Sonntag, 23. April 2023

Wochenrückblick KW 16/2023

 



Was war in dieser Woche los?

 
Nun ist der Frühling hier angekommen, aber leider auch mit reichlich Pollenflug und das macht mir doch zu schaffen. 
Ich habe ganz hübsche gelbe Tulpen im Garten, die aber so schwere Köpfe haben, dass sie immer nach unten hängen. Für das Foto habe ich sie einfach mal etwas abgestützt, aber das wird bei dem Wind wohl nicht lange halten. Und im Berggarten blühen bereits die Azaleen, die Farbe ist doch ein Knaller!
 

Gesehen:  

Let´s Dance: Chryssanthi ist leider ausgeschieden, wie schade!

The Masked Singer: 

Gelesen:

Getan: 
 
Gelesen, gebloggt, gesungen, gegärtnert, gekocht, Let´s Dance gesehen, geklönt und geräumt (Keller) und geputzt. 
 
Gefreut:  

Über reichlich Buchpost von EMF, Droemer Knaur und dem Bloggerportal
 
"Die Hochhausdetektive" ist Überraschungspost des neuesten Kinderbuches der Autorin Johanna Lindemann. (EMF)
 
"Häkeln" ist ein Buch mit Anleitungen für Häkelvarianten und es gibt auch verschiedene Modelle zum Nacharbeiten. (Prestelverlag) Da werde ich mich mal inspirieren lassen.
 
"In Schweden stirbt es sich am schönsten" ist der zweite Band einer Krimireihe aus dem Droemer Verlag. Ich mochte bereits den ersten Band Der Tod macht Urlaub in Schweden  und bin neugierig auf die Fortsetzung der Reihe. 
 
"Sehnsucht nach dem Dünenhof" spielt um 1900 auf einem alten Friesenhof . (Droemer) 
 



Gegessen:

Tafelspitz mit grünen Bohnen und Kartoffeln (es ist doch immer wieder schön, wenn man noch Reste eingefroren hat); Bratfisch mit Kartoffelsalat; Gemüse-Omelett mit Kartoffelsalat; Maccaroni mit Tomatensauce und gemischtem Salat; Puten-Paprika-Zucchini-Champignon-Pfanne mit Couscous und ein paar Nudeln (2x); Schweine-Minutensteak mit scharfer Sauce, Pommes und Salat;  





Tafelspitz fixe Variante aus dem Tiefkühlschrank

Gedacht: 

Im Berggarten habe ich zwei Gänsegelege gesehen, die aber nicht von ihren Eltern gewärmt wurden, echte Rabeneltern scheinbar! Oder sie waren nur kurz was essen, Entengrütze gab es genug auf dem Teich.  


 

Gefeiert:

Dass die Tage wieder länger werden, ist zwar keine Feier, aber auch ganz schön! 

Im Berggarten viele schöne Ausblicke genossen. Die roten Blüten sind übrigens keine Rhododendren, wie man meinen könnte, es sind Kamelienblüten.






          

Geärgert: 

Die Klimagesetze sind nicht durchdacht und die Klimaziele in Deutschland sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Währenddessen werden in Frankreich munter weitere Atomkraftwerke gebaut, die uns dann den Strom liefern werden. Das kann es doch auch nicht sein!  

Gekauft:  

Eine Hortensie als Ersatz für eine Pflanze auf der Terrasse, die den Winter vielleicht nicht überlebt hat. Noch bilden sich keine Triebe, während andere Pflanzen schon erste Blätter zeigen. Mal sehen, was daraus wird! Die andere Pflanze steht erstmal drinnen und ich freue mich daran.  

 


Geklickt:

So einige Nachrichten und Insta-Seiten

Ich wünsche Euch eine schöne Woche!

Liebe Grüße,

Sommerlese

Samstag, 22. April 2023

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki - Satoshi Yagisawa

Ein leiser Roman, der mich nicht erreicht hat

Im Insel Verlag erscheint der Roman "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki" von Satoshi Yagisawa.

Takako wird von ihrem Freund verlassen, er teilt ihr mit, dass er eine andere Frau heiraten wird. Daraufhin bricht für die 25jährige eine Welt zusammen, sie kündigt ihre Wohnung und ihren Job, denn auch ihr Freund arbeitet dort. Sie hat keine Idee, was sie jetzt tun soll und muss sich irgendwie finanziell absichern. Sie hat Glück und bekommt von ihrem Onkel Satoru das Angebot, in seiner Buchhandlung im Stadtteil Jinbocho von Tokio gegen Kost und Logie in der Buchhandlung mitzuhelfen. Takako macht sich auf nach Tokio, wo sie der Zauber des Bücherviertels langsam aber sicher einfängt. 



