Montag, 25. April 2016

Letzte Runde - Moritz Matthies

Tierische Aufregung im Zoo, schwächelt etwas!

Die letzte Runde wird eingeläutet

 

Der 5. Band der Erdmännchenkrimis von Moritz Matthies heißt "Letzte Runde" und damit scheint die Reihe beendet zu sein. Das Buch erscheint wie die Vorgängerbände im Scherz Verlag.

Es ist nicht zu fassen: Erdmännchen Rays menschlicher Partner Phil hat jetzt Familie und beschliesst, seine Detektivarbeit zu beenden. Auch Rufus, der geniale Tüftler, ist mit der Förderung seines hyperintelligenten Sprosses Archimedes vollauf beschäftigt. Sollte damit die spannende Zeit als Zoodetektive erledigt sein?
Als jedoch Eindringlinge im Zoo ihr Unwesen treiben, dem Löwen Kunze die Mähne abrasieren und Elefantenbulle Heiner die Stoßzähne absägen, ist Schluss mit lustig! Die Detektivgruppe erwacht zu neuem Leben.
 


Komplette Reihe:
1. Ausgefressen
2. Voll Speed
3. Dumm gelaufen
4. Dickes Fell
5. Letzte Runde


Auch in diesem Buch erleben wir die Lage im Zoo aus erster Hand durch Erdmännchen Ray. Die Tiere geraten durch die Übergriffe in Panik und haben Angst. Ganoven stehlen auf brutale Weise Hörner und Löwenmähne und auch Opa Reinhard, der friedliche Nachtwächter, bekommt das Betäubungsrohr zu spüren. Was geht hier vor?
Ray gelingt es, seine Freunde Phil und Rufus trotz ihrer familiären Belastung von der Gefährlichkeit dieser Überfälle zu überzeugen und ein letztes Mal die erprobte Detektivtruppe gegen die Eindringlinge antreten zu lassen.

Mal wieder spielt die Situationskomik eine große Rolle und es gibt einige witzige Szenen. Die Charaktere bieten wieder tolle Unterhaltung und man lernt auch ein paar Neuzugänge kennen.

So entdeckt Ray die eingesperrte Adelia und verliebt sich in sie. Danach kann er kaum noch klar denken. Früher immer praktisch, nüchtern und klar denkend, gibt er jetzt den romantischen Minnesänger als Erdmännchenvariante. Das erstaunt Phil und Rufus und Ray lässt nach menschlicher Art sprichwörtlich die Hosen runter. Also er sagt die Wahrheit, aber er kommt auch Adelia näher. 

Zitat Seite 147: Hosen runterlassen. Noch so eine Sache, die die Menschen uns Tieren voraushaben.

Dann gibt es noch den kleinen Archimedes, der ist ein vollkommenes Abbild seines inoffiziellen Vaters Rufus. Hier wurde das beste, das genialste Erbgut weitergegeben, aber Rufus braucht lange, um in Archi seinen Sohn zu erkennen. Dabei hat das selbst der geistig ziemlich unterbelichtete Machogruppenchef Rocky schnell geschnallt, das Archi nicht sein Erbgut in sich trägt. 
Rufus fördert Archi, denn so eine "Inselbegabung" ist dazu irgendwann in der Lage, die Weltformel zu entdecken. Das wäre natürlich auch für Rufus sein Lebenstraum.

In diesem Band treten viele Tiere in Aktion und unterhalten in guter alter Moritz Matthies-Art. Besonders Kong und Pelikan Cedric haben mir gut gefallen.
Leider gibt es nicht die von mir erwartete Spannung im Kriminalfall, es geht mehr um die Zooinsassen und deren persönliches Befinden und ihre Ängste. Ich habe einen überraschenden Knalleffekt zum Schluss erhofft, der blieb leider aus.
Dafür geht es aber originell um neue Clanmitglieder, die große Liebe von Ray wird auf liebenswerte Weise dargestellt und nimmt einen Großteil der Handlung ein. Wenn dies das Ende der Erdmännchenkrimis sein sollte, gönnt man Ray nun sein eigenes privates Familienleben und schöne ruhige Jahre im Zoo.


Ein weiteres Abenteuer mit der bekannten Erdmännchentruppe verspricht gute Unterhaltung mit Humor aus dem Berliner Zoo. Allerdings war es für mich der schwächste Band der Reihe. 






Vegetarische Sommerküche

Ofengemüse mit Fetakäse

Seit dem Wochenende ist es ja für April recht kalt und da passte ganz wunderbar ein warmes, duftendes Ofengericht. 

Die ganze Arbeit macht eigentlich nur das bißchen Schnippeln, dann wird das Gemüse mit Kräutern wie Rosmarin, Thymian und Basilikum und reichlich Olivenöl und Knoblauch eingelegt und kommt dann für circa 30 Minuten ab in den Ofen. Hm, herrlich und wie das aromatisch riecht! So etwas lässt sich toll vorbereiten und wie gesagt, der Duft ist einfach fantastisch!





Bei uns gab es dazu frisches Fladenbrot, es passt aber auch sehr gut Reis. Allerdings kann man mit dem Brot prima die leckere Soße auftunken. Die Soße schmeckt durch den Gemüsesaft und den Knoblauch so unglaublich lecker!

Ein Gericht, das nicht nur ausgezeichnet schmeckt und gesund ist, sondern auch ein wahrer Augenschmaus ist. Und das Auge isst ja bekanntlich mit!

Folgende Zutaten benötigt man dafür:

- mehrere Paprika (ich hatte 3 rote und 1 gelbe Paprika)
- braune Champions (1 Packung zu 250 g)
- 2 mittelgroße Zucchinis
- 4-5 Scharlotten (es gehen auch sehr gut rote Zwiebeln)
- eine Handvoll schwarze Oliven
- Kirschtomaten (1 Packung zu 250 g) 
- Fetakäse (300 g, den ich nach 15 Minuten Backen auf dem Blech verteile)
- Olivenöl 
- frische Kräuter oder auch getrocknete, am besten einige Zweige Rosmarin
- gehackter Knoblauch

Alles schnippeln, dann mit Kräutern, Pfeffer und Salz, etwas Chili und Olivenöl vermengen und kühl stellen. 
Auf ein tiefes Backblech geben, möglichst recht flach, daher lieber keine Auflaufform nehmen. Nach 15 Minuten bei 200°C den Fetakäse über das Gemüse geben und nochmals 10 bis 15 Minuten garen.  


Wie man auf diesem Foto gut sehen kann, hat mein Rosmarin bereits geblüht, diese Zweige und Blüten sind aber essbar und sehen auch noch gut aus.

So, und was kocht ihr gern? Ich freue mich immer über neue tolle Rezepte!

Mit diesem Gericht verabschiede ich mich jetzt für 2 Wochen in den Urlaub! 

Ciao und bis bald!

Sonntag, 24. April 2016

Herz verloren, Glück gefunden - Christiane von Laffert

Wunderschöne Geschichte mit Romantik, Alltagsleben und Tiefgang! Halt wie im echten Leben!


Der Frauenroman "Herz verloren, Glück gefunden" ist das Debüt von Christiane von Laffert. Das Buch erscheint im Goldmann Verlag.

Victoria funktioniert in ihrer Ehe nur noch. Sie versorgt die zwei Kinder und den Haushalt so gut sie kann und versucht, die Nörgeleien ihres Mannes Hubertus über ihre Figur zu ignorieren. Als sich ihr die Chance bietet, ihre Freundin Emily für deren Zeitungsrecherche zu einem Kurztrip in einen angesagten Skiort zu begleiten, greift sie begeistert zu. Um nicht als graues "Hausmütterchen" aufzufallen, gibt sie sich als Jetsetterin aus. Prompt lernt sie Constantin kennen. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der auch für die Klatschspalten der Zeitung von Interesse ist. Wie sich Victoria aus ihrem selbstgebastelten Lügengeflecht wieder befreit, ist nicht ganz einfach und auf jeden Fall peinlich und schmerzhaft auch für sie. 

