Sonntag, 3. April 2016

Mauersegler - Christoph Poschenrieder

Ein ganz bemerkenswerter Erzähler gibt hier mit viel feinsinnigem Humor eine besondere Geschichte zum Besten!

Der Roman Mauersegler von Autor Christoph Poschenrieder erscheint seit August 2015 im Diogenes Verlag


Seit ihrer Kindheit sind die 5 betagten Männer nun schon befreundet, haben sich trotz anderer Lebenswege und Ehen nie aus den Augen verloren. Sie planen eine gemeinsame Alten-WG zu gründen. Denn niemand von ihnen möchte sich in Seniorenstiften unterordnen und alle 5 Freunde wollen weiterhin ohne Kontrolle frei leben, rauchen, essen und trinken. Auch das Thema selbstbestimmter Tod möchten sie auf ihre Art unter sich klären. Ernst, der Computerfreak unter ihnen, entwickelt dafür ein spezielles Todesengelsprogramm. Sie kaufen eine Villa am See, richten sich nach Männerart ein und führen eine friedliche Gemeinschaft. Erst als Wilhelm der Pflege bedarf, stellen sie die kirgisische Pflegekraft Katarina ein. Langsam rückt das Thema Tod immer näher.


Poschenrieder lässt Carl die Geschichte der fünf Freunde erzählen. Carl, ehemaliger Journalist und Philosoph bringt dem Leser die Personen nahe und philosophiert über dies und das. Schnell wird klar, das diese Männer, die unterschiedlicher nicht sein können, etwas ganz Besonderes verbindet. Es ist der kleine Martin, der vor Jahren unter ungeklärten Umständen ertrunken ist. Er bringt die Männer alljährlich zusammen und hat sie über die Jahre nie den Kontakt zueinander verlieren lassen.

Gemeinsam beschließen sie beim jährlich stattfindenden "Martinstreffen", dem Todestag ihres Jugendfreundes Martin, die Gestaltung einer eigenen Alten-WG für ihren Lebensabend.

Zitat S. 71:
Es war wie im Kindergarten. Nur ohne die Kindergartentanten. Jeder machte, wozu er Lust hatte.


So wagen sie das Zusammenleben, fühlen sich frei und wohl und starten ihr selbstbestimmtes Todesengelprogramm.
Als der erste in ihren Reihen zum Pflegefall wird, umsorgen sie ihn kameradschaftlich, stellen eine Pflegekraft ein und starten ihr computergesteuertes Programm zum selbstbestimmten Sterben. Gespannt fiebert man als Leser dem ersten tragischen Ereignis entgegen: Wann wird der sogenannte "Totmannknopf" zum ersten Mal gezündet?

Der Autor vermag diese makabere Situation mit erfrischender Situationskomik zu beschreiben, verliert aber nie den melancholischen Anklang und bringt die Thematik des selbstbestimmten Sterbens mit sehr viel Tiefgang nahe.
Man beginnt sich während des Lesens nach den eigenen Wünschen des Sterbens zu fragen. Ein Roman, der aufwühlt, gut unterhält und nachdenken lässt über ein Sterben in Würde.
  
Doch warum heißt der Roman Mauersegler?

Zitat Seite 61:
Nach Brehms Tierleben ist ein Mauersegler: herrschsüchtig, zänkisch, stürmisch und übermütig, ein Geselle, der nicht einmal mit seinesgleichen in Frieden lebt.
Carl bemerkt trocken: Wie wir!

 
Ich habe es bewundert, wie leicht Poschenrieder mit dem Thema Sterbehilfe umgeht und wie geschickt er seine Sprachkraft einsetzt. Dieser Roman wühlt auf, amüsiert mit Witz und lässt den Leser nachdenken über ein Sterben in Würde. Ein wunderbares Lesehighlight!  




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