Sonntag, 11. September 2016

Erlöse mich - Michael Robotham

Spannend durch das Thema der Persönlichkeitsspaltung, aber insgesamt zu konstruiert!

 

"Erlöse mich" ist der 9. Band einer Thrillerreihe von Michael Robotham aus dem Jahr 2014, herausgegeben wurde das Buch im Goldmann Verlag


Marnie ist eine sympathische Frau, deren Mann Daniel vor über einem Jahr verschwunden ist. Er hinterließ ihr neben zwei Kindern auch eine Menge Schulden, die Marnie nun auch noch begleichen muss. Als Escortdame verdient sie nun ihr Geld und gleichzeitig bekommt man auch noch ein anderes Bild von ihr zu sehen. Denn Marnie fühlt sich beobachtet und lässt sich wegen dieser Ängste von Psychologe Joe O'Loughlin behandeln.


So wenige Leute haben zu ihr gestanden.
Freunde haben irgendwann nicht mehr angerufen.
Einladungen sind ausgeblieben.
Unglück ist wie eine ansteckende Krankheit. Zitat Seite 129


Der Thriller zeigt eine Frau, die man schlecht einschätzen kann, einerseits ist sie die liebende und sorgende Mutter ihrer Kinder, andererseits behaupten ihre Bekannten von ihr, sie sei eine Psychopathin. Wie schrecklich Marnies Situation seit dem Verschwinden ihres Mannes ist, erfährt man im Buch hautnah mit. Weil ihr Mann Spielschulden bei einem Kredithai hat, hält der sich an Marnie und will, dass sie die Geldsumme begleicht. Mit solchen Leuten möchte man sich nicht gern anlegen und so versteht man Marnies Ängste nur zu gut. 

Aber es gibt so einige Dinge aus Marnies Leben, die für Entsetzen sorgen und doch fängt man an, nicht mehr zu wissen, was man von ihr halten soll. Einige Personen, die ihr Unrecht antaten, erleben schreckliche Dinge, man könnte sagen: Leichen pflastern ihren Weg. 

Hat sie eine Persönlichkeitsspaltung und geht auf ihre Weise mit ihren Feinden um?

Es ist eine verwirrende Handlung, bei der man sich als Leser über Marnie nicht im Klaren ist. 

Auch die Polizei ermittelt und Joe und Vincent tauschen sich über den Fall aus. Ihre Dialoge sorgen mit ironischer Schärfe für Unterhaltung und ihre Ermittlung erscheint zielstrebig. Immer mehr Opfer finden sie auf ihrem Weg und Marnies Rolle wird immer undurchsichtiger.

Was mich an diesem Buch gestört hat, ist das fehlende Tempo am Anfang. Hier geschehen viele für die Handlung nicht so relevante Dinge und einiges wirkt sehr konstruiert. 

Dennoch ist der Plot interessant und gerade durch die schwierig einzuschätzende Marnie gut zu lesen. Der Schreibstil ist durchgängig gut und mit einigen Cliffhängern wie zum Weiterlesen gemacht.

Ein vielschichtiger Psychothriller, der menschliche Abgründe zeigt und mit einer sehr undurchsichtigen Protagonistin für raffinierte Abwechslung sorgt.




Samstag, 10. September 2016

Die Unvollkommenheit der Liebe - Elizabeth Strout

Ein betroffen machendes Buch, das zeigt, wie Menschen sich nahe sind und es nicht offen zeigen können.



Elizabeth Strouts Roman "Die Unvollkommenheit der Liebe" erscheint 2016 im Luchterhand Verlag.


In "Die Unvollkommenheit der Liebe" befindet sich die Ich-Erzählerin Lucy Barton im Krankenhaus in Manhattan. Sie hat nach einer Blinddarmoperation eine rätselhafte Infektion in ihrem Körper, die lebensgefährliche Züge annimmt. Neun Wochen verbringt sie im Krankenhausbett und erzählt rückblickend ihre Geschichte. Eines Tages sitzt ihre Mutter an ihrem Bett und das, obwohl sie es war, die den Kontakt abgebrochen hatte. In ihren Gesprächen kommen sie sich zwar nicht nahe wie unter Mutter und Tochterüblich wäre, aber sie nähern sich an und man merkt, wie die Mutter für ihre Tochter dasein möchte. Fast so, als ob sie eine Schuld begleichen möchte.





