Dienstag, 10. Mai 2016

Freedom Bar - David Bielmann

Ein moderner Erzählstil und ein tiefsinniger Roman, der mit Worten spielt und viele Themen abdeckt.

Urbane Existenzen 

 

David Bielmanns erster Roman trägt den Titel "Freedom Bar". Er erscheint im Riverfield Verlag.


Der Schweizer Bert Bucher ist ein junger Mann, der sich als Rockstar mit großen Chancen sieht. Als seine Großmutter stirbt, kann er ihre Wohnung in Freiburg beziehen. Dort erhofft er sich einen Karrierestart wie damals die Beatles. Er trifft eine vermeintliche Verehrerin seiner Musik, die Studentin Lana, die gern Gedichte schreibt.

Johann B. Grab ist Inhaber einer Buchhandlung und war vor der Zeit des World-Wide-Web ein gefragter Mann. Seine Buchsammlung stellte einen Fundus für Wissensfragen jeder Art dar. Seine griechische Frau Maria wünscht sich ein Kind und ihr zeugungsunfähiger Mann ist bereit, dafür einen passenden Erzeuger zu suchen. 

Henry Schweizer wohnt in seiner Bar, die er zu seinem persönlichen Sehnsuchtsort gemacht hat. Dort träumt er von Amerika, aber auch seine Gäste kommen hier auf andere Gedanken und verlieren im Rausch ihre Sorgen.  



Die Alpen. Früher hielten sie Fremde fern, heute lockten sie Fremde an - eine imposante Extravaganz der Natur waren sie geblieben.
Zitat S. 89


Was für ein Buch! 

 
Außergewöhnlich, irgendwie anders, modern und doch sehr intensiv kommt der Erzählstil daher. Er werden Personen vorgestellt, die auf der Suche nach ihrem Lebenssinn sind. Dabei gibt es immer wieder Stellen, die mich mitnehmen und auch amüsieren. Die Figuren sind einzigartig und besonders. Ein wenig schräg, aber liebenswürdig. Sie sind Menschen, die das Leben genauso hervor bringt. 

Dieser Roman ist voller eigenwilliger, aber dennoch liebenswürdiger Alltagshelden. Sie stellen ihre Gedanken, Träume und Sehnsüchte vor und haben eine gemeinsame Verbindung: Sie leben alle unter dem Dach eines Hauses, in der Lausannegasse 43.
Dort begegnen sie sich, träumen ihr Leben, dort entwickeln und verknüpfen sich ihre Schicksale miteinander. In der Bar, aber auch in der Buchhandlung treffen sie aufeinander.

Es geht um den Sinn des menschlichen Daseins, die Liebe, die Freiheit und die unerfüllten Wünsche im Leben.
Das bringt der Autor mit eindrücklichen Worten zu Papier, die beeindrucken, nachhallen und auch amüsieren. Gerade diese Ausdrucksfährigkeit hat mir gut gefallen. Es ist in gewisser Weise ein Entwicklungsroman, der mich mit seinen eigenwilligen Charakteren berührt. 


Dieser Roman hat mich nachhaltig berührt mit seiner Andersartigkeit, seinem tollen Schreibstil und Humor, mit schönen Beschreibungen von bekannten Situationen, menschlichen Gedanken und schönen Örtlichkeiten.


  ***Dieses Leseexemplar bekam ich auf persönliche Anfrage des Autors David Bielmann. Vielen Dank dafür und an den Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

 

Ein diebisches Vergnügen - Peter Mayle

Angenehm zu lesender Roman mit Kriminalfall, der  französische Spitzen-Weine hofiert und gut zu einem Frankreichurlaub passt!

Weindieben auf der Spur

 

Peter Mayle liebt Frankreich und das wird in seinen Romanen deutlich. Sein Buch Ein diebisches Vergnügen erschien 2010 und wird im Heyne Verlag aufgelegt. 

Ein reicher Amerikaner sammelt seit Jahren Spitzenweine, leider macht er den großen Fehler, in einer Fachzeitschrift einen hofierenden Artikel über sich lesen zu wollen. Raffinierte Diebe stehlen daraufhin mehrere Hundert Flaschen seltenster französischer Weine im Wert von drei Millionen Dollar aus seinem Weinkeller. Da die Versicherung natürlich versucht, die Schadenssummer nicht begleichen zu müssen, wird ein Ermittler eingeschaltet. Der unkonventionelle Sam Levitt, früherer Liebhaber der Versicherungsagentin Elena, kennt sich mit Weinen aus und übernimmt den Fall. Die Spur der Weine führt ihn nach Marseille.

