Freitag, 30. Oktober 2026

Der Zauber der kleinen Dinge - Beate Maly

Eine warmherzige Erzählung um die Erfindung der Schneekugel

Im Blanvalet Verlag erscheint der historische Roman Der Zauber der kleinen Dinge von Beate Maly.  

Wien, 1900: Die Zuckerbäckerin Charlotte Geiger fertigt kunstvolle Marzipanfiguren in der familieneigenen Bäckerei und liebt diese Arbeit über alles. Im Winter erfährt sie von ihrem Vater, dass er die Backstube verkaufen will und ist verzweifelt, denn als unverheiratete Frau darf sie kein Gewerbe ausüben und auch nicht in einem anderen Betrieb arbeiten. Als Gouvernante soll sie im Haushalt ihrer Schwester arbeiten, deren fünf Kinder betreuen und als unverheiratete Frau soll ihr Erbe auf ihre  Schwester und deren Mann übergehen. So hat sich Charlotte ihre Zukunft nicht vorgestellt und kämpft für ihre Ziele!  


 

Beate Maly erzählt eine märchenhaft anmutende Geschichte, die uns ins verschneite Wien des Jahres 1900 zurück versetzt. Sie verknüpft die reale Erfindung der Wiener Schneekugel mit der emotionalen Geschichte ihrer mutigen Protagonistin Charlotte, die sich den Zwängen ihrer Zeit widersetzt und tapfer für ihr eigenes Glück kämpft. 

In diesem Buch werden die verschiedenen Schauplätze im winterlichen Wien atmosphärisch spürbar beschrieben, wir tauchen ein in das verschneite, kalte Wien und erleben die damals herrschende Kluft zwischen Arm und Reich. Die köstlichen Backwaren der Geigers waren für wohlhabende Wiener erschwinglich, aber viele Menschen lebten von der Hand in den Mund und dazu gehört auch der Mechaniker und Erfinder Erwin Perzy, der chirurgische Instrumente herstellt und auf neue Aufträge wartet. In seinem kleinen Haus experimentiert er an einer Schusterkugel, hat aber keinen Erfolg. 

Eines Tages findet Erwin den kleinen Waisenjungen Rudi mit seinem Hund Stoppel in seinem Schuppen, er floh aus dem Waisenhaus, in dem er nach dem Tod seiner Mutter gelebt hatte. Die Nonnen behandeln ihn schlecht und Stoppel wollen sie töten. Rudi flieht und findet bei Erwin einen trockenen Platz zum Schlafen.

Der Erzählstil liest sich flüssig und durch die bildhafte Szenerie Wiens sehr schön atmosphärisch. Die Geschichte entwickelt einen Lesesog, weil man sich für Charlotte, Rudi und Erwin wünscht, dass alles im Guten endet. Die Zeichnung der Charaktere ist facettenreich, Beate Maly teilt ihre Figuren in gute und böse Menschen ein und lässt ihre liebevoll agierenden Protagonisten so einige Schwierigkeiten überwinden. Für emotionale Momente sorgt die sich anbahnende Liebesgeschichte und Rudis Schicksal hat mich auch sehr gerührt. Das Schicksal unverheirateter Frauen in dieser Zeit bedeutete eine rechtliche Unmündigkeit, die mich unglaublich empört hat. 

In diesem Roman wird erst sehr strikt in Gut und Böse eingeteilt und dann machen plötzlich einige Figuren einen recht unrealistischen Wandel durch, was für die Handlung recht schön ist, für mein Empfinden aber sehr konstruiert wirkt.

Dieser anrührende Roman erzählt vom Zauber der Schneekugel und der Weihnachtszeit und bildet das gesellschaftliche Leben um 1900 gut sichtbar ab. 

 

 ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar!***


 

2 Kommentare:

  1. Hallo Barbara,

    schade, dass man unverheiratete Frauen in Europa immer solche Hindernisse in ihre Leben/Weg/Lauf gelegt wurde.....erinnere mich da noch an den Film "Albert Nobbs" in Irland wo sich Frauen, als Männer ausgeben mussten damit sie einigermaßen "leben" konnten....wie traurig...

    LG..Karin...

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  2. Liebe Barbara,
    ich fand die Geschichte entzückend und richtig wohltuend in der heutigen zeit, auch wenn natürlich das Los der Frauen, aber auch von Rudi und Erwin Perzy nicht unbedingt schön waren. Aber alles wird so warmherzig und bildhaft erzählt. Und die Schneekugel als eigentlicher roter Faden war ebenfalls gelungen.

    Liebe Grüße
    Martina

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