Dabei erfahren wir als Leser die Familienzusammenhänge, sehen die ärmliche Kindheit von Lucy und ihren beiden Geschwistern und erkennen, wie wenig Zeit ihre Eltern neben ihrer Arbeit für die Kinder hatten. Es wird deutlich, in der Familie herrschte ein rauher Ton, Schimpftiraden waren üblich und auch Schläge wurden zur Erziehung eingesetzt. Außerdem fehlte es an Nahrungsmitteln und so kam es, dass Lucy auch schon mal in Mülltonnen nach Essbarem suchen musste. 

Dabei zeigt sich von Lucy das Bild einer Frau und Mutter, die immer noch an Ängsten leidet und vielleicht mal eine Therapie machen müsste. Die Mutter, obwohl selbst keine Übermutter, kritisiert ihre Tochter selbst im Krankenhaus und deren beruflichen Erfolg, sie ist Schriftstellerin, erkennt sie überhaupt nicht an. Sie kann mit dieser Art von Leben nichts anfangen und Lucy ist sich ihrer Persönlichkeit gar nicht richtig bewusst. Sie wirkt manchmal wie ein kleines Kind, das unsicherist und auf der Suche nach mütterlicher Liebe ist.

Doch ihre Mutter versteht diese Signale nicht, geht auch nicht mit besonderer Zuneigung und körperlichem Kontakt darauf ein. Statt dessen beschreibt sie einer Klatschzeitung gleich, die kaputten Beziehungen gemeinsamer Bekannter aus der Heimat und merkt dabei gar nicht, wie sie selbst in einer problematischen Ehe gefangen ist. Sie kann nicht aussprechen, was sie für ihre Tochter empfindet. Sie kann keine Nähe aufbauen. Sie interessiert sich nicht einmal für ihre Großtöchter.

Dabei stellt man sich immer wieder die Frage, ob zu den Misshandlungen durch den Vater auch noch Missbrauch im Spiel war. 

Eine Schlüsselrolle kommt nach dem Krankenhausaufenthalt einer New Yorker Autorin namens Sarah Payne zu. Sie ist es, die Lucy zum Schreiben ermuntert. 

Dieser Roman spricht Themen an, verschweigt aber die ganze Wahrheit, alles wird nur angedeutet, man ahnt mehr als man sicher weiß. 

Sprachlich hat sich Strout hier kein Denkmal gesetzt. Sie, die sonst so brillant formuliert und poetisch erzählen kann, hat die Schreibleistung auf ein Mittelmaß zurückgefahren. Man ahnt mehr als man liest, so wird aus Bruchstücken ein ganzes Bild einer zerbrochenen Familie. 



Dieser Roman hat mich betroffen gemacht, denn er zeigt, wie Menschen sich nicht annähern können und Probleme nicht angesprochen werden. Solche Romane bedrücken mich und mir fehlt hier etwas entscheidendes: die Aussprache.


 ***Leseexemplar von bücher.de aus der Buchflüsterergruppe - Vielen Dank für die Bereitstellung des Buches!***





Freitag, 9. September 2016

Eigentlich bist du gar nicht mein Typ - Anna Bell

Eine Liebesgeschichte, die romantisch, flott und leicht geschrieben ist und einfach gut unterhält!


Anna Bells Liebesroman "Eigentlich bist du gar nicht mein Typ" erscheint 2016 im Knaur TB Verlag


Abi glaubt in Joseph ihren Traummann gefunden zu haben und fällt aus allen Wolken, als dieser ihr seinen Trennungswunsch mitteilt. Ihre Ziele im Leben seien zu unterschiedlich. Daraufhin setzt Abi alles daran, seine persönliche Bucket-List zu erfüllen, sie will ihm beweisen, wie ähnlich sie sich doch sind und ihn damit zurückgewinnen. Leider stehen lauter sportliche Herausforderungen auf dieser Liste und Abi ist ein echter Sportmuffel. Von nun an richtet sie ihr Leben nach dieser Liste aus, auch wenn ihre Höhenangst sie jetzt schon fast um den Verstand bringt.






