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Sonntag, 19. Juni 2022

Wo Himmel und Meer sich berühren - Kathleen Freitag

Ein Neuanfang auf Rügen
 
Bei Harper Collins erscheint der Roman "Wo Himmel und Meer sich berühren" von Kathleen Freitag

Rügen 1945: Der Krieg ist vorbei, es kommen die Flüchtlinge aus den Ostgebieten auf die Insel. Auch Edith hat die beschwerliche Flucht hinter sich, mit dem Verlust ihrer Mutter und leider auch unterwegs getrennt von ihrer Schwester Esther. Sie muss erst einmal ankommen und hofft auf ein Wiedersehen mit ihrer Schwester. Doch noch fühlt sie sich fremd und als Vertriebene wird sie nicht gern gesehen. Auf dem Hof von Almas Eltern findet Edith Arbeit und eine Unterkunft und dank einer beginnenden Freunschaft zu Alma lernt sie die Insel allmählich kennen und lieben. Doch nicht nur die Flüchtlinge haben Opfer zu beklagen, auch Alma wartet auf die Heimkehr ihres Verlobten.
 

 
Erzählerisch hat mir dieser Roman von Kathleen Freitag mit der flüssigen Schreibweise gut gefallen. Man ist schnell in der Geschichte drin und erfährt wechselseitig aus Almas und Ediths Sichtweise von ihren Ängsten, ihrem Leben und ihrer Vorgeschichte und kann sich so ein Bild ihrer Hoffnungen machen. Rügen wurde 1945 für viele Flüchtende aus dem Osten zum erklärten Ziel. Die Bewohner rückten zusammen, ließen sie bei sich wohnen, beäugten die Zugereisten aber mit einigem Argwohn. Edith kommt zwar auf einem Bauernhof unter, aber sie fühlt sich fremd, so fern ihrer Heimat und völlig allein. Ihre Mutter starb auf der Flucht und zu ihrer Schwester Esther verlor sich die Spur. Doch als sie Alma kennenlernt, freunden sie sich an und verbringen ihre freie Zeit miteinander. Bei ihren Gesprächen vermisse ich den Ausdruck ihrer Gefühlslage, ihre Emotionen kann man mehr erahnen, als dass sie zur Sprache kommen.
 
In diesem Roman wird die Nachkriegszeit mit all den menschlichen Schicksalen näher beleuchtet. Viele Menschen kamen ohne Hab und Gut und mussten sich ein neues Leben aufbauen. Sie hegten neue Hoffnung und brachten sich und ihre Arbeitskraft für die beheimateten Bauern ein. Die aufnehmenden Bewohner sind zum Teil hilfsbereit, aber auch sehr skeptisch, schliesslich müssen die Lebensmittel nun für mehr Menschen reichen als vorher.

Alma wartet seit Kriegsende auf die Rückkehr ihres Verlobten Friedrich und aus Angst vor einer schlechten Nachricht, öffnet sie ein ankommendes Schreiben der Wehrmachtsauskunftsstelle nicht. Viel lieber liest sie die ihr vertrauten alten Briefe, in denen Friedrich ihr seine Gefühle versichert. Das erschien mir am Anfang ja noch verständlich, ich konnte auf Dauer aber nicht nachvollziehen. 

Dieser Roman zeigt eine Flüchtlingsgeschichte, die sofort an aktuelle Vorgänge erinnert. Sie zeigt neben einigen aufgedeckten Geheimnissen auch Optimismus und Zuversicht auf, die ein neues Leben in einer neuen Heimat verspricht und den Menschen Hoffnung und neue Kraft verleiht. 
Manche Entwicklungen fand ich etwas vorhersehbar und einige Szenen wurden nur erzählt und damit etwas oberflächlich abgehandelt. Da hätte ein etwas tiefer gehender Blick gut getan.

Dieser unterhaltsam geschriebene Roman lässt sich gut lesen. Er zeigt, unter welchen Problemen und Sorgen Nachkriegsflüchtlinge und auch Alteingessene zu kämpfen hatten und wie Freundschaft neue Wege ebnet. 
 
