Dienstag, 12. Juni 2018

Die Stadt der Steine - Xiaolu Gu

Dieser Roman lässt uns China und seine Menschen besser verstehen. Fesselnd, aufwühlend und sehr intensiv geschrieben.


Der Roman "Die Stadt der Steine" der chinesischen Autorin Xiaolu Guo erschien bereits 2005. 2018 wird er im Knaus Verlag neu aufgelegt. 

Stadt der Steine

 
Die junge Chinesin Coral Jiang lebt mit ihrem Freund Red in einem Wolkenkratzer mitten in der Millionenstadt Beijing. Eines Tages erhält sie ein Paket ohne Absender, darin befindet sich ein getrockneter Aal. Schon der Geruch erinnert sie an ihre Kindheit in der kleinen Fischersiedlung, die Stadt der Steine. Mit Macht kommen Gefühle, Erinnerungen und tief vergrabene Erlebnisse in ihr hoch, die sie damals dazu brachten, diesen Ort für immer zu verlassen. 


Die Stadt der Steine ist ein ursprüngliches Fischerdorf am ostchinesischen Meer in dem gewaltige Taifune für Verwüstungen sorgen, wo die Menschen wortkarg und mit wenig Schulwissen ihr karges, hartes Leben als Fischer fristen und die althergebrachten Traditionen gelebt werden. Wo nur die Geburten der Söhne etwas zählen und Zwangsheiraten und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind.
Mit kurzen, prägnanten und sehr aufwühlenden Sätzen zeichnet die Autorin ein nachdenklich machendes Bild dieses Ortes, stellvertretend für die vielen anderen ländlichen Gebiete Chinas. Als Waise wächst Coral eher geduldet als geliebt bei ihren Großeltern auf. In einem Haus, indem statt Lachen und Leben, Einsamkeit, Wortlosigkeit und Gewalt regierte.

Die Geschichte von Coral wird nicht immer vollständig beschrieben, manche Dinge muss sich der Leser aus dem Kontext heraus denken. Doch gerade das macht das Buch so dramatisch und eindringlich. Gewalt und scheinbar lieblose Familienbande haben ihre Spuren auch in Corals Leben hinterlassen. Sie hat es geschafft, die Schatten ihrer Vergangenheit aus ihrem Leben zu verbannen, doch der nach alter Tradition der Stadt, gesalzene, getrocknete Aal bringt alle Gefühle wieder zurück.

Mit diesem Roman gewinnt man ungeahnte Einblicke in Chinas Traditionen, Lebensbedingungen und den Wandel zur Moderne. Mit dem Aal kommen auch bei Coral die Erinnerungen, die sie solange unterdrückt hat, zurück. Schlimme Erlebnisse, sexuelle Gewalt und große Armut.

Man ist beim Lesen sehr betroffen und wird nachdenklich, denn dieser bildgewaltige Roman hinterlässt seine Spuren. Ein sehr zu empfehlender Roman über das traditionelle China und das Leben in den modernen Großstädten Chinas.


  
***Herzlichen Dank für dieses ergreifende Buch, das ich aus dem Knaus Verlag über das Bloggerportal Randomhouse erhalten habe!***



Es war einmal im Fernen Osten - Xiaolu Guo

Montag, 11. Juni 2018

Ein zufälliger Irrtum über die Liebe - Brianna Wolfson

Ein berührender Roman, dessen Perspektive zeigt, wie Kinder bestimmte Situationen empfinden.


Der Roman "Ein zufälliger Irrtum über die Liebe" von Brianna Wolfson erscheint im HarperCollinsVerlag.

Pizza im Baumhaus, tanzen zu Prince, die Welt durch eine lilafarbene Brille betrachten – all das ist für die kleine Willow Liebe. Es sind die Stunden, die sie mit ihrer lebenslustigen Mutter Rosie genossen hat. Doch seit sich die Eltern getrennt haben und Rosie in ihrer eigenen Dunkelheit verschwindet, steht Willow vor einem Rätsel: Ist die Liebe nur ein zufälliger Irrtum oder zeigt sie sich auch noch in anderen Farben?