Dieses Buch hat mir so gut gefallen, dass ich mit dem Lesen gar nicht aufhören konnte, daher vergebe ich hierfür 4 Sterne.
Denn auch wenn ich den Grund für Abis Abarbeiten der Wunschliste Josephs nicht nachvollziehen konnte, machte mir das Buch großen Spaß.
Zum einen ist die Person Abi sehr gelungen dargestellt, sie ist eine sympathische, mit ihren Pfunden kämpfende junge Frau mit einem erfolgreichen Job, sie ist witzig und einfach liebenswert, so dass sie mir während des Lesens richtig ans Herz gewachsen ist.

Dann ist es noch der gelungene Schreibstil, der mich durch diese Handlung geführt hat. Auch wenn die Grundlage hier ein Liebesroman ist, so habe ich kein hohles Chick-lit lesen müssen, es ist keine kitschige Geschichte, sondern eine unterhaltsame Story über die Selbstverwirklichung einer jungen Frau, die mich einfach mitgenommen hat.
Man erlebte gemeinsam mit Abi die sportlichen Herausforderungen beim Absolvieren ihrer Bucket-list mit und hat ihre Gedanken und Gefühle genau nachempfinden können.

Der Schreibstil ist sehr spritzig und leicht, mit etwas Humor gewürzt und nimmt den Leser einfach mit auf eine Erlebnisreise, die mit sportlichen Aktionen, aber auch mit einigen unerwarteten Ereignissen im privaten und beruflichen Leben für Überraschungen sorgen.

Wie sich Abi durch ihre sportlichen Aktivitäten wie Surfen, Radfahren und Berge erwandern zu einer unternehmungslustigen Frau entwickelt hat, ist erstaunlich und angenehm zu sehen. Mir hat imponiert, wie sie trotz Höhenangst einen waghalsigen Sprung absolviert hat. Wenn man etwas wirklich will, kann man auch Ängste überwinden und das wird in diesem Roman deutlich gemacht.


Dabei begleiten sie alte und auch neue Freunde, die ihre sportlichen Herausforderungen munter mit begleiten und ihr das nötige Selbstvertrauen geben. So sieht sie langsam aber sicher, wie sehr sie doch mit Joseph auf das falsche Pferd gesetzt hat und erkennt ihre wahren Gefühle und echten Ziele.



Wie man mit Elan und fremden Lebensträumen wieder Spaß am Leben findet und merkt, dass die eigenen Ziele ganz woanders liegen, aber auch das Bestehen fremder Wünsche neuen Mut verleihen können.




Ein romantischer Sommerroman mit einigen unterhaltsamen Vorkommnissen und der Message, dass man das eigene Glück nur dann finden kann, wenn man eigene Ziele verfolgt und eigene Entscheidungen trifft.
  






Freitags-Füller # 4

Zack, ist schon wieder Freitag! Zeit für den...
 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara auf  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.


1.  Was meint ihr, wer kauft denn jetzt eigentlich schon die Weihnachtsgebäcke und Marzipanbrote?


2. "Kindermund tut Wahrheit kund", daran hat sich nichts verändert.


3. Der Begriff "Darm mit Charme" hat mich diese Woche gut unterhalten und über die vielen Zusammenhänge und Aufgaben dieses Organs informiert.


4. Wie ich in meinen Alltag basische Ernährung einbauen kann, ist eine interessante Frage.


5. Die letzten Sommertage haben noch mal die Sonne so richtig rausgekitzelt und das genieße ich gerade. 


6. Stilles Wasser mit Minze, aber auch mal ein eisgekühlter Weißwein gehören zu meinen Lieblingsdrinks dieses Sommers.


7.  Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf meine Chorprobe morgen habe ich einen Besuch beim Optiker geplant und Sonntag (möchte ich) muss ich bei unserer Kommunalwahl als Wahlleiterin antreten!

 

Das waren meine Freitags-Füller, ich bin gespannt auf eure!

