Mittwoch, 24. Mai 2017

Biete Krise, suche Glück - David Foenkinos


Wenn das Pech dich verfolgt

Der Penguin Verlag verlegt 2017 David Foenkinos Roman "Biete Krise, suche Glück" in einer Übersetzung von Christian Kolb. Die deutsche Erstausgabe erschien 2014 unter dem Titel "Zurück auf Los". [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]

Es geht um den 50-jährigen Bernard, ein ruhiger Bankangestellter, verheiratet und Vater einer Tochter. Halt ein ganz normaler Durchschnittsbürger.
Es beginnt damit, dass seine Tochter auszieht. Dann gerät seine Ehe mit Nathalie in eine Krise und sie verlässt ihn. Mit einem Schlag ist das gewohnte Leben Bernards vorbei, eine Katastrophe jagt die nächste und das Pech verfolgt ihn. Er verliert seinen Job, zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und muss zu seiner Schande nun wieder bei seinen Eltern unterkriechen - in seinem alten Kinderzimmer findet er eine Bleibe. Wie geht es nun weiter mit ihm?



Dieses Buch beschreibt einen stinknormalen Mann in den besten Jahren, der durch einige persönliche Wendungen in seinem Leben aus der Bahn geworfen wird.
Der Schreibstil hat mich sehr überrascht, denn Foenkinos hat einen erstaunlichen Erzählfluss, der sich aus einer interessanten Mischung aus Melancholie, Tiefgründigkeit und Humor zusammensetzt.
Dabei beschreibt der Autor genüsslich Einzelheiten aus dem Leben Bernards, jeder Fehltritt, jede Stimmung, jedes Erlebnis wird peinlich genau ausgebreitet.

"Ich hatte nichts mehr. Und das sollte erst der Anfang sein."
Zitat Bernards Seite 65


Bernards Pechsträhne rührt mich an, ich fühle mit ihm wie er so sein Innerstes nach Außen kehrt und den Leser an seinen tiefsten Gedanken Anteil nehmen lässt. Doch das hat allerdings auch lustige Züge, denn einiges hat er sich mit seiner etwas trotteligen Art selbst zuzuschreiben.

Als sich seine Frau von ihm trennt, kommt Bernard zu dem Schluss:
"Nach so vielen Jahren der Leichtigkeit mit seiner Frau... Leichtigkeit geht ja spielend in Sorglosigkeit über; und Sorglosigkeit in Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen." Zitat Seite 105

Er zieht zu seinen Eltern, die scheinbar in geordneten Bahnen nebeneinander herleben. Doch die Einzige, die ihn aufbaut und wieder Mut macht ist seine Tochter.
In der Familie sind nicht alle aus demselben Holz geschnitzt. Wir bilden ein seltsames Häuflein, ein "genetisches Mysterium". Zitat Seite 157




Irgendwann beginnt endlich die erhoffte Selbstfindung und Bernard wagt einen etwas wackeligen Neuanfang.   
Dieses Buch unterhält mit einer ganz besonders spritzigen Leichtigkeit, die gelungene Mischung aus Melancholie und Humor macht den speziellen Reiz der Geschichte aus.  
***Herzlichen Dank an den Penguin Verlag und an das Blogger-Portal für dieses Buch! Ich habe mich sehr darüber gefreut!*** 



Mörderischer Freitag - Nicci French

Leider eine echte Enttäuschung

 

"Mörderischer Freitag" ist der 5. Band der Thriller-Reihe von Autoren-Duo Nicci French. Die Reihe erscheint im Penguin Verlag. [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]

Frieda Kleins Ex-Lebensgefährte Sandy wird ermordet in der Themse aufgefunden. An seinem Handgelenk trägt er ein Patientenarmband mit ihrem Namen. Frieda ist tief getroffen und wird Tatverdächtige angesehen. Doch bevor es zur Anklage kommt, hat Frieda Klein sich abgesetzt und ermittelt auf eigene Faust.


Bei dieser Buchreihe bin ich mit diesem Band, immerhin Nr. 5,  sozusagen als Quereinsteiger eingestiegen. Keine gute Idee, wie sich beim Lesen herausgestellt hat. 

Aber von vorn. Der Thriller beginnt mit einem grandiosen Prolog, in dem das Kind Kitty die Hauptrolle spielt. Leider ist im folgenden Buch nie wieder die Rede von dieser Kitty. 

Der erste Mordfall geschieht und die Spuren des Ermittelnden Detectives Hussein und Bryant führen zu Dr. Frieda Klein. Sie war vor einiger Zeit mit dem Toten liiert, hatte sich aber von ihm getrennt. War sie wirklich die Täterin?
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich noch voll bei der Sache und der Thriller zog mich mit sich. Doch dann begann Frieda Klein, die von der Polizei für schuldig gehalten wird, selbst zu recherchieren. Sie taucht unter und irrt scheinbar ziellos durch London, sucht Bekannte des Toten auf, die sie befragt. 

Diese Frieda Klein ist für mich eine merkwürdige Person, sie wird in diesem Buch leider nicht näher beschrieben, aber sie nahm wie selbstverständlich den Platz der Protagonistin ein. Eine Figur, die auf mich so unbeschrieben wirkt wie ein leeres Blatt. Hier stellte sich mir die Frage, ob man diesen Band ohne Vorkenntnisse überhaupt lesen kann. Ich widmete mich weiter Friedas Ermittlungen, nebenbei hätte ich gerne selbst mitgerätselt, aber die weiteren Figuren erschienen wie aus dem Hut gezaubert und so verwirrte mich das Ganze mehr und mehr. Wer ist diese ominöse Figur von Dean Reeve? Leider muss die Lösung dieser Frage in Teil 1-4 versteckt sein. 

Erschwerend kam noch die Geschichte mit Frieda als Kindermädchen hinzu, dort gibt es den 2-jährigen Ethan, dessen Reifezustand leider so gar nicht seiner Altersklasse entspricht. Hier fehlt den Autoren wohl der echte Vergleich mit Kindern diesen Alters. 


Ich konnte weder Lesespaß, geschweige denn echten Thrill bei diesem Buch fühlen. Daher vergebe ich nur zwei Sterne, denn ehrlich gesagt, ich bin richtig enttäuscht. 

***Ich bedanke mich beim Verlag und beim Blogger-Portal für dieses Buch, auch wenn es mich leider nicht überzeugen konnte.***


Dienstag, 23. Mai 2017

Gemeinsam Lesen # 12






Diese Aktion findet ihr jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher.  


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?





Ich lese gerade "Biete Krise, suche Glück" von David Foenkinos und bin auf Seite 79. 

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?


"Meine Mutter öffnete mir die Tür. Als sie meinen Koffer sah, welche Kombinationsgabe, begriff sie sofort."  



3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Dieses ist mein erstes Buch von David Foenkinos, der Autor wird hat in Frankreich schon großen Erfolg gehabt und gilt als charmanter Geheimtipp der französischen Buchszene.

 

Dieses Buch zeigt die Geschichte eines 50-jährigen Mannes, der nach einer Trennung seinen Job verliert und nun wieder bei seinen Eltern in sein ehemaliges Kinderzimmer einziehen muss. 
Bisher habe ich schon viele eigentlich tragische Szenen miterlebt, die aber so geschrieben sind, dass man darüber schmunzeln muss. Der Autor schreibt leicht zynisch und spart nicht mit witzigen Formulierungen.

4.
Wie viele Seiten lest ihr im Durchschnitt in einem Monat? 

Das kann ich nicht beantworten, denn ich zähle die Seiten ja gar nicht nach. Auch wenn ich ansonsten eher ein Zahlenmensch bin, empfinde ich dafür überhaupt keine Notwendigkeit. Für mich zählt in erster Linie die Anzahl der gelesenen Bücher und der Spaßfaktor beim Lesen. Das Zusammenrechnen der Seitenzahlen würde mir nur wertvolle Zeit zum Lesen stehlen.   



Wie sieht es bei euch aus? 

Liebe Grüße
Sommerlese!


Montag, 22. Mai 2017

Herzblätter - Anna Mc Partlin

Kurzgeschichten für Zwischendurch. Kleine Ablenkung im Alltag!