  

Dieses Buch ist ein Genußbuch mit krimineller Note, für Weinkenner französischer Spitzenweine allerdings ein echter Leckerbissen. Mir schmecken Winzerweine und Tropfen aus dem Supermarkt, daher haben die Namen der berühmten Weine auch nur einen frankophilen Charme hinterlassen.
Die Dekadenz der Superreichen, Sammler und "Folie des grandeurs" sind nicht meine Welt. Wer vor lauter Reichtum eine Art Großmannssucht ausleben muss, die durch exzentrische Vorlieben und überkandidelten Ideen geleitet wird, ist mir echt suspekt.

Doch die Ermittler, Journalist Philippe, Sophie und Sam, sind nicht ganz so abgehoben. Die Charaktere sind etwas farblos, sie kommen mir nicht nahe. Auch sie leben einen gewissen Lebensstil: Austern, Kaviar und Champagner! Man gönnt sich ja sonst nichts!

Der Roman liest sich leicht, eine richtige Poollektüre, die Spannung hält sich in Grenzen. Eher unterhalten die stimmungsvoll gezeichneten Bilder der südfranzösischen Lebensart und kulturellen Örtlichkeiten von Marseille und Umgebung.
Interessant ist die Art, wie Sam Levitt seine Informationen erhält und welche Kanäle er für welche Arbeitsaufträge bemüht.
 


Ein angenehm zu lesender Roman mit Kriminalfall, der französische Spitzen-Weine hofiert und gut zu einem Frankreichurlaub passt!
Als Urlaubslektüre gerade richtig, vielleicht noch ein Glas Wein dazu!

 

Montag, 9. Mai 2016

Ein Soufflé zum Sterben - Noël Balen/Vanessa Barrot

Französische Küche vom Feinsten, daneben eine unterhaltsame Mordaufklärung! Tolle Urlaubslektüre für jeden Frankreichfan! 

 

Der Gourmet-Krimi Ein Soufflé zum Sterben von Noël Balen und Vanessa Barrot ist der Auftakt einer Krimireihe aus dem btb Verlag


Laure Grenadier, die Chefredakteurin des Pariser Gourmetmagazins Plaisirs de Table reist gemeinsam mit Fotograf Paco Alvarez nach Lyon, um eine Reportage über die berühmten Bouchons zu schreiben. Dann wird der Besitzer des Petit Pouce heimtückisch ermordet. Laure kannte ihn persönlich und als ein weiterer Bouchon-Inhaber getötet wird, geht sie der Sache auf den Grund. Wer steckt hinter dieser Mordserie?




 
Dieser Krimi wird ausdrücklich als französischer Gourmet-Krimi tituliert. Somit sollte jedem Leser klar sein, hier eher ein Buch über Genussjournalismus vorzufinden, als einen echten Krimi.

Mir hat dieses Buch gut gefallen, es ist sehr lesenswert, die Gegend wird stimmungsvoll beschrieben, die Geschichte der Bouchons wird ausführlich erklärt und Feinschmecker werden an den vielen erwähnten Gerichten der exquisiten Französischen Küche ihre wahre Freude haben. Es ist das passende Buch, um sich auf einen Feinschmeckerurlaub in Frankreich einzustimmen und vorzubereiten. 

Lyon ist die Heimat von Paul Bocuse, aber nicht erst durch ihn wurde Lyon zur Gourmethauptstadt Frankreichs. Das haben die Köchinnen der berühmten Bouchons mit ihrer legendären regionalen Küche dem Ort in die Wiege gelegt.

Im Buch erfährt man, dass Paul Bocuse 1945 bei Mère Brazier in ihrer Bouchon als Koch gelernt hat.

Laure ist eine junge Frau, die mit großem Elan ihre Arbeit lebt und trotz der zahlreichen Verkostungen recht schlank ist. Ihr Begleiter Paco setzt Gerichte, Köche, Interieurs und Lebensmittel fotografisch stilvoll in Szene und dafür gemeinsam besuchen sie für ihre Reportage alle möglichen Spitzenrestaurants. Dort essen, testen, beschreiben sie die Örtlichkeiten und Besonderheiten der Bouchons. Paco scheint eine Vorliebe für Laure zu haben, das wird in den weiteren Folgen sicherlich noch eine Rolle spielen.

Die Besuche der Beiden sind für Interessierte und Kenner dieser Gastronomie ein ganz besonderer Leckerbissen. Ich bin eher Liebhaber der bürgerlichen Küche ohne umstrittene Gänsestopfleber, Austern und Innereien, aber die Beschreibungen haben mich dank des französischen Flairs gut unterhalten.

Für die beiden Personen konnte ich mich nicht so begeistern, aber vielleicht entwickeln sie sich noch in den Folgebänden.

Die Krimihandlung ist eher nebensächlich, es kommt aber durchaus zur Aufklärung der Mordserie und daran hat Laure einen großen Anteil. Als Leser ist man aber nicht in der Lage, den Täter zu entlarven.  



Dieser Gourmet-Krimi schenkt angenehme Lesestunden, zeigt ein stimmungsvolles Bild der französischen Esskultur und nebenbei spielt sich ein unterhaltsamer Krimi ab.
Echte Frankreichurlaubslektüre für Geniesser!



Tödliche Gier - Thomas Herzberg

Interessanter Plot, griesgrämiger Kommissar und klasse geschrieben!

Wegner ist das Hamburger Pendant zu Schimanski

Tödliche Gier von Thomas Herzberg ist der 8. Fall einer Krimireihe im e-book-Format bei BookRix.

Als in Hamburg in den Braun-Kliniken mehrere Patienten durch falsche OP-Pläne sterben und falsche Operationen stattfinden, werden den Hinterbliebenen und Opfern Ausgleichszahlungen angeboten. Die Fehler sollen vertuscht werden. Was steckt wirklich dahinter?
Die Kripo-Truppe um Manfred Wegner kommt den Verantwortlichen auf die Schliche.
Aber Wegner hat nebenbei noch einen Rachezug in Jakarta laufen: ein Profikiller soll den Mörder seines Kollegen Hauser ausschalten.


Dieser fesselnde Krimi um den griesgrämigen Manfred Wegner zeigt eine interessante Handlung, einen Sabotagefall im Krankenhauswesen, und dennoch richtet sich Wegners Rache im Moment auf den Mörder seines Kollegen. So erlebt man als Leser zwei voneinander unabhängige Schauplätze, die wirklich brisant geschildert werden. 

Mir gefällt der lockere Ton zwischen den Ermittlern, wie "Vati" Wegner von seinen jüngeren Kollegen hofiert wird, erstaunt mich zwar, aber sie kommen mit ihm gut klar und er ist einfach ein Chef, den die Vorschriften nicht so sehr kratzen. Er befreit seine Mitarbeiter auch schon mal vom Dienst und das macht ihn nicht nur mir sympathisch. Ansonsten hat der raubeinige Typ viel Ähnlichkeit mit seinem Ruhrpottkollegen Schimanski. Auch privat hat er Ärger mit Vera, seine finanzielle Situation ist nicht gerade rosig und er scheint drauf und dran zu sein, seinen Job endgültig ein paar Jahre vor dem Ruhestandsalter aufzukündigen.

Die Krankenhaustodesfälle entsetzen mich, liegt hier nur ein technischer Fehler vor oder ist das wirklich ein Sabotageakt? Hier beweist sich, dass Wegner genau der richtige Mann im Kampf gegen die aalglatten Chefs in Weiß ist.

Die Jakarta-Sache entwickelt sich zu einem unglaublich spannenden Thriller inmitten eines Krimis. Hier ist Nervenkitzel angesagt!

Dieses Buch begeistert aber nicht nur durch eine interessante Krimihandlung, sondern hauptsächlich durch Wegners Charakter. Seine mürrische Art, sein barsches Verhalten mit seiner derben Ausdrucksweise und seine privaten Probleme machen ihn zu einem Menschen, der durch seine Ecken und Kanten zu einem wahren Sympathieträger wird. Schade, dass er langsam die Altersgrenze im Berufsleben erreicht hat. Man muss wohl auf seine alten Fälle ausweichen, von denen es aber auch noch reichlich gibt.

Der Ton der Dialoge trieft teilweise von Sarkasmus, es gibt einige ironisch, amüsante Bemerkungen, die mir gut gefallen haben und Spaß machen.
Einzig der angeheuerte Profikiller passt nicht in mein Bild eines deutschen Polizeibeamten. Wie soll dieses Kopfgeld aus dem Polizeibudget bezahlt werden? Auch wenn ein Kollege vermögend ist und seinen Teil beisteuert, habe ich hier Realität vermisst.

Ein fesselnder Krimi mit einem echten Helden in Form von "Vati Wegner", der Spaß macht. Für mich tolle Urlaubsunterhaltung mit Spannung, Action und einem Schuss Humor. 


  

Sonntag, 8. Mai 2016

Die weißen Schatten der Nacht - Sabine Klewe

Kniffliger Krimi mit interessantem Fall, der unter die Haut geht.

Die weissen Schatten der Nacht ist der zweite Band einer Reihe von Autorin Sabine Klewe aus dem Jahr 2013. Die Krimireihe erscheint im Goldmann Verlag.

Die zehnjährige Antonia Bruckmann wird im Haus der Eltern mit gebrochenem Genick am Fuße einer Treppe aufgefunden. Zunächst sieht es wie ein Unfall aus, doch dann ergeben weitere Untersuchungen Verletzungen und sogar Missbrauchsspuren, die dem Mädchen erst nach ihrem Tod zugefügt wurden. 
Nun wird also von einem Mordfall ausgegangen und Lydia Louis und Christopher Salomon ermitteln und versuchen, die Ungereimtheiten dieses Falles zu klären. Liegt hier häusliche Gewalt vor oder haben sie es mit einem Perversen zu tun?
 

  

Lydia Louis leitet die Moko Toni, diese Position wird nicht von allen Kollegen anerkannt. Aber ihr gelingt es bestens als Frau ihre Rolle in dieser Männerdomäne versiert zu spielen.
Sie ist ein Charakter, der so seine Probleme mit sich herum trägt, immer öfter spricht sie dem Alkohol zu und ihre häufigen
Liebschaften sind wohl ein verzweifelter Versuch, den Verlust einer fehlenden dauerhaften Partnerschaft zu ersetzen.
Aber auch ihr sympathischer Kollege Chris Salomon leidet entsetzlich am Verlust seiner verstorbenen Tochter. Das macht ihn allerdings auch für den vorliegenden Fall besonders sensibel und man merkt ihm tiefe Zuneigung und Verständnis für die Mädchen in seinen Befragungen an. 
Gemeinsam bilden sie ein gutes Team, ihre persönlichen Beziehungen werden in diesem Buch auch privat ausgebaut.

Der Fall bringt einige tragische Dinge ans Licht, die von der Autorin aufgrund von wahren Fakten in diesem Krimi verarbeitet wurden. 
Vor dem Hintergrund dieser authentischen Begebenheiten ist die Handlung im Nachhinein noch erschreckender und erst am Ende des Buches versteht man den Prolog in seiner Tragik vollständig.

Was steckt hinter dem Tod dieses Mädchens und wie kann man die Zusammenhänge der weiteren in die Handlung drängenden Figuren finden. 
Man findet schnell einen Verdächtigen, ein Exhibitionist aus der Gegend, aber warum wird er auf einmal gewalttätig? 

Die Handlung ist spannend aufgebaut, die einzelnen Puzzleteile zeigen dem Leser die Lösung nicht offensichtlich auf. Der Fall bleibt lange rätselhaft und unergründlich.

Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd und die Dialoge sind glaubhaft realistisch gestaltet. 
Lediglich das Privatleben von Lydia Louis ist mir etwas too much. Aber das ist ja Geschmacksache!

Ein kniffliger Fall, der unter die Haut geht und für spannende Lesezeit sorgt. Endlich mal wieder eine deutsche Autorin, die für guten Kriminachschub sorgt.



Urlaubspause beendet

Buongiorno und einen schönen Muttertag wünsche ich meinen lieben Lesern!

 

Unser wunderschöner Urlaub auf Ischia in Italien ist jetzt wieder nur noch Geschichte und ich kann endlich wieder bloggen. Es haben sich einige gelesene Bücher angesammelt, ein paar Exemplare von meinem SuB wurden auch endlich mal angegangen. Ich stelle sie euch die nächsten Tage alle Stück für Stück vor.

 

Jetzt lasse ich erst mal ein paar Urlaubseindrücke hier und schwelge in Erinnerungen: 

 

 

Einen schönen Muttertag wünsche ich euch und schicke liebe Grüße!

Kalt ist der Abendhauch - Ingrid Noll

Alte Liebe macht jung

Ingrid Nolls Roman Kalt ist der Abendhauch veröffenlichte der Diogenes Verlag  1996.

 

Charlotte Schwab ist bereits 83 Jahre alt, aber aufgeregt wie ein junges Mädchen, denn ihre Jugendliebe Hugo kommt zu Besuch! Dafür muss ihr Enkel noch schnell renovieren und Charlotte plaudert
aus dem Nähkästchen. Leider wurde diese Liebe nicht mit einer Hochzeit gekrönt. Hat diese Liebe jetzt zum Lebensabend noch eine Chance? 
 


Zitat S. 181:
Hugo und ich plaudern genussvoll über exclusive Details aus unseren verflossenen Eheleben, wobei wir die Regel, über Tote nur Gutes zu sagen, geflissentlich missachten.

Und wieder hat es Ingrid Noll geschafft, mich mitzureißen und eine interessante Person zu beschreiben. Was sich so in Charlottes Leben alles ereignet hat, erzählt die Autorin auf unglaublich frische Weise. Ironisch, humorvoll und auch sarkastisch. Toll!

Es ist wieder ein großer Genuss, eine Person wie Charlotte kennen zu lernen. Man merkt wie faustdick es diese alte Dame hinter den Ohren hat. Denn der Besuch von Hugo, ihrem Freund, Schwager und zeitweiligem Geliebten lässt die beiden Jugendfreunde über alte Zeiten plaudern und dabei werden dunkle Geheimnisse gelüftet, die man so nicht erwartet hat. Natürlich spielt wie immer bei Ingrid Noll hier eine Frau die Rolle der Mörderin eines Mannes, dessen Tod man aus Lesersicht
gut verkraften kann und man hat vollstes Verständnis für die Beweggründe Charlottes.

Hier werden alte Menschen aus einer Perspektive jenseits von verkalkten, friedfertigen und geduldsamen Menschen ohne eigene Wünsche dargestellt. Man hat es vielmehr mit einer Heldin zu tun, die ironisch auf ihre Jugend, die Liebe und ihre eigene Nachkommenschaft schaut. Sie reflektiert das Gewesene, erklärt die schwierige Zeit um 1945 und folgende Jahre, in der ihr Ehemann Bernhard als Kriegsheimkehrer in ihr Leben unerwartet zurück kehrte. Sie zeigt aber auch ihre jetzigen Wünsche für ihren Lebensabend, nimmt kein Blatt vor den Mund was die Sexualität angeht und zeigt mit ironischer Weise wie sie die Welt sieht.

Amüsant ist auch die Rolle der Enkelin dargestellt, die nicht nur äußerlich, sondern auch mit ihrer speziellen Art ihrer Großmutter nacheifert. Mehr kann ich hier nicht verraten!

Die raffinierte Erzählweise Ingrid Nolls hat mich auch bei diesem Roman wieder erfreut und wie sie Familiengeheimnisse erfindet, sie literarisch leicht zu einer komplexen Handlung umsetzt und dabei einfach nur gut unterhält ist anerkennenswert. 



Eine brillant geschriebene Erzählung, die tief in verschiedene Generationen hineinleuchtet und mit leichter Ironie und etwas schwarzem Humor gut unterhält.




  • Noll, Ingrid - Die Häupter meiner Lieben  
  • Noll, Ingrid - Der Hahn ist tot
  • Noll, Ingrid - Kalt ist der Abendhauch  
  • Noll, Ingrid - Kuckuckskind 
  • Noll, Ingrid - Ladylike
  • Noll, Ingrid - Selige Witwen
  • Noll, Ingrid - Gruß aus der Küche
  • Noll, Ingrid - Über Bord  
  • Noll, Ingrid - Nachteule 
  • Noll, Ingrid - Halali