Freitag, 23. Januar 2026

Tage des Lichts - Megan Hunter

Verpasste Lebenschancen 

 
"Tage des Lichts" von Megan Hunter erscheint im C.H.Beck Verlag.  
 
England 1938: Ivy ist 19 Jahre alt und hat noch keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Sie hat viele Träume, möchte Tänzerin, Malerin oder Spionin werden? Dann sorgt ein tragischer Schicksalsschlag für einen Bruch, der ihr ihre Träume vergessen lässt und sie führt ein angepasstes Leben als verheiratete Frau und Mutter. Doch das füllt sie nicht aus und sie erkennt mit den Jahren eine Leere, die sie erst viel später mit ihrer Beziehung zu Frances füllen kann. Doch diese Liebe darf nicht sein!
 

 
 
"Wie die Ehe ihr, trotz aller Komplikationen, in so vieler Hinsicht eine Verschnaufpause von den quälenden Mystrien ihrer Jugend verschafft hatte. Es war ein Zustand der Schwebe gewesen, ...in dem man ... in einer ewigen Gegenwart gefangen war." Zitat S. 189 
 
Dieser Roman erzählt Ivys achtzigjähriges Leben in sechs Tagen. Wie verläuft unser Leben, welchen Einfluss haben Schuld, Sehnsucht und Träume auf unseren Lebensweg und können wir unsere Gefühle so ausleben, wie wir es uns erhoffen?   
Die Thematik, die hinter der Handlung steht, hat mich sehr interessiert und ich war neugierig auf Ivys Lebensstationen und wollte gern daran teilhaben. Das ist mir nur teilweise gelungen, weil viele Dinge unausgesprochen bleiben und nur hinter den Zeilen angedeutet werden. Es ist ein poetischer und stiller Roman, der mir Ivy und Frances leider nicht sehr nahe gebracht hat. 
 
 
In den gezeigten Ausschnitten aus Ivys Lebensabschnitten werden ihre Interessen sichtbar, ihre Trauer und ihre Befangenheit, sich von dem Schicksalsschlag zu befreien. Der Tod verändert ihre Vorstellungen von einer Zukunft im kreativen Bereich und sie ist unfähig, sich daraus zu befreien und so lebt sie auch in ihrer Ehe kein erfülltes Leben. In den Lebensstationen erhaschen wir nur einen kurzen Einblick in die Gefühlswelt von Ivy und sind gefordert, uns daraus ein komplettes Bild von ihr zu erstellen. Solche Szenerien liegen mir nicht, wenn etwas geschieht, dann möchte ich mehr darüber wissen und nicht nur andeutungsweise darüber informiert werden. Das fehlt mir und ich konnte mich nicht mit Ivy anfreunden. Wenn hier ein feministischer Ansatz zugrunde liegen sollte, so hat er mich nicht erreicht und auch nicht überzeugt. Wenn Frauen Beziehungen mit Frauen eingehen, so ist das eine Liebe, die damals als Affront gegen die Sitten galt, heute aber selbstverständlich ausgelebt werden kann.  
 

Der atmospärische Erzählstil ist besonders, ich musste damit erst warm werden, vor allem mit den poetischen und etwas blumigen Beschreibungen, die ich durchaus mag. Es gibt einzelne Phrasen, die ich bewusst und gern gelesen habe. Doch wenn viele Szenen und Vorgänge nur zu erahnen sind, fehlt es mir an Klarheit und an dem direkten Bezug zu den gezeigten Figuren und ufert damit in unergründliche Längen aus. Die distanzierte Sicht auf die recht blass gezeigten Frauenfiguren ließ sie mir nicht nahe kommen.  

Obwohl mich die Grundthematik interessiert hat, sprang bei diesem Roman der Funke nicht über und ich habe mich regelrecht hindurch bemüht. Wer einen fesselnden Roman sucht, wird hier leider nicht fündig.
 
Zu poetisch, zu unausgesprochen und zu melancholisch! Hat leider meinen Geschmack nicht getroffen und mich nicht abgeholt!  

  

***Herzlichen Dank an C.H. Beck Verlag und an Vorablesen für dieses Prämienbuch!*** 


                                  
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ab dem 25. Mai tritt die neue Verordnung der DSGVO (Datenschutzgrundverordung) in Kraft.
Mit Absenden eines Kommentars erklärst Du Dich einverstanden, dass personenbezogene Daten (z.B. IP-Adresse, Standort des Logins etc.) abgespeichert und für Statistiken von Google weiterverarbeitet werden .
Weitere Informationen von Google und die Datenschutzerklärung findest Du hier :
https://policies.google.com/privacy?hl=de