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Freitag, 19. Juli 2019

Die Tochter der Wanderapothekerin - Iny Lorentz

Ein fesselnder, überzeugender und sehr lebendiger Abschluß der Reihe


"Die Tochter der Wanderapothekerin" ist der 4. und letzte Teil der Reihe "Die Wanderapothekerin" und ein weiterer historischer Roman von Iny Lorentz. Die Romane erscheinen im Knaur Verlag.


Thüringen im 18. Jahrhundert: Fürst Friedrich verlässt seine Heimat in Schwarzburg-Friedrichsthal offiziell für eine Reise nach Venedig, auch Lena, die Tochter der Wander-Apothekerin Klara, darf ihn mit ihrem Bruder Martin begleiten. 
Friedrich ist genervt von seiner schwangeren Frau, die ihm das Leben schwer macht. In Wahrheit liegt Italien zwar auf seiner Route, sein wahres Ziel liegt aber in Palästina, dort will er das Wasser für die Taufe seines Kindes aus dem Jordan schöpfen. Die Reise hält unerwartete Gefahren bereit und das fügt die Gruppe zusammen, auch Lena und Friedrich kommen sich dabei näher.  


Mit diesem Teil der Reihe geht die Geschichte um Klara und ihre Familie in die letzte Runde. Ihre älteste Tochter Lena träumt als Malerin schon lange von einem Besuch Italiens, nun ist es endlich soweit und sie darf Friedrich und ihren Bruder auf der großen Reise begleiten.  

Diese Reisen junger Herren nannte man damals Kavalierstouren, sie wurden gut durchgeplant und führten in europäische Großstädte. Ziel der Reisen war es, den Horizont zu erweitern und Kontakte zu anderen Adelshäusern oder einflussreichen Leuten zu schließen.
Wie zu erwarten, gibt es auf dieser Reise abenteuerliche Erlebnisse, es drohen Wegelagerer und sogar kriegerische Überfälle, denn die Reise sollte über mehrere Grenzen hinweg bis ins Osmanische Reich führen. 

Auch dieser Roman liest sich wieder wunderbar unterhaltsam. Der flüssige Schreibstil, die unerwarteten Vorgänge und die bildhaften Beschreibungen der Szenerie sorgen für fesselnden Lesesog, man möchte unbedingt das Geschehen weiter mitverfolgen. 

Auf der einen Seite ist da die aufregende Reise mit ihren Gefahren und interessanten Erlebnissen, bei der Lena als Heilerin wertvolle Dienste leistet. Auf der anderen Handlungsebene erlebt man die Vorgänge im Fürstentum mit, wo sich Karoline Louise, die Ehefrau von Friedrich, einfach ungebührlich verhält. Sie ist eine echte Xanthippe, ein entscheidender Grund, weshalb Friedrich sich zu seiner Reise aufgemacht hat. Sie leidet unter der Schwangerschaft, findet einen Liebhaber und ist ständig unzufrieden. So ein Frauenzimmer geht allen auf die Nerven und ihre Schwiegermutter versucht, sie im Zaum zu halten, denn es zählt mehr als alles andere, einen gesunden Erben zur Welt zu bringen.

Wie in allen historischen Romanen zeigt sich Machtgebahren, Säbelrasseln und die politischen Querelen von einflußreichen Mächten und Herrschern. Auf der Reise erleben wir englische und venezianische Edelleute ebenso wie Räubergesindel, Mönche und türkische Würdenträger, sogar einen Agenten der russischen Zarin und einen Beduinenscheich. Das bringt neben viel Exotik auch unterschiedliche Charaktere und Lebensformen, sowie verschiedene Religionen und ihre Traditionen mit sich. Es wird absolut bunt und vielfältig und das Abenteuer steht an erster Stelle. 
Die verschiedenen Stationen habe ich gern mitverfolgt, Klöster, Kirchen und Moscheen sowie landesübliche Szenen wurden authentisch beschrieben und sehr lebendig ausgeschmückt.

Gleichzeitig sind natürlich die Charaktere aus Thüringen die Hauptfiguren, wir lernen sie und ihre Eigenschaften genau kennen, sind bei ihren Abenteuern hautnah dabei und dürfen bei einem interessanten und abschliessenden Finale dabei sein.
Lena ist eine interessante, mutige und zupackende junge Frau, fast schon ein wenig zu emanzipiert dargestellt für diese Zeit, denn sie hätte selbst als Ehefrau die Reise wohl eher nicht antreten dürfen. Doch das verbuche ich mal unter schriftstellerischer Freiheit. Obwohl sie vom Titel her die Hauptfigur ist, ist die Reisegruppe ebenso wichtig und ihr ebenbürdig. 

Friedrich hat seine Kavaliersreise zu einer gewagten Reise ausgeweitet, er ist bescheiden, stellt seine gehobene Stellung nicht in den Vordergrund und sieht seine Freunde und Kammerdiener als gleichwertige Menschen an. Ich gönne ihm das größte Abenteuer seines Lebens und den Ausgang der Reise. 

Ein würdiger und abenteuerlicher Abschluss der Reihe mit vielen bunt beschriebenen Schauplätzen und liebenswerten Charakteren. Dieses Ende darf man sich nicht entgehen lassen!


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Leseexemplar!***





Sonntag, 3. März 2019

Licht in den Wolken - Iny Lorentz

Historischer Lesestoff, der mich bis zum Ende gefesselt hat 


"Licht in den Wolken" ist der zweite Band nach "Tage des Sturms" in ihrer Berlin-Trilogie. Der neue Roman erscheint am 1.3.2019 im Knaur Verlag.  

Das Autorenduo Iny Lorentz steht für fesselnde historische Romane, allein im Knaur Verlag sind von ihnen bereits 33 Romane erschienen.


1864: Deutschland befindet sich in den Wirren des Deutsch-Französischen Krieges. In der Zeit wird Friederike von Gantzow, die Tochter eines verarmten Offiziers auf ein Internat für höhere Töchter geschickt. Das Schulgeld bezahlt ihre Tante. Rieke ist selbstbewusst, ehrgeizig und gewinnt schnell eine neue Freundin, Gunda von Hartung und auch ihren Bruder Theo lernt sie bald kennen. Beide stammen aus einer reichen Fabrikantenfamilie. Rieke verbringt die Ferien bei den Hartungs, sie verliebt sich in Theo, doch ihre Verwandten haben andere Pläne mit ihr. Theo zieht in den Krieg und wer weiß, ob sie sich wiedersehen.




"Zum ersten Mal in ihrem Leben fuhr Rieke mit der Eisenbahn und kam aus dem Staunen kaum heraus. Die kleine Garnisonstadt, in der ihr Vater stationiert war, blieb so schnell hinter dem Zug zurück, dass es ihr wie ein Wunder erschien." Zitat Buchbeginn Seite 7


Wenn man die Romane von Iny Lorentz kennt, weiß man, dass sie vor den historischen Hintergründen eine Geschichte entstehen lassen, die sich mit Irrungen, Wendungen und einer gewissen Dramatik abspielt. Es geht meistens um eine Romanze und so ist es auch in diesem Roman. 

Rieke und Theo müssen sich in diesem Roman durch viele Hindernisse kämpfen, bis ihre Liebe Erfolg haben kann. 

Eingebettet in die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges erlebt man das Schicksal der jungen Friederike, die sich als Mädchen und als Mitglied einer verarmten Familie behaupten muss.  
Militarismus und übergriffiger Patriotismus beherrschen die Zeit. Wer in der Armee Rang und Namen hat, wird hoch angesehen, auch adelige Abstammung sorgt für Ansehen. Die sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich sind groß, Aufstiegschancen fast unmöglich und die Standesdünkel erschreckend. Das sorgt bei dem Großteil der Bevölkerung für finanzielle Not und großes Leid und lässt nur wenige an Reichtum und Macht teilhaben. Sie kämpfen ihre Schlachten auf dem Rücken der Abgehängten und Armen.

Mit Rieke kann man wunderbar mitfühlen, ihre Schwierigkeiten im Internat besteht sie trotz harter Schläge eisern, ihre Freundschaft zu Gunda, aber auch zu einfachen Dienstboten, macht sie zu einer sympathischen Titelfigur, die man gerne begleitet.
Es gibt viele Probleme und Missstände, Entbehrung und Verdruß in ihrem Leben. Auch in der Schule hat sie es nicht leicht, doch ihre Freundschaft zu Gunda lässt viele Hoffnungsschimmer zu. Denn auch Gundas Bruder ist ein Lichtblick in Riekes Leben. Vom Vater verhöhnt, von der Mutter nicht groß beachtet, fristet sie ein Leben in Abhängigkeit von ihrer Wohltäterin, ihrer Tante, die das Schulgeld bezahlt. Doch was kommt nach der Schulzeit? Die Ausbildung im Internat zielt auf die Führung eines höheren Haushaltes als Ehefrau hin. Will Rieke das wirklich? Sich wie ihre Mutter einem Mann unterordnen? 

Die Story ist mitreißend, die Figuren haben eine ausgeprägte Lebendigkeit, der man sich nicht entziehen kann. Die historischen Details leben vom Säbelrasseln, von Duellen und Kriegsgebahren. Doch auch die Schattenseiten des Krieges sind sichtbar, Verletzungen, Verstümmelungen und Tod für das Vaterland werden in der Handlung deutlich gemacht.

Glaubhaft dargestellte Emotionen der Frauenfiguren, fragwürdige Ehrbegriffe und veraltete Ansichten und das Spiel von guten und bösen Charakteren sorgen für unterhaltsame Abwechslung und lassen die Spannung stetig mitspielen.  Auch wenn einige Zufälle eingebaut werden, so stören sie nicht die Grundhandlung. 


Dieser Roman ist klassisch nach bewährtem Iny Lorentz-Strickmuster geschrieben und bis zum Ende absolut fesselnd.  



***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar! Ich hatte wunderbare Lesestunden!***


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