In "Herzblätter" geben sich 5 namhafte Autorinnen ein Stelldichein und erzählen kleine Geschichten vom Glück. Die Sammlung erscheint in einem wunderschön gebundenen Büchlein im Rowohlt Verlag. [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]




Wege zum Glück gibt es viele.
Hier erzählen fünf Bestseller-Autorinnen von den Umwegen, die oft nötig sind, um das Glück auch zu erkennen.
Amüsant, gefühlvoll, nachdenklich, heiter.

In diesem Buch:
Anna McPartlin: «Das Sommerwunder»
Juliet Ashton: «Ein gutes Mädchen»
Mia Morgowski: «Ein Mann sieht rot»
Sofie Cramer: «Ein abgefahrener Sommer»
Britta Sabbag: «Sommer für Aussteiger»

Dieses Büchlein ist wunderschön, besonders mit seinen Herzen auf dem Cover vermag es sofort zu verzaubern. Kann das der Inhalt auch leisten?

Wie immer bei Sammlungen ist die Bewertung schwierig, denn nicht jede Geschichte, jeder Erzählstil stellt den Leser gleichermaßen zufrieden.
Inhaltlich geht es um das persönliche Glück, aber auch um Krankheiten und Gefühle und besondere Erlebnisse.
 
Bei dieser kleinen Sammlung von fünf Geschichten hat mich "Das Sommerwunder" von Anna McPartlin am meisten berührt. Sie erzählt von Patricia, die gesundheitlich ein schweres Los gezogen hat, da hilft nur noch ein Wunder. Ihr Schicksal ist sehr tragisch, auch ist es sehr ehrlich geschrieben und zeigt die Situation ungeschönt. Dennoch wirkt die Erzählung nicht traurig und desillusioniert. Anna McPartlin hat ein Händchen für Geschichten, die das Leben schreibt.  

Juliet Ashtons Geschichte liest sich wie ein Tagebuch mit Einblicken in Lebensabschnitte von Serena. Der Schreibstil ist toll, die Story hat auf mich einen etwas getrübten Nachgeschmack.

"Ein Mann sieht rot" ist der Knaller des Buches. Mia Morgowski zeigt den Selbstversuch eines Mannes mit Bräunungcreme, man kann sich schon vorstellen, dass hier nicht alles wie geplant abläuft. Ich habe mich gut amüsiert.  


In "Ein abgefahrener Sommer" geht es um eine schicksalhafte Begegnung im Zug, die mir irgendwie bekannt vorkam. Dennoch wunderschön geschrieben und auf seine Weise eine traumhafte Story.

Britta Sabbag konnte mich mit ihrer Geschichte in eine lockere Sommerzeit hineinziehen. Heiter und unbeschwert ging es hier voran.

Diese Sammlung ist ein hübsches Geschenk für eine nette Freundin. Ob tragisch, amüsant, heiter oder nur unverschwert, jede Geschichte hat ihre besondere Aussage.
 


Montagsfrage # 39





Wurdest du schon mal gespoilert? Hast du wegen eines Spoilers ein Buch mal nicht zu Ende gelesen?

Wenn ich ein Buch lese, vermeide ich es, andere Rezis dazu zu lesen. Denn eigentlich möchte ich unbedarft an das Buch und speziell an das Ende herangehen. Ich bemühe mich selbst ja auch immer, kein Ende preiszugeben.

Ich persönlich finde Spoiler nun nicht gerade super, aber auch nicht sooo schlimm. Klar lenken Spoiler die Gedanken beim Lesen schon in gezielte Bahnen, die ein unbedarftes Lesen vielleicht noch mit mehr Überraschungen und ungeahnten Situationen ausgefüllt hätte. Aber bei manchen Enden ist es auch spannend. wenn man die Beweggründe eines Kriminellen beispielsweise mit der Kenntnis des Endes liest. So ist es ja auch, wenn man ein Buch mehrfach liest.

Es fällt mir jetzt kein Buch ein, bei dem ich wegen eines Spoilers abgebrochen habe. Selbst wenn ich den Ausgang der Geschichte ahne, lese ich trotzdem weiter. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich dann noch gespannter lese und auf dieses bekannte Ende hinfiebere. Wie kommt es dazu und welche Gründe oder Wege führen die Personen zu diesem Ausgang der Geschichte? Es kann auch spannend sein, wenn man das Ende schon kennt oder auch nur ahnt.     


