi sind alle Personen auf der Berghütte potentielle Verdächtige und so kann man als Leserin gut miträtseln. 
    Mit Friederike Schmöes speziellem Schreibstil musste ich mich erst anfreunden. Sie erzählt in einfachen und oft recht kurzen Sätzen die Handlung, bringt dabei die Dinge auf den Punkt und beschreibt sehr anschaulich die winterliche Szenerie in der Berghütte, die man sich sehr gut vorstellen kann. 
    Die Charaktere sind vielseitig angelegt, manche sind sehr sportlich, andere haben körperliche oder seelische Probleme. Man bekommt sie nach und nach vorgestellt, einige sind recht sympathisch, aber Kea blieb mir sehr distanziert und unnahbar. Erzählt wird aus der Ich-Form, beginnend aus Keas Perspektive, es kommen aber alle Protagonisten zu Wort und werden zu Erzählern. Das ist etwas verwirrend, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran.
    Die Krimihandlung kommt erst langsam in Gang, erst als der Tote gefunden wird, steigt die Spannung automatisch an und man liest gefesselt weiter, bis am Ende der Täter gefunden wird.
     
    In der verschneiten Bergatmosphäre lässt ein Leichenfund mit zahlreichen potentiellen Verdächtigen Krimispannung aufkommen!
     
    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  
     
     

    Freitag, 30. August 2024

    Eintunkt - Martina Parker

    Mörderische Festival-Stimmung 

     
    Im Gmeiner Verlag erscheint Martina Parkers Gartenkrimi "Eintunkt". Es ist der fünfte Band der Reihe "Klub der Grünen Daumen".
     
    Beim "picture on", dem alljährlich in Bildein im Burgenland stattfindenden Rockmusik-Festival nahe der ungarischen Grenze hat die amerikanische One-Hit-Wonder-Sängerin Alex Woods einen Auftritt mit ihrem Hit. Das möchte sich auch die Mitglieder des Gartenclubs der Grüne Daumen nicht entgehen lassen. Auch Betty ist mit von der Partie, sie ist die Schwester von Alex, der Sängerin. Leider entwickelt sich das Festival zu einem Desaster, erst geht ein Stalker um, dann verschwindet Alex spurlos nach einer ausgelassenen After Show Party und am nächsten Morgen wird der Wein-Investor Bernd Bieler tot aufgefunden. 





    Martina Parker beginnt jedes Kapitel ihres Krimis mit kurzen Informationen über Insekten, Pflanzen oder über andere Themen der Natur, die zum Inhalt des folgenden Kapitels passen. Bei diesen Infos geht es beispielsweise um die Fäden von Seidenraupen, um Lichtverschmutzung, Fruchtfliegen, das Farbensehen bei Tieren oder um die "schweinische Intelligenz". Das schafft eine Wissenserweiterung beim Leser und weckt das Interesse auf das nachfolgende Kapitel. 
     
    Die Handlung setzt sich zusammen aus den Erzählungen von Vera, Betty, Marlies oder Alex und somit bekommt mein verschiedene Perspektiven und Blickwinkel angeboten, die die Geschichte abwechslungsreich gestalten und für einen umfassenden Einblick sorgen. 
     
    Betty und Alex sind schon lange zerstritten und als sie sich beim Festival treffen, gibt es erneut Differenzen, doch dann verschwindet Alex. Betty scheint sie nicht sonderlich zu vermissen. Die Frage nach dem Mörder und dem Grund für Alex Verschwinden ist lange Zeit ungeklärt und beschäftigt nicht nur die Polizei, sondern auch die Gartenfreundinnen. Angeführt von der Lokaljournalistin Vera Horvath tragen sie ihre Ermittlungsergebnisse zusammen und möchte die Polizei damit unterstützen. Das stösst bei Franz Grandits, dem Kriminalbeamten, nicht auf Gegenliebe, während Marlies es einfach mal so hinnimmt.
     

    Martina Parker baut regelmäßig Dialekt in die Dialoge ein, was den regionalen Bezug des Krimis unterstreicht und sie fängt bildhaft die ländliche Umgebung im Burgenland ein. Durch die skurrlien Figuren und deren buntes Treiben lässt sie reichlich Humor in die Handlung einfließen und hat mich damit amüsant unterhalen. Es entsteht auch eine Art von Spannung, weil man als Leser selbst mitraten kann und seine eigenen Verdächtigungen anstellt. Der Krimi hat einen aktuellen Bezug, denn hier sollen alte Weingüter verkauft werden, um den Grund und Boden für neue Chalet-Dörfer freizumachen.

    Mir haben die Figuren gut gefallen, manche haben schon ein paar zu viele Ecken und Kanten, um authentisch zu wirken, doch das ist der besondere Clou dieser Reihe. 

    Wer diesen Band ohne Vorkenntnis lesen möchte, findet in den Personenregister die nötigen Informationen. Um den vollen Genuss der Reihe auskosten zu können, sollte man die Reihenfolge einhalten.

    Spannender und humorvoller Cosy Crime aus dem Burgenland, der mit skurrilen Figuren gut unterhält und viele Informationen aus Tierwelt, Garten und Botanik enthält.