Christiane von Lafferts Debüt nimmt den Leser mit auf eine emotionale und unterhaltsame Reise einer Frau um die 40. Dieser  liebenswürdige Roman beschreibt Eheprobleme, Unterdrückung der eigenen Wünsche und einen Neuanfang und zeigt damit Lebensgefühle, die man als Frau so oder ähnich vielleicht schon erlebt hat. Sie trifft damit den richtigen Ton für das wahre Leben und damit ins Herz ihrer Leserinnen.


Protagonistin Victoria lebt ein geregeltes Leben als Hausfrau ohne finanzielle Sorgen. Dieses beginnt allerdings dank einer Reise und ein paar Schmetterlingen im Bauch heftig zu wanken. Sie und ihr Mann Hubertus leben eigentlich nebeneinander her und das wird ihr durch ihre Affäre mit dem charmanten Constantin bewusst.

Aus Victorias Perspektive nimmt man an ihrem Alltagsleben, ihren Gedanken, Sorgen, Zweifeln und den neuen Veränderungen teil und kann ihre Beweggründe gut nachvollziehen. Victorias Suche nach ihrem persönlichen Lebensweg und dem eigenen Ich zeigen eine Frau, die langsam reift und sich zu einer selbstbewussten Frau entwickelt. Sie wirft Vorurteile über Bord, wird offener und nach gescheiterten Freundschaften schliesst sie rasch neue. Ihre Entwicklung ist bewundernswert und lässt über das eigene Leben nachdenken.


Die Charaktere sind gut beschrieben und unterhalten durch einige unangepasste Typen, die aber das Herz auf dem rechten Fleck tragen. 

Die Kinder benehmen sich authentisch, die Freundinnen haben auch so ihre Lebens- und Beziehungsprobleme und man erkennt einige Dinge aus dem eigenen Leben wieder. Dabei gibt es immer wieder humorvolle Szenen, die mich sehr amüsiert haben.

Der Schreibstil ist flott und humorvoll und so angenehm, dass man das Buch förmlich verschlingt. Auch wenn ich nicht wie Victoria bin, so denken oder handeln würde, hat mich diese Figur mitgerissen und richtig gut unterhalten.

Dieser Roman hat mich bestens unterhalten, mir einige schöne Lesestunden geschenkt und deutlich gemacht, wie wichtig echte Freunde sind. Denn Freundschaften sind die wahren Stützen im Leben.  


 ***Leserunde von lovelybooks - Vielen Dank an die Autorin für die Leserundenbegleitung und an den Verlag für die Bereitstellung des Buches!***


Rabenfraß - Biggi Rist

Fesselnder Whodunit im Harz, bei dem ein Täter mit mittelalterlichen Mordmethoden agiert!

"Rabenfraß" von Liliane Skalecki und Biggi Rist ist der vierte Band um den Bremer Kommissar Heiner Hölzle. Der Krimi erscheint 2016 im Gmeiner Verlag.

Nach seiner geplatzten Hochzeit unternimmt der Bremer Kriminalhauptkommissar Heiner Hölzle statt der geplanten Fernreise nach Australien einen Urlaub in den beschaulichen Harz. Hier möchte er sich entspannen und das Scheitern seiner Beziehung verarbeiten. Doch gleich am ersten Urlaubstag wird eine ermordete Frau gefunden, sie wurde enthauptet. Diese grausame Art der Hinrichtung erinnert Hölzle an mittelalterliche Methoden. Je mehr er den Harz erkundet, umso häufiger stößt er auf ungewöhnliche Todesfälle mit ähnlich gruseliger Tötungsart. Gibt es hier einen Zusammenhang und wie kann es sein, dass der Täter seit 20 Jahren unentdeckt morden konnte? Sein Ermittlerinstinkt ist geweckt und selbst im Urlaub kann er nicht anders als ermitteln.  


Auch wenn Rabenfraß mittlerweile der vierte Band einer Reihe ist, konnte ich gefesselt und ohne Verständnisprobleme in die Handlung eintauchen.
Dabei gefällt mir der Ermittler Heiner Hölzle wirklich gut, er ist ein angenehmer, freundlicher und toleranter Mensch. Jemand, den man einfach gern haben muss. Seiner verpatzten Hochzeitsreise weint er nicht nach, stattdessen geniesst er bescheiden die Abgeschiedenheit, die Natur und Schönheiten der Harzregion und ganz besonders die lukullischen Köstlichkeiten mit Wildbret und Harzer Spezialitäten.


Die ermordete Frau bringt dann durch ihre mittelalterlich ausgeführte Mordmethode einen Stein ins Rollen und Hölzle findet sich auf dem Ermittlerpfad wieder. Natürlich nicht ohne Ausflüge und Wandertouren im Harzland zu machen, bei denen der Leser unmittelbar Reise- und Ortsbeschreibungen geniessen kann. Hier bekommt man für die eigene Harzreise viele Tipps und Hinweise zu Rabenstein, Goslar, Quedlinburg und weiteren Zielen. Schon allein dafür lohnt das Lesen dieses Krimis, denn diese Orte kann man sich durchaus gut in mittelalterlicher Zeit vorstellen. Die dunkle Jahreszeit, es ist November und Buß- und Bettag, tut ein Übriges, um sich hier ein wenig zu gruseln. 

Nähere Einzelheiten erfährt man dank einer auskunftsfreudigen Stammtischrunde von Bewohnern des Harzgasthofes, in dem Hölzle abgestiegen ist. Hier fühlt er sich sehr wohl, auch wenn nach und nach einige schaurige Morde aufdeckt. Dank Hölzles einzigartiger Kombinationsfährigkeit stellt sich bei diesen Morden eine gemeinsame Verbindung heraus. Meiner Meinung nach hätten hier auch etwas weniger Morde geschehen können. Die Menge über einen so langen Zeitraum hin, wirkt etwas übertrieben. 

Aber die Erkenntnisse über Opfer und Tatwerkzeuge sind so fesselnd, man rauscht regelrecht durch den Krimi hindurch. Dafür sorgt auch der realistische und dichte Schreibstil des Autorenduos.   

Die Einbindung von Foltermethoden aus einem Buch über Harzer Henker gibt der Geschichte so richtigen Thrill. Hier werden brutale Behandlungen aufgezeigt, die wegen Unzucht, Diebstahl und Mord den Tätern im Mittelalter angediehen. Man bekommt einen deutlichen Einblick in Scharfrichters Handwerk und seine Werkzeuge, dass man nur schaudern kann.   

Die Charaktere sind vielfältig, gut gezeichnet und ich hatte durch die Beschreibung jeweils ein Bild vor Augen. Die Einheimischen sind grundverschieden, manche sehr aufgeschlossen, andere zeigen aber auch intolerante Ansichten, die erschrecken. Es ist eben doch eine recht abgeschiedene Gegend, die sich nicht durch weltoffene Großstädte auszeichnet, sondern in manchem noch hinter dem Berg befindet.

Gern habe ich diese Reise mitgemacht und auch trotz der barbarischen Tötungsmethoden mich nur wenig gegruselt. Die Beschreibungen fallen nicht allzu blutig aus. Die Personen haben mich gut unterhalten, besonders Erika, die Pensionswirtin mochte ich gern. Auch die Auflösung ist sehr stimmig und überzeugend gemacht. Einige Wendungen bringen einige der "Harzer" mal in die Position des Täters. So kann der Leser ordentlich mitraten.