Bei manchen Rezis ist es schwierig, keine Spoiler zu verbreiten. Man eiert um das Thema herum, kann es aber nicht genau benennen und das gibt der Rezi so ein verwaschenes "Gesicht".

 
Wie seht ihr Spoiler? Verderben sie euch die Lust am Buch? 


Sonntag, 21. Mai 2017

Immer wieder im Sommer - Katharina Herzog

Was ist eigentlich Glück?


Der Roman "Immer wieder im Sommer" von Katharina Herzog alias Katrin Koppold erscheint 2017 im Rowohlt Verlag. [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]

Anna ist seit fünf Jahren von Max getrennt und die gemeinsamen Töchter sollen die Ferien bei ihm verbringen. Sie möchte nach Amrum fahren und dort Jan, ihre unvergessene Jugendliebe wiedersehen. Also packt sie den VW-Bus und will die Mädchen bei Max abliefern. Doch dann meldet sich überraschend ihre Mutter, zu ihr besteht sein 18 Jahren kein Kontakt mehr. Es kommt wie es kommen muss, Anna sitzt am Ende mit ihren Töchtern und Max im Bus und die Mädchen lernen endlich ihre Oma kennen.




Dieser Roman erzählt von einer sommerlich anmutenden Fahrt an die See. Doch der Urlaub steht nicht an vorderster Stelle. Es geht mehr um das gelebte Leben, um Gefühle und die vertanen Chancen im Leben.
Wir lernen eine Familie kennen, die nur noch wenig Kontakt zueinander pflegt. Anna lebt mit ihren Töchtern Nelly und Sophie in München. Sie bekommt eine Nachricht von Frieda, die an Demenz erkrankt ist und ihre Enkelkinder noch nie gesehen hat. Vater Max, kann durch die Trennung von Anna das Aufwachsen seiner Töchter nur sporadisch verfolgen und beschliesst, Anna auf ihrer Fahrt zu Frieda zu begleiten. Dabei möchte Anna in erster Linie ihre Jugendliebe Jan wiedersehen, die Gefühle zu ihm lassen sie einfach nicht los und sie will sehen, was aus ihm geworden ist und ob sie wohl noch etwas für ihn empfindet, wenn sie sich treffen.


Katharina Herzog schreibt diesen Sommerroman sehr locker und flüssig und es wird zwar manchmal z. B. durch die Thematik Demenz sehr ernst, aber im Ganzen wirkt der Roman eher positiv und unterhaltsam. Man ist schnell in die Familienverhältnisse eingeweiht und fühlt mit den Charakteren mit.
Das bewirken besonders die häufigen Perspektivwechsel der unterschiedlichen Charaktere, man begleitet so die Gedanken und Gefühle der Figuren und versteht ihre inneren Beweggründe sehr gut. Man kann sich in die jeweiligen Figuren perfekt hineinversetzen und fühlt sich fast wie ein Teil der Famile.


In dieser Familie gibt es eine Grundsitutation, die mich von Anfang an gestört hat. 18 Jahre gab es keinen persönlichen Kontakt zwischen Anna und ihrer Mutter Frieda. Das kann ich gar nicht nachvollziehen, wie kann man die Kinder der Großmutter so vorenthalten? Dabei lag gar kein wirklich triftiger Grund vor. Anna wollte nur nicht auf dem elterlichen Hof verbleiben und ging zum Studium weg.
Doch dieses späte Wiedersehen brachte ihr die Erkenntnis, dass ihre Mutter durch die sich ausbreitende Demenz ihre Hilfe und Nähe benötigt. Der gemeinsame Urlaub an der See erfolgt zwar mit einigen Überraschungen, aber die Familie wächst dadurch wieder näher zusammen.
Mich haben besonders die Gedanken und Bemerkungen Friedas sehr berührt. In manchen Situationen wird ihr ihre Krankheit bewusst und ihre Äußerungen gehen mir tief unter die Haut. Es gibt ein Ende, soviel kann ich schon verraten, bei dem Frieda ihrer Tochter sozusagen das Glück zurückbringt.

Allgemein kann man sagen, hier geht es um Nachsicht, Rücksicht und eine Familie, die sich durch die Reise erst wieder neu kennen lernt.
 


"Immer wieder im Sommer" ist ein emotionaler Familienroman, der mich berührt hat und deutlich macht, welchen hohen Stellenwert die Familie doch im Leben von jedem einzelnen einnimmt.


