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Donnerstag, 16. Juni 2022

Ostseeglück - Stephanie Eden

Imkerei als persönlicher Glückswegweiser

 
In der Reihe Sehnsuchtsorte des Eden Verlags erscheint mit "Ostseeglück" von Stephanie Eden nun Band 16. Er trägt den Untertitel "Mein Neubeginn zwischen Bienenstöcken und Rapsfeldern". 
 
»Mein Plan: Veränderung als Chance zu verstehen, ein entschleunigtes Leben im Takt mit der Natur der Ostseeküste zu führen und den Mut zu haben, neue Wege einzuschlagen.«

 

Stephanie Eden (Jahrgang 1976) fühlte sich ausgebrannt nach Jahren in der Werbebranche und in der Großstadt. Die Geburt ihrer Zwillinge sorgte für ein Umdenken und führte sie an die Ostsee. Dort inmitten von Rapsfeldern entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Imkerei und entwickelte ihr persönliches Lebensglück.
 
Die Autorin wagt einen Neubeginn als Imkerin und eignet sich die dafür nötigen Kenntnisse nach und nach an. Über die einzelnen Schritte bei der Anschaffung von Bienenvölkern und wissenswerte Hintergründe über die Arbeit von Imkern und das Leben der fleißigen Bienen berichtet sie auf unterhaltsame Weise in "Ostseeglück". Für einen hilfreichen Anfang sorgt ihre Mitglied im Imkerverein, dort findet sie gleichgesinnte Imker, die sie mit Herz und Wissen unterstützen. Ihr ist die nachhaltige Imkerei wichtig, sie möchte nicht marktorientiert auf den Ertrag pochen. Die Arbeit mit den Bienen füllt sie aus und erdet sie, das naturnahe Leben mit Bienen macht glücklich.
 
Während Stephanie Eden ihre Anfänge der Imkerei schildert, wird man unweigerlich mitgerissen von ihrer Begeisterung für die Bienen. Alles Wissen, dass sie von ihrer Imker-Freunden erfährt, schreibt sie in ihrem Buch nieder. Wie arbeiten Bienen und welche Aufgaben haben Drohnen? Welche Hierarchie besteht in einem Bienenvolk?  
 
Der Großteil des Buches dreht sich um Wissen über die Imkerei und um die Stephanie Edens eigene Erfahrungen mit ihren Bienenvölkern. Darüber hinaus bringt sie ihren persönlichen Hintergrund ein, erzählt auf lockere und heitere Weise aus ihrem Familienalltag als Mutter dreier Kinder und Frau eines Piloten. 
Geradezu ein Segen ist Stephanies Imkerpate Udo, er gibt nicht nur sein immenses Wissen über die Imkerei weiter, er erklärt und hilft, wo er nur kann und seine Begeisterung für die Bienen färbt auch auf mich als Leserin ab. Diese neue Aufgabe und das Leben mit den Bienen ist als naturnahes Erlebnis gut nachzuvollziehen.

Die vielen Informationen über Bienen bringen auch unbekanntes Wissen über Bienen zutage, diese kleinen fleißigen Insekten sind ein wahres Wunderwerk der Natur und müssen unbedingt erhalten und geschützt werden.
Gerne hätte ich noch etwas mehr über das Leben an der Ostsee erfahren, von ihrer neuen Nachbarschaft und wie sie dort aufgenommen wurde als Neuhinzugezogene.  
 
Lehrreiches und interessantes Buch über die Imkerei und über den Nutzen der Bienen für die Natur. Nach dieser Lektüre weiß man mehr über die Imkerei und möchte am liebsten selbst Bienenvölker betreuen.  
 
                                       
 
 

Freitag, 7. Januar 2022

Ein Meer aus Licht und Farben - Sylvia B. Lindström

Schweden für Anfänger

Unbedarft, mutig und doch klappt der Neubeginn in Schweden

Im Eden Verlag erscheint Sylvia B. Lindströms Buch "Ein Meer aus Licht und Farben".

