Ein fesselndes Highlight!
Im Heyne Verlag erscheint der Roman Yesteryear von Caro Claire Burke. Für die hervorragende Übersetzung sind Dietlind Falk und Lisa Rögeböhn verantwortlich.
Natalie Heller Mills lebt ihren Traum als Tradwife, sie besitzt eine wunderbare Farm, hat sechs wunderschöne Kinder und als Mann den Sohn eines einflussreichen Politikers, der im Cowboyoutfit eine gute Figur abgibt. Natalie scheint alles in ihrem Leben richtig zu machen, egal ob Sauerteig, Hühnerhaltung oder Kindererziehung. Deshalb folgen ihr Millionen Menschen in den sozialen Medien, die die heile Welt von Natalies Videos lieben und ihre beworbenen Produkte reihenweise kaufen. Es gibt allerdings auch Hater und hinter der Fassade der Traumwelt brodeln Skandale. In Wahrheit ist Natalies Mann ein Nichtsnutz, um die Kinder kümmern sich Nannys und die Arbeit auf der Farm wird von angestellten Arbeitern erledigt. Und Natalie fragt sich, wie es wohl wäre, wenn sie ihr vorgetäuschtes Leben ohne diese Hilfe führen müsste.
Zu Beginn erleben wir Natalies heile Welt als christlich geprägte Farmbesitzerin und Vielfachmutter, in der ihr alles gelingt und sie ihre Follower täglich mit idyllischen Videos unterhält und begeistert. Eines Tages findet sich Natalie in einer Welt der Pioniere ohne Strom und Kanalisation wieder und ihr bisheriges Leben scheint verschwunden zu sein. Sie muss sich um ihre Kinder kümmern und selbst den Haushalt erledigen. Was ist hier geschehen? Ich war sehr gespannt auf die Hintergründe und total überrascht, wie sehr mich diese Geschichte gepackt und nicht mehr losgelassen hat.
Die genauen Gründe der Veränderung werden immer nur angedeutet und als neuer Einblick in die Vergangenheit und gegenwärtige Zeit beschrieben. Warum musste Natalie ihre heile Welt verlassen, was ist geschehen und wie konnte sie ihren Followern die Wahrheit verheimlichen?
Sprachlich gefällt mir der Roman hervorragend, ich zolle den Übersetzerinnen meine volle Anerkennung wie sie für jede schroffe Äußerung die passende Beschreibung gefunden haben.
Caro Claire Burke ist es gelungen, Natalies verschiedenen Lebenswelten miteinander zu verweben, dass man zwischen ihnen eintauchen und zwischen den Zeiten hin und her springen kann. Die Geschichte hat mich Roman bis zum Schluss gefesselt. Im Laufe der Handlung kommen immer mehr Steinchen zum Vorschein, die die Realität und die Skandale hinter der heilen Farmwelt Stück für Stück aufdecken.
Lange Zeit konnte ich mir keinen Reim darauf machen, was wirklich passiert ist. Ich habe Natalies Gedanken gelauscht und am Ende war die Wahrheit nicht das, was ich erwartet habe. Sie ist eine Figur, die vielschichtig angelegt ist und Charakterzüge hat, die nicht sympathisch sind. Sie verstellt sich vor anderen Menschen, was wir Leserinnen durch ihre Gedanken mitbekommen.
Die Rolle einer Tradwife wird hier offen beäugt, die kritischen Fragen kommen den Leserinnen ganz von allein. Caro Clair Burke bringt hier viele Themen unter, es geht um das Patriarchat, um religiösen Extremismus, um Gewalt in der Ehe und um eine Frau, die das klassische Rollenbild anscheinend leben will, egal welche negativen Folgen das mit sich bringt. Dieses Bild von Tradwifes wird in den sozialen Medien offen propagiert, besonders in den USA.
"Yesteryear" macht nachdenklich, ohne belehrend zu sein und ist für mich ein echtes Highlight. Ein fesselnder Roman, der das perfekte Tradwife-Leben demontiert!
***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!***



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ab dem 25. Mai tritt die neue Verordnung der DSGVO (Datenschutzgrundverordung) in Kraft.
Mit Absenden eines Kommentars erklärst Du Dich einverstanden, dass personenbezogene Daten (z.B. IP-Adresse, Standort des Logins etc.) abgespeichert und für Statistiken von Google weiterverarbeitet werden .
Weitere Informationen von Google und die Datenschutzerklärung findest Du hier :
https://policies.google.com/privacy?hl=de