 

Mittwoch, 7. September 2016

Das Kopfkissenbuch der Liebe - Katja Maasböl

Die Liebe ist zeitlos



"Das Kopfkissenbuch der Liebe" enthält eine bunte Sammlung von Liebesgedichten von Frauen und wurde im Hoffmann und Campe Verlag 2013 herausgegeben von Michael Korth. Katja Maasböl sorgte für die Illustrationen.


Dieser Band versammelt Lyrik liebender Frauen aus dreieinhalb Jahrtausenden - von der Antike bis zur Gegenwart. Gedichte, u.a. von Sappho, Louise Labé, Gioconda Belli, Else Lasker-Schüler und Ono no Komachi wurden für Das Kopfkissenbuch der Liebe entdeckt und einfühlsam ediert. Diese aufwendig illustrierte Anthologie ist gegliedert nach den Emotionen, die die Liebe mit sich bringt: Sehnsucht und Hingabe, Verzweiflung, Eifersucht, Begierde und Erfüllung. Eine bemerkenswerte Sammlung für Poesieliebhaber.





In diesem Band sind eine Vielzahl von Dichterinnen vertreten, und es  finden sich auch ein paar Volkslieder darunter.
Sie alle eint das älteste und zugleich zeitloseste Thema der Welt in eindrücklicher Weise, und zwar schreiben alle über die Liebe.


Die Zeitspanne ist enorm: der älteste Text stammt von Sulpicia, einer adeligen Nichte des Feldherrn Messala aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus. Die jüngste Autorin ist Diane Mönch (geb. 1977) mit ihrem Gedicht "Neben dir".
Die Gedichte dieses weltumfassenden Themas stammen aus aller Welt: Afrika, Europa (Deutschland, Frankreich, England, Finnland, u.a.) Japan, China, Chile und Kurdistan sind vertreten.


Überrascht hat mich das Lied "Wenn ich ein Vöglein wär" von Johann Gottfried Herder aus dem jahr 1778. Deutsches Liedgut enthält also auch Liebestexte, die dank einer leichten Melodie zu Volksliedern wurden.
Daneben stellt das aus dem Shi-King stammende chinesische Lied "Für den Winter Süssigkeiten" die Eifersucht dar.
Selbst Königin Maria Stuart ist vertreten, sie erschuf im 16. Jahrhundert das Gedicht "Ach! In meinem jungen Frühling" und gibt darin ihre Sehnsucht nach ihrem Geliebten kund.

"Seelenallein" von Christine de Pisan klingt richtig modern und ist doch von ungefähr 1400. Erstaunlich ist auch, dass diese Dichterin damals schon mit ihrer Dichtkunst ihr Geld verdiente.

Gioconda Belli (geb. 1948 in Managua) hat ein schon fast erotisch zu nennendes Gedicht erdacht, es heißt: "In der schmerzhaften Einsamkeit des Sonntags"

Von ihren verletzten Gefühlen schreibt Louise Labé (1526-1566) in "Solange meine Augen Tränen geben".


Mich haben bei diesem Bildband besonders die wunderschönen Gemälde von Monet, Renoir, Sisley u.a. sehr erfreut. Die verschiedenen Bilder geben dem Buch einen stilvollen Rahmen und lassen die Gedichte noch intensiver wirken. Für die Bilder ist Katja Maasböl verantwortlich.



Ein wunderschönes Buch für Lyrik-Liebhaber, bei dem man Gedichtschätze aus aller Welt entdecken kann. Sie alle beschäftigen sich mit Liebe, aber auch mit verletzten Gefühlen, Sehnsucht und Eifersucht. Die Leidenschaft, die Leiden schafft! 




Dienstag, 6. September 2016

Darm mit Charme - Giulia Enders

Der Blick durch die Hintertür

Medizinisches Wissen rund um den Darm wird hier verständlich und mit Pfiff dargestellt! So müssen Sachbücher sein!

Giulia Enders ist Wissenschaftlerin, blutjung und zeigt mit ihrem Sachbuch "Darm mit Charme" den unverhüllten Blick auf diesen wichtigen Teil des menschlichen Organismus. Das Buch erschien 2014 im Ullstein Verlag.