Nach einem Beziehungsaus steht Sylvia Brandis 1992 plötzlich als alleinerziehende Mutter ohne Job und festen Wohnsitz da. Sie entscheidet sich zu einer Auswanderung nach Schweden, ein Land, das sie noch nie bereist hat, dessen Sprache sie nicht spricht, aber das ihr durch Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf so verheißungsvoll lustig und tolerant erscheint, wie eine heile Welt. 


"Mein Entschluss stand fest: In diesem lustigen und toleranten Land, das ich bislang einzig aus Büchern meiner Kindheit kannte, wollte ich in Zukunft ohne den vergangenen Beziehungsstress glücklich und zufrieden leben." Zitat S.11

In ihrer autobiographischen Auswanderergeschichte erzählt Sylvia Lindström von ihrer Ankunft, dem Eingewöhnen und Leben in Südschweden. Sie berichtet über die Menschen, ihre Lebensgewohnheiten, ihr Sozialsystem, ihre Ansichten und man erfährt einiges über die schwedische Seele.  

Ihrer plötzlichen Eingebung folgt Sylvia Lindström zur Auswanderung nach Schweden. Dort startet sie euphorisch und es folgt ein Überlebenskampf mit einem kleinen Kind in einem fremden Land. Es ist ein ständiges Anpassen an die Gegebenheiten und sie schafft es immer wieder, sich mit neuen Ideen und Aufgaben in Schweden über Wasser zu halten und sich gegen eine Ausweisung zu stemmen. Sie putzt, trägt Zeitungen aus und arbeitet als Aushilfe in der Altenpflege, sie entwirft ihre Ölandspferde (irgendwie angelehnt an die bekannten Dalarna-Pferde), schreibt Bücher und wird Physiotherapeutin für Pferde.

In diesem Buch werden Land und Leute unterhaltsam vorgestellt, immer begleitet durch die persönlichen Gedanken und Probleme Sylvias. Ihre Auswanderung kann man als naiv bezeichnen, ihre vielen Ideen und notwendigen "Überlebensstrategien" lesen sich aber sehr mutig und zielorientiert. Und am Ende hat sie es auch geschafft und fühlt sich in ihrer neuen Heimat wohl und angekommen.

Man muss vor der Lektüre wissen, dass die Auswanderung schon 30 Jahre her ist, Schweden gehört inzwischen zur EU und heute läuft einiges ganz anders.

Der Schreibstil ist flüssig, die Themen vielseitig, manche Dinge werden angerissen, ohne Kontext aneinandergereiht und auch wenn der rote Faden Sylvias Lebensweg ist, so fühlte ich mich manchmal versucht, das Buch abzubrechen. Aber mich hat interessiert, wie es Sylvia in Schweden ergangen ist und ich mochte ihre schöne Beschreibung der Landschaft, der Farben der Natur, dem schwedischen Essen und den privaten Erlebnissen.

Es ist nicht alles Gold was glänzt, Sylvia hat Heimweh, sie trennt sich von Partnern und muss die Abschiede verkraften. Sie wechselt ihre Wohnorte, weil sie finanzielle Probleme hat. Aber was sie ständig positiv antreibt sind ihre geliebten Pferde und die gemeinsame Zeit mit ihrem Sohn. Ich habe bewundert, wie sie scheinbar allem trotzt und sich vom Leben nimmt, was sie will. Wie wenig intensiv die Beziehung in ihrer Kurzzeitehe war, kann man erahnen, dafür stellt sie aber ihre erste Beziehung zu einem bedeutend älteren Schriftsteller besonders hervor und erzählt, was diese Zeit aus ihr machte. 


Wer sich für Schweden und Land und Leute interessiert, wird hier nur am Rande informiert. Wer Pferdeliebhaberin ist und die Selbstverwirklichung einer umtriebigen und vielseitig anpackenden Frau lesen möchte, liegt hier genau richtig.