Dieser Krimi präsentiert längst vergangen geglaubte Tötungsmethoden, zeigt den Harz in voller Schönheit und gibt dem Leser die Chance auf die Tätersuche.


Samstag, 23. April 2016

Schweinskopf al dente - Rita Falk

Ein saulustiges Lesevergnügen

"Schweinskopf al dente" ist der dritte Band der Franz Eberhofer Reihe von Autorin Rita Falk. Der Krimi erschien 2011 bei dtv.


Franz Eberhofer ist zum Kommissar befördert worden und hammermäßig stolz auf seinen silbernen Stern. Richter Moratschek wird von einem Psychopathen verfolgt und bedroht. Sicherheitshalber zieht er beim Vater vom Franz ein, dort ist die Sicherheit durch Franz gewährleistet und die gute Verpflegung durch die Oma. Als dann auch noch Leopold samt Familie auf dem Hof Urlaub macht, reicht es Franz und er fährt zur Susi nach Italien. 



Dieses sind meine Wichtelgeschenkbücher von Sternthaler 75: hier könnt ihr noch mal die Wichtelaktion nachlesen.  http://sommerlese.blogspot.de/2015/08/sommerwichteln-bei-wasliestdu.html



"Wenn ich meine Todesart einmal selber bestimmen könnte, würd ich gern in der Oma ihrer Biersoße ersaufen." (Zitat vom Franz Seite 203)

Es geht mal wieder hoch her in Niederkaltenkirchen. Franz ist endlich befördert, er trägt jetzt einen silbernen Stern - astreine Sache, findet er.  

Als erste Amtshandlung mit Stern muss Franz dann bei einer Zwangsverheiratung ein Machtwort sprechen. Die junge Frau sieht zwar unverhältnismäßig häßlich aus, aber wo kämen wir denn da hin.  

Sein Hauptfall besteht aber darin, Richter Moratschek vor einen entlaufenen Mörder zu beschützen. Als ein blutiger Schweinskopf in Moratscheks Bett als Warung gefunden wird, beginnt die Sache richtig bedrohlich zu werden. Moratschek nistet sich beim Vater vom Franz ein und die beiden werden ganz enge Freunde. 

Ab und zu zwickt Franz schon mal die Sehnsucht nach der Susi und als Leopold mit seiner Sippe auf dem Hof Urlaub macht, fährt Franz halt zur Susi. Sie soll sich mit ihrem Luca Toni-Verschnitt auch nicht mehr so gut verstehen.
Auf jeden Fall hatte ich wieder eine Menge Spaß mit Franz, seiner derben Ausdrucksweise, seiner Vorliebe für die "Sushi" und für seine Freßattacken. Die Oma hat wieder gekocht, wie immer einfach hammermäßig: es gibt Rahmgulasch, Kartoffelsalat und Lauchgemüse. Dazu hält die Autorin auch wieder ein Rezept original von der Oma parat.

Rita Falks Schreibstil ist gewohnt flüssig und humorvoll. Die bayrische Ausdrucksweise kommt lustig rüber und unterhält wunderbar. Ein paar spezielle Begriffe sind in einem Glossar näher erklärt. Verständnisprobleme hatte ich gar keine. 

Die Charaktere sind schrullig wie man sie kennt und auch ihre Marotten haben sie (glücklicherweise) noch nicht abgelegt. Oma mit ihrem Faible für Sonderangebote und ihrer Schwerhörigkeit, ihre zwei Sargnägel: Franz und sein Vater, der weiterhin kifft, was das Zeug hält. Wenn man die anderen Bände kennt, kehrt man zurück in eine bekannte Familie. Für Neulinge der Reihe aber auch kein Problem, man lernt sie wieder von ihrer besten Seite kennen.

Die Krimihandlung ist schon wichtig für die Handlung, kann man aber getrost als Nebenhandlung verbuchen. Hier stehen die schrägen Figuren im Vordergrund und das ist auch gut so. Einwandfreie Sache, würde Franz wohl sagen!



Ein lustiger Provinzkrimi mit einem wie gewohnten wunderbaren Franz. Einfach ein Sauspaß für unterhaltsame Stunden!


Neuzugänge von btb

Letzte Woche erreichte mich wundervolle Buchpost von btb

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Ursula Bergenthal von btb, die mich durch eine Aktion auf Facebook mit tollen Büchern belohnt hat!  

 

Leider streikt meine Kamera beim Übertragen auf den PC, daher hoffe ich, die fehlenden Bilder noch nachträglich einfügen zu können.

Hier erstmal die Fotos einiger Bücher!

 

 

Das Buch von Elizabeth Strout hat ein geniales kleines Format und ist in Leinen gebunden. 

Dieses wunderschöne Kleinod werde ich nächste Woche mit in meinen Urlaub nehmen. Da gibt es dann auch eine Blogpause, die ich zum Lesen und Erholen nutzen werde!

 

Mit dabei ist ein Gourmet-Krimi aus Frankreich, den ich mir besonders "schmecken" lasse! Für die Krimi-Challenge auf Lovelybooks zählt er auch noch! 

 

Katarina Bivalds "Ein Buchladen zum Verlieben" ist das dritte neue Buch, hier klappte leider die Fotoübertragung nicht. 

 

Außerdem kam noch ein btb-Buch von vorablesen an:

 

 

"Der 50-Jährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half"

Schon der Titel verspricht eine lustige Lektüre und ich bin sehr gespannt auf diesen Nachfolgeband von: 

"Der Fünfzigjährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte"

 

Nun verabschiede ich mich schon mal in den Urlaub und freue mich auf ein baldiges Wiederlesen mit euch!

 

Herzliche Grüße

sommerlese!

 

Donnerstag, 21. April 2016

Emil und die Detektive - Erich Kästner

Gemeinsam sind wir stark

 

Das Kinderbuch Emil und die Detektive schrieb  bereits 1929. Es entwickelte sich zu einem immer noch begehrten Kinderbuchklassiker.


Emil Tischbein wird von seiner Mutter im Zug allein nach Berlin geschickt. Die Zugfahrt zieht sich hin und Emil wird langsam müde. Doch einschlafen will er um keinen Preis. Denn er hat ein Vermögen bei sich, 140 Mark soll er seiner Großmutter überbringen. In seinem Abteil sitzt ein merkwürdiger Mann, Herr Grundeis, der ihn immer so komisch ansieht. Emil traut ihm nicht. Irgendwann nickt er ein, der Mann ist weg, aber sein Geld ebenfalls.
Er springt aus dem Zug und verfolgt den Mann. Seine Oma und Cousine Pony Hütchen warten vergeblich auf Emil.




Diese aufregende Geschichte ist in Kinderaugen ein realistisches Abenteuer, niemand möchte in Emils Haut stecken. Besonders die Erwachsenen, die Emil trifft, kommen hier nicht gut weg. Alle sind unfreundlich zu Emil oder ignorieren ihn. Doch als er Gustav trifft, beginnt eine Freundschaft, die sich bewährt. 


Emils Verfolgungsjagd mit Hilfe einer aufgeweckten Berliner Jungengruppe ist schon ein großer Spaß. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Dieb zu überführen. In solche Situation versetzen sich Kinder gerne und erleben diesen Fangerfolg gerne mit. Denn hier ist es mit Emil ein Kind, das die Hauptrolle spielt.