 
  ***Herzlichen Dank an Harper Collins für dieses Rezensionsexemplar!***
 



Donnerstag, 28. April 2022

Sanddornzauber - Lena Johannson


Interessanter Roman mit einer Mischung aus Rügen-Romanze und Müllskandal

"Sanddornzauber" heißt der vierte Rügen-Roman von Lena Johannson aus dem Knaur Verlag
 
Der Frühling ist auf Rügen eingezogen, als die 33-jährige Suse dort eintrifft, um während einer Auszeit dem Sinn ihres Lebens auf die Spur zu kommen. Sie erhofft sich Hilfe durch ein Coaching bei Franziska Marold und wohnt in der Villa Sanddorn. Franziska erkennt schnell, dass der qualvolle Tod von Suses Mutter eine große Lücke gerissen hat und immer noch schmerzt. Die beste Methode ist Ablenkung und so unternimmt Suse eine Bootstour mit Fischer Heinrich. Mit an Bord ist auch Meeno, der Suse eigentlich viel zu selbstbewusst  und erfolgreich ist. Aber sie lässt sich auf eine Verabredung ein und findet heraus, dass auch Meeno Sorgen mit sich trägt. 
 


Die Vorbände dieser Reihe habe ich durch ihre stimmungsvollen Storys als reine Wohlfühlromane eingestuft. Bei Sanddornzauber gibt es durch Inselbeschreibungen und die Romanze zwischen Suse und Meeno zwar auch Momente des Wohlbefindens, aber die Aufdeckung der Hintergründe eines Todesfalls und eines Müllskandals zwischen der Bundesrepublik und der DDR sind recht tiefgründig und eher sorgenvoller Natur. Im Nachwort geht Lena Johannson auch auf die historischen Hintergründe näher ein.
 
Suse und Meeno sind zwei sympathische Charaktere, die beide durch den Verlust eines Elternteiles persönliche Qualen durchlitten. Diese Gemeinsamkeit schweißt sie auf besondere Weise zusammen, denn wie es der Zufall will, hängen die Todesfälle mit alten Müllentsorgungsanlagen zusammen, bei dem die DDR gegen harte Devisen den westdeutschen Müll entsorgen sollte. Aus diesem Grund wurde bei Schöneiche im Osten ein Sondermüllofen errichtet, der zu schlimmen Erkrankungen der Anwohner geführt hat. 
 
Die unterhaltsame Komponente des Romans setzt sich zusammen aus den bildhaften Beschreibungen Rügens und der emotionalen Atmosphäre der Freundschaft zwischen Suse und Meeno. Doch hinter der ganzen Story steckt ein krasser Giftmüllskandal, der menschliche Opfer forderte und durch die beiden Protagonisten näher untersucht und aufgedeckt wird. So verbinden sich Tiefgang und Unterhaltung zu einer stimmigen Geschichte, die etwas mehr bietet als nur leichte Urlaubslektüre.
 
"Sanddornzauber" enthält neben einer unterhaltsamen Rügenromanze auch einen tiefgründigen Teil, der Informationen über einen Müllskandal aus der deutsch-deutschen Vergangenheit aufdeckt. Dieser Roman hat mich damit sehr überrascht und ich würde ihn nicht unbedingt als leichte Strandlektüre einstufen. 


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 


Montag, 7. September 2020

Eisblumenwinter - Anne Barns

Eine angenehme Winterepisode dieser stimmungsvollen Buchreihe 


Nach ihrem Sommerbuch "Kirschkuchen am Meer" legt Anne Barns nun den Nachfolgeband "Eisblumenwinter" aus dem Harper Collins Verlag vor.

Auf Rügen hat sich Pia ihren Traum von einer Karamellwerkstatt erfüllt. Doch ihr Liebesglück ist nicht perfekt, denn ihre große Liebe Paul lebt an der Nordsee auf Juist, rund fünfhundert Kilometer entfernt von Rügen und damit zu weit weg für eine dauerhafte Beziehung. Pias Großmutter möchte eine Reise zu den Orten ihrer Kindheit machen und Pia begleitet sie dabei. Diese Fahrt genießen beide gemeinsam und sie entdecken ein besonderes familiäres Geheimnis. 




