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Dienstag, 14. Juli 2026

Dabei waren wir uns immer so nah - Jette Kötschau

Kraft und Tiefe von Frauenfreundschaften

 
Bei Rowohlt Kindler erscheint Jette Kötschaus Debütroman "Dabei waren wir uns immer so nah". 
 
Henri, Katharina und Merle verbindet eine langjährige Freundschaft, mit Anfang 30 nach ihrem Studium werden gemeinsame Treffen jedoch immer seltener. Ihre einzelnen Lebenswege haben sich geändert, jede Frau hat ein anderes persönliches Umfeld und andere Prioritäten und Ziele oder Verantwortung. Sie sind erwachsen geworden und leben ihr eigenes Leben, aber die innere Verbundenheit zueinander bleibt. 
 

 
 
In dieser Geschichte kommt man den Frauen sehr nahe und erfährt, was sie sich von ihrem Leben erhoffen, wo ihre Ziele liegen, was sie bedrückt und wie sie sich fühlen. 
 
Henri träumt von einem eigenen Kino und ist weiter ein Party-Girl. Merle hat einen kleinen Sohn, der sie tags und nachts auf Trab hält. Ihr Mann kümmert sich um den Hausbau und hält es nicht für nötig, mal auf den Kleinen aufzupassen und Merle damit freie Zeit zu verschaffen. Katharina arbeitet leidenschaftlich gern in einer Buchhandlung, ihre zehnjährige Beziehung wirkt harmonisch und sie wünscht sich ein Kind. Leider ist ihr Partner davon nicht überzeugt und verschiebt die Entscheidung auf später.  
 
Wenn Frauen erwachsen werden, bekommt ihr Leben andere Prioritäten als noch im Studienalter. Sie stellen die Weichen für Beziehung, Job und Familienbildung und müssen sich überlegen, ob ihr Leben genau das ist, was sie sich wünschen oder was es zu verändern gilt. Jette Kötschau versteht es, die Sehnsüchte, Ängste und Gedanken der drei Freundinnen sichtbar und nachfühlbar zu machen, sodaß man sich in die Figuren hineindenken kann. 
Man fühlt ein wenig Distanz zwischen den Frauen, die durch ihre neuen Lebensentscheidungen entstehen. Dennoch halten die Frauen an ihrer gemeinsamen Freundschaft fest und geben sich gegenseitig Halt. 
Mit einfühlsamem Schreibstil widmet sich die Autorin den Dingen des Alltags und den Erlebnissen im Leben der Freundinnen und wir begleiten sie eine Weile, während sich die Weichen in ihrem Leben verstellen. 
 
Für mich persönlich war der Roman keine echte Bereicherung, ich empfehle ihn jüngeren Frauen, die sich Gedanken über Veränderung, Lebensplanung, Mutterschaft und langlebige Freundschaften machen.  
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 

 

Dienstag, 28. Oktober 2025

Dienstmädchen für ein Jahr - Sigrid Boo

Wunderbare Wiederentdeckung eines leichten und humorvollen Lesevergnügens! 

 
Bei Rowohlt Kindler erscheint der Briefroman Dienstmädchen für ein Jahr von Sigrid Boo in einer Übersetzung von Gabriele Haefs. Das Buch wurde bereits 1930 geschrieben und ist der 10. Band der Reihe "Rororo-Entdeckungen", in der die Herausgeberinnen Magda Birkmann und Nicole Seifert ältere Literatur vor dem Vergessen wieder neu sichtbar machen. 
 
Norwegen, 1930: Die lebenslustige Helga ist Tochter aus gutem Hause und hat gerade ihr Abitur absolviert, nun hofft sie auf eine interessante Bildungsreise nach Paris. Doch die findet laut ihrem Vater aus finanziellen Gründen nicht statt. Voller Lebensfreude trifft sie Freunde in einem Café und diskutiert darüber, ob Frauen wirklich anpacken können und lässt sich übermütig auf eine Wette ein, in der sie zusagt, sich ein Jahr lang als Dienstmädchen zu verdingen. Nun beginnt eine arbeits- und lehrreiche, aber auch wunderschöne Zeit, in der Helga erwachsen wird und Erfahrungen mit anderen Menschen macht, Freunde gewinnt und die Liebe erlebt.  
 

 
 
Was für eine wunderbare Wiederentdeckung der norwegischen Autorin, von der ich bisher noch nie etwas gehört habe! 
In Form eines Briefromans erfahren wir im selben Maße wie Adressatin Freundin Grete, wie es Helga nach dem Antritt ihrer Wette ergeht. Obwohl sie bisher selber nur bedient wurde, erledigt sie jetzt als Dienstmädchen die Wäsche, mangelt, putzt, erledigt Küchenarbeiten und bedient bei Tisch. Helga ist nicht zimperlich, sehr tatkräftig und packt ordentlich mit an und hält ihre täglichen Erlebnisse und Gedanken in Briefen fest. Dabei lässt sie uns auf so lockere, ehrliche und herrlich erfrischende Weise an ihren Erfahrungen und Gefühlen teilhaben, dass es eine wahre Freude ist.
 