Doch das Buch hat auch einen etwas angestaubten Charakter. Es spielt in der 20er Jahren, daher sind die Währung und einige Begriffe  veraltet.Auch die Namen sind alt. Über den Namen Pony Hütchen konnte ich schon als Kind sehr lachen, und ich bin über 50 Jahre alt. Es könnte nach heutigen Maßstäben lebendiger geschrieben sein, diese Musterknaben sind nicht mehr ganz zeitgemäß. Wenn man Kindern allerdings erklärt, wie alt das Buch ist, können sie sich gut darauf einstellen und finden es spannend.

Die Sprache ist gut verständlich, Kästner benutzt humorvolle und klare Beschreibungen, die auch heute noch mit Interesse gelesen werden. Für mich ist dieses Buch eine immer wieder willkommene Kindheitserinnerung und ich halte mir auch vor Augen, dass schon mein Vater dieses Buch als Kind geliebt hat. 



Ein Kinderbuchklassiker, der Kindern die Wichtigkeit von Mut und Freundschaft aufzeigt und den kindlichen Leser in die Rolle des Titelhelden versetzt. 




Dienstag, 19. April 2016

Das Dorf der Wunder - Roy Jacobsen

Wenn die Menschlichkeit siegt

 

Der Roman Das Dorf der Wunder von Autor Roy Jacobsen erscheint seit 2010 im Aufbau Verlag.


Finnland im Winter 1939: 

Die Sowjetunion überfällt Finnland hoch oben in Karelien mit einer riesigen Armee. Auf finnischer Seite kämpfen gerade mal 2000 Männer.

Der Holzfäller Timo Vatanen ist der Einzige von circa 4000 Einwohnern in Suomussalmi, der nicht flieht und in aller Seelenruhe auf die heranrückenden Truppen wartet. Bald wird sein Wissen für die Russen unentbehrlich. Denn er weiß, wie man im eisigen finnischen Winter bei minus 40 Grad überlebt.




*Ein Menschenleben ist nicht viel wert, aber man klammert sich doch gern daran, wenn man es nun schon hat.* (Timo Vatanen)

Der in Norwegen lebende Schriftsteller Roy Jacobsen, hat einen bemerkenswerten Erzählstil. Schon in "Die Unsichtbaren" hat mir seine Ausdrucksfähigkeit sehr gut gefallen. Diesem Roman liegen wahre Ereignisse von 1939 zugrunde. Es geht um Überleben, Kampf und die kleinen Freuden des Alltags in dieser schweren Zeit. Denn viele Zivilisten wurden unweigerlich in diesen Krieg hineingezogen, ohne ihn zu unterstützen oder auch zu verstehen.

Jacobsen erzählt vom Finnen Timo Vatanen, einem einfachen, ungebildeten Holzfäller, der vor den näher kommenden russischen Truppen aus Überzeugung und Sturheit seinen Wohnort nicht verlassen will und dort zum Lebensretter einiger Männer im eisigen finnischen Winter wird. 

Zwischen Trümmern und Asche bleibt Timo zurück und zieht sich ins Haus von Krämer Antti zurück, besorgt sich nützliche Dinge, die er im Dorf findet, bunkert Feuerholz und alle Lebensmittel, die er finden kann. 

Damit wirkt sein Rückzugsort fast wie eine Oase inmitten der Gewalt. Dort nimmt er Menschen gleich jeder Nationalität oder Religion auf, versorgt Wunden oder Erfrierungen, kocht und wärmt und rettet so arme Seelen vor dem Tod. Auch die Russen können den stoischen Timo nicht zum Abzug bewegen. Aber auch sie profitieren von seinen Fähigkeiten und seinem Feuerholz.

Interessant finde ich, wie die Grenzen zwischen den Militärmächten verschwimmen. Wie Menschen kämpfen, die Fronten wechseln und wie das Schicksal ihnen mitspielt. Wer ist Freund, wer Feind?
Bei Timo ist das egal, seine Fürsorge ist spürbar. Nach dem Lesen des Romans noch lange Zeit.


Diese Erzählung zeigt rührende Menschlichkeit, die nicht aus pazifistischer Überzeugung heraus wächst, sondern aus Timos tiefer Anteilnahme für seine Mitmenschen. Timo steht als wunderbarer Sonderling und Held und Retter der Geschichte da.
Dieses Buch rührt an, wärmt mit angewandter Menschlichkeit und zeigt, wie unsinnig Kriege sind.


    ***Wichtelgeschenk zum 6.12.2015 von LaMensch bei 
                Wasliestdu - Vielen Dank für dieses tolle Buch!***   




Bevor der Morgen graut - Viktor Arnar Ingolfsson

Ein Hauch von Island, etliche Gänse- und Menschenopfer und leider etwas "unspannend"!

Der isländische Autor Viktor Arnar Ingolfsson schrieb 2006 den Krimi Bevor der Morgen graut.


Im Herbst erfolgt in Island auf den Äckern die Gänsejagd in der Morgendämmerung. 
Aber bei dieser Jagd werden nicht die Graugänse zur Beute, sondern irgend jemand hat es auf die Jäger abgesehen und begeht nach und nach drei Morde. 
Die isländische Kriminalpolizei sucht einen verrückten Serienmörder, der die Gänsejäger auf dem Ansitz erschiesst.  
Was treibt den Täter an?








Isländische Literatur übt immer einen ganz besonderen Reiz auf mich aus. Die Landschaftsbeschreibungen und die Lebensgewohnheiten interessieren mich, die spezielle Stimmung auf der Insel, die Geysire, die Lichtverhältnisse ziehen mich magisch an. Es ist für mich eine unbekannte Welt. 

Daher hat mich dieser Krimi auch sehr angesprochen. Die Graugansjagd scheint üblich zu sein, hat mich aber etwas erschreckt. Doch hier wird mal der Spiess umgedreht und der Jäger wird zur Beute.

Besonders das Ermittlerduo hat mir gut gefallen. Da ist Gunnar, ein grober raubeiniger Isländer, der gemeinsam mit Birkir, einem aus Vietnam stammenden Kollegen ermittelt. Zu ihnen gesellt sich noch ein unbedeutender dritter Mann, ein Schriftsteller, bei dem man das Gefühl hat, der Autor stellt sich selbst dar. Gemeinsam durchstreifen sie die Einöde Islands und suchen nach Hinweisen. 

Es ist dieses originelle Duo, dass diesem Krimi seinen speziellen Reiz gibt. Die Handlung zieht sich nach einem spannenden Anfang in die Länge, es gibt unsinnige Nebenhandlungen und zu viele Zufälle. Die Charaktere sind recht fade und blass und teilweise ohne Bedeutung für die Auflösung. Auch die privaten Einschübe überzeugen nicht richtig. Das Ende wird zwar noch einmal spannend, der Täter ist aber vorhersehbar und die Lösung nicht richtig genial.

Die interessanteste Sache sind die Literaturrätsel, die die beiden Polizisten per E-Mail vom Serientäter erhalten. Sie zu erraten gelingt den Ermittlern mit einiger Mühe.


Die Ruhe und stimmungsvolle Schilderung der isländischen Natur hat mir gefallen, dieser Anteil und die speziellen Ermittler sind die hervorzuhebenden Pluspunkte dieses Krimis. Ansonsten ist es vielleicht für Gänsejäger interessant, jedoch kein unbedingt zu lesender Krimi.

Montag, 18. April 2016

Schwarzer Lavendel - Remy Eyssen


Spannende Handlung, Provence-Atmosphäre und einfach ein perfekt runder Krimi!