"Oma sieht mich ernst an. "Wer etwas will, findet Wege", sagt sie. "Wer etwas nicht will, findet Gründe." Zitat Seite 92 

Die Geschichte führt wieder nach Rügen, knüpft direkt die Vorbände an und ich habe mich über ein Wiedersehen mit den Figuren gefreut. In dieser sympathischen Familie kann man sich einfach nur wohlfühlen. 
Anne Barns schreibt auf eine einnehmende und unaufgeregte Weise, sie zeigt die Beziehungsprobleme und Lebenswege der drei Schwestern Katharina, Pia und Jana. In diesem Band steht besonders Pia im Mittelpunkt, ihre Karamellwerkstatt läuft gut, ihre Malleidenschaft kann sie nebenbei gut ausleben. Ihre Liebe zu Paul wird getrübt, denn das Ganze kann nur eine Fernbeziehung bleiben, Rügen verlassen möchte Pia eher nicht. Wie soll sie sich entscheiden? Da kommt die Reise mit Oma Anni zu ihrer alten Tante Hedwig genau richtig, um nicht nur die Familiengeschichte aufzufrischen, sondern sich auch über ihre Liebe klar zu werden. 

Bei dieser Lektüre kommt man in den Genuss einer liebenswürdigen Familie, absolut malerischen Schauplätzen und einem interessanten Familiengeheimnis. Der Stammbaum der Familie wird um einige Personen erweitert und die bisherigen Lücken werden geschlossen. 
Die Wohlfühlstimmung erhält die ruhig erzählte Geschichte durch emotionale Momente, die Frage nach der großen Liebe und durch die einfach nur liebenswerte Familie. Natürlich dürfen wie in allen Büchern der Autorin auch hier die kulinarischen Genüsse nicht fehlen, ordentlich Süßkram wie Kuchen, Karamell und Fudge machen einem beim Lesen den Mund wässrig und können anhand der beigefügten Rezepte selbst ausprobiert werden.

Mit sehr viel warmherzigem Gespür erzählt uns Anne Barns die Gefühle und Erlebnisse der vier Frauen und die winterliche Stimmung schwappt auf den Leser über. 

Ein winterlicher Tipp für ein wunderschönes Wohlfühlbuch mit alten Freundinnen, in dem man auch mit viel Naschwerk verführt wird. Wieder ein echtes Wohlfühlbuch mit einem Familiengeheimnis, viel leckerem Süßkram (mit Rezepten) und wunderbaren Protagonisten. 


***Herzlichen Dank an den Harper Collins Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

                              

                      

Samstag, 13. Juni 2020

Sanddorninsel - Lena Johannson

Schöne Sommerlektüre für Rügen-Liebhaberinnen, die Familienzusammenhalt und Urlaubsgefühl aufzeigt

 

Im Knaur Verlag erscheint der Roman "Sanddorninsel" von Lena Johannson.

Ihren 80. Geburtstag möchte Ursula mit ihrer Familie feiern und lädt dazu ihre Tochter Heike, Enkelin Rahel und Urenkelin Emmi zu einer Reise nach Rügen ein. Sie wohnen in der Villa Sanddorn. Ursula möchte auf Rügen nähere Informationen über ihren ehemaligen Brieffreund Jens einholen, er ging noch zu DDR-Zeiten nach Kuba. Ihre Familie erfährt anhand seiner Briefe Details aus seinem Leben und über die Situation auf Kuba und hilft emsig bei der Spurensuche. Sie verleben eine turbulente und schöne Sommerwoche auf der zauberhaften Ostsee-Insel, die die Frauen einander näher bringt und auch einige Überraschung mit sich bringt.



Wer etwas Sommerfeeling, Rügen-Flair und eine Prise Tiefgang sucht, liegt mit diesem Roman genau richtig. Es ist ein Wohlfühlroman, bei dem die Figuren und deren Erkungung der Insel einfach gut unterhalten. Dabei hat die Familie untereinander noch einige unausgesprochene Probleme und auch einige Wünsche und Lebenspläne werden hier neu durchdacht.
  
Von Anfang an war ich gern mit dieser Familie nach Rügen gereist, da gibt es die üblichen Unstimmigkeiten und verschiedenen Befindlichkeiten, die man aus jeder Familie kennt. Doch die Frauen raufen sich zusammen und beginnen, diesen Urlaub auch zu genießen. Einzig Rahel nutzt die Zeit auch für einen beruflichen Auftrag, der ihr Weltbild aber auch ins Wanken bringt. 

