Posts mit dem Label Trilogie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trilogie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. April 2025

Schlehengrund - Anna-Maria Caspari

Ein fesselnder Abschluß der Trilogie!

Im Ullstein Verlag erscheint der abschließende Band der Eifel-Trilogie "Schlehengrund" von Anna-Maria Caspari.

Nachdem das Dorf Wollseifen 1946 zum Sperrgebiet wurde, nutzen Briten und später Belgier das Gebiet als Truppenübungsplatz. Die Bewohner müssen das Dorf verlassen und Johanna Lintermann und ihr Schwiegervater Albert kaufen einen Bauernhof in Embken, den sie gemeinsam bewirtschaften. Als Johanna Mann Karl nach 13 Jahren aus russischer Gefangenschaft zurück kehrt, ist er ein gebrochener Mann. Johanna hat sich in der Zwischenzeit zu einer selbstbewussten Frau entwickelt, sie möchte den Betrieb mit biologischer Landwirtschaft erneuern, doch Karl hält an alten Anbaumethoden fest. Die Eheleute haben sich entfremdet und Rolf kommt mit seinem traumatisierten Vater nicht zurecht. Wie soll ihr Leben weiter gehen?




Das Örtchen Wollseifen liegt in der Nähe zu Vogelsang, einer Ordensburg der Nationalsozialisten, diese wurde dem Dorf zum Verhängnis. Von dieser Geschichte erzählt Anna-Maria Caspari in ihrer Trilogie. 

Im letzten Band beschreibt die Autorin die Nachkriegszeit ab 1950 und erzählt sehr zeitgemäß die Lebensgeschichten ihrer fiktiven Protagonisten, die an reale Schicksale angelehnt sind. Die Schilderung erfolgt lebensnah und angefüllt mit vielen Facetten, die die Menschen auszeichnen und wiedererkennbar machen. Durch sie erlebt man das Zeitgeschehen aus nächster Nähe mit und kann sich die politischen und gesellschaftlichen Vorgänge gut vorstellen.

Johanna hat sich während der langen Zeit ohne ihren Mann verändert, sie ist selbständig und tatkräftig und bewirtschaftet den Hof mit Hilfe ihres Schwiegervaters Albert. Als ihr Mann Karl aus dem Krieg zurück kehrt, ist er traumatisiert und nicht mehr wie früher. Ihr Sohn Rolf hadert mit seinem Vater und hält sich eher an seinen Großvater. Rolfs Freund Horst lebt nun in Berlin, bei einem Besuch staunt Rolf über die Unterschiede zwischen der lebendigen Großstadt und der rheinischen Dorfprovinz. 
 
Geschickt baut die Autorin Zeitgeschichte und gesellschaftliche Entwicklungen in ihre Handlung ein, wir erleben den Besuch Kennedys und die Mondlandung, erkennen Adenauers politische Grundsätze und werden auch in das Fernsehprogramm der Zeit eingeladen. Die Unterhaltungsshows locken die Bürger vor die Flimmerkisten. 

Dieser fesselnde Roman ist wieder ein Lesegenuss, der die Hoffnungen und Probleme der Menschen in der Eifel der 50er und 60er Jahre aufzeigt und dabei lebendig geschilderte Zeitgeschichte sichtbar macht. Für alle Freunde von historischen Romanen der jüngeren deutschen Geschichte ein Muss!

 
***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 

  • Caspari, Anna-Maria - Ginsterhöhe   
  • Caspari, Anna-Maria - Perlenbach
  • Caspari, Anna-Maria - Schlehengrund 3
  •  

    Montag, 11. September 2023

    Der Milchhof - Das Rauschen der Brandung - Regine Kölpin

    Ein solider und fesselnder Auftakt der Trilogie


    "Der Milchhof - Das Rauschen der Brandung" von Autorin Regine Kölpin ist der Auftaktband einer Trilogie aus dem Piper Verlag.
     
    Friesland, 1890: Bauerntochter Lina stammt von einem Milchhof und arbeitet bei der Käseherstellung mit. Ihr Vater drängt auf eine Heirat mit Thees Bleeker, den er als würdigen Schwiegersohn erachtet und von ihm erwartet, dass Thees eine Privatmolkerei aufbaut. Diese Ehe ist keine Liebesheirat, doch Lina fügt sich und als Derk Voigt als neuer Obermeier eingestellt wird, ist es bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Aber sie wissen auch, dass Lina an Thees gebunden ist und ihre Liebe nicht sein darf. 
     

     
    Mit Lina habe ich von Anfang an mitgefühlt, sie ist eine starke Frau, die den elterlichen Milchhof führen und ausbauen möchte und auch die Fähigkeiten und das Wissen dafür besitzt. Doch mit ihrem Ehemann Thees hat sie leider einen unpassenden Partner an ihrer Seite, der das Sagen haben möchte und Lina am liebsten als Heimchen am Herd sähe. Es kommen viele Widrigkeiten auf Lina zu, Intrigen aus Gründen von Eifersucht, Bosheit oder Neid und Dramen der bitteren Rache. Doch Lina schafft es immer wieder mit entschlossener Tatkraft, diese Hürden hinter sich zu lassen und neue Wege zu gehen. 
     
    Aufschlussreich wird man über die Abläufe der Käseherstellung und über den Aufbau von Molkereien informiert, gerade solches Wissen gehört in Romane und macht sie interessant. Es wird auch deutlich, dass von so einem Betrieb viele Arbeitskräfte abhängen.
     
