Witzig und subtil, dabei spannend wie ein Krimi!
Das Geschäft mit aussterbenden Tieren: Idealismus oder Kommerz?
Der Roman Das letzte Nashorn von Autor Lodewijk van Oord erscheint im Knaus Verlag.
Der
Amsterdamer Privatzoo "Artis" arbeitet nicht effektiv. Er verzeichnet
sinkende Besucherzahlen und steigende Kosten. Da muss ein rettendes
Konzept her und der energische Direktor Edo Morell entwirft für die
Rettung des Zoos neue Ideen und Marketingstrategien. Sein Plan sieht die
Eröffnung eines Zooareals mit Namen Afrika vor, der nur von
afrikanischen Tieren bevölkert werden soll. "Afrika an der Amstel" heißt
sein neues Konzept. Dazu soll auch die Teilnahme am
Tierarterhaltungsprogramm mit vom Aussterben bedrohten Nashörnern
dienen. Er engagiert Sariah
Morrel, eine Nashornspezialistin aus Südafrika, die sich leidenschaftlich für den Erhalt der seltenen Tiere
einsetzt.
Dieses Buch hat mich recht schnell gepackt, denn ich interessiere mich
schon länger für Erhaltungszuchtprogramme und weiß um die vom Aussterben
bedrohten Nashörner.
Die Handlung führt nach einer Einführung der
Hauptcharaktere dann auch tiefer in die Materie ein und zeigt sowohl den
Idealismus als auch die Profitgier, die hinter diesen Zuchtprogrammen
stecken.
Die Rettung der Tiere wird zum Spielball der menschlichen Spezies.
Doch
nun zur Geschichte. Aus Sicht der drei Hauptfiguren Edo Morell, Sariah
Malan und Frank Rida, erfahren wir ihre verschiedenen Sichtweisen,
eigenen Lebensberichte und aktuelle Informationen über das
Nashornprogramm im Zoo.
Edo ist der dynamische Direktor des
Amsterdamer Tierparks, der seinen Zoo mit einem Marketing-Masterplan
wieder überlebensfähig und zu einem größeren Ruf verhelfen will. Die
geplante Afrikalandschaft ist ein neuer Denkansatz, der die
Besucherströme wieder ansteigen lassen soll. Auch die Rettung bedrohter
Arten, in diesem Fall der Schwarzen Nashörner sind für sein Konzept
eingeplant und sollen für Publikumsinteresse sorgen.
Frank Rida,
leitender Zoovorstand, Doktor der Kunstgeschichte und Freund von Edo
Morell, unterstützt die Rettung des Zoos mit Öffentlichkeitsarbeit und
übernimmt die Verhandlungen mit Behörden etc.
Sariah Malan ist
Halb-Niederländerin und hat sich dem Schutz von Dickhäutern
verschrieben. Eine persönliche Tragödie hat ihr Leben in Südafrika
überschattet und so nimmt sie die Aufgabe eines Zuchtprogramms in
Amsterdam an.
Edo kauft den schwarzen Nashornbullen Albrecht und
man erlebt als Leser hautnah mit, nach welch ausgeklügeltem System
dieser in den Zoo eingeflogen wird. Dieses Tier ist eine Rarität, eines
der letzten seiner Art und sehr, sehr teuer. Das macht die Übersiedlung
so spezifisch und für mich ungeheuer spannend.
Man muss sich
einmal vorstellen, wie 1515 von Albrecht Dürer das erste Bild eines
Nashorns in Europa entstand und dieses Tier damals erstmals in das
Bewusstsein der Menschen geriet. Für die Menschen damals ein Unikum
sondergleichen. Und gerade mal 500 Jahre später ist dieses Tier bereits
ausgestorben.