    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


    Parker, Martina - Ausg´stochen

    Dienstag, 21. Mai 2024

    Letztes Kapitel Hannover - Claudia Rimkus

    Fesselnder Hannoverkrimi mit reichlich Lokalkolorit! 

     
    Im Gmeiner Verlag erscheint mit "Letztes Kapitel Hannover" von Claudia Rimkus der fünfte Fall für Charlotte Stein.
     
    In Hannover steht das Krimifestival "die Criminale" bevor, auf dieses Event freuen sich viele Bewohner und Krimifreunde. Doch dann wird ein Thriller-Autor brutal ermordet und zwar auf die Weise, wie das Opfer in seinem Roman. Noch während die Eröffnungsgala startet, findet Charlotte Stern dort ein weiteres Mordopfer. Das lässt den Schluss zu, dass der Täter es auf Bestsellerautoren abgesehen hat und einfach ihre Mordideen als Tötungsweise kopiert. Hauptkommissar Bremer untersucht den Fall und bittet Charlotte und ihren Lebensgefährten Philipp um Mithilfe. Nun gilt es das Motiv und den Täter zu finden um mögliche weitere Morde zu verhindern. So ist die Ausrichtung des Festival einfach mordsgefährlich! 
     

     
     
    "Hannover zählt zu den am meisten unterschätzten deutschen Großstädten. UNESCO City of Music, Kanzler, Obama oder Queen, WM, Messestadt und Expo 2000, Gravitationswellen und INI. - Zu Hannover fällt eigentlich jedem etwas ein." Zitat Seite 82
     
    Charlotte Stern war die Leiterin des Kriminalarchivs in Hannover, sie besitzt einen kriminalistischen Spürsinn und wohnt mit ihren Freunden in einer Senioren-WG. Schauplatz dieser Cosy-Krimireihe ist Hannover und was wäre passender, als die Handlung zur Zeit des Krimifestivals stattfinden zu lassen.
    Und auch in diesem Band sorgt Charlotte Stern mit ihren umtriebigen Senioren-Freunden mit fesselnden, aber unblutigen Szenen für gute Unterhaltung. Am Ende begibt sie sich sogar in ein gefährliches Unterfangen, das den Täter herausfordert und mich als Leserin gefesselt hat. 

    Dieses Mal mordet jemand genau wie in den Buchvorlagen der Opfer. Was will er damit bezwecken? Und gibt es tiefere Motive, die ihn antreiben? Es wird dramatisch und die Handlung ist ein bunter Mix aus Spannung, Lokalkolorit und einigen raffinierten Wendungen, die den Leser in die falsche Richtung lenken. Gleichzeitig werden die Figuren weiter entwickelt und ihre Erlebnisse und ihre Gemeinschaft wird unterhaltsam in die Geschichte eingewoben. 
    Auch für Neueinsteiger ist dieser Krimi kein Problem, die jeweiligen Beziehungen werden umfassend erläutert.
     
    Claudia Rimkus flüssiger Erzählstil führt abwechslungsreich durch die Ermittlung und quer durch Hannover. Wer die Stadt kennt, wird viele Plätze und Namen wiedererkennen. Die gut gezeichneten Charaktere wirken lebendig und die Krimihandlung wird logisch und nachvollziehbar mit fesselnden Momenten vorgestellt. Die Criminale in Hannover wird zum Schauplatz von Morden, damit erhält das Festival eine ganz andere Bedeutung als ursprünglich geplant.

     
    Ein fesselnder Krimi mit reichlich Lokalkolorit und einer interessanten Täterpsychologie!
      
     
    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

     

    Montag, 4. März 2024

    Flunderverschwörung - Patricia Brandt

     

    Locker erzählter Cosy Krimi mit Ostseeflair und Umweltschutz!

     
    Im Gmeiner Verlag erscheint mit "Flunderverschwörung" der vierte Band der Kommissar Oke-Reihe von Patricia Brandt. 
     
    In dem kleinen Fischerdorf Hohwacht an der Ostsee nimmt die Zahl der Fischer immer mehr ab, denn mit der Reduzierung der Fangquoten kommt mit dem Fischfang nicht mehr genug Kohle ins Portemonnaie. Nun verdächtigen Meeresschützer auch noch Fischer Hauke Büsing, das er illegal kaputte Netze im Meer entsorgt hätte. Mit der Behauptung setzen sie Hauke unter Druck, kurz darauf ist er verschwunden. Als dann einer der Walschützer beim Bergen eines treibenden Geisternetzes einen abgetrennten Fuß findet, ruft das viele Schaulustige, eine Wahrsagerin und die Presse herbei. In Hohwacht ist richtig was lost. Oke Oltmanns hat eigentlich Urlaub geplant, doch daraus wird nichts, denn er findet in seinem Kahn eine Leiche. Die Arbeit ruft und er macht sich an die Ermittlungen. 
     