"Liebe ist launisch wie Mondlicht." Zitat

Bei diesem Roman konnte ich richtig eintauchen in die Seele des Mädchens Willow Thorpe.

Willow ist ein elfjähriges Mädchen, die viel über das Leben, über Glück und die Liebe nachdenkt. Nach der Scheidung ihrer Eltern wohnt Willow und ihr kleiner Bruder Asher abwechselnd bei ihrer Mutter Rosie und ihrem Vater Rex. Immer wenn sie mit ihrer Mutter zusammen ist, sprüht sie vor Glück. Während ihr die Zeit, die sie bei ihrem Vater Rex verbringt, immer schwierig vorkommt. Bei Rex gelten strenge Regeln, die Tage beim Vater erscheinen Willow daher wie Hürden, die sie nehmen muss. Immer redet er mit ihr im Kommandoton, nie nimmt er sie in den Arm oder interessiert sich wirklich für ihre Gefühle.

Ihre Mutter Rosie dagegen ist genauso verrückt und unangepasst wie ihre Tochter und lebt ihr Leben ohne Konventionen. Doch die Depressionen von Rosie nehmen zu, sie ist tablettenabhängig und es kommt, wie es kommen muss, die Kinder brauchen ihren Vater mehr denn je.

Die Autorin zeigt aus verschiedenen Sichtweisen und durch Rückblenden in die Vergangenheit Einblicke in das Leben der Familie Thorpe. Vom Kennenlernen der Eltern, vom Heiratsantrag, der Schwangerschaft und Geburt und schliesslich von der Scheidung, die für Willow so schwierig nachzuvollziehen ist.

Bei diesem Roman wurde ich vom Schicksal der kleinen Willow sehr ergriffen. Betroffen erlebt man mit, wie Willow in der Schule zur Außenseiterin wird, sieht die ständigen Hänseleien und erkennt, wie Willow sich mit ihrer lila Brille ihr Leben schön färbt. Auch das Leben mit ihrem Vater muss sie erst noch begreifen lernen. 

Der leicht eingängige Schreibstil und die kurzen Kapitel sorgen für einen schnellen Lesefluss, dabei ist die Thematik, die im Roman angesprochen wird alles andere als leicht. Mit der Suchterkrankung und der Depression der Mutter werden hier ernste Themen angesprochen, die aus Kindersicht betrachtet werden. Willow erkennt natürlich nicht die Erkrankung der Mutter und die Probleme, die sich daraus ergeben. Die emotionale Sichtweise und die berührende Schilderung von Willows Gedanken sorgen für ein intensives Leseerlebnis, bei dem es um die Liebe innerhalb von Familien geht. Es hat mich sehr ergriffen und das nicht nur durch die traurigen Szenen. 

Dieser Roman handelt von Scheidungskindern und führt berührend vor Augen, wie Kinder diese Situation erleben. Ein betroffen machender Roman, über den es nachzudenken gilt. 




                        

Möwenherz - Karen Bojsen

Ein Urlaubsroman, der informativ ist und wunderbar unterhält.


"Möwenherz" ist der zweite Roman der Autorin Katrin Burseg unter ihrem Pseudonym Karen Bojsen. Im Diana Verlag erscheint das Buch im Juli 2018.


Ebba sorgt für den reibungslosen Ablauf der Termine des Stargeigers Jona Bennett und reist mit ihm um die ganze Welt. Doch Jona ist irgendwie ausgebrannt und hat Probleme. Als Ebba vom Tod ihrer Großmutter erfährt, nimmt sie Jona einfach mit an die Nordseeküste. Sie zeigt ihm ihr Erbe, ein altes altes Kapitänshaus samt Museum. Jona findet Gefallen am Museum, während Ebba vor ihrer Vergangenheit zu fliehen versucht. Beide nähern sich an und als Finn auftaucht, Ebbas große Liebe aus Kindertagen, ist das Gefühlschaos komplett. 