Bei diesem Buch erlebt man die Bücherstadt Tokios, das Bücherviertel Jinbocho und kann im Buchladen von Satoru etwas aus der Vielfalt der japanischen Literatur kennenlernen. Anfangs kann Takako mit den Büchern nichts anfangen, aber dann lernt sie die heilsame Kraft des Lesens zu schätzen. Sie knüpft im Buchladen und im Viertel neue Freundschaften und lässt ihre Enttäuschung hinter sich. Auch Satotu gewinnt durch die Anwesenheit seiner Nichte an Lebensfreude. Doch dann erscheint seine Ehefrau Momoku, die ihn vor einigen Jahren einfach verlassen hat und die Story nimmt einen unerwarteten Verlauf. 
Mir erscheint der ruhige Schreibstil des Autors wie eine meditative Entspannungserzählung, das passt zur japanischen Szenerie, erscheint mir aber auch etwas einfach und nicht sehr ausdrucksstark.

Überhaupt hatte ich mich auf eine interessante Geschichte gefreut, die mir Japan näher bringt und mehr über die dortige Buchwelt erzählt. Insgesamt dreht sich die Story um die junge Takako, die nach einer Lebensenttäuschung wieder Fuß fassen muss. Mir ist aber schleierhaft, dass sie nicht mitbekommt, dass ihr Freund eine andere Frau hat und sie nicht den Mut hat, ihm weiterhin im Beruf gegenüberzutreten. 

Ich muss leider sagen, das dieses Buch recht enttäuschend für mich war. Die japanische Mentalität und Lebensart wird im Buch nur unterschwellig deutlich, wenn es um Tee und Gerichte oder um den Besuch eines Shinto Schreins geht. Und die vielen Namen japanischer Autor:innen waren mir leider alle unbekannt, deshalb konnte mich die Buchheilung auch nicht erreichen. Vorrangig wird gezeigt, wie Takako durch die heilsame Kraft des Lesens ins Leben zurückfindet und neue Bekanntschaften knüpft. Diese Schilderungen fand ich ja noch ganz unterhaltsam, aber die eingebundene Handlung rund um Tante Momoko diente nur dazu, Takako wieder in ihre Familie einzubinden und das fand ich irgendwie abwegig und recht dürftig. 

Die Charaktere lernt man durch ihr Handeln und ihre Äußerungen kennen und erkennt, hinter jeder Person steckt ein anderes Schicksal mit Enttäuschungen oder Verlusten. Doch irgendwie kamen sie mir nicht nahe.

Der Roman konnte mich nicht überzeugen, die Figuren wirken trotz ihrer Sorgen und Nöte recht blass und ich hätte gern die Autoren gekannt, von denen im Buch die Rede ist. 

 

***Herzlichen Dank an den Insel Verlag und Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***                                        

                            

Freitag, 21. April 2023

Helden der Stille - Izabelle Jardin

Fesselnde Story mit einseitig dargestellten Figuren 

 
"Helden der Stille" ist der zweite Band der Achenthal-Saga von Izabelle Jardin, die Reihe erscheint bei Tinte & Feder.
 
Pflichtbewusst heiratet Elise den Fabrikantensohn Fletcher Cunnhingham, diese Ehe soll ihre Familie Achenthal und die Tuchweberei retten. Elises Hochzeitsreise mit Fletcher führt zu den Baumwollplantagen in den Süden Amerikas, dort erlebt sie die Qualen der Sklaverei und erkennt zum ersten Mal den wahren Charakter ihres Mannes. Flechter möchte die schwangere Elise "schonen" und nimmt sich das Recht heraus, eine farbige Sklavin zu kaufen und nimmt sie mit nach England. Kann Elise sich in dieser Ehe einfinden? Ihre Gedanken sind ständig in Schlesien und bei Konrad.

  

Nach dem ersten Band wollte ich unbedingt wissen, wie es Elise weiter ergeht. Im ersten Teil habe ich ihren Mut und ihre Menschlichkeit bewundert und erlebe nun, wie sie auf ihre große Liebe zu Konrad von Radenau verzichtet, um ihre Familie vor dem finanziellen Ruin zu bewahren und dazu den Fabrikantensohn Fletcher Cunningham aus London heiratet.