Inkognito betritt Helga mit ihrer Arbeit echtes Neuland und erlebt mal das andere Ende ihres gewohnten priviligierten Lebens als verwöhnte Tochter aus gutem Hause. Sie macht unterschiedliche Erfahrungen in der bürgerlichen Gesellschaft dieser Zeit, muss so manches von den Herrschaften ertragen, passt sich an, lässt sich aber auch nicht alles gefallen und sagt schlagfertig auch schon mal ihre Meinung, wo es nötig ist. Das arbeitssame Leben bekommt ihr gut, sie findet Freunde und hat auch romantische Gefühle, die sie vielleicht in den Hafen der Ehe führen könnten. 
 
Sigrig Boo zeigt mit wunderbarer Leichtigkeit die sozialen Hierarchien und Widersprüche dieser Zeit auf, in der dienstbare Geister die harte Arbeit erledigten und gutbetuchte Ehefrauen für die Anweisung dieser Dienstboten zuständig waren. Während Helga sich einer arbeitssamen Heldin gleich um ihre neuen Mitmenschen kümmert, wird sie von ihrer inneren Stärke getragen und genießt die Schönheit der Jahreszeiten und der Natur und kommt ihren "Herrschaften" auf liebenswerte Weise näher. Sie ist eine wahre Perle, die schnell erkennt, woran es in den verschiedenen Haushalten hakt, genießt die Anwesenheit bei der Gutsbesitzer-Familie Bech und wird erwachsen.  
 
Wunderbar leicht zu lesender Briefroman, sehr humorvoll und dennoch scharfsinnig erlebt man eine charmante Vorläuferin der Emanzipation in Norwegen. Sehr unterhaltsam und ein echt schönes Lesevergnügen! 
 
 ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 

 

Dienstag, 16. September 2025

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum - David Safier

Leichte und humorvolle Cosy-Krimi-Unterhaltung mit weihnachtlichem Touch!

 
Bei Rowohlt Kindler erscheint mit Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum ein weihnachtlicher Band der Merkel-Krimi-Reihe von David Safier.
 
Nachdem der Urlaub mit den Obamas ein echter Reinfall war, kehrt Angela mit Achim zurück nach Kleinfreudenstadt und freut sich auf gemütliche Feiertage. Doch vor Ort steckt ein toter Weihnachtsmann im Kamin und Angelas Hobby-Ermittlerherz frohlockt und sie macht sich sogleich auf die Suche nach dem Täter. Denn ihr größtes Hobby neben dem Backen ist halt das Ermitteln und das übt sie mit viel Herz und reichlich Bauchgefühl aus. 
 
 
Das Opfer war ein professionell buchbarer Weihnachtsmann und Angela findet heraus, dass seine vier konkurrierenden Kollegen als Verdächtige in Frage kommen. Bodyguard Mike weicht Angela bei ihren Recherchen kaum von der Seite, allerdings muss er noch ein Geschenk für den kleinen Adrian besorgen.
Ehemann Achim soll bei einer weihnachtlichen Veranstaltung den Josef spielen, bzw. rappen und weiß noch nicht, wie er sich aus der Affäre ziehen kann. Und Angela interviewt die möglichen Täter und entdeckt dabei jemanden, der sich wirklich für den wahren Weihnachtsmann hält. 
 
In diesem Krimi geht es recht beschaulich zu, wir lernen skurrile Personen kennen und werden am Ende überrascht, wie Angela den Fall logisch aufklärt und wie die Merkels dann doch noch Weihnachten feiern, ganz ohne Leiche. 
 
Nachdem Kommissar Hannemann für seine Freundin den Spitznamen Puffel auserkoren hat, überlegen sich die Merkels, ob sie sich neue Kosenamen zulegen sollen. Was zunächst wie ein lustiger Gag erscheint, zog sich dann ziemlich in die Länge und ich fand das "Puffel hier - und Puffeline da" doch reichlich übertrieben und einfach nur albern. 
Dagegen konnten mich die treffenden Spitzen auf das politische Geschehen eher begeistern. Hier werden namenlos Politiker erwähnt, indem man ihre Besonderheiten oder Fehlleistungen einfach mal mit spitzer Feder zu Papier brachte. Die Personen kann man gut erahnen und thematisch passt das gut zur Ermittlerin, die ja vor geraumer Zeit ebenfalls im Politzirkus mitwirkte und die Leute näher kennt. 
 
