Montag, 6. Mai 2019

Zwei Handvoll Leben - Katharina Fuchs

Eindrucksvolle Darstellung zweier starker Frauen erklärt Deutschlands jüngste Geschichte

Ein Stück Zeitgeschichte


Katharina Fuchs Roman "Zwei Handvoll Leben" erscheint 2019 im Droemer Knaur Verlag.

Berlin 1919: Das Kaufhaus KaDeWe sucht Verkäuferinnen, diese Chance nutzt die junge Schneiderin Anna, um der Armut des Spreewalds zu entfliehen. 
1914: Charlotte wächst in Sachsen auf dem Landgut ihres dominanten Vaters auf. Als sie von ihrer Tante und deren jüdischem Ehemann in die Leipziger Ballsaison eingeführt wird, begegnet sie ihrer ersten großen Liebe. Doch der Beginn des ersten Weltkriegs zerstört ihre Pläne.
Beide Frauen begegnen sich erst 1953 in Berlin, beide haben zwei Weltkriege erlebt und ihre schicksalshaften Leben hinter sich. Die Ehe ihrer Kinder führt sie zusammen.  




"Es ist das vergessene Leben der Frauen, in dieser ganz besonderen Zeit, die bis heute nachwirkt, das ich zu Papier bringen wollte. Es wurde so lange totgeschwiegen. Zwei Handvoll Leben lässt es uns spüren." Zitat Katharina Fuchs

Ohne die Frauen der Kriegsgeneration wären wir heute in Deutschland nichts. So muss man es mal auf den Punkt bringen. Diese starken Frauen haben hart gearbeitet, persönliche Verluste erlitten, menschliche Tragödien erlebt und dennoch nicht aufgegeben und sich ihrem Schicksal ergeben. Sie haben sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Maßnahmen tapfer geschlagen. Niemand sollte das je vergessen.

In diesem Roman erzählt Katharina Fuchs bildhaft beschreibend und sehr eindrucksvoll eine Familiengeschichte, die die Geschichte ihrer Großmütter verarbeitet. Nebenbei bringt sie auch noch die Geschichte des Berliner Kaufhauses KaDeWe ins Spiel.

Der Roman teilt sich in zwei Bücher auf, die zeitlich den Ersten Weltkrieg und die Jahre um den Zweiten Weltkrieg umfassen. In diesen Abschnitten erfährt man die Lebenswege der beiden unterschiedlichen Protagonistinnen Anna und Charlotte. Die eine ist sehr arm, die andere aus wohlhabenden Verhältnissen.
Anna wuchs mit fünf Geschwistern im Spreewald auf und erlebte Hunger und Armut hautnah mit. Dennoch ermöglichten ihr ihre Eltern eine Ausbildung zur Schneiderin. Damit hatte sie ihre Eintrittskarte in eine bessere Welt.
Gleichzeitig erlebt Charlotte auf dem Gut Feltin in Sachsen echten Wohlstand und wird in die Leipziger Gesellschaft eingeführt. Sie verliebt sich und verliert die Liebe an den Krieg. Ihr machtbesessener Vater sucht nach einem Ehemann, der das Gut weiterführen soll.

Auch wenn beide Frauen mit unterschiedlichen Voraussetzungen groß werden, so eint sie einiges. Beide erleben die zwei Weltkriege, beide begegnen der Liebe ihres Lebens, treffen falsche Entscheidungen und meistern trotz vielen Widrigkeiten und Schicksalschläge ihr Leben. 
Ihre Lebensgeschichten lesen sich sehr emotional und ich habe sie mit großem Interesse verfolgt.
Durch den wunderbaren Schreibstil und die bildhaften Beschreibungen lief während des Lesens bei mir ein Kopfkino ab und ich kann mir die Handlung auch gut als Film vorstellen. 

Die zwanziger Jahre zeigen sich im ungezügelten Lebensdurst der Menschen, endlich geht es voran, die Armut und die schlechten Lebensbedingungen sind vorbei. In dieser Zeit startet auch die Erfolgsgeschichte des berühmten und luxuriösen Berliner Kaufhauses KaDeWe.

Im Roman werden viele Sehnsüchte über die Mode, die neue Form von Freihheit und den Traum von einem besseren Leben deutlich gemacht. Sie alle gipfeln auch in dem Konsumverhalten, das sich in den 20er Jahren Bahn bricht.  
 