     
    Wie üblich greift Patricia Brandt auch in diesem Krimi ein besonderes Umweltproblem auf, dieses Mal geht es um im Meer treibende Geisternetze, die Schweinswalen und anderen Meerestieren zum Verhängnis werden. 
    Patricia Brandt schreibt lebendig und detailreich, ihr Erzählstil lässt sich locker flockig lesen. Die Ermittlungen in diesem undurchsichtigen Fall gestalten sich als schwierig und umfangreich, als eine weitere Leiche im Räucherofen auftaucht, sorgt die für Spannung und bei Oke zusätzlich noch für Ermittlungs-Druck.  
     
    Oke Oltmanns ist ein knurriger Typ, der nicht viel redet, von Beruf Kommissar, aber nebenbei auch Tierpräparator. Das macht ihn schon allein zu einer skurrilen Figur, die er mit seiner Plattdeutschen Flucherei auch noch unterstreicht. Eigentlich wollte er mit seiner Frau Inse Urlaub machen, nun hilft er auf dem Kutter von Hauke aus, nachdem der spurlos verschwunden ist. Und plötzlich hat er es zum ersten Mal in seinem Leben mit einer zerstückelten Leiche zu tun. Das Fachwort lautet Mutilation und zu diesem Thema gibt es ein interessantes Vorwort von Axel Petermann, der als Profiler und Krimiautor bekannt ist.
     
    Doch obwohl hier gemordet und sogar gestückelt wird, sogar die russische Mafia im Spiel ist, bringt dieser Krimi reichlich Humor mit. Die Figuren haben alle so ihre Eigenarten, es sind eigensinnige und norddeutsche Charaktere, deren teilweise schwieriges Miteinander für Lacher sorgt. 
    Durch die eingebaute Kulinarik und den immerwährenden Appetit Okes, bekommt man einen guten Einblick in die fischreiche Küche an der Ostsee. Dort ist der Ehestreit zwischen Wencke und Jan inzwischen soweit gediehen, das sie getrennte Fischbuden betreiben, Jan seine traditionelle mit Fischfrikadelle und Bratkartoffeln und Wenckes bietet vegane Fischnuggets mit Salat und andere vegane Speisen an.
     
    Die stimmungsvollen Szenen der Schauplätze sorgen dafür, dass man sich beim Lesen ans Meer versetzt fühlt und am liebsten auch etwas in den nun konkurrierenden Fischbuden essen möchte.  
     
    In diesem Cosy Krimi sorgen die speziellen Figuren, die humorvollen Szenen und ein spannender Plot für amüsante Unterhaltung und gleichzeitig wird die Dringlichkeit zum Schutz der Meeressäuger sichtbar gemacht. 



    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

     


    Sonntag, 7. Januar 2024

    Ausg´stochen - Martina Parker

    Ein abwechslungsreicher, mit österreichischen Gebräuchen gespickter Gartenkrimi!

     
    Im Gmeiner Verlag erscheint mit Ausg´stochen der vierte Band der Reihe "Klub der Grünen Daumen" von Martina Parker. 

    Zur Eröffnung des Adventmarktes wird der Bürgermeister vermisst, dann findet man ihn als Leiche zwischen den Kufen eines Pferdeschlittens. Wer könnte der Täter sein? Ein Verdächtiger wird schnell ermittelt, aber sollte es so einfach sein? Die Polizisten Marlies und Franz machen sich zwischen den Weihnachtsmarktständen auf die Suche und werden vom Detektiv-Gartenklub unterstützt.  


    Dieser Regionalkrimi spielt in der Vorweihnachtszeit und inmitten eines für Beschaulichkeit sorgenden Weihnachtsmarktes platzt unvorhergesehen eine Leiche. Die Beziehungen des Toten und seiner Spezies wird nun genauer unter die Lupe genommen. Und da gibt es einige Menschen, die mit ihm nicht ganz sympathisierten. 

    Jedes Kapitel startet mit wissenswerten Infos über die Natur. Dieses Wissen ist zwar sehr interessant zu lesen, führt meiner Meinund nach aber weg von der eigentlichen Handlung. Der Krimi spielt sich im Südburgenland ab und es sind viele Dialoge im Dialekt vorhanden, die in Fußnoten übersetzt werden. Das hat meinen Lesefluss etwas gestört, es gibt damit aber auch den regionalen Charakter wieder. Es gibt ein reichliches Personenaufkommen, dabei hatte ich Mühe, die vielen lebendig beschriebenen Charaktere einordnen zu können. Vielleicht sorgt das Lesen der Reihen von Anfang an ja für einen besseren Durchblick. Gut gefallen hat mir der immer wieder durchscheinende Humor, der für einige Schmunzelmomente verantwortlich ist. 

    Der Schreibstil ist locker und durch den vielen Dialekt etwas gewöhnungsbedürftig, die Figuren sprühen vor Leben und führen in unterhaltsamer Weise durch die Handlung.

    Bei den Charakteren hat man wie gesagt eine große Auswahl an unterschiedlichen Figuren. Ich mochte Großmutter Hilde und ihre Ansichten und ihr neu erwachtes Interesse für Tik Tok. Und die ermittelnden Personen erfassen nach und nach unterschiedliche Fakten, die durch die Mitglieder vom Gartenklub hilfreich ergänzt werden. Aber eine Person hat mein besonderes Interesse geweckt, es ist die Figur eines naturliebenden Öko-Städters, der aufs Land zieht, m sich dann ständig mit Anzeigen gegen die Besitzer von krähenden Hähnen und den beißenden Güllegeruch zu wehren. Kein Wunder, dass mit so einem Typen dann Konflikte entstehen, die für die Landbevölkerung nur als nervig angesehen werden.  