Remy Eyssen hat mit "Schwarzer Lavendel" seinen zweiten Krimi um Dr. Leon Ritter geschrieben, der in der Provence spielt. Die Reihe erscheint im Ullstein Verlag


Der deutsche Rechtsmediziner Leon Ritter hat sich inzwischen gut in Südfrankreich eingelebt und arbeitet eng zusammen mit Isabelle Morell, stellvertretende Polizeichefin des Ortes Le Lavandou. Als er stolzer Besitzer eines Weinberges wird, besichtigt er diesen und Lilou, die Tochter Isabelles, findet die Leiche einer Frau, eine regelrechte Mumie! Wie Ritter feststellt, wurde die Tote professionell einbalsamiert und er findet heraus, das diese Frau für die Weinernte in die Provence kam. Bald darauf wird eine junge Frau vermisst, ebenfalls eine Erntehelferin. Wer jagt hier junge Frauen?


"Schwarzer Lavendel" ist zwar der 2. Fall der Kriminalserie, aber für mich der erste Fall von Ritter. Die Handlung ist so schlüssig aufgebaut und die Personen werden so gut eingeführt, so dass ich der Handlung problemlos folgen konnte.  

Zuallererst möchte ich die wunderbare Atmosphäre erwähnen, die sich hier im Roman rund um die Landschaft und die Menschen der Provence breit macht.  

Ein kühler Rosé, Oliven, etwas Käse und Baguette, dazu die zauberhafte Landschaft der Provence mit seinem unvergleichlichen Licht, im Hintergrund hört man Chansons. So stellt man sich seinen Frankreichurlaub vor und kann schon beim Lesen gleich mitgeniessen. Und genauso liebt Dr. Leon Ritter sein Leben im Städtchen Le Lavandou. Er versteht sich auch als Deutscher bestens mit den Einheimischen, sicherlich macht sein gelebter, offensichtlicher Genuß der französischen Lebensart und seine Vorliebe für Pétanque ihn beliebt, trotz seiner deutschen Ordnung und Pünktlichkeit.  

Doch nun zur Krimihandlung! Dr. Ritter gerät in die außergewöhnliche Situation, eine mumifizierte Leiche untersuchen zu können. Als Pathologe ist er Tote gewöhnt, liest förmlich in ihnen. Diese Mumie ist aber auch für ihn ein ganz besonderes Rätsel und er muss sich ihr mit besonderer Vorsicht nähern, zu leicht ist ihr Innenleben zerstört. Wer war diese Frau, wie starb sie? 

Der Leser wird über die verschiedenen Möglichkeiten der Mumifizierung informiert und das ist nicht nur aus pathologischer Sicht äußerst interessant. 

Ritters Zusammenarbeit mit der Polizei bringt dann nähere Erkenntnisse. Leider findet man auch noch eine weitere Mumie, die Ermittler sind alarmiert und befürchten das Schlimmste. 

Diese Handlung ist wirklich spannend und trotz der brutalen Tatvorgänge gut zu ertragen. Die urlaubsmäßige Provencestimmung und unblutige Beschreibungen machen diesen Krimi zu einem wahren Erlebnis.   

Es gibt auch unterhaltsame private Einschübe, die zeigen wie sehr Ritter hier in Südfrankreich doch schon Fuß gefasst hat und immer mehr heimisch wird. Er wird als sympathischer und für Gerechtigkeit kämpfender Mann dargestellt. Seine Lieblingsmusik, französische Chansons erwähnt er beizeiten, sie gehen mir wie Ohrwürmer im Buch durch den Kopf: La Mer.... von Charles Trenet und Les Feuilles Mortes... von Yves Montand möchte ich sehr gern hier noch erwähnen.

Ein perfekt aufgebauter Krimi, der spannend mitraten lässt, sehr gut unterhält und in leichte Urlaubsstimmung versetzt:
La Mer...


    ***Rezensionsexemplar von vorablesen - Vielen Dank
          an den Verlag für die Bereitstellung des Buches!***


 

Sonntag, 17. April 2016

Das Haus der Schwestern - Charlotte Link

Für mich nur ein mittelmäßiger Roman von Charlotte Link

Charlotte Link schrieb den Roman "Das Haus der Schwestern", der 2010 im Blanvalet Verlag erschien.


Zu Weihnachten verreist das deutsche Ehepaar Barbara und Ralph Amberg, beide sind Juristen. Es geht in ein einsames Farmhaus im Hochmoor von Yorkshire und schon in der ersten Nacht schneien sie ein und sind von der Außenwelt abgeschnitten. Barbara findet zufällig ein Manuskript, das im Haus versteckt war. Geschrieben hat es Frances Gray, die frühere Besitzerin von Westhill. Frances war recht fortschrittlich und politisch engagiert und schildert ihren eigenen Werdegang, ihre Familie und unglückliche Liebe. In der Ehe der Ambergs kriselt es, Barbara verbeisst sich in das Manuskript und die verdrängten Probleme der Eheleute treten an die Oberfläche. 
 


Dieser Roman ist im typisch fesselnden Charlotte Link-Schreibstil gehalten, der trotz der über 600 Seiten spielend über die Geschichte hinweg trägt. 

Die Rückblenden zur Lebensgeschichte der Gray-Schwestern haben mir sehr gut gefallen. Es ist eine historische Reise, die schonungslose Einblicke in die Zeit der Weltkriege und in die Frauenbewegung in England ermöglicht. Frances schliesst sich den Suffragetten an, die für das Frauenwahlrecht kämpften. Auch die quälenden Erinnerungen von überlebenden Soldaten an ihre Kämpfe im ersten Weltkrieg werden deutlich beschrieben. 


Hier offenbahren sich folgenschwere Schicksalsschläge in Frances Grays Leben. Man erlebt eine andere Generation hautnah mit und erlebt, unter welch schwierigen Umständen Frances damals schon fortschrittlich gedacht und sich durchgesetzt hat.

Angeblich identifiziert sich Barbara mit Frances, ich konnte jedoch keine gemeinsamen Punkte erkennen. Barbaras Verhalten wirkt einfach nur haarsträubend und irrational. Der wesentliche Bezug der Frauenfiguren miteinander fehlt mir leider.



Wer Familiengeschichten aus dem 20. Jahrhundert Englands mag oder Charlotte Link Romane gerne liest, dem ist das Buch zu empfehlen.  



Samstag, 16. April 2016

Bretonische Verhältnisse - Jean-Luc Bannalec

Die französische Antwort auf Inspector Brunetti!

Jean-Luc Banalec schrieb mit Bretonische Verhältnisse den ersten Band einer Krimireihe um Kommissar Dupin. Das Buch erschien erstmals 2012 im Goldmann Verlag.


Sommer in der Bretagne: 

Im malerischen Künstlerdorf Pont Aven wird der 91-jährige Besitzer des traditionsreichen 'Hotel Central' erstochen im Restaurant aufgefunden. Kommissar Dupin, wurde vor einigen Jahren aus Paris hierher versetzt, übernimmt den Fall und stößt in der bretonischen Sommeridylle auf ungeahnte Abgründe ...







In diesem Buch ticken die Uhren etwas langsamer als sonst. Man erlebt ein wenig Beschaulichkeit in dieser landschaftlich schönen Region und begleitet Dupin auf seinem Ermittlungsweg. Dabei wird schnell klar, dieser Kommissar ist anders, kauzig, eigenbrötlerisch, halt ein richtiger Einzelgänger. Er geht bei seinen Befragungen systematisch vor, untersucht genau, am liebsten ganz allein, dann kann er sich dem Fall richtig nähern und kommt der Sache am besten auf die Spur. Doch er ist durchaus sympathisch, seine Vorliebe für Café und seine Probleme mit Vorgesetzten zu kommunizieren machen ihn sehr menschlich. Seine Vorliebe für Spaziergänge in der bretonischen Natur bringen ihn auf die besten Ideen, behauptet Dupin. 

