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Freitag, 8. November 2024

Mit scharfer Klinge - Orlando Murrin

Britische Krimikost mit spannendem Ende

 
Im Knaur Verlag erscheint der kulinarische Krimi "Mit scharfer Klinge" von Orlando Murrin.

Koch Paul Delamare vertritt seinen alten Freund, den Sternekoch Christian, bei einem Kochkurs in einer exklusiven Kochschule in Belgravia, denn Christian hat sich unter mysteriösen Umständen den Arm gebrochen. Die acht Teilnehmer der Kochschule sollen klassische Techniken und Rezepte kennen lernen, was Paul total missfällt, doch die Besitzerin Mrs Hoyt legt Wert auf diesen konventionellen Stil.  

 


 

"Ich liebe es, wie mühelos der Karbonstahl durch den Fisch gleitet und ihn in hauchdünne Scheiben schneidet." Zitat S. 227

Dieser Krimi spielt einem Kammerspiel gleich in einem renovierungsbedürftigen alten britischen Anwesen mit geheimen Tapetentüren, was für ein leichtes Schaudern sorgen kann. Die meisten Szenen spielen in der Küche, die noch über einen altmodischen Speiseaufzug verfügt. In der exclusiven Küche nutzt man scharfe Messer, hier wird geschnitten, gehackt, ausgebeint und gewetzt und der Umgang mit diesen Werkzeugen ist gefährlich, aber noch gefährlicher ist der unbekannte Täter, denn es gibt weitere Opfer.

Der erste Kurs nennt sich "Der Kopf muss ab" und behandelt das Ausbeinen von Hühnchen. Da mutet es schon recht skurril an, als Paul seinen Freund Christian fast enthauptet in der Küche vorfindet. Die Polizei hat sofort Paul im Visier, doch der startet eigene Untersuchungen und merkt schnell, dass jeder der  Teilnehmer ein Mordmotiv gehabt hätte.  

Paul kann seine Unschuld nur beweisen, indem er versucht, die wahren Mordmotive herauszufinden und den Täter zu stellen. Während seiner Arbeit in der Küche startet er mit der Ermittlung und beobachtet die Teilnehmer aufs Schärfste. Dabei haben vor allem die speziellen Charaktere mein Interesse auf sich gezogen, denn sie alle tragen irgendein Geheimnis mit sich herum, dem Paul im Laufe der Handlung auf die Schliche kommt. 

Die Mischung aus interessanten und vielfältigen Charakteren und deren Eigenheiten unterhält und sorgt für abwechslungsreiche Handlung, die mit britischem Humor und vielen Kocheinblicken kurzweilig unterbrochen wird. Mir gefällt vor allem die Szenerie in der Küche mit Einblick in die Welt der Kochkunst, es werden Rezepte vorgestellt, die man nachkochen kann. 

Bei diesem Whodunit habe ich die Kulinarik genossen, ich habe mitgerätselt, bin den Spuren gefolgt und dabei haben es mir einige Wendungen schwer gemacht. Am Ende kommt es zu fesselnden, kämpferischen Szenen, bei denen Paul auf den Täter trifft und es gibt eine Auflösung, die mich völlig überrascht hat. Es braucht auch ein paar Seiten, um die Erklärung für die offenen Fragen dieser Fälle genau zu rekonstruieren.

Der Erzählstil ist speziell und wirkt etwas gestelzt, als ob die Geschichte von 100 Jahren statt gefunden hat. Das hat meinen Lesefluss etwas gehemmt, um die verschachtelten Sätze richtig zu verstehen. 
 
Britische Krimikost vereint eine spannende Story mit köstlichen Rezepten!  

 ***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


Samstag, 13. Juni 2020

Sanddorninsel - Lena Johannson

Schöne Sommerlektüre für Rügen-Liebhaberinnen, die Familienzusammenhalt und Urlaubsgefühl aufzeigt

 

Im Knaur Verlag erscheint der Roman "Sanddorninsel" von Lena Johannson.

Ihren 80. Geburtstag möchte Ursula mit ihrer Familie feiern und lädt dazu ihre Tochter Heike, Enkelin Rahel und Urenkelin Emmi zu einer Reise nach Rügen ein. Sie wohnen in der Villa Sanddorn. Ursula möchte auf Rügen nähere Informationen über ihren ehemaligen Brieffreund Jens einholen, er ging noch zu DDR-Zeiten nach Kuba. Ihre Familie erfährt anhand seiner Briefe Details aus seinem Leben und über die Situation auf Kuba und hilft emsig bei der Spurensuche. Sie verleben eine turbulente und schöne Sommerwoche auf der zauberhaften Ostsee-Insel, die die Frauen einander näher bringt und auch einige Überraschung mit sich bringt.



Wer etwas Sommerfeeling, Rügen-Flair und eine Prise Tiefgang sucht, liegt mit diesem Roman genau richtig. Es ist ein Wohlfühlroman, bei dem die Figuren und deren Erkungung der Insel einfach gut unterhalten. Dabei hat die Familie untereinander noch einige unausgesprochene Probleme und auch einige Wünsche und Lebenspläne werden hier neu durchdacht.
  