Obwohl dieses Buch mehrere Leben erzählt, liest es sich doch schnell weg und man ist gefangen von den Erlebnissen und Widrigkeiten, die den Hauptfiguren anhaften.
Dabei hat der angenehme und sehr eingängig zu lesende Schreibstil der Autorin einen großen Anteil. Ihre Beschreibungen wirken so authentisch und lebensnah, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag.
Sie macht Stimmungen spürbar, zeigt Wünsche und Sehnsüchte auf und haucht ihren Figuren Leben ein, das lässt ein regelrechtes Kopfkino ablaufen.

Es ist darüberhinaus auch eine interessante Darstellung von deutscher Zeitgeschichte. 

Worüber ich nicht so erfreut war, ist die Beschreibung im Klappentext, hier wird der Clou des Buches leider vorweggenommen.

Mit diesem Roman habe ich ein Stück Zeitgeschichte lesen dürfen, ich konnte eintauchen in eine Welt, in der Frauen trotz fehlender Anerkennung starke Persönlichkeiten darstellten. Die lebendig dargestellte Handlung hat mit mitgerissen, die Schicksale haben mit einige Schwierigkeiten deutlich vor Augen geführt. Dieses Buch möchte ich unbedingt mit großem Nachdruck empfehlen. 


***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



Kommentare:

  1. Liebe Barbara,
    schön, dass dich "Zwei Handvoll Leben" genauso begeistern konnte, wie mich. Ich werde es noch lange in Erinnerung behalten...da bin ich mir sicher.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina,

      ja, es war richtig toll. Außerdem haben meine Großmütter auch in der Zeit gelebt und eine war Schneiderin. :-)

      Liebe Grüße nach Österreich,
      Barbara

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  2. Liebe Barbara,
    vielen Dank für diese tolle Buchvorstellung. Diese Art Zeitgeschichte ist genau die, die mich interessiert. Was haben die Menschen, die diese Zeit erlebten, gefühlt, gedacht und auch getan. Das große Ganze der Geschichte ist ja bekannt und auch schon oft geschildert worden, aber man hat nicht so oft Gelegenheit zu erfahren, wie die "kleinen Leute" diese Zeit durchlebt haben.
    Ich finde auch, dass man gerade die Leistung der Frauen, die ja sehr viele Aufgaben übernehmen mussten, da die Männer im Feld waren, sehr viel mehr würdigen sollte. Ich kenne das persönlich auch aus den Erzählungen meiner Großmütter, die mit den Schwierigkeiten des zweiten Weltkriegs alleine fertig werden mussten, und auch noch einige Jahre danach, da beide Männer noch recht lange in Kriegsgefangenschaft waren.
    Ich wünsche Dir eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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    1. Lieber Wolfgang,

      es freut mich, wenn ich mit diesem Buch genau deinen Geschmack treffe.
      Ich finde auch, die einzelnen Schicksale sind immer noch mal eine ganz andere Nummer, als das allgemeine Geschichtswissen es darstellen kann.
      Das war bei meinen Omas übrigens ähnlich wie bei deinen. Hoffen wir mal, dass sich solche schlimmen Zustände nicht wiederholen.

      Liebe Grüße
      Barbara

      Liebe Grüße
      Barbara

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  3. Liebe Barbara,
    das ist sicher ein wunderbares Buch! Ich liebe Geschichten aus diesen vergangenen Zeiten!
    Ich wünsche Dir noch einen schönen und freundlichen Wochenteiler!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Liebe Claudia,

      das Buch beschreibt das Leben auch unserer Großmütter, denn es zeigt die Probleme, die Frauen in dieser Zeit hatten und wie steinig ihr Weg meistens war.

      Liebe Grüße und noch eine angenehme Woche für dich,
      Barbara

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  4. Liebe Barbara,
    mit deiner überaus gelungenen Rezension hast du mir absolut Lust auf dieses Buch, obwohl ich es bis eben so gar nicht auf dem Schirm hatte. Vielen Dank dafür.
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Hallo Hibi,

      oh, das freut mich aber total! ;-)

      Ich habe beim Lesen den Vergleich zu meinen Großmüttern gezogen und das Erinnern war schön.

      Liebe Grüße
      Barbara

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