Mittwoch, 20. Juli 2016

Nach einer wahren Geschichte - Delphine de Vigan

Ein raffiniertes Spiel, bei dem Wahrheit und Wahrnehmungsstörung ineinander zerfließen!


Den Roman "Nach einer wahren Geschichte" schrieb die französische Autorin Delphine de Vigan 2016, er erscheint im DuMont Buchverlag

Die Autorin Delphine de Vigan ist eine zurückhaltende Person und lernt auf einer Party die faszinierende L. kennen, die als als  Ghostwriterin arbeitet. Die beiden Frauen lernen sich näher kennen und treffen sich regelmäßig. Dabei sprechen sie über ihr Leben, über ihr Schreiben, Bücher und über ihre Familie. Sie entdecken viele Gemeinsamkeiten und Delphine geniesst ihre Gesellschaft.
L. kritisiert in ihren Gesprächen über Delphines Bücher die fiktiven Themen, sie solle sich der Wahrheit verschreiben. Daraufhin stürzt Delphine in eine tiefe depressive Krise, in der sie nicht mehr schreiben kann. Scheinbar betroffen übernimmt L. in Delphines Namen die Kontakte und Mails zur Außenwelt. Alle warten auf den neuen Roman.




"Ja, Schreiben ist eine Waffe... eine Rakete, ein Flammenwerfer, eine Kriegswaffe. Es kann alles zerstören, aber es kann genauso gut alles wieder aufbauen. " Zitat S. 153


Die Schriftstellerin Delphine beschreibt ihr Schreiben und Leben und ihre Freundschaft zu L., einer Frau, mit der sie auf einer Wellenlänge zu sein scheint.
Bei diesem Roman wird dem Seelenleben der Frauen und ihren Übereinstimmungen viel Raum gegeben. Anfangs sind sie mir nicht besonders nahe, zu diffus bildet sich die Persönlichkeit ab. Man fragt sich, wohin der Roman einen führt. Aber allmählich steht man inmitten der Personen und erlebt ein seltsames Spiel mit.

Die Gedanken kreisen um die Delphines Kinder, den Freund und natürlich L.
Aber was geschieht wirklich? Die einseitige Betrachtung aus der Sicht von Delphine verwehrt uns den wahren Blick. Nichts kann für wahr hingenommen werden.

Delphine hat eine Art Verrücktheit. "Ich dachte, L. habe meine kleine Verrücktheit erkannt und ich ihre. Vielleicht ist eine Begegnung, ob nun eine amouröse oder freundschaftliche, genau das, zwei Funken Wahnsinn, die sich erkennen und gefangen nehmen." Zitat S. 129

In der Beschreibung von L. erklärt Delphine sie so tief verstehend, dass man sich fragt, ob sie nicht doch ein und dieselbe Person sein könnten. Oder ist es nur ein Teil von Delphine, die sich nach einer solchen Person und guten Freundin sehnt? Hier meint man eventuell eine schizophrene Ausprägung bei Delphine zu sehen, es bleibt jedoch ungewiss. 


Als L. bei Delphine einzieht, übernimmt sie die Kontrolle über Delphine, diese erlebt eine Schreibblockkade und verliert die Kontakte zur Außenwelt. Die Korrespondenz erledigt nun L.

Von diesem Moment an fragt man sich, was hat L. vor? 

Das kann ich nun nicht weiter ausführen, den weiteren Inhalt würde ich sonst an dieser Stelle verraten.


Die Geschichte wirkt empathisch und detailliert aus der Sicht von Delphine erzählt. Der Schreibstil ist angenehm und klug und man ist in einem Spiel um Wahrheit und Fiktion gefangen.  



Ein interessanter Roman mit tiefen Einblicken in die wahre Geschichte, bei der man erstaunt liest. 


  ***Leseexemplar von bücher.de aus der Buchflüsterergruppe - Vielen Dank für die Bereitstellung des Buches!***


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