Zitat zum Schlachten der Wale: "Die Farten ins Eis, die Strapazen, die gefährliche Jagd, die Unsicherheit, ob man je wieder nach Hause kommt." Seite 185

In diesem Roman geht es um einiges, um die Karriere, die Musik, die Liebe, die Heimat und die Natur. Mit all diesen Themen ist der Roman jedoch nicht überladen, wie man glauben könnte. Karen Bojsen verbindet mit ihrer unterhaltsamen Geschichte all das zu einem einzigen geschlossenen Ganzen, dem man gespannt folgt.

Ebba und Stargeiger Jona brechen aus ihrer geplanten Tournée aus, um der Beerdigung von Ebbas Großmutter beizuwohnen. Das ist einerseits ein trauriger Abschied, doch irgendwie kommen beide an der Nordsee zur Ruhe. Der Stress der Tournée fällt langsam von ihnen ab, sie nehmen die Gezeiten wahr, entdecken die Langsamkeit zurück und fragen sich nach dem Sinn ihres Lebens. Dabei kommen sie sich auch näher, doch dann taucht Finn, die frühere Jugendliebe Ebbas auf. Die Liebesthematik ist eröffnet, aber Ebba muss sich in ihrer Heimat auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.   

Dort verstarb ihre Großmutter neben einem gestrandeten Wal, ist das ein Wink des Schicksals? Von hier aus gingen die Walfänger und auch Ebbas Großvater auf ihre weiten und gefährlichen Fangfahrten bis nach Spitzbergen. Es ist jedenfalls ein Zeichen für die Verbundenheit der Großmutter mit dem Meer.

Und wieder ist dieser Roman von Karen Bojsen so ganz nach meinem Geschmack. Im letzten Buch ging es um die Seepferdchen, jetzt werden Wale, der Walfang der Friesen und das Wattenmeer zum Inhalt gemacht. Die informativen Einblicke in die Natur sind scheinbar das Markenzeichen dieser Autorin und damit hat sie mich auch auf eine besondere Reise mitgenommen.

Mir ist es immer wichtig, wenn Romane sich nicht nur oberflächlich um Liebesdinge drehen oder Gefühle beschreiben. Es sollte schon noch ein wenig mehr Tiefgang durch andere Themen enthalten sein. Das ist hier der Fall, denn Karen Bojsen zeigt die friesische Walfangtradition, die Verknüpfung mit den holländischen Walfängern und wie heutzutage diese riesigen Meeressäuger an unseren Küsten stranden.
An der Nordseeküste ist in den letzten Jahren eine dramatische Entwicklung von Walsterben zu beobachten. Die Ursachen sind in der zunehmenden Verschmutzung der Meere zu finden, die Tiere verhungern oder können ihre üblichen Wanderrouten nicht mehr genau orten.

Nur mal zur Info: Ein 15 Tonnen schwerer Pottwal braucht täglich rund 450 Kilogramm fettreiche Nahrung in Form von Tintenfischen, Seeteufel, Kabeljau, Wittling und Seehase. Die gestrandeten Wale sind teilweise sogar verhungert und der Grund liegt in Fischnetzen, Plastikresten und Kunststoffmüll, die man in ihren Mägen gefunden hat.

Dieser Roman hat durch den schönen, bildhaften und einnehmenden Schreibstil Karen Bojsens eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt. 
Die Figuren sind treffend und genau charakterisiert, sie wirken sehr lebendig und sympathisch. Dabei werden die Schwächen und Schwierigkeiten gut herausgearbeitet, die unterhaltende Seite kommt aber auch nicht zu kurz und die Einblicke in das Leben der Walfänger sorgen für besondere Eindrücke.