Zunächst wirkt es etwas dilettantisch, wie Angela ihre Befragungen zielgerichtet auf die Alibis der Tatzeit beschränkt. Aber am Ende bringt sie diese Methode und ein entscheidender Hinweis doch auf den Täter und die Bewohner von Kleinfreudenstadt können aufatmen und friedliche Weihnachten feiern.    
 
Ein humorvoller Cosy-Krimi mit weihnachtlichem Touch, bei dem Miss Merkel ihrem Ermittler-Hobby nachgehen kann und Achim allen Erwartunger zum Trotz zum Rapper wird.  
 
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 

Dienstag, 12. November 2024

Miss Merkel: Mord in der Therapie - David Safier

Gute und humorvolle Krimiunterhaltung mit Spürnase Miss Merkel
 
Bei Rowohlt Kindler erscheint Mord in der Therapie, die vierte Folge der Miss Merkel-Krimireihe von David Safier

Während Angela ihre Autobiografie schreibt, stellt sie fest, dass ihre Politik viele Probleme des Landes nur unzureichend gelöst hat und bei der Russland- oder China-Politik die Verantwortlichen einfach falsch eingeschätzt hat. Das macht sie nicht nur nachdenklich, sondern sogar depressiv und so meldet sie sich auf Anraten ihres Ehemanns Achim zu einer Therapie bei dem einzigen Psychologen in ihrem Wohnort Klein-Freudenstadt an. Die Plätze sind rar gesät und so muss Angela wohl oder übel einen Platz in einer Gruppentherapie annehmen. 
 
                                 


Das Buch beginnt mit einer nachdenklichen Angela, die sich wegen ihrer politischen Entscheidungen als Kanzlerin echte Vorwürfe macht und so manchen Fehler erkennt. Darunter leidet ihre Psyche so sehr, dass ihr Achim und auch ihre beste Freundin Marie zu einer Therapie raten. Die startet bei Doktor Felix Fenstermacher und schon nach der ersten Gruppensitzung stirbt der Therapeut, als sein Hausboot in die Luft gesprengt wird. Auch wenn Angela ihn bedauert, so weckt dieser neue Fall ihre Ermittlerleidenschaft und sie bekommt wieder neue Energie und nimmt die Verdächtigen voller Elan unter die Lupe. 
 
Der Kreis der Verdächtigen setzt sich aus Mitgliedern der Gruppensitzung zusammen, dazu gehören ein Wutbürger, eine Katzenfrau, eine Viren-Phobikerin, eine Klimaaktivistin und ein Mann, der nicht mehr sprechen kann. Doch zunächst fällt der Verdacht auf Angela als Neue der Gruppe. Und auch der unfähige Kommissar Hannemann ist wieder mit von der Partie und wird immer mehr zur Witzfigur, dieses Mal hofft er auf einen großen Karrieresprung. Da muss nicht nur Angela staunen.

Bei der Handlung baut David Safier wieder viele humorvolle Szenen und Wortspielereien ein, die der Geschichte den für die Reihe üblichen Unterhaltungscharakter verleihen. Ich musste häufig schmunzeln und war gefühlt mittendrin im Geschehen.
Die Figuren werden lebendig vorgestellt und so eingeführt, das man die recht unterschiedliche Charaktere gut vor Augen hat. Ein Natürlich sind auch die alten Bekannten wie Personenschützer Mike, seine Verlobte Marie und Angelas Mann Achim dabei. Die Hochzeit von Mike und Marie steht bevor und ich habe mich sehr darüber amüsiert, wie dieser gestandene Bodyguard Angst vor diesem Schritt hat. Etwas übertrieben fand ich die häufige Nennung von Puffel und Puffeline, das ist schon fast Klamauk und nicht ganz so amüsant. 

Der Fall ist knifflig, denn es sind unterschiedliche Mordmotive denkbar und ein weiterer Todesfall setzt Angela unter Ermittlungsdruck, mit diesem Täter ist nicht zu spaßen. Gekonnt setzt sie die richtigen Fragen und kombiniert geschickt ihre Informationen und kommt den Hintergründen der Personen auf die Schliche.
Auch ich habe mir beim Lesen so meine Gedanken zu den Tatverdächtigen gemacht und hatte jemanden im Visier. Allerdings präsentierte mir die Geschichte dann doch einen anderen Täter mit einer Motivlage, die durchaus logisch erscheint.  

Gute und humorvolle Krimiunterhaltung mit Spürnase Miss Merkel, deren Psyche von ihren Entscheidungen als Kanzlerin in Mitleidenschaft gezogen wird. 
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***