Neue Erkenntnisse im Fall gibt er höchstens telefonisch an Kollegen weiter, sie fungieren nur als Handlanger. Doch seine Sekretärin Nolwenn unterstützt ihn, denn sie weiß, wie geschickt er in Verhören taktiert. Dort findet Dupin immer die richtigen Fragen, die sein Gegenüber in die Enge treiben.
Er ist wie gesagt ein Einzelgänger, das mag man so einem Kommissar kaum glauben.

Der Fall ist eine Mischung aus Familiengeheimnis, Einblick in die Mentalität der sturen Bretonen und die Kunstszene von Pont Aven, speziell die des Künstlers Gauguin. Für Kunstliebhaber ein tolles Thema und auf jeden Fall eine echte Liebeserklärung an die Bretagne.
Besonders erwähnen möchte ich noch die im Roman erwähnte Schule von Pont-Aven zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Diese Künstlergruppierung um Paul Gauguin waren allesamt sogenannte "Freilichtmaler", deren Werke sich durch reine und leuchtende Farben auszeichneten. Die erwähnten Gemälde machen Lust auf einen Museumsbesuch. Den roten Faden bildet aber hier im Krimi der unbekannte verschwundene Gauguin.
 
Die Handlung ist wunderbar eingebettet in herrliche Landschaftsschilderungen. Die Beschreibung des Meeres und der Geruch von Algen in der warmen Sommerluft wird fast spürbar.

Es ist ein sommerlicher Urlaubskrimi, der bis zum Schluss spannend geschrieben ist und den Täter mitraten lässt. Allerdings nehmen die Verhöre einen Hauptteil des Buches ein. 

Ein kurzweiliger, bedächtiger Krimi, der Einblicke in die wunderschöne Landschaft der Bretagne und in die Kunstwelt des 19. Jahrhunderts gibt.


 

Freitag, 15. April 2016

Dreimal Tote Tante - Krischan Koch

Humorvoller Küstenkrimi mit Sprachwitz, fußkranken Frauen und einer ominösen Sexhotline. Aber für Jugendliche durchaus geeignet!

 

Dreimal Tote Tante von Krischan Koch ist der 4. Band einer Reihe um Ermittler Thies Detlefsen aus Fredenbüll. Der Küsten-Krimi erscheint 2016 im dtv.

Im verschlafenen Fredenbüll in Nordfriesland herrscht große Aufregung, denn im Jauchebecken von Schweinezüchter Schlotfeldt wird eine Frauenleiche gefunden. Dann verschwindet auch noch Pensionswirtin Renate und findet sich angekettet in einem muffigen Kellerloch wieder. Der Mordfall bringt neue Arbeit für Polizist Thies Detlefsen und mit seiner Kollegin Nicole Stappenbek aus Kiel ermittelt er und wird schnell erneut fündig: eine weitere Leiche und ein totes Schwein schwimmen im Güllebecken. Wer steckt hinter dieser Schweinerei?


Schnell wird klar, dass der Leichenfund zwar eine ekelhafte Sauerei ist und leider ein Menschenleben gefordert hat, aber das kleine Polizeirevier von Thies Detlefsen am Leben hält. Denn viel Kriminalität gibt es in diesem friedlich verschlafenen Dorf nicht und man befürchtet schon die Schliessung des Reviers.

Als es dann an die Ermittlungen geht, geraten die Friesen ins Schwitzen. Hier scheint wohl ein völlig Irrer am Werk zu sein, ein Frauenmörder, der die Frauen hasst. Die Dorfgemeinschaft ist beunruhigt und der Tratsch bringt so manche versteckte Wahrheit ans Licht. Da geht es um Schweineseuche, Tote Tante und eine merkwürdige Krawatte in Nordfriesischen Farben. Aber noch mehr erschüttert Thies die Erkenntnis, dass es eine Sexhotline live aus  Fredenbüll gibt.
 
Die Ermittlungen machen beim Lesen Spaß, man lauscht dem Platt der Einheimischen oder dem Sächsisch der zugereisten Mandy, ihrer Zeit erfolgreiche Eiskunstläuferin der DDR. Das bedeutet viel Wortwitz, plattdeutsche Attitüden und wortkarge Dialoge. Man fühlt sich durch die stimmungsvollen Beschreibungen sofort an die Küste "gebeamt". Die Charaktere sind vielfältig, stimmig und voller Ecken und Kanten. Man muss so einige richtig gern haben. 


Das hier viel Rum ausgeschenkt wird, wenn auch versteckt in der Toten Tante, macht den Bewohnern nichts aus. Sie vertragen eine Menge. Dazu gibt es ja auch immer ordentlich Fischbrötchen oder das neue Putenschaschlick Hawaii aus der "Hidde Kist", dem Dorfmittelpunkt sozusagen. Hier wird über das Wetter oder eben über die verschwundenen Frauen geredet. Dorfleben halt!

Dieser unterhaltsame Krimi liest sich so richtig schön - dass die Leichen nach Gülle riechen, bekommt man beim Lesen ja nicht mit. Die Spannung ist vorhanden, man entdeckt den Täter schon recht früh, aber das ist hier auch nebensächlich. Hauptsache, er wird gefunden und die Frauen können wieder freien Fusses durch Fredenbüll spazieren!


Dieser Krimi hat mir schöne Stunden geschenkt. Ich sehnte mich gleich nach der Nordsee, habe die vielen leckeren Fisch- und Krabbenbrötchen vor Augen gehabt, die Tote Tante hat mich völlig kalt gelassen, aber die Protagonisten haben mich unweigerlich mitgerissen in die heitere und ländliche Mordermittlung und das beschauliche Leben in Fredenbüll. Absolute Empfehlung für diesen Krimi, der Urlaubsgefühle weckt.  

 

     ***Leserundenexemplar von lovelybooks - Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Buches und den Autor für die nette Leserundenbegleitung!***


Donnerstag, 14. April 2016

Märchenblut - Nadja Roth

Solider Thriller mit einer unprofessionellen Ermittlerin und viel Blut

Märchenblut ist ein Thriller von Nadja Roth von 2014. Er erscheint bei Books on Demand.


Elli Werner, übergewichtig und von ihrem Freund betrogen, fängt in Ludwigshafen eine neue Stelle als Kommissarin an. Sie hat sofort Arbeit, denn eine grausam zugerichtete Frauenleiche wird gefunden. Sie trägt einen Zettel mit einem Zitat von Grimms Märchen in der Hand. Hier ist eindeutig ein psychopathischer Täter am Werk und da schon bald die nächste Leiche gefunden wird, ist Eile geboten, den Serienmörder zur Strecke zu bringen.  





Dieser Thriller zeigt eine grausame Gedankenwelt eines kranken Mörders, der mit Hilfe von Märchenzitaten Verbindungen zu seinen Opfern herstellt.

Die Autorin hat einen Schreibstil, der mir zusagt. Aber leider geht es  bei den Grausamkeiten des Mörders schon blutig und sehr genau ins Detail. Diese schockierenden Beschreibungen muss man vertragen können.

Das Buch ist in drei Handlungsstränge aufgeteilt. Da ist die Hauptprotagonistin Elli zuerst zu nennen, von ihr erfahren wir auch sehr viel Privates. Dann gibt es die sehr authentisch dargestellte Sicht des Täters und die schrecklichen Erzählungen eines Kindes aus einem Kinderheim. 

Die Thrillerhandlung ist schlüssig aufgebaut und durch die skrupellose Gewalt des Täters sehr spannend dargestellt. Ich finde jedoch, hier hätten auch weniger Leichen und Misshandlungen aufgeführt werden können.  