***Tierinteressierte finden nach dem Fazit eine Information zu den Nashörnern.
Edo
und Sariah lernen sich näher kennen, ihre enge Zusammenarbeit lässt sie
sich auch persönlich näher kommen. Sie sorgen sich um Albrecht,
schliesslich soll er sich im Zoo sehr wohl fühlen, um dann mit Angela
und Ursula den Fortbestand seiner Art zu sichern. Das ist aber nicht so
einfach und es wird im Buch in einer leichten, heiteren Art und Weise
dargestellt. Aber auch Überfälle und Krankheiten werfen ihre Schatten
auf die kleine Nashorngruppe.
Mein Held des Buches ist von Beginn seines Einzugs im Zoo der Bulle Albrecht.
Der
Autor vermag die Überlebensfrage der Tierarten geschickt mit
menschlichem Idealismus und Kommerzdenken zu erklären. Wie leicht dieser
Roman jedoch auch von seiner Erzählweise her wirkt, umso schwerer
wiegen die tiefgründigen Hintergedanken der Menschen.
Es wird
deutlich, wie wir Menschen immer weiter die vermeintlich lenkende
Führungsposition einnehmen, während um uns herum die Tierarten
aussterben. Der tragische Verlust der Artenvielfalt könnte auch unser
eigener Untergang sein. So möchte ich mal die Intention des Autors
auslegen.
Wir sollten darüber nachdenken, wie wir mit Tieren
generell umgehen und ob einzelne Tiere in Zoos noch eine Art darstellen.
Denn in freier Wildbahn sieht man einige Tiere nicht mehr.
So zum
Beispiel: den Dodo, Elefantenvögel, Falklandfüchse, Lavamäuse,
Höhlenbären, Guamrallen, Wandertauben, Tarpane, Tasmanische Tiger und
andere Arten.
Der Charakter Edo hat mir gezeigt, wie Menschen
flammende Reden über die Erhaltung von Tieren halten können, aber doch
andere Dinge im Sinn führen können.
Dieser Roman verbindet die
Rettung von Tieren mit einem verworrenen Geflecht aus Liebe, Hoffnung
und Vertrauen. So entsteht praktisch eine Nebenhandlung auf
Menschenebene, die ebenso spannend wie tiefgründig zu lesen ist.
Die Geschichte findet ein relativ offenes Ende, man kann sich seine eigenen Gedanken zum Thema machen.
Ein
Spitzenbuch mit Witz, Spannung und Tiefgründigkeit über den Zooalltag,
das menschliche Miteinander und die Erhaltung der vielfältigen Arten auf
der Erde, die menschliche Spezies inbegriffen!
***INFO:
Das Spitzmaulnashorn auch Schwarzes Nashorn
genannt, gilt seit 2013 in freier Wildbahn als ausgestorben. Im Januar
diesen Jahres ist im Chester Zoo ein Schwarzes Baby-Nashorn zur Welt
gekommen.
Von der Konkubine zur Kaiserin
Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck beschreibt in Das Mädchen Orchidee
das abenteuerliche Leben der letzten chinesischen Kaiserin Tsu Hsi, die
als Konkubine an den Kaiserhof in Beijing gerufen wurde. Die
Kaiserinmutter persönlich suchte aus vilen Manchu-Frauen die Ehefrau und
die Konkubinen ihres Sohnes heraus. Tsu Hsi wurde Konkubine, stieg aber
durch ihre Klugheit und Tatkraft zur Kaiserin empor. Über vierzig Jahre
steuerte sie das Reich und wurde von ihrem Volk verehrt.
Dieser
Roman beschreibt eine Welt, die uns Europäern lange Zeit verschlossen
und dadurch unbekannt war. Sie führt uns nach China um 1852 hinter die
Mauern des Kaiserpalastes in Beijing und zeigt das Alltagsleben unter
den Frauen des Kaisers Xianfeng, erklärt den Einfluss der Eunuchen und
die traditionellen Zeremonien bei Hofe.
Es geht um das Schicksal der jungen Tsu Hsi, die der
chinesischen Adelsdynastie der Mandschu angehört und als Nebenfrau des
Kaisers in der Verbotenen Stadt leben musste.