Gemeinsam erlebt man die Inselsehenswürdigkeiten, kann die Sanddornfelder und die Ausflüge mit genießen und hört durch die Briefe von Jens interessante Details vom Leben auf Kuba, von der politischen Situation und den Zuständen vor der Revolution dieses sozialistischen Staates. 

Bei der Suche nach Jens Familie finden sich zunächst keine Spuren, doch am Ende sorgt eine besondere Entdeckung für die große Überraschung.

Die stimmungsvolle Inselerkundung habe ich gern begleitet. Bei den Gesprächen der Frauen konnte ich mich in ihre Gedanken und Ansichten einfühlen und merkte, wie sich lang aufgestaute Probleme allmählich lösen und die Charaktere wieder als Familie zusammenwachsen.
Jede Frau macht auf dieser Reise ihre persönliche Entwicklung, Emmi lernt einen Jungen kennen und möchte Kiten lernen, Rahel geht ihrer Arbeit nach und entdeckt, wie intensiv manche Menschen an ihrem Betrieb und ihrer Existenz hängen. Heike war bisher die stimmlose, graue Maus, sie entdeckt ihre künstlerische Ader neu und Ursula freut sich, wenn sie ihre Lieben bei sich hat und ihnen diese Reise auch als Familie gut tut. 

Sprachlich fand ich manche Jugendbegriffe etwas zu massiv eingesetzt und der Ausruf "Gottchen" nervte mich, je öfter ich ihn las.
 

Bei dieser sommerlichen Urlaubslektüre hat mir das Rügen-Flair gefallen und ich habe die Reise mit der Familie genossen.


                      

Donnerstag, 30. Januar 2020

Drei Schwestern am Meer - Anne Barns

Unterhaltsames Wohlfühlbuch mit Gefühl und Flair


Anne Barns entführt ihre Leser in ihrem Roman "Drei Schwestern am Meer" nach Rügen, das Buch erscheint im mtb Verlag.

Rügen bedeutet für Katharina in erster Linie Heimat, denn nach dem frühen Tod ihrer Eltern nahm ihre Oma Marianne sie und ihre Schwestern Pia und Hanna bei sich auf. Das ist lange her, Rina ist nun Ärztin und lebt in Berlin, doch ihr Zuhause ist vom Herzen her definitiv Rügen. Umso mehr freut sie sich auf einen Urlaub auf Rügen, auf Sonne und Meer und natürlich auf ihre Oma. Allerdings landet die dann plötzlich im Krankenhaus. Kann sie es gesund wieder verlassen? Die Enkelinnen machen sich Sorgen, halten zusammen und kommen einem lange gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur. Und auch die Liebe sorgt auf der Insel für reichlich Turbulenzen. 


In "Drei Schwestern am Meer" kann man wieder den wunderbar einnehmenden und unterhaltsamen Schreibstil von Anne Barns genießen. Ich habe zwei Bücher dieser Reihe gelesen und konnte mich auch dieser Geschichte wieder völlig hingeben.

Die drei Schwestern im Buch sind grundsätzlich verschieden, doch sie ergänzen sich perfekt und haben ein enges Vertrauensverhältnis miteinander. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Rina, der ältesten Schwerster, erzählt. Sie plant auf Rügen mit ihrem Partner einen Urlaub, doch als der ihr einen Heiratsantrag macht, gerät mit Rinas Antwort ihre bisherige Welt ins Wanken. Dass ihre Oma auch noch im Krankenhaus landet, macht die Situation nicht leichter.

Die Charaktere besitzen alle das Herz am rechten Fleck, das macht sie absolut sympathisch und man ist in ihrer Geschichte sofort gefangen. Rina ist trotz der emotionalen Dinge, die sie umtreiben, sehr ausgeglichen und behält selbst in Notfällen den entscheidenden Durchblick. Pias und Janas Privatleben lässt zur Zeit auch zu wünsche übrig, doch sie ziehen an einem Strang und kümmern sich aufopfernd und liebevoll um ihre kranke Großmutter. Als Marianne aus ihrem Koma erwacht, redet sie wirres Zeug, erkennt die Enkelinnen nicht mehr und alle sind sehr besorgt um ihren Zustand.

