Donnerstag, 5. Januar 2017

Der Junge muss an die frische Luft - Hape Kerkeling

"Der Junge muss an die frische Luft" von Hape Kerkeling  erschien 2014 im Piper Verlag, in dem Jahr wurde Hape 50 Jahre alt.

In diesem Buch spricht Hape Kerkeling über seine Kindheit; entwaffnend ehrlich, mit großem Humor und Ernsthaftigkeit. Über die frühen Jahre im Ruhrgebiet, Bonanza-Spiele, Gurkenschnittchen und den ersten Farbfernseher, aber auch über einen tragischen Schicksalsschlag in seiner Kindheit.




"Ach, Humor ist schon ein guter Kumpel. Es ist gar nicht so leicht, Menschen professionell zum lachen zu bringen und seinen eigenen Stil zu finden. Den einen gemeinsamen Humornenner vielen unterschiedlicher Individuen muss man erst einmal entdecken." Zitat Seite 308


Ich mag Hape Kerkeling als Entertainer und bin ein großer Fan seines Buches "Ich bin dann mal weg". Weil wir beide im selben Jahr geboren sind, interessierte mich seine Darstellung dieser Kindheit und Jugendzeit.


Hapes Mutter ist depressiv, der Vater aus beruflichen Gründen nur wenig anwesend. Als die Mutter den Freitod wählt, ziehen die Großeltern zu den Enkeln und übernehmen das Sorgerecht.

Das Buch liest sich wie eine Mischung von allgemeinen Erlebnissen einer Kindheit im Ruhrpott und einer Verarbeitung des tragischen Verlusts der Mutter.
Ehrlich und auch sehr eindringlich klingen die Kapitel über die prägenden Erfahrungen in Hapes Kindheit. 
Aber auch wenn mich Hapes Schicksal berührt, liest sich dieses Buch eher wie eine therapeutische Aufarbeitung eines früh erlebten Schicksalsschlages als nach einer interessanten Lebensgeschichte. 

Warum erzählt er das der Öffentlichkeit? Ich habe das Gefühl, dass er trotz seiner 50 Jahre dieses Trauma noch immer nicht verarbeitet hat. Er musste es sich regelrecht von der Seele schreiben.
Doch welchen Nutzen hat diese Lektüre für den Leser? Ich konnte für mich nur die Erinnerungen an die erwähnten TV-Größen wie Rudi Carell, Peter Frankenfeld, Dieter Hallervorden, Loriot etc. als gleichzeitig erlebte Jugendbilder mitnehmen. Auch ich habe gemeinsam mit meiner Oma mit diesen Figuren schöne Fernsehabende erlebt. Daran erinnere ich mich noch gut, aber nicht an Erlebnisse als Kleinkind, wie es von Hape beschrieben wird. Daher nehme ich ihm Teile dieser Geschichte auch nicht ab.

Seinem humoristischen Naturell ist es zu verdanken, dass Hape, trotz des Verlustes seiner Mutter den Lebensmut nicht verloren hat. Aber auch seine aufopfernden Großeltern haben großen Anteil am Bestand seiner Frohnatur.
Mich hat dieses Buch mit etwas Ruhrpottslang und netten Geschichten von dem dicken Jungen, Omas und etlichen Anverwandten leidlich unterhalten. Den Sprachstil und die Auswahl der Geschichten hatte ich mir anders vorgestellt. Der große Erfolg des "Ich bin dann mal weg" verpflichtet, konnte aber hier nicht wiederholt werden. 


 
Für Hape war das Schreiben dieses Buchs als persönliche Aufarbeitung sicher sehr wichtig. Aber ob die Welt diese Biographie gebraucht hat, ist sehr fraglich. Wer Hape mag, liest es sicherlich, ob 1, 2, 3, 4 oder 5 Sterne ist da Wurscht!  



Kommentare:

  1. Liebe Barbara

    Ich konnte mich bisher nicht durchringen, das Buch fertig zu lesen. Irgendwann versuche ich es nochmal. Das richtige Buch zur richtigen Zeit, sage ich immer. Vor 11 Jahren konnte mich "Ich bin dann mal weg" begeistern.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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    1. Liebe Gisela,

      man kann dieses Buch auch gar nicht mit dem Pilgerbuch vergleichen. Da kommt es qualitativ und informativ gar nicht ran. War wohl für Hape persönlich wichtig und Fans kaufen auch alles von ihm!

      Lg Barbara

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