Sie liebt ihren Cousin,
der in der kaiserlichen Garde dient. Von der heimlichen Liebe darf
niemand erfahren, es hätte tödliche Konsequenzen für beide.
Tsu Hsi
bekommt einen Sohn und muss später um ihrer beider Leben bangen. Der
Platz auf dem Thron bedeutet Einfluss, die Intrigen bei Hofe sind
gefährlich.
Doch mit vorausschauendem Blick festigt Tsu Hsi ihre
Position und dank ihres Geschicks wird sie stellvertretend für ihren
minderjährigen Sohn Kaiserin.
Dieser Charakter wird von Pearl S.
Buck mit viel Intensität und Nähe beschrieben. Man erlebt wie Tsu Hsi
mit Einfühlungsvermögen und Geschick, aber auch mit Machtbewusstsein
ihre Chancen bei Hofe für den eigenen Aufstieg nutzt.
Interessant ist
auch die politische Darstellung Chinas zu dieser Zeit. Das starre
Festhalten an Traditionen und isolierte politische Stellung wird
deutlich. Doch die isolierte Position ist nicht länger haltbar, der
Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Die Taiping-Revolte, der
Boxer-Aufstand und der äußere Druck von Europäern und Japanern zwingen
China, sich zu verändern und fremden Einflüssen zu öffnen.
Wie
gewohnt zeigt die erfolgreiche Autorin ihren beeindruckenden Schreibstil
auch in diesem Roman unterhaltsam und mit viel Gespür für fremde
Kulturen. Man erlebt eine Liebesgeschichte, politische Einsichten und
eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, sondern ihre Position
immer mehr bis zum Kaiserthron ausbaut.
Dieser Roman
bietet eine gute Gelegenheit, sich mit der chinesischen Geschichte und
deren Andersartigkeit zu beschäftigen. Der Blick auf die Darstellung Tsu
Hsis macht die Haltung der Chinesen deutlich und ermöglicht den Blick
in die Verbotene Stadt.

Viel kriminelle Energie, zu viele Mitstreiter und dadurch blieb die Spannung auf der Strecke.
Der Rügen-Krimi "Leuchtturmmord" ist der 5. Band einer Reihe von Autorin Katharina Peters aus dem Aufbau Verlag.
Rügen: Die Leiche einer jungen Frau wird an der Südspitze der Insel Zudar
gefunden. Ermittlerin Romy Beccare geht dieser Fall besonders nahe, denn
die Tote ist erst 28 Jahre alt und Mutter von zwei kleinen Kindern.
Romy findet heraus, dass vier Freunde der Toten in den letzten Jahren
aus unerklärlichen Gründen ums Leben gekommen sind. Es gibt nur einen
Überlebenden, aber ist er deshalb gleich ein Mörder?
Dieses ist mein erster Krimi der Autorin und ich habe mich gespannt auf die Lektüre gefreut.
Zuallererst
habe ich den Leuchtturm auf dem Cover vermisst, hier hätte ich keine
Seebrücke erwartet. Das ist jedoch nur eine Anmerkung am Rande.
Das
Konzept des Krimis mit der Verbindung mehrerer Fälle von illegalen
Wettgeschäften, Geldwäsche und Intrigen gefällt mir recht gut. Dadurch
kommt viel kriminelle Energie ins Spiel. Wenn jedoch die etlichen
Verbrechen von noch mehr Figuren ermittelt oder verbrochen werden, geht
der rote Faden schnell verloren. Ich kann schon recht viele Personen und
Namen verkraften und auseinanderhalten, wenn sie jedoch mal mit
Vornamen und mal mit dem Nachnamen betitelt werden, wird das Lesen
unweigerlich zu einer nicht nötigen Namenssuche. So etwas nervt mich und
hält mich im Lesefluss auf, was sich leider auch als Spannungskiller
auswirkt. Einige Personen, die für den Verlauf der Aufklärung wichtig
sind, wurden auch erst im letzten Drittel eingeführt.