Gerade das Thema Darm ist vielen Menschen unangenehm! Er ist sozusagen das schwarze Schaf unter den Organen. Doch wenn man ihn mal näher betrachtet, merkt man schnell, welche wichtigen Aufgaben er im menschlichen Körper übernimmt. Gerade Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einer gestörten Balance der Darmflora zusammen. Also müssen wir unseren Darm besser kennen lernen, um zu erkennen, was gut für ihn und demzufolge auch für uns ist.  



Giulia Enders hat sich durch ihr Medizinstudium mit diesem Thema befasst und spricht offen an, was für viele Menschen ein schwieriges Tabu-Thema ist. Dabei geht sie mit Fachverstand an die Sache heran und beschreibt allgemein verständlich und mit einem Fünkchen Humor die Sicht auf unsere innere Kehrseite.

Sie stellt Fragen zu der Art des Klogangs, über das Rülpsen oder Pupsen und über die Beschaffenheit des Stuhls und erklärt warum der Darm auch für Allergien von größter Bedeutung ist.

Dabei beginnt sie mit der Essensaufnahme, erklärt die Aufgabe von Speichel und Magen und letztendlich des Darms. So gesehen erkennt man schnell die Wichtigkeit dieses unterschätzten Ausscheidungsorgans.

Sehr anschaulich und mit einfachen Worten und Bildern wird hier eine Materie erklärt, mit der man sich sonst nicht so intensiv befassen würde. Erst wenn man Probleme hat, ist man oft bereit, sich damit zu beschäftigen. Aber in diesem Buch macht die Wissensvermittlung nicht nur Spaß, sondern man erkennt für sich selbst die Wichtigkeit der Verdauung und die Gesund- Erhaltung des Darms stellt sich in einem ganz anderen Licht dar.

Dieses Buch stellt eine Fülle von wissenschaftlichen Erkenntnissen vor, aber die Besonderheit liegt in Giulia Enders besonderen Art der sprachlichen Vermittlung. Denn sie vermag es wunderbar einfach und völlig verständlich, die kompliziertesten Vorgänge medizinischer Bereiche wie z. B. die Wirkung der Bakterien der Darmflora auf unser Immunsystem zu beschreiben.

Dabei sorgen die aussagekräftigen Illustrationen ihrer Schwester Jill Enders für eine gelungene bildhafte Unterstützung und tolle Untermalung des Ganzen. Man glaubt sich in einem Comic, wenn man Immunzellen als Kämpfertypen, witzige Figuren als Türsteher und Tänzerinnen als Geschmacksrezeptoren sieht. So macht fundierte medizinische Wissensvermittlung nicht nur Spaß, sondern man begreift auch schwierige Sachverhalte ohne Probleme.

 




"Darm mit Charme" ist ein leidenschaftlich geschriebenes Buch über unsere Darmwelt, dabei wird lehrreich und witzig an die Sache heran gegangen und jede Art von peinlicher Scheu überwunden. So können auch Sachbücher den Leser richtig fesseln und packen. Die Autorin würde sicherlich auch eine gute Dozentin abgeben. 



Montag, 5. September 2016

Life changing food - Eva Fischer

Neue Ernährungsmethoden frisch auf den Tisch


"Life changing food" ist ein Kochbuch der Ernährungsexpertin Eva Fischer aus dem Brandstätter Verlag.

Eva Fischer stellt in diesem Buch das LCF-Prinzip vor. Es handelt sich um Rezepte mit Nahrungsmitteln, die dem Körper Energie verleihen, weil sie die wichtigsten Nährstoffe für den Körper enthalten. Sie sollen vitalisieren, glücklich machen und das Immunsystem stärken.

"Life changing food", kurz LCF, von Eva Fischer beschreibt die Gründe für eine spezielle Ernährungsform und ihr Buch enthält ein 21-Tage-Ernährungsprogramm, mit dem man testen kann, wie diese Umstellung persönlich wirkt.   






Eva Fischer leidet an Zöliakie, eine Glutenunverträglichkeit und passt ihre Ernährung demzufolge an. Die Zöliakie als Life-Changing-Moment sozusagen!
Das sorgt bei ihr für ein verändertes Essverhalten und sie kommt den Gründen für allergische Reaktionen vieler Menschen auf die Spur. Dabei geht sie auf den nötigen Energiebedarf und einen ausgewogenen Teller ein.