    Durch den feinfühligen und bildhaften Schreibstil ist man schnell in der Geschichte gefangen und bangt und hofft mit Linas Person mit. Regine Kölpin haucht ihren Charakteren gekonnt Leben ein und teilt sie in gute und unsympathische Menschen ein. Außerdem sorgt sie mit überraschenden Wendungen durch Intrigen für fesselnde Lesemomente. Doch gerade die Anzahl dieser Intrigen erschien mir viel zu übertrieben. Dafür gelingt es Regine Kölpin aber sehr verständlich und einnehmend, das politische Geschehen und die gesellschaftlichen Erwartungen gekonnt zu vermitteln. Die Rolle der Frau bekommt dabei den größten Stellenwert, an Linas Beispiel erleben wir eine starke und verantwortungsvolle Frau, die den Milchbetrieb am Leben erhält und immer weiter ausbaut.

    Dieser lebendig erzählte Roman dreht sich um einen friesischen Milchbetrieb, wobei die familiäre, wirtschaftliche und personelle Situation im Vordergrund steht. Dabei kommen immer wieder Intrigen und Sabotageakte ans Licht, die für spannende Situationen sorgen und das Lebensglück von Lina verhindern. Ein solider Auftakt dieser Trilogie, der gespannt auf die Folgebände macht.


    ***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Dienstag, 19. März 2019

    Töchter einer neuen Zeit - Carmen Korn

    Berührend und gut unterhaltend werden hier geschichtliche Einblicke gewährt. 

     

    "Töchter einer neuen Zeit" von Carmen Korn ist ein historischer Roman, der einen Blick auf Deutschland von 1919 bis 1948 wirft. Das Buch ist der Auftakt einer Trilogie und erschien am 23.6.2017 im Rowohlt Verlag. 

    Vier Frauen, Zwei Weltkriege, Hundert Jahre Deutschland

    Die Generation der um 1900 geborenen Frauen mussten gleich zwei Weltkriege durchleben. 
    Eine von ihnen ist Henny Godhusen, voller Vorfreude macht sie 1919 eine Ausbildung zur Hebamme. Der erste Weltkrieg ist überstanden und Henny glaubt die dunklen Jahre ihres Lebens hinter sich zu haben. Sie arbeitet in Hamburg in der Frauenklinik Finkenau, hier trifft sie die unterschiedlichsten Menschen, doch drei Frauen werden ihren Lebensweg begleiten und Höhen und Tiefen miteinander teilen. Persönliche Schicksalsschläge, die Auswirkungen der Weltpolitik, der Aufstieg der Nazis und der drohende Zweite Weltkrieg erschüttern ihre Suche nach dem kleinen Glück.



    Dieser Roman dreht sich um vier Frauen in Hamburg von 1919 bis 1948 und lässt den Leser teilhaben an ihrem Leben, mit ihren Hoffnungen und Verzweiflungen. 


    Ida lebt in einer Stadtvilla und kennt keine Not. Hennys Kollegin Käthe ist aus einfachen Verhältnissen und unterstützt die Kommunisten. Lina ist alleinstehende Lehrerin und führt ein unkonventionelles Leben.

    Die Frauen träumen von einem friedlichen Leben nach dem ersten Weltkrieg, sie sind voller Tatendrang und voller Wünsche auf die Erfüllung persönlicher Lebensziele und Träume. Doch die politische Entwicklung macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Nationalsozialisten erstarken, bringen die Bevölkerung erneut in einen grauenhaften und zerstörerischen Krieg. 

    Carmen Korn gelingt mit ihren bildhaften Schilderungen der Nachkriegszeit in der Hansestadt Hamburg ein authentischer und eindringlicher Blick in diese Zeit. Die vier Frauenfiguren hat sie als Beispiele tausender Frauenschicksale in den Mittelpunkt der Geschichte gestellt. Sie hat sie mit geübtem Blick ganz individuell gezeichnet und so beschrieben, dass man sie alle gut voneinander unterscheiden kann. Sie wurden mir beim Lesen sehr vertraut und ich habe mit ihnen mitgefühlt und gemeinsam auf bessere Chancen gehofft.
    Die Verzweiflung der Menschen wird spürbar, wenn man die Szenen in den Luftschutzkellern liest. Man erlebt die Bombardements hautnah mit, sorgt sich um die Menschen und ist höchst betroffen über die Grausamkeit menschlicher Vernichtungsmaschinerie. Der 28. Juli 1943 ging als Vernichtungsschlag Hamburgs in die Geschichte der Stadt ein.

    Die Autorin hat einen einnehmenden Schreibstil, dem man gerne folgt. Sie macht Emotionen spürbar, zeigt Ängste und Verlustschmerzen und bringt gleichzeitig den Lebensalltag der Menschen klar umrissen aufs Papier. Auch wenn manche Schilderungen etwas in die Länge gezogen wirken oder auf den ersten Blick als Füllmaterial erscheinen, alle diese Vorgänge bringen insgesamt ein gesamtes Bild zustande, das man auf sich wirken lassen muss. 

    Unter welchen Bedingungen haben die Frauen damals in Hamburg gelebt? Auf was haben sie alles verzichtet und wie konnten sie Stärke beweisen in dieser schwierigen Zeit?


    Berührender Roman, dessen realistische Darstellung vor weiteren Kriegen als Mahnung dienen sollte. Für dieses Buch möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen.