Samstag, 3. Februar 2018

Nelkenliebe - Anja Saskia Beyer

Bunte Mischung aus Chick-Lit und historischen Einblicken aus der Zeit der Nelkenrevolution


Der Roman "Nelkenliebe" von Anja Saskia Beyer ist Ende 2017 bei Tinte & Feder erschienen. (Werbung)

Katharinas Vater ist an Krebs erkrankt und teilt seiner Tochter seine letzten Wünsche mit. Er möchte, dass Katharina in Portugal seine frühere große Liebe Marisa wiederfindet und damit die offenen Fragen ihrer damaligen Trennung herausfinden. Als Katharina sich in einem Wohnmobil mit ihrem Freund Arne auf die Suche macht, erlebt sie nicht nur die Schönheit Portugals, sie bekommt einen Einblick in die tragische Geschichte dieses Landes. Ihr wird mit der verlorenen Liebe ihres Vaters auch für ihr eigenes Leben klar, was wahre Liebe ausmacht. 


Anja Saskia Beyer verbindet in ihrem Roman eine Liebesgeschichte mit Einblicken in die Zeit der autoritären Diktatur unter Antonió Salazar in den Siebziger Jahren.  
Die Protagonistin Katharina reist nach Lissabon und erfährt auf der Suche nach Marisa, die verlorene Liebe ihres Vaters, was sich in den Siebzigern in Portugal abgespielt hat. Marisa steht als Beispiel für Abertausende von Inhaftierten, Verschleppten und Unterdrückten in Portugal unter Salazar. Die Unterdrückung dieser Menschen, ihre Bildungsnot und Armut wird im Roman in Rückblenden um 1973 eindringlich geschildert. Auch die hohe Zahl an Analphabeten dieser Zeit wird angesprochen. 

Die Verbindung von Neuzeit durch Katharinas Reise und Einblicken in die Vorgängen der Nelkenrevolution durch Marisas Schicksal macht den besonderen Reiz dieser Geschichte aus. 
Wer Portugal kennt und liebt, wird in diesem Roman die Schauplätze und Stimmungen genießen, ebenso wie die süßen Pastéis de Nata (Portugiesische Spezialität), die Stadtansichten Lissabons und die Stimmung beim Fado. Katharina lernt in Lissabon Nuno kennen und entdeckt die wahre Liebe. Ihre Beziehung zu Arne ist längst nur eine Farce, der Leser ahnt schon von Beginn an, worauf es im Buch hinausläuft. 
   
Vor dem zeitlichen Hintergrund der Diktatur unter Salazar entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte. In eindringlichen Rückblenden wird auch auf die politischen Gegebenheiten und die Auflehnung der Portugiesen in der Nelkenrevolution eingegangen. Man bekommt das Elend und die Drangsale mit, der die Bevölkerung unter Salazar und seinen Getreuen ausgesetzt war. Relativ friedlich wurde dann die Revolution hauptsächlich durch die Frauen und ihre symbolträchtigen Nelken durchgesetzt. Die Unterdrückung dieser Zeit wird im Roman durch das Schicksal Marisas und ihrer Inhaftierung deutlich gemacht. 

Während die Rückblenden unheimlich spannend sind, bewegt sich die Geschichte um Katharina eher im Chick-Lit-Bereich. Sie ist ziemlich vorhersehbar und teilweise eher uninteressant. Mich haben häufige Wiederholungen von Namen und Inhalten, aber auch die kindlich wirkende Art Katharinas im Verhältnis zu ihrem Vater gestört. "Paps hier, Paps der starke Held da." Als erwachsene Frau fällt sie in ein kindliches Raster und sucht nach Marisa, der verlorenen Liebe ihres Vaters, ohne sich einzugestehen, dass sie eigentlich damit auch Probleme hat. Schliesslich ist sie die Tochter einer anderen Frau. Aber sie will ihm alles recht machen, selbst ihren Mann sucht sie danach aus, ob er ihrem Vater gefällt.

Das Ende kommt dann in Happy-End-Stimmung daher und das steht sehr im Kontrast zu den tragischen Vorgängen, die mich im Roman aufgewühlt haben. Damit setzt die Autorin ein hoffnungsvolles Zeichen, das positiv stimmt.


Wer gern nach Portugal reist, findet hier viele interessante Einblicke in Gegenwart und Historie, auch die Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Nelkenrevolution ist lesenswert.


***Herzlichen Dank für dieses Buch, ich habe damit an einer Leserunde auf Lovelybooks teilgenommen.***




Kommentare:

  1. Huhu Barbara :D

    Eine schöne und ehrliche Rezension, manchmal verstehe ich aber auch nicht, warum jedes Buch unbedingt ein Happy End braucht :/

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      gerade bei diesem Buch hat das Ende in der Leserunde die verschiedenen Meinungen gezeigt.
      Und bei Rezis versuche ich immer ehrlich zu sein.

      Liebe Grüße
      Barbara

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  2. Liebe Barbara,

    allein Dein erster Satz "Eine Mischung aus Chick Lit und Historischem" hat mich neugierig gemacht. Das klingt herrlich nach einem Roman zum abschalten :) Danke für Deine Meinung, mir ist das Büchlein nämlich bisher ansonsten noch nirgendwo begegnet.

    Liebe Grüße und einen entspannten Montag,
    Tanja ♥

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    1. Hallo Tanja,

      bist du nicht auf Lovelybooks angemeldet? Dort läuft gerade die Leserunde. Wenn du möchtest, tausche ich gern.

      LG Barbara

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    2. Hallo Barbara,

      doch ich bin bei lovelybooks angemeldet, schaue nur aus Zeitmangel nicht ganz so regelmäßig rein, wie auf die Blogs 😉.

      LG, Tanja

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    3. Ach so! Ich mache auch nicht mehr so viele Leserunden mit, die Zeit und die vielen Kommentare, auf die man eigehen möchte, halten doch sehr vom lesen ab.

      LG Barbara

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    4. Ich liebe Leserunden eigentlich sehr ❤ habe nur oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich sus Zeitgründen nicht so einbringen kann wie ich es gerne würde 😅.
      Machst Du bald wieder bei einer mit? Vielleicht könnzen wir gemeinsam mitlesen?
      Liebe Grüße 🤗

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    5. Zur Zeit bin ich in keiner Leserunde. Ich hatte mich auf einen Krimi von Alexander Bally beworben, aber dabei leider kein Glück gehabt. Vielleicht ergibt sich ja mal was. :-)

      Ich wünsche dir einen schönen Tag, hier ist es richtig toll sonnig.

      LG Barbara

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  3. Hallo liebe Sommerlese/Barbara,
    ich war auch Mitglied der Leserunde und bin so auf dein schönes blog gestoßen - alle Achtung, was Du schon alles gelesen hast, allein in diesem Monat!
    Potentiellen Lesern dieses Buches kann man wirklich nur raten sich die Rezensionen auf lovelybooks mal anzusehen, denn es ist dort sehr unterschiedlich, wie das Buch ankam. Da ist ein Fehlkauf vorprogrammiert, wenn man sich nicht gut überlegt, zu welcher Zielgruppe man selbst eher neigt. Deine Rezension finde ich sachlich sehr zutreffend und gut formuliert - ich selbst war in der Beurteilung allerdings noch strenger. Da ja auch schwere Krankheit/Tod und Gefängniserfahrungen vorkommen, frage ich persönlich mich sogar, ob das Buch als "leichte Sommerlektüre" taugt...

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    1. Hallo Strickspleen,

      da waren wir ja gemeinsam in der Leserunde, leider weiß ich nicht, unter welchem Namen du dort mitgemacht hast. Du kannst ja eigentlich nur eine der vier Rezensentinnen mit 2 Sternen sein.

      Hast du auch einen Blog? Ich mach mich gleich mal auf die Suche.

      Als leichte Sommerlektüre habe ich das Buch doch nicht bezeichnet. Oder spielst du auf jemand anderen an?

      Liebe Grüße Barbara

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