***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für die Übersendung dieses Buches! ***



Samstag, 20. Mai 2017

Die Morde von Morcone - Stefan Ulrich

Schöne Kulisse, die Handlung geht ins fanatisch Religiöse!

"Die Morde von Morcone" ist der Titel des ersten Krimis aus der Feder von Stefan Ulrich, der in der Toskana spielt. Das Buch erscheint im Ullstein Verlag. [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]

Robert Lichtenwald ist Wirtschaftsanwalt aus München und zieht sich in sein Rustico in Morcone in der Toskana zurück. Dort will er eine Auszeit von seiner Ehe nehmen, zur Ruhe kommen und in seinem Garten werkeln. Mit seinem Nachbarn, dem Conte, unternimmt er Spaziergänge in die Natur und prompt stolpern sie über eine Leiche. Diese trägt einen eingeritzten Buchstaben am Körper und schon bald finden sich weitere Leichen mit ebensolchen Buchstaben. Ist hier ein Serienmörder am Werk? Lichtenwald wird unweigerlich gemeinsam mit der Lokalreporterin Giada Bianchi in die Ermittlungen involviert.





Stefan Ulrich kenne ich von seinem heiteren Familienroman "Quattro Stagioni", daher war ich gespannt auf den ersten Krimi des Autors.

Er lässt seine Handlung in der Maremma, dem Süden der Toskana, stattfinden und führt damit den Leser in ein landschaftlich reizvolles Gebiet mit Weinanbau, Olivenhängen und Zypressen. Wie sehr er mit dieser Gegend verbunden ist, wird aus den häufigen italienischen Phrasen, diversen Landschaftsbildern und dem allgegenwärtigen Maremma-Flair überaus deutlich. Als Leser taucht man intensiv ein in das italienische Lebensgefühl, erlebt die Essen mit guten Weinen und die Barabende mit einem Pisco Sour. Doch ein Mörder geht um, den es um jeden Preis aufzuhalten gilt, ehe noch mehr Menschen zum Opfer fallen.

Der Krimi an sich hat mich mit dem fanatisch agierenden Täter, dem inhaltlichen Bezug auf die Saligia, die sieben Todsünden und zu Savonarola doch ziemlich gruseln lassen. Für mich stellte sich gedanklich schnell der Vergleich zu Dan Browns bekanntem Werk Inferno.
Doch dieser Krimi ist anders als Browns Thriller. Hier geht es mehr um die Menschen, die hier in diese Ermittlungen hineingezogen werden und die Aufklärung der Mordserie. Doch auch die philosophischen Betrachtungen der Protagonisten, bei denen sie Epikur, Pythagoras und Nietzsche zitieren, geben der Geschichte gedanklichen Tiefgang.

Lichtenwald ist eher ein ruhiger Vertreter, intelligent und bodenständig, sein buntes Pendant ist in diesem Fall die temperamentvolle Giada Bianchi, die mit ihren feuerroten Haaren, ihrer Kenntnis von Kräutern und ihren Hexenohrringen schon fast an eine Zauberin erinnert. Beide verstehen sich bestens, persönlich sind sie daran interessiert, den wahren Täter zu finden und so bilden sie ein ausgezeichnetes Ermittlungsteam. Denn auf die Arbeit der Polizei kann man sich hier wohl nicht verlassen, die macht eher einen laschen Eindruck mit ihren Dorftölpeln vom Dienst.

Hier begeht ein Mensch Morde aus fanatischen religiösen Gründen, das wird schnell klar, also muss er auch einen ebensolchen Hintergrund haben. Schon früh ahnte ich, wer hier der Täter und damit selbsternannte Rächer sein musste.

Das ist aber auch der einzige Nachteil. Ansonsten habe ich besonders das spannende Finale des Krimis und die Toskana im allgemeinen sehr genossen. Vielleicht hätten die eingestreuten Italo-Sätze noch mit Fußnoten erklärt werden können, aber sie sind für das Verständnis auch nicht so sehr von Belang.

Für Toskana-Liebhaber bestens geeignet. Ein guter, logisch aufgeklärter, spannender Krimi, der mit seinem Ermittlerteam gut unterhält. 


***Vielen Dank an den Ullstein Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***