    Hier gibt es viele Nebenhandlungen, die an sich interessant sind, wie die Geschichte um ein Findelkind, die Schwangerschaft einer Person oder ein paar Liebesbriefe an eine unbekannte Dame. Doch in der Menge führen mich diese Szenen doch für einen Krimi etwas an der Sache vorbei. 

    Martina Parker streut dank ihrer Gartenklub-Mitglieder viel informatives Wissen rund um Garten, Pflanzen (auch giftige), sowie über einige regionale Weihnachtsbräuche in die Handlung ein. Das liest sich informativ und abwechslungsreich. Der Krimi gerät aber erst im letzten Drittel wieder soweit in Fahrt, dass ich von der Spannung mitgerissen wurde. 

    Den Abschluss des Buches macht ein kulinarischer Anhang in Form von regionalen Rezepten und Kochanleitungen, was den Regionalcharakter des Buches noch unterstützt.

    Ein abwechslungsreicher, mit österreichischen Gebräuchen gespickter Gartenkrimi, der mich gut unterhalten hat.


    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Mittwoch, 3. Januar 2024

    Wintermondnacht - Ella Danz

    Mörderisches Klassentreffen 

     
    Zum zwölften Mal lässt Autorin Ella Danz ihren fränkischen Kommissar Georg Angermüller in ihrem neuen Krimi "Wintermondnacht" ermitteln. Die Krimireihe erscheint im Gmeiner Verlag.
     
    Der Lübecker Kommissar Georg Angermüller verbringt die Weihnachtstage in seiner oberfränkischen Heimat Coburg bei seiner Schwester und Mutter. Dort nimmt er auch an einem weihnachtlichen Klassentreffen teil, bei dem auch die wilden Partys vor über zwanzig Jahren angesprochen werden, die als übergriffig bezeichnet werden. Diese Partys wurden von Rico organisiert. Die Überraschung ist groß als am nächsten Morgen ausgerechnet Rico tot beim Gasthof gefunden wird. Die Polizei vor Ort vernimmt auch Georg als Zeugen, zurück im Norden bekommt Georg auch überraschenden Besuch aus der Heimat. 
     

     
    Wie man es aus den Vorbänden kennt, sorgt auch dieser Krimi in seinem ruhigen und unaufgeregten Erzählstil und einer beschaulichen Handlung für eine entspannte Atmosphäre. Blutige Szenen sucht man hier vergeblich, es stehen mehr die mitmenschlichen Beziehungen und die Suche nach dem Mörder im Vordergrund. 
    Wir begleiten Angermüller und seinen Kollegen Jansen nach Coburg, wo sie der dortigen Polizei Amtshilfe leisten sollen, später verlagert sich die Ermittlung dann wieder in den Norden nach Lübeck. Der Mordfall lässt Angermüller einen Blick auf seine Jugendfreunde werfen und bringt deren Lebensentwicklung und ihre Beziehungen ans Tageslicht. Die Befragung der Zeugen verläuft umsichtig und zielgerichtet und es wird schnell deutlich, dass mehrere Personen als Verdächtige in Frage kommen könnten. Als Sexist war Rico unter seinen Klassenkamerad:innen nicht gerade beliebt. Dann verschwindet Mila Laos und man weiß nicht so recht, ob da ein Zusammenhang mit dem Mord vorliegt. Obwohl viele kleine Hinweise gefunden werden, tappen Ermittler und Leser im Dunkeln und man kann gut mitraten, wer denn nun für den Mord verantwortlich sein könnte.  

    Ich mag den ruhigen Erzählstil und auch, wie die Charaktere lebensnah und mit Ecken und Kanten beschrieben wurden. Die Spurensuche hat mich immer wieder verwirrt, weil die Verbindung nicht offensichtlich ist und damit bis zum Ende ein Mitraten möglich war. 
     
    Georg Angermüller ist ein Genussmensch und so wird auch das kulinarische Wohl wieder besonders zelebriert und hat mir mit dem ein oder anderen Gericht auch Appetit gemacht. Am Ende des Buches finden sich zahlreiche leckere Rezepte, die im Buch als Gerichte erwähnt werden und so kann man alles auch noch nachkochen.
     
    Ein unterhaltsamer und unblutiger Krimi, der mit seinen besonnenen Ermittlern einen ruhigen Ton vorgibt und in kulinarischer Hinsicht für weihnachtlichen Genuss sorgt.
     
    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     

     

    Montag, 11. Dezember 2023

    Köstlich killt der Weihnachtsmann - Plötner/Kemper

    Kurzweilige Ablenkung durch Krimigenuss im Advent: Spannend und lecker

     
    Im Gmeiner Verlag erscheint der mörderische Adventskalender "Köstlich killt der Weihnachtsmann" von Astrid Plötner und Anke Kemper.

    Mit 24 Kurzkrimis bekommt die Adventszeit neuen Drive. Wir reisen vom Ruhrpott bis ins Sauerland und erleben wie diese besinnliche Zeit in krimineller Weise gelebt wird. Da werden unliebsame Ehemänner beseitigt, in der Sankt Nikolauskirche von Freienohl wächst dank grünem Daumen eine Haschplantage und die neugierige Frau Kampschulte landet schlicht und ergreifend im Bauschutt. Zu jedem Krimi gehört ein passendes Rezept, das von Cocktail Acapulco bis Zwiebelkuchen allerlei Herzhaftes und Süßes bereit hält. 
     

    Der Schreibstil ist flüssig, entwickelt in der Kürze eine bildhafte Atmosphäre und sorgt für abwechslungsreiche Entspannung an den einzelnen Adventstagen. Die Geschichten sind bunt gemischt und insgesamt sehr vielseitig und zeigen den regionalen Bezug. Inhaltlich wird gemordet aus enttäuschter Liebe und krimineller Taktik, aber es wird auch mal humorvoll oder sogar tiefsinnig, spannend und hinterlistig und die originelle Mischung an Krimis sorgt für Überraschungen und für eine tägliche kleine Ablenkung in der Adventszeit. Und weil die Küche in dieser Zeit auch eine entscheidende Rolle spielt, wird das passende Rezept gleich mitgeliefert. Die Auswahl ist groß, von Zimtsterne, Ente süßsauer, Rinderrouladen oder dem regionalem Sauerländer Potthucke gibt es als Anregung unterschiedliche Vorschläge für die Weihnachtszeit.
     
    Diese vielseitige Krimianthologie mit Rezepten sorgt für eine kleine Auszeit und Ablenkung im Adventsalltag und bringt kurzweilige Unterhaltung und Ideen für die Küche mit.

    Für Krimifreunde ist diese Advents-Anthologie eine hervorragende Idee für eine gelungene Abwechslung in der Adventszeit.
     
     

    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Donnerstag, 11. November 2021

    Uhlenbrock - Claudia Rimkus

    Unterhaltsame Krimireise mit viel Hannover-Flair

    Senioren-WG auf Mörderjagd

    Der Hannover-Krimi "Uhlenbrock" von Claudia Rimkus ist der dritte Fall für Charlotte Stern. Die Reihe erscheint im Gmeiner Verlag. 

    Die ehemalige Leiterin des Kriminalarchivs Charlotte Stern wohnt in einer Senioren-WG in Hannover. Als von Mitarbeitern der Straßenreinigung eine Leiche entdeckt wird, ist das erst der Beginn einer Mordserie. Es fällt auf, dass die Getöteten Verbindungen zu Heimkindern hatten. Als Charlotte von ihrer Freundin Anneliese erfährt, dass sie die Opfer kannte, schaltet sich Charlottes Ermittlungseifer ein, denn auch ihre Freundin könnte ein mögliches Opfer sein. Eine mögliche Verbindung könnte im Umfeld der Psychiatrischen Klinik Uhlenbrock zu finden sein. Charlotte und Anneliese machen sich auf die Suche nach dem Täter und kommen ihm sehr nahe.   

     



    Dieser Cosy-Krimi sorgt mit seinen umtriebigen Protagonisten im Seniorenalter und fesselnden, aber unblutigen Szenen für gute Unterhaltung. 

    Die Leinemetropole Hannover ist der Schauplatz für die Reihe um Charlotte Stein. Claudia Rimkus hat mit "Uhlenbrock" eine spannende Krimihandlung erdacht, bei der Morde und die Entführung von Charlottes Freundin für Aufregung sorgen. Natürlich mischt sich Charlotte in die Ermittlungen ein und als Leserin wird man an ihrer Seite kreuz und quer durch die Stadt geführt. Wir erleben lokale Örtlichkeiten wie den Georgengarten, die Aegidienkirche, den Schützenplatz und andere markante Plätze und so erlebt man Hannover mal aus Krimisicht. Dieser örtliche Bezug macht den Krimi natürlich besonders für Hanoveraner:innen interessant.

    Die Suche nach dem Täter gestaltet sich mit einigen fesselnden Szenen auf einem mittleren Spannungslevel. Denn Claudia Rimkus lässt auch Charlottes Privatleben unterhaltsam einfließen und baut auch humorvolle Vorgänge mit in die Handlung ein. Dieser Krimi ist nicht blutig, er zeigt vielmehr, wie sich ein Mensch durch fehlende Liebe und Verständnis zu einem psychisch Kranken entwickeln kann. Besonders intensiv erlebte ich die Szenen mit, in der man den Erinnerungen des Mörders an seine Kindheit und seine aktuellen Rachegedanken miterleben kann. Er nennt sich übrigens Regisseur und drapiert seine Leichen alle mit gutüberlegten Beigaben an markanten Punkten in der Stadt. 

    Claudia Rimkus flüssiger Erzählstil führt abwechslungsreich durch das Buch, die klar charakterisierten Figuren wirken authentisch und man kann auch der schlüssigen Krimihandlung wunderbar folgen.

    Dieser Krimi schenkte mir eine abwechslungsreiche Lesezeit und ich durfte einmal meine Heimatstadt per Buch bereisen und miterleben. Solche Regionalkrimis machen immer wieder Spaß!

     

    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

     


    Samstag, 18. September 2021

    Wenn die Stille schreit - Roman Klementovic

    In der Kürze liegt die Würze!

    Absolut spannend und voller beklemmender Situationen und Gänsehautmomente

    Im Gmeiner Verlag erscheint der Kurz-Thriller "Wenn die Stille schreit" von Roman Klementovic.

    Obwohl ein Schneesturm wütet, fährt Tim mitten in der Nacht von seiner Arbeit nach Hause zu seiner Frau Nathalie. Gerade haben sie noch miteinander telefoniert, sie will wach bleiben, bis er sicher zurück gekehrt ist. Doch dann findet Tim das Haus verlassen vor, der Strom ist ausgefallen und er tappt im Dunkeln durch das Haus, um Natalie zu suchen. In ihm keimt ein ungeheuerlicher Verdacht auf, denn erst vor ein paar Tagen sind zwei Gewaltverbrecher aus einer Anstalt geflohen. Diese Nachricht hat Tim und Natalie sehr beunruhigt. Und nun ist seine Frau verschwunden. Wo kann sie nur sein?

     


    Als ich das schmale Büchlein sah, hätte ich mir nicht vorstellen können, so eine packende Gänsehaut-Story geboten zu bekommen. Doch in der Kürze liegt die Würze!

    Wir erleben Tim während seiner schwierigen Fahrt über schneeverwehte Straßen, er braucht Stunden in der Dunkelheit und der Sturm wütet noch weiter. Als er seine Frau nicht im Haus antrifft, überkommt ihn panische Angst, ihr könnte etwas zugestoßen sein, was mit den entlaufenen Mördern zusammen hängen könnte. Es treten noch zwei weiteren Figuren in die Handlung ein, die die Spannung noch verstärken. Sind das die vermeintlichen Mörder oder friedliche Leute?

    Ich konnte bei diesem Thriller wirklich Gänsehaut entwickeln. Roman Klementovic hat ein Händchen für gruselige Szenen und schickt seine Leserschaft gezielt auf Fährten, die dann wieder in eine andere Richtung wechseln. Die ganze Zeit bangt man gemeinsam mit Tim um einen guten Ausgang der Geschichte und erlebt am Ende eine besondere Wendung. 

    Dieser packend geschriebene Kurz-Thriller hält einige Überraschungen und gruselige Momente bereit. 4,5 Sterne runde ich gerne auf.

     

    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Freitag, 14. Mai 2021

    Schweinekrieg - Guido Seyerle

    Konnte mich leider nicht packen

    Ein Krimi vom Lande mit vier- und zweibeinigen Schweinen

    Der Kriminalroman "Schweinekrieg" von Guido Seyerle erschien bereits 2007, die Neuausgabe erscheint 2021 im Gmeiner Verlag. 

    1983: Landwirt Heinrich Bauer setzt sich für die Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Schwäbisch-Hällischen Landschweine ein und züchtet die Rasse. Das passt aber den ortsansässigen Schweinezüchtern überhaupt nicht und sie gehen dagegen an. Es gibt eine regelrechte Schlammschlacht um den Schweinehandel. Als sogar ein Mensch zu Tode kommt, muss Bauer nicht nur um seine Landschweine fürchten, sondern sogar um sein eigenes Leben. 

    Dieser Krimi spielt in den 80er Jahren, aus der Sicht des Journalisten Chris Schranz wird das Thema Schweinezucht und Fleischhandel näher beleuchtet. Es gab Bauern, die die Schweinehaltung als Billigproduktion aus Profitgier betrieben, aber auch Schweinehalter, denen die Qualität des Fleisches und die Züchtung alter Rassen am Herzen lagen. Der Begriff "Schweinekrieg" ist passend zu den Auseinandersetzungen äußerst treffend gewählt.


    Gleich zu Beginn des Buches gibt es ein Treffen von Schweinezüchtern im Hohenloher Land, bei dem sich zeigt, dass Züchter und Politiker zum Teil unterschiedliche Interessen vertreten und einige nur hohe Produktionszahlen im Blick haben. Der Schweinehandel zwischen Ost- und West-Deutschland spielte zu dieser Zeit ebenfalls noch eine besondere Rolle. Als Grundidee finde ich das Thema durchaus wichtig, allerdings hat sich seitdem mit Bio-Produkten und artgerechter Haltung auch schon einiges getan. 

    Wer sich im Hohenloher Land auskennt, wird die regionalen Schauplätze und erwähnten Tageszeitungen wahrnehmen. Leider kenne ich die Gegend nicht näher und hatte ein wenig mehr bildhaften Lokalkolorit erwartet, um mir alles besser vorstellen zu können. 

    Wir lernen hauptsächlich den detailliert aufgeführten Berufsalltag des Reporters Chris Schranz kennen, ein wenig Privatleben des Singles Schranz wird aber auch sichtbar, der zwischen der neuen Bekannten Lilian oder seiner Flamme Veronika schwankt. Er wurde mir nicht sonderlich sympathisch, etwas mehr Charaktertiefe hätte ihm gut getan.

    Mit diesem Buch macht man eine Zeitreise in die Vorwende-Zeit. In heutiger Zeit die Begriffe der damaligen Zeit zu hören, war schon merkwürdig. So ist im Buch noch die Rede von der damaligen Währung der Deutschen Mark, von BRD und DDR oder von Karl-Marx-Stadt und Kolchosen. Wer diese Zeit noch bewusst miterlebt hat, wird mit den Begriffen mehr anfangen können, als jemand, der erst nach dieser Zeit geboren wurde. 

    Die Krimihandlung verläuft nicht spannend, neben den Zeitungsdingen und den Auseinandersetzungen in der Schweine Mafia kommt es nicht zu einer packenden Täterverfolgung. 

    Was mich aber am meisten gestört hat, ist der recht einfache Erzählstil, der mit eigenartigen Formulierungen daherkommt und kein flüssiges Lesen möglich machte. 

    Das Thema Massentierhaltung wird in diesem Buch deutlich gemacht, aber wir haben jetzt nicht mehr die 80er Jahre und da hätte man das Buch auch nicht noch einmal neu auflegen müssen. Es ist leider kein Krimi, den man lesen muss.


    ***Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Mittwoch, 14. April 2021

    Träume von Freiheit - Silke Böschen

    Interessantes Sittenbild dieser Zeit

    Der Scheidungsprozeß einer Amerikanerin macht sie zur Vorreiterin ihrer Zeit

    Silke Böschens historischer Roman "Träume von Freiheit - Ferner Horizont" erscheint im Gmeiner Verlag.   

    1875: Florence de Meli gehört zur High Society der amerikanischen Kolonie in Dresden, sie führt ein Leben in Wohlstand und nimmt am gesellschaftlichen Leben teil. Doch glücklich ist sie nicht, denn ihr Mann Henry kann mit ihrer quirligen und lebensfrohen Art nicht mithalten und wacht eifersüchtig über sie. Außerdem steht er unter der Fuchtel seiner biestigen Mutter, die Florence ständig daran erinnert, wem sie ihre finanzielle Absicherung zu verdanken hat. Als Henry Florence in eine Irrenanstalt einweisen lässt, bleibt Florence nicht anderes übrig, als diese Beziehung beenden zu wollen und für ihre Kinder und Gerechtigkeit zu kämpfen. Es beginnt ein Scheidungskrieg, der quer durch Europa führt und so zum Blickfang der Öffentlichkeit wird. 
     

    Die hübsche Florence heiratet sehr jung den 11 Jahre älteren Henry, nach anfänglicher Zuneigung zu ihrem nicht gerade sympathischen Mann ist sie immer mehr in ihrer Ehe gefangen. Henry ist Privatier, finanziert von seiner reichen Mutter, die diesen Umstand ihrer Schwiegertochter auch ständig vorwirft und kein gutes Haar an ihr lässt. Und Henry lässt das zu, denn er steht auch als erwachsener Mann noch unter dem Pantoffel seiner Mutter. Seine zweite Abhängigkeit ist sein Alkohol-Problem, ohne berufliche Aufgaben lässt er sich gehen und wird gegenüber seinem Sohn handgreiflich. Das bringt Florence in eine ziemlich schwierige Lage. Als sie gegen ihren Willen in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird, ist sie abhängiger denn je von ihrem Mann. Doch ihre Lage ist hoffnungslos, eine Frau mit "Hysterie" wird nicht ernst genommen. Es bleibt ihr nur die Flucht und die führt Florence zu einer Bekannten nach Paris. 
     
    Dieser fiktiven Geschichte liegen reale Figuren zugrunde, Silke Böschen erzählt von einer spannenden Scheidungsschlacht, die zu dieser Zeit erstmalig von einer Frau ausgeht. Scheidungen waren in dieser Gesellschaftsschicht verpöhnt, es wurde sich arrangiert. Doch damit kann sich Florence nicht zufrieden geben, denn sie möchte ihre Freiheit zurück und ihre Kinder nicht bei Henry lassen. Deshalb flieht sie vor Henry und möchte zurück nach Amerika, um dort die Scheidung rechtskräftig werden zu lassen. 
     
    Rein sprachlich ist der Roman wunderbar zu lesen, schnell ist man eingenommen von Florence und erbost über das ihr angetane Unrecht mit der Einweisung in die Heilanstalt. Zeitlich kann man alle Vorgänge gut zuordnen, die Kapitel enthalten hilfreiche Zeit- und Ortsangaben. Mit einigen persönlichen Briefen wird die Handlung persönlicher und man bekommt die Gedanken der Figuren so hautnah mit. Einige Szenen gehen sehr ins Detail, sie sorgen damit für einen zeitbeschreibenden und unterhaltsamen Charakter der Geschichte und zeigen auch die Moralvorstellungen der damaligen Zeit.
     
