Sonntag, 11. März 2018

Es war einmal im Fernen Osten - Xiaolu Guo

Eine ergreifende und hochinteressante Biografie über den Kulturschock zwischen Ost und West


Die Biografie der chinesischen Autorin und Filmemacherin Xiaolu Guo "Es war einmal im Fernen Osten" erscheint im Knaus Verlag. (Werbung)


Die Chinesin Xiaolu Gu erzählt aus ihrem bewegten Leben. Es wurde geprägt von einer entbehrungsreichen Kindheit in einem Fischerdort in Ost-China, dem Studium an der Filmakademie in Peking und ihrem Leben in Europa. 


"Schweigen hatte in China Tradition, denn es diente einem Zweck: nie über Tragödien reden, nie die Frage nach dem Sinn stellen, sondern einfach nach vorne schauen und weiterleben." Zitat Seite 345



Dieser Roman zeigt aus der Sicht Xiaolu Guos die besonderen Zustände im kommunistischen System unter Mao Zedong und die Unterschiede zwischen Ost und West.
Wenn man Xiaolu Guos dramatischen Schilderungen ihrer Kindheit folgt, wird man sensibilisiert für die chinesischen Unfreiheiten und Zwänge. Rechtlosigkeit von Frauen und Mädchen, Missbrauch, Armut und Gewalt gehören auch zu ihrem Lebenslauf dazu. Erst nach und nach beginnt sie sich davon zu befreien.
Xiaolu bekam nach schweren Jahren der Kindheit dank ihres aufgeschlossenen Vaters eine Schulausbildung ermöglicht, die sie später zu einem Studium der Filmakademie in Peking befähigte.
Während ihres Studiums kommt sie in den Genuss ausländischer Filme, lernt über ihren Horizont hinauszuschauen und erlebt das Aufbegehren der Regimegegner.
Nach dem Studium schreibt sie angepasste Drehbücher für Seifenopern des chinesischen Fernsehens, doch ihr kritischer Geist ist damit nicht zufrieden. Ein Stipendium in London bringt ihr westliche Filmkunst näher.

Diese Biografie liest sich ergreifend, spannend und man ist von der Rechtlosigkeit mehr als betroffen. Man mag kaum glauben, dass solche Zustände in China noch vor nicht allzu langer Zeit an der Tagesordnung waren.
Die Einkindpolitik führte dazu, dass die Kinder aufs Land zu den Großeltern gebracht wurden, Mädchen nicht selten getötet wurden und Schule für weiblichen Nachwuchs ein Luxus war, der nicht gewollt war. Viele Chinesen erlebten Hunger und Armut und Denunziantentum und Verachtung für westliche Ausrichtung machten viele offiziell zu Systemgegnern. Erst nach dem Tode von Mao vollzog sich ein gesellschaftlicher Wandel, der Xiaolu Guo ein Leben zwischen Ost und West ermöglichte.
In London verarbeitet sie endlich ihre Gefühle und bringt in ihre Drehbücher und Filme die Themen Entfremdung, Heimatlosigkeit und Heimweh ein. Alles Dinge, die sie selbst erlebt hat. Ihre eigene Identität ist irgendwo zwischen Ost und West, Heimat oder Exil. 


Diese Biografie gibt den Blick frei auf die Rechtlosigkeit von Frauen und Mädchen in China und den großen Kulturschock zwischen Ost und West. Ein berührendes und eindringliches Buch mit Spannung, Dramatik und anprangernder Offenheit. Von mir eine volle Leseempfehlung für diese interessante Lektüre.


***Herzlichen Dank für dieses ergreifende Buch, das ich aus dem Knaus Verlag über das Bloggerportal Randomhouse erhalten habe!***




Kommentare:

  1. Das hört sich wirklich nach einem lesenswerten Buch an.
    Wusstest Du das seid dem sie nur noch ein Kind haben dürfen. Jetzt einen Überschuss an Jungs haben,und das Mädchen geraubt und zur Hochzeit gezwungen werden ?? Das mit dem Schweigen ist mir/war mir bekannt. Viele Filme aus den 80s zeigen das ganz unterschwellig .
    LG heidi

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    1. Hallo Heidi,

      von dem Mangel an Frauen habe ich gehört, vom Hochzeitszwang aber nicht.

      Es gibt doch immer wieder in Büchern interessante Dinge, die man noch nicht wusste.

      Liebe Grüße und eine schöne Woche, Barbara

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