Bei den
Verbrechen wird sich nicht in Details verrannt, sie werden aber auch nur
mehr oder weniger sachlich erwähnt. Hier fehlt mir die inhaltliche
Tiefe, die nicht unbedingt blutig und grausam geschildert sein muss,
aber so, dass sie Betroffenheit beim Leser ausübt.
Die
Charaktere sind sehr vielschichtig und gut beschrieben. Es ist wie
gesagt die Personenmenge, in der die Ermittler fast untergehen. Romy
Beccare hätte ich als Hauptfigur mehr im Mittelpunkt des Geschehens
erwartet. In diesem Fall arbeiten jedoch zwei Teams sehr erfolgreich
daran, um die miteinander verknüpften Verbrechen aufzulösen. So wechseln
sich die Ermittler und Orte häufig ab. Private Dinge spielen keine
große Rolle, sie dienen nur als Randnotiz.
Meine Lieblingsperson ist Gerit Schlegel, deren Charisma sich deutlich von den anderen Figuren abzeichnet.
Vielleicht sollte man erst die Vorgängerbände gelesen haben, ehe man in die Reihe quer einsteigt.
Dieser
Krimi hat mich mit den kriminellen Verknüpfungen gereizt, es aber nicht
mit genug Spannung ausgefüllt. Für Rügenfans gibt es einige schöne
Hinweise.
***Rezensionsexemplar vom Aufbau Verlag - Herzlichen Dank an Christine Seiler vom Verlag für die Bereitstellung des Buches!***
Gelungener Einblick in die menschliche Psyche und in Pferdetherapie
Sylvia B. Lindström lebt auf Öland/Schweden, sie ist Equitherapeutin und hat ihren ersten Krimi "Inselfeuer" geschrieben. Das Buch erscheint 2016 im Aufbau Verlag.
Bei
diesem Buch handelt es sich um den ersten Band einer Serie um die
Opferanwältin Alasca Rosengren und den Strafverteidiger Stellan Qvist.
Im
dünn besiedelten Norden der schwedischen Ferieninsel Öland erschüttert
eine Serie von Brandstiftungen und brutalen Morden die Inselbewohner.
Sie verdächtigen Jorma Brolin, einen kräftigen Tischler und Hufschmied,
der vor 10 Jahren schon einmal unter Verdacht stand, aber freigesprochen
wurde. Damals wie heute gibt es Mangel an Beweisen für seine Schuld.
Anwältin Alasca Rosengren übernimmt widerwillig Jormas Verteidigung.
Auch sie hat etwas zu verbergen. Welche Geheimnisse verbergen die
Bewohner und wer legt die Feuer?
Dieser Krimi kommt der Lösung der Brandstiftungen erst allmählich auf
die Schliche. Die schrittweise Vorstellung der Öländer und ihres
Alltagslebens zeigt die Lebenssituation und die verstrickten Beziehungen
und enthüllt so manch grausames Verbrechen. Was die Bewohner verbergen,
reicht von häuslicher Gewalt bis Kindes-Missbrauch und dennoch wird der
Mantel des Schweigens über die grausame Wirklichkeit gedeckt.
Geschieht
das aus Angst oder aus Selbstschutz, vielleicht aber auch nur aus
Desinteresse? Man kann darüber nur spekulieren. Auf dem Inselinternen
Internetforum Flashback allerdings sprechen die Bewohner ihre
Anschuldigungen offen aus, verlieren die öffentlich gelebte Scheu und
schwärzen Beschuldigte an.
Nebenbei entdeckt man die Insel Öland
genauer, erfährt einiges über die Einsamkeit dort in den dunklen
Wintermonaten und erkennt die verschwiegene Mentalität der Bewohner
näher.
Dieser direkte Blick in das Seelenleben der Menschen, die
Enthüllung von Familiengeheimnissen lässt den Leser erschreckende
Schicksale entdecken.
Welche ungeahnten Schicksale hier offen gelegt werden, löst bei mir
Entsetzen und Abscheu aus. Auf diese psychologische Sichtweise zielt die Intention der Autorin ab.