Der Grundgedanke ist generell:
Weg von industriell gefertigten Lebensmitteln, hin zu gesunden, lebensverändernden Nahrungsmitteln. 
Weg vom BMI, hin zum Wohlfühlgewicht. Gleichzeitig Sport und der Verzehr von frisch gekochtem Essen steigern das Lebensgefühl. Wenig Fleisch, viel Wasser trinken und Bewegung.

  
Dieses lebensverändernde Essen soll gesunden Lebensmitteln ohne Unverträglichkeiten den Weg ebnen, den Körper satt und gesund und die Seele zufrieden machen. Die Autorin erklärt, wie sich ein gesundes Essen zusammensetzt und welche Wirkungen bestimmte Lebensmittel auf den Körper haben.

Für dieses Konzept sind insbesondere Superfoods geeignet. Darunter versteht man Lebensmittel, die eine besonders intensive Nährstoffdichte bei wenig Kalorien beinhalten, wie zum Beispiel die Avocado. Doch auch heimische Superfoods finden mehr und mehr Verwendung, dazu gehören: Aronia, Heidelbeeren, Leinsamen, Grüngemüse, Knobi, Hanföl, Sauerkraut, Rote Beete, Honig, Weizengras, Sprossen, Walnuss.


Der Ernährungsplan ist für 21 Tage ausgelegt und zeigt eine bunte Vielfalt von Rezepten, die mit tollen appetitanregenden Fotos vorgestellt werden. Die Wochenpläne sind übersichtlich: Es gibt Rezepte für Frühstück, Mittag, Abendessen und Snacks.
Eine Einkaufsliste gibt Hilfestellung, positive Erfolge sollen den Menschen zu einem Umdenken verhelfen.

Ein paar Rezepte klingen schmackhaft, einige sind mir zu umständlich und gegen Nüsse bin ich hoch allergisch. Ich weiß nicht, ob ich hier viel nachkochen werde. Viele Schritte sind nicht meine gewohnte Routine und ich muss zuviel nachlesen. Doch das Konzept generell finde ich glaubhaft und kann mir Erfolge gut vorstellen.

Lecker finde ich die Lieblingsbrote auf Seite 61, den Getreidesalat mit Himbeeren und Ziegenkäse und die Prosciutto-Tarte mit Birne und Rucola: angeblich mit Chiasamen im Boden, die Angabe fehlt aber leider auf der Rezeptübersicht, Seite 140.
Ein sehr übersichtliches Register und ein Nachwort über alle Beteiligten schliesst das Buch ab.

Die häufige Verwendung von Nüssen und Kokos in verschiedensten Formen (Kokosöl, Kokosschips, -milch oder -sahne) finde ich problematisch. Hier kenne ich einige Menschen, die diese Produkte nicht mögen oder allergisch reagieren, leider sind keine Ersatzprodukte angegeben.

Generell sehen die Rezepte alle schmackhaft aus, die Zutaten sind jedoch nicht unbedingt im nächsten Supermarkt zu finden und die Zubereitung ist variantenreich, aber für mich auch ungewohnt. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass man sich auf dieses Konzept bewusst einstellen kann und dann nimmt man auch die Routineveränderung und Vorratshaltung gern in Kauf.

Die Rezeptangaben sind übersichtlich, mit Zeitangabe und Zutatenliste für 2 Personen. Dazu gibt es Tipps für eine vegane, laktosefreie oder glutenfreie Variante. Leider gibt es nicht zu allen Rezepten Fotos.

Die Idee klingt erfolgversprechend: weg von Fast Food und neben Bewegung der Verzehr gesunder Lebensmittel, das kann dem Körper nur gut tun. Man kann das gut nachempfinden, denn nach einem Teller Nudeln ist man erst mal pappsatt, aber nicht unbedingt vitaler!


Ein Kochbuch für Körper und Seele nach dem LCF-Prinzip. Wer ausgefallene Gerichte mag, neue Ernährungswege jenseits der Fast Food Welle beschreiten möchte, für den ist dieses Kochbuch ideal.