All die emotionalen und geheimnisvolle Vorgänge kann man vor der großartigen Kulisse Rügens erleben. Hier kann die Autorin die Stimmung von Landschaft und Strand wunderbar einfangen und lässt damit eine Wohlfühlstimmung auf ihre Leser überschwappen. 

Zu Beginn habe ich nur eine leichte Sommerlektüre erwartet, doch es geht durchaus tiefer. Zwar konnte ich mir das Ende vorstellen, es war mir dennoch ein Vergnügen, die Vorgänge so schön ausgemalt zu bekommen.  
Wie immer in Anne Barns Büchern dürfen kulinarische Genüsse nicht fehlen. So sorgen Omas Rezepte zu Zartbitterkuchen mit salzigem Karamell, Ofenfleisch, Eistee und selbstgemachte Karamellbonbons für Heißhunger und eignen sich wunderbarzum Nachmachen. 

Die Wohlfühlstimmung und der wunderbare Erzählstil haben mich hier ebenso gefesselt, wie die liebenswerten Charaktere und die emotionalen und tiefer gehenden Themen. Gute Unterhaltung ist hiermit garantiert. Meine Leseempfehlung nicht nur für Anne Barns-Fans.    



Samstag, 10. August 2019

Inselküsse - Evelyn Kühne

Wunderschöne Sommerlektüre und ein echter Wohlfühlroman 


In ihrem Ostseeroman "Inselküsse" führt uns die Autorin Evelyn Kühne nach Rügen. Das Buch erscheint im ForeverUllstein Verlag.

Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern schafft es die 43-jährige Marie, ihre Familie mit ihrem Job als Kellnerin und ihren Töpferarbeiten durchzubringen. Als jedoch wegen Sanierungen Mieterhöhungen anstehen, weiß Marie nicht, wie sie das finanziell stemmen soll. Doch ihre ältere Nachbarin Ruth, zu der sie ein liebevolles Verhältnis hat, weiß einen Ausweg. Sie hat ein in die Jahre gekommenes Haus auf Rügen, das genügend Platz für Ruth, Maries Familie und sogar für eine Töpferwerkstatt bietet. Aber auch hier ist Renovierungsbedarf und Maries Kinder müssen auch noch von einem Umzug überzeugt werden. Nebenan wohnt der Tischler Christian, der packt hilfsbereit bei den Ausbesserungsarbeiten mit an und ist Marie auch sehr sympathisch. Sollte Marie hier auf Rügen eine neue Heimat finden?


Sommerliche Romane, die in Urlaubsregionen spielen und sich um Neustart und Liebe drehen, gibt es wie Sand am Meer. Dieser Ostseeroman ist einer davon und doch hebt er sich wohltuend von der Masse ab. 
Nach finanziellen Problemen in Berlin geht es nach Rügen, dort macht Marie mit ihren Kindern zunächst einmal Urlaub in Ruths Haus, um zu sehen, ob sie dorthin umziehen können. Als sie dem netten Nachbarn Christian begegnet, sieht sie die Gegend mit ganz anderen Augen und nun gilt es, die Kinder für diese Gegend zu begeistern. Das ist besonders bei ihrer pubertäten Tochter nicht ganz einfach, aber auch die Kinder fühlen sich schnell wohl in der ländlichen Idylle direkt am Meer. 

Evelyn Kühne erzählt eine locker-leichte und sehr schwungvolle Liebesgeschichte, die sie mit passendem Ortsflair, aktuellen Problemen wie Mietwucher und den Erlebnissen der Familienmitglieder und Inselbewohner zu einer lebendigen und einfühlsamen Geschichte verstrickt. Es geht um das alltägliche Leben mit Kindern, um Gefühle und um Heimat und Existenz.
Auch wenn einiges vorhersehbar ist und die Liebenden sich selbst das Leben schwer machen, so hat mich doch die Handlung gefangen genommen und ein paar Wirrungen sorgten für ständigen Lesesog. Die Autorin weckt mit ihren Inselbeschreibungen, die sie genau im richtigen Maß einsetzt, für Sehnsucht nach dem Meer und für echte Urlaubsgefühle. 

Mit Marie und ihren Kindern hat sie sympathische Figuren geschaffen, die man gerne begleitet, mit ihnen bangt und ihnen die schönen Erlebnisse von Herzen gönnt. Die lebensnahen Schilderungen bringen Schwung in die Handlung und die Angst von Ruth vor dem Alleinsein zeigt auch die Lage von älteren Menschen. 