Elli ist eine Frau, die früher sportlich fit war und in ihrer langjährigen Beziehung zu einer dicken Couchpotaoe wurde. Jetzt verliert sie sich in ihren privaten Problemen und Lebensfragen. Sie ist außerdem auch recht unprofessionell, das zeigt sich am Ende des Buches, wo sie durch eigene Dummheit in Gefahr gerät. Ihre Figurprobleme und Schwärmereien für ihren Chef wurden mir dann doch zuviel. Auch wie sie sich ihm gegenüber verhalten hat, war mehrfach daneben. Das Private hätte man ruhig etwas kürzer fassen können, es hätte der Länge des Thrillers auch gut getan. 

Die Darstellung der Misshandlungen ist sehr genau, fast zu brutal und gewaltätig und interessanterweise an Märchensprüche angelehnt. Hinter der Fassade des Täters lautert eine traurige Vergangenheit, die er jetzt rächen will. Wie ihm in seiner Kindheit mitgespielt wurde, klingt unsagbar grausam. Dieses Leid hat sich im Laufe seines Lebens auf ein unerträgliches Mass angesammelt und die kranke Seele wird sehr gut deutlich. Da muss man schon durchdrehen.
Die Darstellung im Kinderheim  kommt mir allerdings auch etwas übertrieben vor. Die ständigen Misshandlungen durch die Pflegerinnen hätten durchaus behandelnden Ärzten auffallen müssen.


Was mir aber gar nicht gefällt, sind die schnellen Wechsel zwischen heiteren Einschüben und den brutalen Handlungen. Dieser Wechsel zwischen fröhlicher Heiterkeit bei Elli und ihren Kollegen und der Gewalt macht mir Probleme. Auch hatte ich sehr früh den wahren Täter in Verdacht.


Märchenblut gibt tiefen Einblick in die kranke Seele eines Psychopathen und fesselt mit gewaltsamen Szenen, die man als Leser vertragen muss. "Achtung, blutig! Nichts für schwache Nerven" - heißt es denn auch warnenderweise auf der Rückseite des Buches.


Mittwoch, 13. April 2016

Sylter Affären - Ben Kryst Tomasson

Auf Sylt liebt man Clubs: Tanzclubs oder auch Häkelclubs

Der Regionalkrimi Sylter Affären wurde geschrieben von Ben Kryst Tomasson, Germanist und Pädagoge (M.A.) und promovierter Diplom-Psychologe. Er hat einige Jahre in der Bildungsforschung gearbeitet, ehe er sich als freier Autor selbständig gemacht hat. Der Krimi erscheint im Aufbau Verlag.


Karolina Dahl arbeitet beim LKA Kiel und wird von ihrem Chef Ole Lund undercover nach Sylt geschickt, dort soll sie einem Geldwäschering auf die Spuren kommen. Als Kari Blom trifft sie im angesagten Club Royale den Bauunternehmer Jahnke, der als Hauptverdächtiger gilt. Hier treffen sich auch die Reichen und Schönen, die teilweise ebenfalls bei der Steuerfahndung ganz oben auf der Liste stehen. Kari schleicht sich bei Siegmund Jahnke ein, indem sie über ihn eine Biografie schreiben will. Leider ist Jahnke schon am nächsten Tag tot - und Kari steht unter Mordverdacht.



So schnell kann es gehen: eben noch von der Steuerfahndung eingesetzt und schon des Mordes verdächtigt. Wer sich in die Höhle des Löwen begibt, setzt sich eben auch der Gefahr aus.
Diese Erfahrung muss in den Sylter Affären auch Kari Blom machen. Aber ihr naht Hilfe vom zweifelsfrei unspektakulärsten Club Sylts - dem Häkelclub ihrer Vermieterin und deren Freundinnen, die über zahlreiche Verbindungen auf der Insel verfügen.
Diese Finte ist dem Autor gut gelungen und man verfällt sofort dem Charme der netten älteren Damen. Aber auch Kari ist eine sympathische Figur, die im ermittelnden Jonas Voss auch gleich Gefühle weckt. Aber eine Hauptverdächtige als Freundin, das geht für Voss garnicht. Dabei sucht er schon nach einer Frau an seiner Seite, die auch seine entzückenden Kinder da sein kann. 

Wie die unversteuerten Honorare aus den Geldwäschegeschäften nun wirklich außer Landes geschafft werden, deckt Kari natürlich auf. Dahinter verbirgt sich ein logisch aufgebauter Plan, der mich begeistert hat.
   
In diesem Krimi geht es heiter (Häkelclub), arbeitswütig (Ermittlerszene), aber auch gefährlich zu (Kari bringt sich mehrfach in Gefahr). Es gibt keine blutigen oder brutalen Szenen und dennoch wird die Spannung hoch gehalten. Das schöne landschaftliche Inselleben kommt ebenfalls gut zum Ausdruck, man sehnt sich förmlich nach einer Reise auf die Nordseeinsel und ans Wasser.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, er ist flüssig und locker und bringt die Zusammenhänge gut auf den Punkt.
Die Handlung baut sich allmählich auf, der Einblick in die Geldwäschegeschäfte sind interessant und einige Wendepunkte erschweren das schnelle Erraten des Täters, wobei geübte Krimileser schon einen leisen Verdacht haben.

Die Charaktere sind alle recht oberflächlich dargestellt, nur dem Häkelclub bringt der Autor mehr Liebe zum Detail entgegen. Doch für die Handlung sind die Informationen völlig ausreichend und die Schmetterlinge im Bauch von Jonas Voss reichen als Emotionen in einem Krimi allemal. 


Ich kann diesen Krimi nur wärmstens empfehlen, er hat alles das, was ein guter Krimi haben muss: Spannung, temporeiche Handlung und unterhaltsame Protagonisten. Bitte weiter so, Herr Tomasson!
 


 ***Rezensionsexemplar vom Aufbau Verlag - Herzlichen Dank an Christine Seiler vom Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

Sonntag, 10. April 2016

Das letzte Nashorn - Lodewijk van Oord

Witzig und subtil, dabei spannend wie ein Krimi!

 

Das Geschäft mit aussterbenden Tieren: Idealismus oder Kommerz?


Der Roman Das letzte Nashorn von Autor Lodewijk van Oord erscheint im Knaus Verlag.


Der Amsterdamer Privatzoo "Artis" arbeitet nicht effektiv. Er verzeichnet sinkende Besucherzahlen und steigende Kosten. Da muss ein rettendes Konzept her und der energische Direktor Edo Morell entwirft für die Rettung des Zoos neue Ideen und Marketingstrategien. Sein Plan sieht die Eröffnung eines Zooareals mit Namen Afrika vor, der nur von afrikanischen Tieren bevölkert werden soll. "Afrika an der Amstel" heißt sein neues Konzept. Dazu soll auch die Teilnahme am Tierarterhaltungsprogramm mit vom Aussterben bedrohten Nashörnern dienen. Er engagiert Sariah Morrel, eine Nashornspezialistin aus Südafrika, die sich leidenschaftlich für den Erhalt der seltenen Tiere einsetzt.

Dieses Buch hat mich recht schnell gepackt, denn ich interessiere mich schon länger für Erhaltungszuchtprogramme und weiß um die vom Aussterben bedrohten Nashörner.
Die Handlung führt nach einer Einführung der Hauptcharaktere dann auch tiefer in die Materie ein und zeigt sowohl den Idealismus als auch die Profitgier, die hinter diesen Zuchtprogrammen stecken.

Die Rettung der Tiere wird zum Spielball der menschlichen Spezies.

Doch nun zur Geschichte. Aus Sicht der drei Hauptfiguren Edo Morell, Sariah Malan und Frank Rida, erfahren wir ihre verschiedenen Sichtweisen, eigenen Lebensberichte und aktuelle Informationen über das Nashornprogramm im Zoo.

