Dienstag, 9. November 2021

Die Klänge der Freiheit - Tara Haigh

Bewegend, dramatisch und ein klares Plädoyer gegen den Krieg

Der historische Roman "Die Klänge der Freiheit" von Tara Haigh (Tessa Hennig) erscheint bei Tinte & Feder.

Nürnberg, 1943: Inge Gerner zieht es hinaus in die weite Welt. Sie lässt sich gegen den Willen ihres Vaters zur Rotkreuzschwester ausbilden und muss zu ihrem ersten Einsatz in ein Lazarett in Charkow an der Ostfront. Die Arbeit mit den Verletzten verlangt ihr einiges ab, es fehlt an Verbandsmaterial und die Verletzungen machen ihr die Grauen des Krieges deutlich. Gleichzeitig rückt die Rote Armee immer näher und als ihr Oberstleutnant Heinrich Preuss die Chance bietet, dieser Hölle zu entkommen, begleitet sie ihn nach Italien zu einem Einsatz in Montecassino. Kann sie ihm trauen, einem Mann, der ein Nationalsozialist ist?

  


Inge Gerner landet als DRK Schwester an der Ostfront inmitten der erschreckenden Wirklichkeit des Krieges. Dort versucht sie, die Leiden der verletzten Soldaten zu mindern, was aber leider oft vergeblich ist. Durch diese Lebenserfahrung reift Inge vom jungen behüteten Mädchen zur Frau und setzt sich voller Enthusiasmus für die Verletzten ein. Als ihr die Chance geboten wird, Charkow an der Seite von Oberstleutnant Heinrich Preuss zu verlassen, ringt sie schwer mit sich. Denn sie kann sich ausmalen, was den Zurückbleibenden durch die anrückende Rote Armee blüht. Getrieben vom Willen zu Überleben entscheidet sie sich für die Reise nach Italien. Dort in Montecassino erlebt sie an der Seite von Preuss viele Dinge und sie erlebt die erste Liebe zu dem Italiener Lorenzo. 

An Inges Seite konnte ich hautnah ihr neues Umfeld und den schwierigen Alltag im Lazarett miterleben, wo mir die Schrecken des Krieges durch die vielen schwerverletzten Soldaten dringlich vor Augen gehalten werden. Allerdings ist es Tara Haigh gelungen, trotz aller Dramatik nicht zu drastische Beschreibungen zu liefern. Nicht alle DRK Kolleginnen von Inge schaffen die ihnen auferlegte Aufgabe, den Soldaten zu helfen, während Inge daran reift und erwachsen wird. Von ihrer anfänglichen Überzeugung des nationalsozialisitschen Gedankenguts bleibt nicht mehr viel übrig. Die Schrecken der Zeit halten ihr die Gräueltaten im Lazarett vor Augen.
Ich habe aufgrund der anrückenden Roten Armee mit Inges Schicksal mitgefiebert und war bei ihrer Entscheidung, nach Italien zu gehen, sehr erleichtert. Dort hat sie Einblicke in das Leben der italienischen Partisanen und wird zu einer mutigen Frau, die Menschen in Not hilft und zum ersten Mal in ihrem Leben die Liebe erlebt.  
Der bildhafte und flüssige Schreibstil von Tara Haigh führt mit geschickt eingefügten historischen Hintergründen unterhaltsam und abwechslungsreich durch das Buch. Sie führt ihrer Leserschaft spannende Szenen aus der Hölle um Charkow vor und bringt uns auch die Ziele der Partisanen von Montecassino näher.  

Der Roman lebt nicht nur von Inges spannender Geschichte, auch die gezeigte Dramatik des Krieges und die Nebenfiguren bringen besondere Geheimnisse mit sich, sorgen als lebendige Zeitzeugen für zeitgemäße Vorgänge und erklären uns die Hintergründe dieser Zeit. 

 
Dieser bildhaft geschriebene Roman fesselt mit seiner fiktiven Geschichte, die sich vor einen authentisch gezeigten geschichtlichen Hintergrund abspielt und die dramatischen Folgen des Krieges einmal mehr als abschreckende Wirkung zeigt. Ein interessanter Roman gegen das Vergessen. 

***Herzlichen Dank an Literaturtest und an den Tinte & Feder Verlag!*** 


3 Kommentare:

  1. Huhu :)

    Das Buch lese ich aktuell auch und bin gerade an der Stelle, wo Inge nach Italien mitgeht. Ich bin also schon sehr gespannt darauf wie es weiter geht *-*

    Wirklich eine tolle Rezension übrigens von dir <3
    Wünsche dir einen schönen Sonntag
    Liebe Grüße
    Teresa

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    1. Hallo Teresa,

      vielen Dank für deine lieben Worte!

      Zu Italien könnte ich dir einen Tipp geben, mache ich aber natürlich nicht, damit du noch genügend Spannung und Freude beim Lesen hast. :-)

      Liebe Grüße
      Barbara

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  2. Liebe Barbara, danke für deine ♥ Nachricht. Ich wollte dir schon letztlich schreiben bzw. kommentieren, aber dann kamen die Enkel wieder dazwischen ☺
    Ja, dieses Buch hat es in sich. Dieses Leid. Ich weiß nur von meiner Mutter, das mein Vater im Zweiten Weltkrieg in Afrika war und sich von da die Malaria mitgebracht hat. Ich schick dir liebe Grüße und wenn du auch nicht viel von mir liest/siehst, ich schaue oft bei dir vorbei
    Hanne

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