Die Story ist wie gesagt nichts neues, doch sie wurde erzählerisch hervorragend ausgeführt, hat den nötigen Schwung und ich habe diesen Wohlfühlroman sehr genossen. Hier sorgen liebenswerte Figuren, Urlaubsfeeling und etwas Liebe für angenehme Lesestunden. 



Mit Inselküsse taucht man in einen kurzweiligen Urlaubsroman mit Wohlfühleffekt ein und erlebt eine turbolente Geschichte rund um Familie, Liebe und Ferienidylle. Eine schöne Urlaubslektüre für den Strandkorb oder den Urlaub auf dem Balkon.


***Herzlichen Dank an Literaturtest und den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***




Montag, 10. September 2018

Sanddornsommer - Lena Johannson

Zeit für eine Auszeit? Hier kommt die perfekte Urlaubslektüre für Rügenfans!


Lena Johannsons Roman "Sanddornsommer" aus dem Jahr 2016 spielt auf Rügen, es ist der Anfang einer Reihe aus dem Knaur Verlag.

Franziska Marold arbeitet als Coach in Hamburg, sie wird bald 30 und nimmt eine dreimonatige berufliche Auszeit und reist nach Rügen. Es ist gerade Sommer und sie genießt die Schönheit der Insel. Als Zeitvertreib möchte sie auf einem Sanddornplantage arbeiten. Dieser Sommer ändert nicht nur ihr Leben, er deckt auch ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit auf. Damit hätte sie auf keinen Fall gerechnet.

 

"Sanddornsommer" ist mal wieder so ein Roman, bei dem ich kaum aufhören konnte zu lesen.

Die Handlung führt die Buchheldin Franzi nach Rügen, dort lernt sie unterschiedliche Menschen kennen und fühlt sich einfach wohl auf der Insel. Damit ihre Auszeit ihr nicht zu langweilig wird, hilft sie auf einer Sanddornplantage. Die Ernte beginnt im Spätsommer, es ist eine anstrengende und dornige Angelegenheit, doch Franzi schlägt sich tapfer. Ihre Kollegen sind zum Teil Saisonarbeiter aus aller Herren Länder, auch über sie und ihre Herkunftsländer erfährt man Näheres im Buch. Im Mittelpunkt steht aber die Familiengeschichte von Franzi, sie kommt hinter ein besonders gehütetes Geheimnis, das mit Fluchtversuchen von DDR-Bürgern zusammenhängt.  

Franziska fühlt sich schnell heimisch und möchte die Insel am liebsten gar nicht mehr verlassen. Sie hat zu anderen Menschen schnell einen Kontakt und gibt durch ihre Erfahrung als Coach gerne gute Tipps. Dabei ist sie nicht aufdringlich oder bezweckt ein jobähnliches Interesse, ihr liegt einfach am Wohl ihrer Mitmenschen. Wie ihre Zukunft aussehen wird, kann man sich zwar vorstellen, doch welche Projekte Franzi dann weiter verfolgen wird, das muss man selber lesen. Einige Wendungen und Überraschungen sorgen für spannende und abwechslungsreiche Lesemomente.  

Die Charaktere sind so detailliert beschrieben, dass ich mir die Personen gut vorstellen kann. Franziska ist mir sympathisch, sie hilft, wo es nötig ist und ihr liegt das Wohl auch von älteren oder benachteiligten Menschen sehr am Herzen. In der Liebe hat sie bisher noch nicht das große Glück gefunden, auf der Insel gibt es aber schon jemanden, der ihr viel bedeutet. 

Neben den schönen beschriebenen Landschaftsbildern der Gegend lässt die Autorin einige Rügener Anwohner im dort üblichen Schnack sprechen, das sorgt für ein authentisches Einstimmen auf die Ostseeinsel. Es geht übrigens schnell in den Herbst über, was man bei dem Buchtitel eigentlich nicht vermuten mag.


Ein perfektes Wohlfühlbuch mit reichlich Inselflair und einer Handlung, die man von Anfang bis Ende gerne verfolgt. Eine wundervolle Unterhaltungslektüre für Wohlfühlstunden, die Urlaubsgefühle weckt.