    Florence erscheint auf den ersten Blick hin mutig, ihr Handeln kann man gut verstehen, doch ihr blieb auch nicht viel anderes übrig. Sie hat großes Glück, dass sie einflussreiche Freundinnen hat, die ihr auf ihrer Flucht hilfreich zur Seite stehen. Allerdings bringt sie sich mit ihrer Reise nach Amerika in eine weitere Abhängigkeit, denn sie muss bei ihrem Onkel und ihrer Tante unterkommen. Sie finanzieren ihr ihren Unterhalt, den Streit vor Gericht und auch Fahrten nach Europa, damit sie ihre Kinder wiedersehen kann.

    Mich haben besonders die drastischen Schilderungen in der Heilanstalt Prina Sonnenstein interessiert, dort waren Anwendungen mit Hydrotherapie ein probates Mittel, um die Patienten ruhig zu stellen. Anschließend kam Florence in das Sanatorium für Nervenkranke nach Bad Kreischa, wo ihr die Flucht gelang. Beide Kliniken gab es wirklich und auch die Behandlung wird in der beschriebenen Art und Weise stattgefunden haben, denn hilfreiche Medikamente waren damals noch nicht weit entwickelt. 

    Im dritten Teil lernen wir Florence Freundin Clara Jenkins kennen. Sie ist ein starker Charakter, über den ich gern mehr erfahren hätte.  
    Lobend erwähnen möchte ich noch das umfangreiche Personenregister, in dem die zahlreichen realen Figuren mit ihren wichtigsten Eckdaten und Lebensumständen aufgeführt werden. Der ganze Roman baut auf einer umfangreichen Recherche auf, der diese Zeit deutlich widerspiegelt. 

    Dieser interessante Roman zeichnet eine Epoche wieder, als Amerikaner zum Stadtbild Dresdens gehörten. Es entsteht ein lebendiges Bild über die Anfänge von weiblicher Emanzipation und zeigt eine Frau, die für ihre Freiheit zu kämpfen wagt. 


    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     

    Donnerstag, 1. April 2021

    Imkersterben - Patricia Brandt

    Imker oder Bienen, wer stirbt zuerst?

    Gut zu lesen durch das Imker- bzw. Bienenthema, toll eingebauten Humor und schräge Charaktere

    Im Gmeiner Verlag erscheint der Ostsee-Kriminalroman "Imkersterben" von Patricia Brandt.

    Der Hohwachter Kommissar Oke Oltmanns ist sofort alarmiert, als der Förster und Imker Kurt Tietjen mit seinem Moped wegen eines gespannten Drahtes tödlich verunglückt. Bei seinen Nachforschungen entdeckt er, dass Tietjens Honig mit Glyphosat verseucht war. Schon bald gibt es ein weiteres Opfer aus der Bienen-Branche, beginnt jetzt neben dem Bienensterben auch noch das Imkersterben?

     



    "Finales Ferienglück: Bau deinen Sarg in drei Urlaubstagen." Zitat Seite 34

    Wer lässt denn Feuerwerkskörper in Bienenstöcke fliegen? Trieben hier Jugendliche ihr Unwesen oder wollte jemand dem Besitzer Tietjen schaden? Als Tietjen kurz darauf stirbt, scheint an dieser Sache einiges faul zu sein. Hobbyimker Kurt Tietjen war kein angenehmer Zeitgenosse, doch diesen Tod durch Genickbruch gönnt man niemandem. Oke Oltmanns und sein Kölner Kollege Vincent Gott ermitteln.

    Oke ist nicht begeistert, dass seine Frau sich nun auch in der Fischbude vegan austobt. Bei den Touristen kommt es gut an, aber die Einheimischen bestehen weiterhin auf Fischbrötchen. 

    Vincent Gott, der aus Köln stammende Kollege, fühlt sich an der Ostsee recht wohl, seinen Dialekt legt er dennoch nicht ab. Dabei kann er auch Hochdeutsch, wie man beim Rezitieren eines Gedichtes von Christian Morgenstern bemerkt. Als Leser muss man ein wenig Sprachvermögen mitbringen, damit man seine Sätze auch richtig versteht. Aber gerade das gibt dem Krimi noch etwas Würze.  

    Die Kapitel werden aus Sicht verschiedener Protagonisten erzählt, diese Wechsel sind ungewöhnlich, doch es baut sich mit der Zeit ein Kennenlernen auf und die Handlung wird so aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beschrieben. Die Personenfülle ist aber auch ein kleiner Kritikpunkt meinerseits, denn ich hatte nicht von allen ein Bild im Kopf.

    Das Thema Bienensterben ist in aller Munde, der massive Einsatz von Pestiziden ist dafür verantwortlich. Der Rückgang der Bienen hat viele Menschen aufgerüttelt, sich selbst als Hobbyimker  zu versuchen. Patricia Brandt hat dieses Thema in den Mittelpunkt ihres Krimis gesetzt, im Nachwort erklärt sie  Hintergründe zu sogenannten Fake-Honigen, die den Imkern wirtschaftlich schaden. 

    Das Buch liest sich durch den flüssigen und humorvollen Erzählstil schnell weg, was an Spannung fehlt, wird hier mit Regionalkolorit und Humor wettgemacht. Ich habe bei diesem Regionalkrimi häufig und laut lachen müssen und freue mich auf weitere Bücher der Autorin. 

     

    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***