Als
die ersten Brände verübt werden, versucht man den Täter zu erraten,
kommt ihm aber nicht auf die Schliche. Dass Mordopfer zu beklagen sind,
nimmt man nur nebenbei zur Kenntnis.
Denn der Leser nimmt an den
Verbrechen nicht direkt teil, sie werden im Hintergrund ausgeübt und nur
die Folgen werden sichtbar. Genauso halten sich die Ermittlungen mehr
oder weniger im Hintergrund. Wie die Personen in die Handlung verstrickt
sind oder welche eigenen Geheimnisse sie verbergen, ist die
vordergründige Handlung. Hier hätten der Geschichte ein paar weniger
Missbrauchsopfer vielleicht gut getan und ein wenig mehr Information
über die Verbrechen und über die Ermittlungen hätten das Buch mehr als
Krimi erscheinen lassen. Gerade das Motiv des Täters hat mir am Ende
gefehlt.
Mir hat die psychologische Sichtweise auf die
Protagonisten recht gut gefallen, auch die Insel Öland lernte ich näher
kennen. Dazu erhalten die Pferdebegeisterten noch ein wenig
Therapiemöglichkeiten für schwierige Pferdecharaktere mitgeteilt. Ein
interessanter Krimi, der den Fokus nicht in erster Linie auf die
Ermittlungen legt und damit mal ein wenig aus der Reihe fällt.
Auch wenn am Ende nicht alle Rätsel gelöst werden, so hat mir doch die Ansatzweise der Autorin gut gefallen.
Ein
interessanter Roman mit Krimi-Anteilen, psychologischer Betrachtung der
Menschen und einem Einblick in Pferdetherapie. Das Debüt Inselfeuer
finde ich durchaus gelungen und mir gefällt der etwas ungewöhnliche
psychologische Ansatz.
***Rezensionsexemplar vom Aufbau Verlag - Herzlichen Dank an Christine Seiler vom Verlag für die Bereitstellung des Buches!***
Tierbücher mal ganz anders
Tatarataaaah!
Meine ersten Bücher von meinem gewonnenen Buchgutschein der Mayerschen Buchhandlung sind soeben eingetroffen!
Im März habe nämlich den ersten Preis bei Wasliestdu in dieser tollen Aktion belegt und nach vielem Suchen und Listenschreiben habe ich nun meine erste Buchbestellung getätigt. Ich habe mich entschlossen, den ganzen Betrag nicht auf einmal auszugeben, sondern werde die Bestellungen peu à peu aufgeben und sie meinem Lesetempo anpassen. So habe ich länger etwas davon und bin auch nicht gleich mit zu vielen Büchern völlig überfordert.
Und hier sind die Neuzugänge in voller Schönheit:
Alles Bücher mit Tieren, aber das war wirklich Zufall!
Das letzte Nashorn ist ein Roman aus dem Knaus Verlag, der mich von der Inhaltsangabe her sehr interessiert. Des schönen Tierbildes wegen habe ich den Titel mal auf dem Kopf fotografiert.
Sina Beerwald hat mich mit ihren SyltKrimis angezogen und so wanderte der Heringsmord auf die Bestellliste.
Möwe, Meer und Mord ist ein Urlaubskrimi aus dem Emons Verlag. Wenn das nicht die richtige Urlaubslektüre ist, weiß ich es auch nicht. Es sieht jedenfalls schon mal sehr urlaubsmäßig aus.
Lammfromm von Wolf Schreiner hat mich mit dem süßen Lämmchen sofort überzeugt. Der Klappentext verspricht ein himmlisches Vergnügen!
Na, da bin ich aber gespannt und für die Teilnahme an der Goldmann Challenge zählt es auch noch.
Ich freue mich so sehr über den Gewinn!
Eine schöne Frühlingswoche und liebe Grüße schickt euch sommerlese mit diesem Orchideenschnappschuss!