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für die Übersendung dieses Rezensionsexemplars!***


                          


 

Mittwoch, 13. Juni 2018

Jeden Tag ein bisschen Meer - Katharina Jensen

Eine gefühlvolle Lektüre über Verlust und eine neue Liebe auf Rügen 


Katharina Jensens neuer Roman aus dem Heyne Verlag heißt "Jeden Tag ein bisschen Meer".

Linda liebt ihre Heimat Rügen, das Meer und ihre kleine Pension "Nordwind", die sie mit viel Herzblut führt. Sie hat einen Freund, Markus, lebt aber nicht mit ihm zusammen. Irgendetwas fehlt an ihrer Beziehung. Als ihr Gast Paul ankommt, den sie von früheren Aufenthalten kennt, fällt ihr seine Veränderung auf. Bisher reiste er mit seiner Frau Paula, beide waren ein Herz und eine Seele. Doch nun ist Paul völlig in sich gekehrt und wirkt tieftraurig. Linda versucht Paul etwas aufzumuntern und geniesst seine Gesellschaft immer mehr. Kann das Meer alle Wunden heilen?  





"Ach Paula, warum hast du mich verlassen? Ich fühle mich so verloren. Wie ein Blatt, das von Baum gefallen ist und mit dem der Wind nun macht, was er will." Zitat Seite 322 

In diesem Roman verarbeitet Paul den Verlust seiner geliebten Frau Paula, indem er ihr in Briefen seine Gedanken mitteilt. Er reist nach Rügen, früher ein beliebtes gemeinsames Ziel aus glücklichen Tagen. Dort versucht er seine Trauer zu verarbeiten, doch es will ihm nur schwer gelingen. Doch dann begegnet ihm Linda, die alles dransetzt, Paul aufzumuntern und ihm den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen. Dabei geht sie offen und gut gelaunt mit ihm um und überschüttet ihn nicht mit Mitleid. Beide unternehmen einiges auf der schönen Insel Rügen und fühlen sich wohl miteinander, was sie beide nicht wahrhaben wollen. Denn Linda hat ihren Markus, der ihr einen Verlobungsring schenkt. 

Die Tage am Meer, die gemeinsamen Ausflüge aus der to-do-Liste Lindas macht man als Leser gern mit. Ob man sich ein wenig auf Rügen auskennt oder nicht, gemeinsam mit den Protagonisten entdeckt man einige Ziele und taucht in die Kulisse gern mit ein.

Es geht bei diesem Roman jedoch nicht nur um die schöne Landschaft der Insel Rügen. Es geht um die Trauerverarbeitung eines Witwers und um eine junge Frau, die lernt, endlich auf ihr Herz zu hören. 
Diese Verlust-Gefühle und Gedanken bringt die Autorin mit wunderschönen Stimmungsbildern dem Leser nahe. Es sind die emotionalen Briefe von Paul an Paula und die besonderen Momente zwischen Linda und Paul, die so sehr berühren, das man zutiefst mitempfindet und vor Rührung beinah Tränen in den Augen hat. Dank der Spaziergänge und Gespräche mit Linda vor der endlosen Weite des Meeres kann Paul endlich von Paula loslassen und er öffnet sich für Linda. Auch wenn das keine Überraschung ist, sorgt diese Lektüre für eine schöne Lesezeit und man genießt besonders die herzergreifenden Briefe Pauls.
Katharina Jensen macht mit ihrem wunderschönen bildhaften Schreibstil diesen Roman zu einem Genuss für Herz und Sinne.

Mit reichlich eingestreutem Lokalkolorit der Insel Rügen sorgt sie für eine stimmungsvolle Kulisse. Man lernt verschiedene Orte und wunderschöne Strände kennen, die nicht zu den allseits bekannten gehören, riecht die frische Meerluft, hört das Rauschen der Wellen am Strand und würde am liebsten alle Orte selbst erkunden. Als Urlaubslektüre für Rügenreisende eignet sich das Buch sehr. 

Ich kann diesen Roman nur allen Lesern ans Herz legen, die Rügen lieben oder aber eine gefühlvolle Lektüre für den Urlaub oder den Balkon suchen. 


***Herzlichen Dank für dieses Leseexemplar an den Heyne Verlag und an das Bloggerportal Randomhouse!***