Edo ist der dynamische Direktor des Amsterdamer Tierparks, der seinen Zoo mit einem Marketing-Masterplan wieder überlebensfähig und zu einem größeren Ruf verhelfen will. Die geplante Afrikalandschaft ist ein neuer Denkansatz, der die Besucherströme wieder ansteigen lassen soll. Auch die Rettung bedrohter Arten, in diesem Fall der Schwarzen Nashörner sind für sein Konzept eingeplant und sollen für Publikumsinteresse sorgen.

Frank Rida, leitender Zoovorstand, Doktor der Kunstgeschichte und Freund von Edo Morell, unterstützt die Rettung des Zoos mit Öffentlichkeitsarbeit und übernimmt die Verhandlungen mit Behörden etc.

Sariah Malan ist Halb-Niederländerin und hat sich dem Schutz von Dickhäutern verschrieben. Eine persönliche Tragödie hat ihr Leben in Südafrika überschattet und so nimmt sie die Aufgabe eines Zuchtprogramms in Amsterdam an.

Edo kauft den schwarzen Nashornbullen Albrecht und man erlebt als Leser hautnah mit, nach welch ausgeklügeltem System dieser in den Zoo eingeflogen wird. Dieses Tier ist eine Rarität, eines der letzten seiner Art und sehr, sehr teuer. Das macht die Übersiedlung so spezifisch und für mich ungeheuer spannend.

Man muss sich einmal vorstellen, wie 1515 von Albrecht Dürer das erste Bild eines Nashorns in Europa entstand und dieses Tier damals erstmals in das Bewusstsein der Menschen geriet. Für die Menschen damals ein Unikum sondergleichen. Und gerade mal 500 Jahre später ist dieses Tier bereits ausgestorben. 

 
***Tierinteressierte finden nach dem Fazit eine Information zu den Nashörnern.

Edo und Sariah lernen sich näher kennen, ihre enge Zusammenarbeit lässt sie sich auch persönlich näher kommen.  Sie sorgen sich um Albrecht, schliesslich soll er sich im Zoo sehr wohl fühlen, um dann mit Angela und Ursula den Fortbestand seiner Art zu sichern. Das ist aber nicht so einfach und es wird im Buch in einer leichten, heiteren Art und Weise dargestellt. Aber auch Überfälle und Krankheiten werfen ihre Schatten auf die kleine Nashorngruppe.
Mein Held des Buches ist von Beginn seines Einzugs im Zoo der Bulle Albrecht.

Der Autor vermag die Überlebensfrage der Tierarten geschickt mit menschlichem Idealismus und Kommerzdenken zu erklären. Wie leicht dieser Roman jedoch auch von seiner Erzählweise her wirkt, umso schwerer wiegen die tiefgründigen Hintergedanken der Menschen.
Es wird deutlich, wie wir Menschen immer weiter die vermeintlich lenkende Führungsposition einnehmen, während um uns herum die Tierarten aussterben. Der tragische Verlust der Artenvielfalt könnte auch unser eigener Untergang sein. So möchte ich mal die Intention des Autors auslegen.
Wir sollten darüber nachdenken, wie wir mit Tieren generell umgehen und ob einzelne Tiere in Zoos noch eine Art darstellen. Denn in freier Wildbahn sieht man einige Tiere nicht mehr.
So zum Beispiel: den Dodo, Elefantenvögel, Falklandfüchse, Lavamäuse, Höhlenbären, Guamrallen, Wandertauben, Tarpane, Tasmanische Tiger und andere Arten.

Der Charakter Edo hat mir gezeigt, wie Menschen flammende Reden über die Erhaltung von Tieren halten können, aber doch andere Dinge im Sinn führen können.

Dieser Roman verbindet die Rettung von Tieren mit einem verworrenen Geflecht aus Liebe, Hoffnung und Vertrauen. So entsteht praktisch eine Nebenhandlung auf Menschenebene, die ebenso spannend wie tiefgründig zu lesen ist.

Die Geschichte findet ein relativ offenes Ende, man kann sich seine eigenen Gedanken zum Thema machen. 
 
Ein Spitzenbuch mit Witz, Spannung und Tiefgründigkeit über den Zooalltag, das menschliche Miteinander und die Erhaltung der vielfältigen Arten auf der Erde, die menschliche Spezies inbegriffen! 

 
***INFO:
Das Spitzmaulnashorn auch Schwarzes Nashorn genannt, gilt seit 2013 in freier Wildbahn als ausgestorben. Im Januar diesen Jahres ist im Chester Zoo ein Schwarzes Baby-Nashorn zur Welt gekommen.




Samstag, 9. April 2016

Das Mädchen Orchidee - Pearl S. Buck

Von der Konkubine zur Kaiserin

Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck beschreibt in Das Mädchen Orchidee das abenteuerliche Leben der letzten chinesischen Kaiserin Tsu Hsi, die als Konkubine an den Kaiserhof in Beijing gerufen wurde. Die Kaiserinmutter persönlich suchte aus vilen Manchu-Frauen die Ehefrau und die Konkubinen ihres Sohnes heraus. Tsu Hsi wurde Konkubine, stieg aber durch ihre Klugheit und Tatkraft zur Kaiserin empor. Über vierzig Jahre steuerte sie das Reich und wurde von ihrem Volk verehrt.  

Dieser Roman beschreibt eine Welt, die uns Europäern lange Zeit verschlossen und dadurch unbekannt war. Sie führt uns nach China um 1852 hinter die Mauern des Kaiserpalastes in Beijing und zeigt das Alltagsleben unter den Frauen des Kaisers Xianfeng, erklärt den Einfluss der Eunuchen und die traditionellen Zeremonien bei Hofe.
 









Es geht um das Schicksal der jungen Tsu Hsi, die der chinesischen Adelsdynastie der Mandschu angehört und als Nebenfrau des Kaisers in der Verbotenen Stadt leben musste.
Sie liebt ihren Cousin, der in der kaiserlichen Garde dient. Von der  heimlichen Liebe darf niemand erfahren, es hätte tödliche Konsequenzen für beide.
Tsu Hsi bekommt einen Sohn und muss später um ihrer beider Leben bangen. Der Platz auf dem Thron bedeutet Einfluss, die Intrigen bei Hofe sind gefährlich.
Doch mit vorausschauendem Blick festigt Tsu Hsi ihre Position und dank ihres Geschicks wird sie stellvertretend für ihren minderjährigen Sohn Kaiserin.

Dieser Charakter wird von Pearl S. Buck mit viel Intensität und Nähe beschrieben. Man erlebt wie Tsu Hsi mit Einfühlungsvermögen und Geschick, aber auch mit Machtbewusstsein ihre Chancen bei Hofe für den eigenen Aufstieg nutzt.
Interessant ist auch die politische Darstellung Chinas zu dieser Zeit. Das starre Festhalten an Traditionen und isolierte politische Stellung wird deutlich. Doch die isolierte Position ist nicht länger haltbar, der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Die Taiping-Revolte, der Boxer-Aufstand und der äußere Druck von Europäern und Japanern zwingen China, sich zu verändern und fremden Einflüssen zu öffnen.

Wie gewohnt zeigt die erfolgreiche Autorin ihren beeindruckenden Schreibstil auch in diesem Roman unterhaltsam und mit viel Gespür für fremde Kulturen. Man erlebt eine Liebesgeschichte, politische Einsichten und eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, sondern ihre Position immer mehr bis zum Kaiserthron ausbaut.


Dieser Roman bietet eine gute Gelegenheit, sich mit der chinesischen Geschichte und deren Andersartigkeit zu beschäftigen. Der Blick auf die Darstellung Tsu Hsis macht die Haltung der Chinesen deutlich und ermöglicht den Blick in die Verbotene Stadt.