Was ist eigentlich Liebe?
Der Roman Kreuzfahrt von Mireille Zindel erscheint im Kein & Aber Verlag.
In
einem Familienurlaub in Ligurien treffen Meret und Jan aufeinander. Sie
fliehen beide vor ihren Ehepartnern und den kleinen Söhnen, um ein
wenig Ruhe zu haben. Sie unterhalten sich und entdecken, dass sie in
Zürich Nachbarn sind. Die beiden Familien freunden sich an und Jans
gelangweilte Frau Romy sorgt für gemeinsame Treffen der Familien. Die
Liebesgeschichte zwischen Meret und Jan entwickelt sich. Hat Romy das
vorausgesehen, um ihren Mann selbst wieder mehr zu begehren? Wie wird
Dres darauf reagieren? Was ist der Sinn einer Beziehung für die
beteiligten Erwachsenen?
Meret ist die Erzählerin dieses Romans und mit ihr machen wir uns
gemeinsam auf die Suche nach der Liebe. Sie erklärt die Annäherung an
Jan, ihre Gefühle und gibt Einblick durch diverse innere Dialoge der
Beteiligten. Durch sie erfahren wir auch von ihren Zweifeln an einem
Ehebruch. Die Folgen für ihre Familie sind ihr bewusst und sie möchte
ihre Ehe nicht aufs Spiel setzen.
Sie ist eine Frau, die viel Zeit
hat und sich in Gedanken über ihre Gefühle zu Jan verliert. Manchmal
suggeriert sie wohl mehr Bedeutung in diese Affäre hinein als dieser in
Wirklichkeit zukommt.
Romy hat ein unbeständiges Wesen, zieht
naselang um, ist leicht depressiv und stets auf der Suche nach neuen
Eindrücken. Die Familie steht bei ihr jedenfall nicht an erster Stelle,
zur Zeit ist sie mit Esoterik beschäftigt. Sie versucht auf ihre
Aussenwelt perfekt zu wirken, hat aber große Probleme mit sich, ihre
Kinder vernachlässigt sie und ihren Mann besucht sie nicht mal im
Krankenhaus.
Jan ist beruflich stark eingespannt und pendelt im
Flieger durch die Welt, wie ein Kreuzfahrer. Seine Freizeit nutzt er für
Marathonläufe, eigentlich ist er immer auf der Flucht. Zwischen ihm und
Romy besteht eine Gefühlsflaute. Was er wirklich für Meret empfindet,
ist nicht klar erkennbar.
Dres ist der perfekte Vater, er kümmert
sich um seine Söhne und scheint die Liebschaft seiner Frau nicht zu
bemerken. Über seine Gedanken erfährt man nicht viel.
Neben den
Erlebnissen der Familien gibt es eine weitere Geschichte: die Erzählung
von Gaia, die sich auf einer Kreuzfahrt in einen Offizier verliebt.
Diese Beziehung kann man stellvertretend für die Liebesfragen der beiden
Frauen Romy und Meret sehen.
Dieser Roman hat mich über die
Frage der Verliebtheit nachdenken lassen. Was ist eigentlich Liebe?
Warum verlieben wir uns im Leben? Was bedeutet Fremdverlieben für die
eigene Beziehung zum Lebenspartner? Ist lediglich der Wunsch, begeht zu
werden, schon ein Treuebruch? Was macht den Reiz beim Verlieben aus? Das
Unerreichbare, dass man nicht haben kann? Stehen hier die eigenen
Wünsche vor der anderen Person? Oder bewirkt Fremdverlieben, dass wir
uns wieder mit Freude dem Ehepartner zuwenden?
Ich weiß es nicht! Aber leider kann die Autorin es in ihrem Buch auch nicht erklären.
Sie
zeigt in den Gedankengängen und Gesprächen zwar Anklänge von
Erklärungen, man meint, die Handlung teilweise verstanden zu haben, doch
am Ende wirbelt sie das Geschriebene mit einem einzigen Handstreich vom
Tisch.