Insgesamt konnte mich dieser Roman richtig mitreißen und auch die Nordseeatmosphäre hat mich gepackt. "Möwenherz" bringt besondere Einblicke in die Natur, schöne und nachdenklich machende. Wenn wir unsere Welt lieben, sollten wir die Meere schützen.


***Herzlichen Dank für dieses Leseexemplar an den Diana Verlag und an das Bloggerportal Randomhouse!***


Bojsen, Karen - Im Herzen das Meer

                
              

Sonntag, 10. Juni 2018

Neuzugänge # 79

 

Es sind wieder Buchneuerscheinungen bei mir eingetroffen, auf die ich mich zum Teil beim Bloggerportal Randomhouse beworben habe. 



Freitag, 8. Juni 2018

Finger, Hut und Teufelsbrut - Tatjana Kruse

Eine herrlich lustige Reihe mit einer durchgeknallten Familie


"Finger, Hut und Teufelsbrut" ist der dritte Teil von Tatjana Kruses Krimireihe um den stickenden Kommissar Seifferheld aus Schwäbisch Hall. Der Krimi erschien 2012 im Knaur Verlag.


Siegfried Seifferheld, Kommissar a.D., ist nach einem Unfall nicht mehr im Dienst. Inzwischen hatte er sein Coming-Out als leidenschaftlicher Sticker und freut sich, nun über sein Hobby eine Radiosendung moderieren zu dürfen. In seinem Leben ist es alles andere als ruhig, denn er lebt in einem Haushalt mit lauter Frauen. Als er von einer jungen Inderin erfährt, dass der indische Kulturattaché entführt werden soll, fängt er sofort an zu ermitteln.
Dieses Mal geht es undercover in einen indischen Kochkurs.




Von dieser Slapstick-Krimi-Reihe kenne ich die ersten beiden Bände und auch hier konnte ich wieder viel lachen und wurde gut unterhalten. 
Wie es in dieser Krimireihe üblich ist, setzt Tatjana Kruse auf einen kniffligen Krimifall, bei dem sie ihre ausgesprochen skurrilen Figuren unterhaltsam einsetzt und die Familiengeschichte eher im Vordergrund steht. Wer hier nicht lachen kann, dem ist auch nicht zu helfen. 
Die Grundlage für die amüsanten Charaktere bildet die Familie von Siegfried Seifferheld, allesamt Frauen mit Besonderheiten. Auch in diesem Band ist Siggis Freundin MaC total eifersüchtig, Schwester Irmgard ist inzwischen mit einem Pastor verheiratet, der jedoch gerade allein auf eine Afrikamission reist (und unter einem Flatulenz-Problem leidet), Tochter und Nichte sind gerade junge Mütter und haben so ihre Probleme und Hund Onis ist immer noch verliebt in seinen rosa Teddy und er ist neben Siggi der einzige männliche Bewohner.  
Diese Familie ist schon reichlich durchgeknallt, aber gerade ihre Besonderheiten machen sie so liebenswürdig und interessant. Tatjana Kruse hat hier Figuren erschaffen, wie man sie sich besser nicht hätte ausdenken können.

Ihrem flotten und eingängigen Schreibstil kann man wunderbar folgen und so ist das Buch auch schnell gelesen. Tatjana Kruse hat einfach ein Gen für die Komik und ihre eingebauten Sprüche und ihr enormer Sprachwitz sind zum Schreien komisch. Sogar die Kapitelüberschriften sorgen für Lacher und zeigen, worauf es im jeweiligen Kapitel geht.  

Die Krimihandlung ist eher Nebensache, aber auch sie sorgt für gute Unterhaltung und die Aufklärung bringt überraschende Informationen ans Licht. 
Grandiose Figuren, ein merkwürdiger Fall und eine reichlich skurrile Familie aus der schwäbischen Provinz sorgen wieder für viele Lacher. 

Diese Reihe lebt von ihren ausgefallenen skurrilen Charakteren und von der durchgängig eingebrachten Situationskomik. Wer gerne lustige Krimis liest, bei dem die Figuren im Vordergrund stehen, sollte diese Reihe mal näher ansehen.




Die Reihe hier auf dem Blog:

Donnerstag, 7. Juni 2018

Gemüseküche

Einfache und vielfältige Rezepte für Gemüsefreunde, jedoch nicht unbedingt  vegetarisch!

 

Dieses kleine handliche Buch über "Gemüseküche" erschien 2014 bei Naumann & Göbel.

Von Suppen über Salate bis zu vielfältigen anderen Leckereien gibt es hier Rezepte für alle Gemüsefans. Viele Gemüsevariationen und Zubereitungsarten je nach Jahreszeit.




Dieses Buch ist recht klein, liegt damit gut in der Hand und ist ziemlich günstig. Es bietet eine Vielzahl von tollen Rezepten, die jahreszeitlich aufgestellt werden.

Die Kochideen zeigen Gemüse in Form von Beilagen oder aber auch als Hauptgerichte in roher, gekochter oder auch gedünsteter Verarbeitung. An Auswahl fehlt es nicht, hier gibt es das richtige Rezept für jedes Gemüse und für jeden Geschmack.
Allerdings, und hier kommt meine größte Kritik an diesem Buch, wird hier auch Fisch und Fleisch in die Rezepte eingebaut. Wenn man den Buchtitel liest, könnte man vermuten, dass es sich hier um ein rein vegetarisches Kochbuch handelt. Das ist nicht der Fall, deshalb sollten Interessierte immer auch einen Blick ins Innere eines Buches werfen.

Die über 100 Rezepte nehmen mit dem passenden Foto jeweils eine Doppelseite ein, die Zutatenlisten sind überschaubar, nicht zu speziell und die Anleitungen sind recht einfach und erfolgen Schritt-für-Schritt. Die Anordnung erfolgt wie schon erwähnt nach den Jahreszeiten.

Frühling:
- Wildspargel mit Cocktailtomaten
- Zanderfilet mit Rucola und Kapern
- Möhrencremesupp

Sommer:
- Tortilla
- Tabbouleh mit Minze
- Lachssteak mit Fenchel: super lecker, aber wieder nicht vegetarisch.

 Herbst:
- Farfalle mit Steinpilzen
- Hackfleischpfanne mit Chinakohl
- Fenchelsalat mit frischen Feigen

Winter:
- Wirsingsuppe mit Kochwürstchen
- Chicorée-Schinken-Gratin
- Lauchkuchen mit Käse 
  


Gemüse ist wichtig in der Ernährung, es schmeckt und stckt voller Vitamine. Ich esse gerne Gemüse und das auch gern in Kombination mit Fleisch oder Fisch. Von daher habe ich hier einige verlockende Rezepte gefunden, die mich zum Nachkochen bewegen werden. Das Angebot der Gemüse ist jahreszeitlich bedingt und daher gefällt mir auch dieser Aufbau des Buches sehr. Denn die saisonfrischen Gemüse sind allen anderen vorzuziehen und das nicht nur aus ökologischen Gründen.



Dieses Buch ist ein Preishit, es enthält viele schmackhafte und gut nachzukochende Rezepte, die Lust auf die Gemüse der Saison machen. Für mich ein sehr guter Ratgeber, wenn man mal wieder nicht weiß was man kochen soll.






Dunkles Arles - Cay Rademacher



Die Geschichte hat Potenzial, sie verliert sich jedoch durch das völlig übertriebene Katz-und-Maus-Spiel.