Von Anfang an war ich gern mit dieser Familie nach Rügen gereist, da gibt es die üblichen Unstimmigkeiten und verschiedenen Befindlichkeiten, die man aus jeder Familie kennt. Doch die Frauen raufen sich zusammen und beginnen, diesen Urlaub auch zu genießen. Einzig Rahel nutzt die Zeit auch für einen beruflichen Auftrag, der ihr Weltbild aber auch ins Wanken bringt. 

Gemeinsam erlebt man die Inselsehenswürdigkeiten, kann die Sanddornfelder und die Ausflüge mit genießen und hört durch die Briefe von Jens interessante Details vom Leben auf Kuba, von der politischen Situation und den Zuständen vor der Revolution dieses sozialistischen Staates. 

Bei der Suche nach Jens Familie finden sich zunächst keine Spuren, doch am Ende sorgt eine besondere Entdeckung für die große Überraschung.

Die stimmungsvolle Inselerkundung habe ich gern begleitet. Bei den Gesprächen der Frauen konnte ich mich in ihre Gedanken und Ansichten einfühlen und merkte, wie sich lang aufgestaute Probleme allmählich lösen und die Charaktere wieder als Familie zusammenwachsen.
Jede Frau macht auf dieser Reise ihre persönliche Entwicklung, Emmi lernt einen Jungen kennen und möchte Kiten lernen, Rahel geht ihrer Arbeit nach und entdeckt, wie intensiv manche Menschen an ihrem Betrieb und ihrer Existenz hängen. Heike war bisher die stimmlose, graue Maus, sie entdeckt ihre künstlerische Ader neu und Ursula freut sich, wenn sie ihre Lieben bei sich hat und ihnen diese Reise auch als Familie gut tut. 

Sprachlich fand ich manche Jugendbegriffe etwas zu massiv eingesetzt und der Ausruf "Gottchen" nervte mich, je öfter ich ihn las.
 

Bei dieser sommerlichen Urlaubslektüre hat mir das Rügen-Flair gefallen und ich habe die Reise mit der Familie genossen.


                      

Donnerstag, 28. November 2019

Lavendel-Gift - Carine Bernard

Wohlfühlstimmung und Spannung verknüpfen sich in diesem Provence-Krimi


Die im Knaur Verlag erschienene Krimireihe von Carine Bernard aus der Provence bekommt nach "Lavendel-Tod" Zuwachs von "Lavendel-Gift".

Im provenzalischen Städtchen Carpentras absolviert Lilou Braque ihr letztes Praktikum für die Ausbildung zur Commissaire, als sie ihren Nachbar Frédéric Benoit tot auffindet. Sie ist betroffen, denn dieser alte Mann hat ihr netterweise ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Commissaire Demoireau macht sie sich an die Ermittlungen. Die Spur eines alten Familienkochbuchs der Benoits scheint für Lilou eine Schlüsselrolle zu spielen.

Dieser Krimi hat mich wunderbar unterhalten, er ist spannend, kulinarisch und auch ein wenig emotional. Und das Schönste sind die Einblicke in die herrliche Landschaft dieser Gegend, man ahnt den Duft der Lavendelfelder und taucht genussvoll in die zubereiteten Gerichte ein.
Mit Lilou erleben wir eine Krimiermittlung, die sie am liebsten selbst in die Hand nehmen würde, doch sie macht nur ein Praktikum und ist von ihrem Vorgesetzten abhängig. Grundsätzlich nimmt sie hier niemand so richtig ernst in ihrer Aufgabe als zukünftige Commissaire und sie wird von Kollegen als bessere Schreibkraft ausgenutzt. Doch sie beißt sich tapfer durch und entdeckt die entscheidenden Puzzleteile in dieser Ermittlung.

Der für diese Gegend so typische Lavendel zieht sich durch das ganze Buch. Die Landschaft wird beschrieben, es wird viel gekocht und gegessen und natürlich kommt auch immer mal ein Glas französischer Wein auf den Tisch. Man kann dieses Lebensgefühl von savoir-vivre wunderbar genießen.
Dennoch ist auch die Ermittlung spannend zu beobachten und alles logisch nachzuvollziehen. 

Die handelnden Figuren bekommen mit den besonderen Charakterzügen und vielen Facetten ein Eigenleben, die sie erkennbar machen.
Die Mordaufklärung erfordert viele Befragungen, bei denen sich Lilou sehr gewitzt anstellt und ihre eigenen Theorien entwickelt. Mehrfach hatte ich eine Lösung vor Augen gehabt, die sich durch raffinierte Wendungen wieder zerschlugen. Das Ende ließ mich als Leserin zufrieden das Buch zuklappen und auf weitere Krimifolgen hoffen.


Ein sowohl unterhaltsamer als auch spannender Provence-Krimi, der mit seiner sympathischen Ermittlerin und dem Flair der Gegend punkten kann.


***Herzlichen Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplare!***



Lavendel-Tod1