Was mir bei diesem Roman positiv aufgefallen ist, sind
die medizinischen Einblicke in die Behandlung von Komapatienten, ihre
Aufwachphase, die späteren Reaktionen der Patienten und die Aussicht auf
Rehabiltation. Diesem Bereich liegt eine umfassende Recherche zugrunde,
deren Einbindung im Buch mich sehr interessiert hat.
Dieser
Roman erzählt von Liebe, Krankheit und Sehnsüchten. Vielleicht sieht
jeder Leser sein eigene Sicht auf diese Themen angesprochen und bezieht
persönliche Erfahrungen mit ein. Ein Buch, dass mir zu lesen leicht
fiel, zu verstehen aber sehr schwer.
***Mein Wunschbuch als Monatsleserin bei vorablesen - Vielen Dank
an den Verlag für die Bereitstellung des Buches!***
Ein Wettlauf mit dem Tod
Peter James, britischer Film-Produzent, schrieb seinen Thriller Stirb ewig im Jahre 2005. Es ist der 1. Band der Inspektor Roy Grace
Reihe, die im Fischer Verlag erscheint.
Als
Junggesellenabschied bekommt Michael Harrison von seinen Freunden die
Revanche für seine fiesen Streiche. Sie legen ihn in einen Sarg und
wollen ihn für ein paar Stunden auf einem Acker begraben. Doch nach
erfolgtem Verscharren ereignet sich ein Unfall, den die Freunde mit
ihrem Leben bezahlen. Außer ihnen weiß niemand von diesem schrecklichen
Beerdigungs-Plan. Die Braut ahnt nichts und ist außer sich vor Sorge.
"Haaalloooo, hört mich jemand?"
Diese Rufe Michaels haben bei mir schon fast panikartige Angst
ausgelöst. Ich habe ein wenig Klaustrophobie und daher war dieses Buch
schon eine echte Herausforderung für mich.
Denn die beklemmenden
Gefühle Michaels in seinem engen dunklen Grab beschreibt Peter James so
authentisch, dass beim Lesen eigene Ängste aufbrechen. Der Leser erlebt
Michaels Angst und Überlebenskampf direkt mit.
Die verschiedenen
Phasen des Begrabenen kann man nicht besser darstellen. Anfangs zeigt
Michael lediglich Erschrockenheit und wundert sich über die Situation,
in die man ihn gebracht hat. Dann kommt die Wut hinzu. Er hat aber noch
Hoffnung. Aber je länger er in der vertrackten Situation ausharren muss,
umso resignierter wird er. Doch sein Lebenswille verlässt ihn nicht und
er mobilisiert seine letzten Kräfte. Mit einem Walkie-Talkie hält er
Kontakt zur Außenwelt. Doch sein Kontakt mit dem hirngeschädigten Jungen
Davey bricht ständig ab.
Die Suche der Polizei nach dem
Verschwundenen und die Befragung bringt immer wieder neue Ansatzpunkte,
der Autor reduziert den Thriller auf die wesentlichen Handlungen. Es
gibt keine sozialen Hintergründe der Ermittler, die das Buch auflockern,
der Thriller ist knallhart durchgezogen.
Wem nutzt das
unerwartete Verschwinden oder der Tod von Michael? Diese Frage wird sehr
spannend entwickelt, denn einige Vertuschungsversuche machen es dem
Leser schwer, den Täter zu erkennen.
Die Story liest sich flüssig
und wird durch verschiedene Orts- und Personenwechsel sowie
inhaltlichen Wendungen immer auf einem konstanten Spannungslevel
gehalten.
Wenn es zum Ende hin nicht so viele unnötige
Zwischenfälle der Protagonisten gegeben hätte, wäre es für mich ein
5-Sterne-Buch geworden.
Ein toll inszenierter
Thriller mit einer unglaublich nervenaufreibenden Spannung und einer
Handlung, die in die menschlichen Beweggründe für so eine Tat schauen
lässt. Echt gruselig!