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Dienstag, 19. Mai 2020

Auszeit bei den Abendrots - Alexandra Holenstein

Absolut humorvoller Frauenroman über eine Beziehungskrise 


Wie das Leben so spielt

Im Fischer Verlag erscheint der Roman "Auszeit bei den Abendrots" von Alexandra Holenstein.

Das kann doch nicht wahr sein, denkt Helene Abendrot, als ihr Mann Josef sie an einer Autobahnraststätte einfach sitzen lässt. Immerhin hat sie das Auto und er ist zu Fuß abgehauen. Es gibt doch noch Glück im Unglück. Der Grund für diese Aktion und die nachfolgende Eheauszeit heißt Nathalie und ist halb so alt wie Josef. Doch statt Trübsal zu blasen, nutzt Helene die Zeit für sich und unternimmt Seminare und Reisen, die ihrem Leben abenteuerliche Erfahrungen bescheren. Was ist dagegen schon die langweilige Ehe mit Josef?



"...aus der Strohwitwe kann dann auch mal schnell eine Strohblume werden. Die, die man so ewig in einer Vase ohne Wasser lässt und dann vergisst." Zitat Seite 135

Nachdem ich "Das Heinrich-Problem" von Alexandra Holenstein bereits begeistert gelesen habe, konnte mich auch ihr neuer humorvoller Frauenroman absolut überzeugen. Es sind Szenen aus dem echten Leben, genauer gesagt aus einem langjährigen Eheleben. Wieder geht es um eine Beziehungskrise, die die Autorin mit herrlichen Situationsbeschreibungen und abwechslungsreichen Charakteren mit Leben füllt. Pointiert humorvoll und erstaunlich treffsicher zielt ihr Pfeil dabei ins Schwarze, in diesem Fall auf Josef, der sich in seiner Auszeit mit einer jungen Frau vergnügt. Noch etwas benommen von dieser Erfahrung, rät Helenes Freundin ihr als Ablenkung zu Reisen als genussvolle Trennungsschmerz-Verarbeitung. Helene nimmt diesen Rat an und reist in die Provence und in die Toskana, dort besucht sie ein Weinseminar, malt in Aquarell und nimmt an einem Literaturseminar teil. Sie erlebt dort einige amouröse Erfahrungen, allerdings entpuppen sich ihre männlichen Neuentdeckungen recht schnell als echte "Windhunde". Trotzdem gewinnt sie ihre innere Balance und alte Kraft und Stärke zurück. Josef gegenüber gibt sie sich abgeklärt, reagiert mit nüchternen Bemerkungen auf seine erneue Annäherung, denn Nathalie, die flotte Antilope, hat die Liaison mit ihrem väterlichen und alten Doktorvater bald über und Josef merkt auf einmal, was er an Helene hat.

Ein kurzweiliger und herrlich zu lesender Erzählstil macht das Lesen zum Genuß. Das Eheleben an sich, die Trennung und die liebevoll beschriebenen Charaktere der Seminarteilnehmer sorgen für eine abwechslungsreiche Geschichte, die man einfach nur gern und mit einem Schmunzeln im Gesicht liest. So spielt das Leben, wenn auch nicht immer mit einem zufriedenstellenden Ende. 


Dieser Roman lässt sich durch den eingebauten Humor und die trockenen Anmerkungen Helenes einfach nur gut lesen. Ein Frauenroman über eine Beziehungskrise mit dem Geschmack des wahren Lebens, der mich zum Schmunzeln gebracht hat.


***Herzlichen Dank an den Fischerverlag für dieses Leseexemplar!***


 Holenstein, Alexandra - Das Heinrich-Problem

Freitag, 14. Februar 2020

Kann mein Herz nicht mal die Klappe halten? - Julia Greve

Wenn die Paartherapie aus dem Ruder läuft


Julia Greves Roman "Kann mein Herz nicht mal die Klappe halten?" erscheint im Rowohlt Verlag.

Was kommt eigentlich nach dem Happy End? Wie sieht eine glückliche Ehe nach 15 Jahren aus? Eigentlich ist Nina glücklich, die Ehe mit Steffen läuft meistens gut. Ihre Töchter, 8 und 11, verstehen sich im Großen und Ganzen auch prima, sie haben Freunde, gehen auch mal aus und führen eigentlich ein gutes Leben. Nur fehlt die Leidenschaft. Für neues Knistern macht Steffen Nina einen gewagten Vorschlag, dem sie zustimmt, doch wird sie es noch bereuen?


Die Story hinter dieser Geschichte zeigt, wie in einer Ehe die Leidenschaft vom Alltag und den Gewohnheiten immer mehr verdrängt wird. Julia Greeve hat das zum Anlass genommen, mal ein Buch aus Ninas Perspektive über eine besondere Art von Auffrischung ihrer Beziehung zu schreiben. Denn, und jetzt kommt das Ungewöhnliche, sie machen einen Partnertausch. Nur ihrem Mann und ihrer Ehe zuliebe schlägt Nina in den Vorschlag ein. Schnell bereut sie es, denn ihr "neuer" Partner gefällt ihr Anfangs gar nicht. Doch das ändert sich mit jedem Treffen mehr, er ist ein sympathischer Typ, spielt gerne Karten (was im Buch für besonderen Spaß sorgt) und ist einfach ein gutherziger Mensch.
Mir hat der Erzählstil gut gefallen, es ist locker und teilweise lustig geschrieben und man liest, wenn auch kopfschüttelnd, interessiert bis zum "bitteren" Ende. Die Charaktere lernt man recht gut kennen, bekommt allerdings hauptsächlich Einblick in Julias Gedankenwelt, ansonsten führen viele Dialoge zu den weiteren Vorgängen und Erlebnissen.
Ein paar Vorbehalte hatte ich zwar beim Lesen, doch mich hat der Ausgang der Geschichte neugierig gemacht und ich musste es schnell durchlesen.

Das Ganze klingt nach einer Geschichte, die irgendwie unter der Gürtellinie verläuft. Das ist sie aber definitiv nicht, sonst hätte ich schon frühzeitig abgebrochen. Man kann über die Familie und ihre Kinder schmunzeln, es gibt heikle Situationen, Nina tut mir teilweise leid und ich habe nicht verstanden, warum sie solange Steffens Wunsch nachgekommen ist. Für die Gespräche des Paares konnte ich zwar Verständnis aufbringen, für ihr Vorhaben eher nicht. Ich muss leider sagen, die Story hat mich einfach nicht gepackt, wobei auch das Ende daran seinen Anteil hat. Da kommt auf die Leserin noch eine besondere Überraschung zu, die für ordentlichen Trubel sorgt. 


Dieses Buch sorgt für unterhaltsame und nachdenkliche Lesezeit mit einer Prise Humor. Mit der Partnertausch-Geschichte konnte ich mich leider nicht so richtig anfreunden. 


***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


Greve, Julia - Herzkur