Im Verfolgungswahn

Cay Rademachers Krimi "Dunkles Arles" ist der 5. Band seiner Provence-Reihe um Capitaine Roger Blanc. Das Buch erscheint im Dumont Verlag


Es ist November und Roger Blanc plant ein heimliches Liebeswochenende in Arles mit seiner Geliebten Aveline, Untersuchungsrichterin und Frau des Staatssekretärs. Sie reisen getrennt an und treffen sich am berühmten Amphittheater. Doch aus einem gemütlich romantischen Treffen wird nichts, denn Aveline wird Zeugin bei einem Mord und der Täter ist ihr auf der Spur. Er entwendet ihr ihre Tasche mit wichtigen Dokumenten. Um den Mann Avelines nicht auf dieses Liebeswochenende aufmerksam zu machen, müssen sie undercover ermitteln, die Tasche muss gefunden werden und damit auch der Mörder. Ein aufregender Ermittlungsmarathon beginnt. 




Diese Krimireihe war mir gänzlich unbekannt. Man kann den Band jedoch ohne Verständnisprobleme allein lesen, denn es ist ein eigenständiger Fall.

Roger Blanc hat ein aufregendes Wochenende vor sich, er will seine Geliebte Aveline heimlich in Arles treffen. Doch statt einem amourösen Aufenthalt entpuppt sich das Ganze als gefährliche Mörderjagd, denn sie geraten in einen Strudel von Sympathisanten des Front national, die vor nichts zurückschrecken. 

Anfangs konnte mich dieser Krimi richtig begeistern, die Idee dahinter ist super und ich konnte eintauchen in die unheimliche Situation der Bedrohung durch den Mörder, der Avelines Identität anhand der gestohlenen Tasche schnell durchschaut hatte. Wie Roger und Aveline unter enormem Zeitdruck und vor allem undercover diesen Fall aufklären müssen, sorgte für unheimliche Spannung und auch die Übergriffe erfolgten Schlag auf Schlag. Man konnte kaum so schnell lesen, wie sich erneut eine gefährliche Bedrohung den beiden Liebenden in den Weg stellte. Doch all diese Spannungsmomente jagten sich so häufig und kurz hintereinander, dass dieses Katz-und-Maus-Spiel irgendwann regelrecht ermüdend wirkte. Die Einbindung des Front national ist dem aktuellen Zeitgeist entsprechend interessant gedacht und dennoch habe ich den Krimi spätestens ab der Hälfte nur noch mit mittelmäßigem Interesse verfolgt. Wie sich Blanc und Aveline im Kampf gegen ihre Verfolger behaupten, ist großteils unrealistisch und übertrieben. Fast hatte ich den Eindruck, hier einem Film über James Bond in schriftlicher Weise zu folgen. Jedoch hätte dieser sicher nicht mit seiner echten Kreditkarte bezahlt oder wäre nur mit einem Messer auf seine Gegner losgegangen.

Auch die Aufnahme eines Flics in die rechte Szene ist mir schleierhaft, hier sollte man meinen, dass die Mitglieder wohl auch überprüfen, woher ihre Anhänger kommen.
Der Schreibstil an sich hat mir gut gefallen, auch wenn hier für einen Krimi dann doch zu sehr auf Details eingegangen wird. Man bekommt einen ausführlichen Eindruck der Gegend, der Schauplätze und der Menschen geboten und erfährt einiges über die antiken Skulpturen, Bauwerke und Ortsgegebenheiten. Insgesamt wurde dadurch die Story damit aber zu ausführlich und im Grunde langatmig und passt nicht zu einem Spannungsroman.


Mit Aveline konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden, für sie ist dieses Verhältnis mit Roger, den sie auch noch siezt, unter den Augen ihrer Verfolger scheinbar ein besonderer Kick.    
 


Bei diesem Krimi tut es mir leid, aber ich konnte mich damit nicht richtig anfreunden. Vielleicht bin ich im falschen Band eingestiegen, aber die ständigen Verfolgungsjagden sind auf die Dauer sehr ermüdend.