Elise erlebt auf ihrer Reise in den Süden Amerikas die Ausbeutung von Sklaven und begreift, dass der Wohlstand der Cunninghams auch aus diesen Geschäften erwachsen ist. Doch Fletcher geht noch weiter, er nimmt sich selber eine junge Sklavin zu seiner Geliebten nimmt. Das ist für Elise kaum vorstellbar, aber sie fügt sich dem bösen Handeln und wird kurzerhand in ein anderes Haus geschickt, das Bride´s House, wo sie von nun an lebt.

Der Erzählstil dieses Buches ist wieder ganz im Zeichen der Zeit gestrickt, die Formulierungen finde ich sehr passend. Die Handlung birgt wieder reichlich spannende Szenen und mit Flechters Handeln auch regelrechten "Sprengstoff". Er entpuppt sich als widerwärtiger Mensch, der vor der Ehre anderen Menschen keine Achtung hat. Elise nimmt sein Verhalten still leidend hin, sie versucht, stark zu sein, denn sie trägt die Verantwortung für ihr ungeborenes Kind, dass sie dann in der Abgeschiedenheit von Bride´s House zur Welt bringt. Später nimmt sie auch die Geliebte ihres Mannes bei sich auf und beweist damit Menschlichkeit und Nächstenliebe. 

Elises Gefühle werden in diesem Buch sehr anschaulich gezeigt, sie wächst über sich hinaus und entwickelt trotz ihrer Jugend Kampfgeist und Stärke. Sie wird eine starke Frau, die sich für ihre Mitmenschen einsetzt und auch stark genug ist, um ihren Mann in die Schranken zu weisen. Dieses Verhalten habe ich zwar bewundert, fand aber doch die Verteilung von Gut und Böse auch bei anderen Figuren etwas zu einseitig dargestellt und daher nicht sehr glaubwürdig. 

Die Geschichte erzählt von Pflichtgefühl, zeigt die Ausbeutung der Sklaven und Elises Leben, das sich auch in England ständig um Pferde und Hunde dreht. Die zahlreichen Szenen rund um die Tiere nehmen einen großen Raum ein, das gehört vielleicht nicht unbedingt in einen historischen Roman und man muss es mögen.

Eine fesselnde Story, die die Situation der Sklaverei beschreibt und die Protagonistin als heldenhafte Frau darstellt, die für ihr eigenes und das Glück anderer Menschen kämpft. Die doch sehr einseitig dargestellten Figuren konnten mich nicht ganz überzeugen.  


***Herzlichen Dank an ZuckerBerlin und Tinte & Feder für dieses Rezensionsexemplar!***   

 

Freitags-Füller # 337

 

 

Stiefmütterchen und Hornveilchen sind immer echte Farbtupfer, unverwüstlich in der Pflege und verbreiten gute Laune. Diese bepflanzte Schale habe ich bei unserem Griechen gesehen, passend in Weiß und Blau der Landesfarben.


 

Immer wieder kommt ein neuer Freitag ... und 

damit der Freitagsfüller! 

Dies ist ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen von Barbara von  Scrap-Impulse.


1. Es gibt Menschen, die meinen, sie wären wichtiger als andere und alles müsste sich nach ihnen richten. 


2. Kuschelige Pullis und eine wärmende Jacke sind mein Must Have in diesem Frühjahr.

  

3. Überall sieht man Frühblüher in den Vorgärten und auch der Löwenzahn strahlt bereits in frischem Gelb. (Habe ich mal aus dem versehentlichen Geld geändert, was doch nur ein Buchstabe ausmachen kann).

 

4. Sie sehen zwar toll aus, aber noch schmecken sie überhaupt nicht und sollen laut einem Zeitungs-Bericht auch ungesund sein, die frühen Import-Erdbeeren.

 

5. Ich bin sehr dafür, dass die Politiker zunächst machbare Konzepte erstellen und erst dann irgendwelche Gesetze beschließen. Zur Zeit ist es leider eher umgekehrt. 

 

6. So manche Meinung geht in die andere Richtung.

 

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Let´s Dance, morgen habe ich geplant, im Keller Platz zu schaffen und etwas zu entsorgen und Sonntag lasse ich noch unverplant, möchte aber etwas unternehmen.

 

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!
 

Viele liebe Grüße,

Eure Sommerlese

Donnerstag, 20. April 2023

OSCARS Glamour auf dem roten Teppich - Dijanna Mulhearn

Die glamouröse Geschichte der Oscars in Wort und Bild

 
Im Prestelverlag erscheint das Sachbuch "OSCARS Glamour auf dem roten Teppich" von Dijanna Mulhearn. Darin wird die Fashiongeschichte der Academy Awards mit vielen Bildbeispielen und informativen Texten seit 1929 vorgestellt. 
 
Seit der 1. Oscar-Verleihung im Jahr 1929 ist diese Veranstaltung aus der Filmbranche nicht mehr wegzudenken. Bei diesem Event werden aber nicht nur Filmpreise verliehen, aus der langjährigen Geschichte der Oscars lassen sich auch der Zeitgeist und die Werte der jeweiligen Epoche ablesen. 
 

 
Seit 1929 ist die Jagd auf den kleinen goldüberzogenen Oscar jedes Jahr aufs Neue das Highlight der Hollywood Prominenz. Es ist die Plattform für alle Stars und Sternchen, um durch die weltweite Presse zu gehen, gesehen zu werden und als Berühmtheit in Erinnerung zu bleiben. Deshalb ist die Kleiderauswahl auch von entscheidender Bedeutung und viele Designer:innen nutzen diese Laufstege und den roten Teppich für ihr Marketing. In diesem Buch sind die Oscar-Gewinnerinnen abgebildet und man kann sich gut einen Eindruck über die Zeit machen.   
 






In chronoligischer Reihenfolge werden beste Hauptdarsteller:in, weiblich und männlich mit zugehörigen Filmtiteln vorgestellt, dazu die besten Nebendarsteller, der beste Film und das beste Kostümdesign. Die manchmal schlichten, später glamorösen Outfits kommen auf den Fotos gut zur Geltung und werden mit interessantem Hintergrundwissen näher beleuchtet. Über die Jahre wurde das Event immer mehr kommerziell und war entscheidend für die Berufsgruppe der Stylisten und Modedesigner. Die Bedeutung der Mode war in Hollywood nicht mehr wegzudenken, dort wurden neue Trends gesetzt und in der Kleiderwahl auch soziale und politische Einflüsse ausgetragen. 
 
Die Abbildungen zeigen eine Übersicht in der Entwicklung der Mode der letzten einhundert Jahre. Es gibt viele Hollywood-Größen zu entdecken und auch interessante Fakten zu ihren Outfits zu erfahren. Manche Roben sind absolut atemberaubend, andere denkwürdig oder inspirierend. Aber auch schlichte Kleider sind ein Mittel zum Zweck, um sich in Szene zu setzen oder auf bestimmte gesellschaftliche Hintergründe aufmerksam zu machen.
Wenn man durch das Buch blättert, sieht man bekannte Schauspielerinnen wie Vivien Leigh, Hattie McDaniel (1940 beste Nebendarstellerin als erste Afroamerikanerin), Grace Kelly, Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn, Marlene Dietrich, Janet Leigh und in neuerer Zeit Jodie Foster, Susan Sarandon, Meryl Streep, Helen Hunt, Julia Roberts, Anna Hathaway, um nur einige zu nennen. Sie sind häufig in Begleitung ihrer Kollegen, Männer oder Regisseure zu sehen, die mit ihren schlichten Anzügen eher Nebendarsteller sind. Denn die Kleider und Roben stechen optisch hervor und setzen die Frauen ins Rampenlicht. Durch die Vielseitigkeit der Kleiderstile, Farben, Stoffe und Schnitte wird die Mode in diesem Buch besonders gefeiert. Viele namhafte Modeschöpfer werden mit den Besonderheiten ihrer Modelle vorgestellt.
 
Dieses großformatige Buch ist ein wunderbares Table Book par excellence, es ist ein schwerer Band, bei dem die hohe Qualität der Fotos und Verarbeitung absolut gelungen ist und man anhand der Texte nähere Informationen über die Hintergründe und die Gewinner des jeweiligen Jahres erhält. 

Ein großartiges Table Book für alle Oscar-Filmfreund:innen und ein interessantes Buch für eine Reise durch die Mode des letzten Jahrhunderts zum Blättern, Staunen und Erinnern. 

***Herzlichen Dank an den Prestelverlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***



Dienstag, 18. April 2023

Die Kinder von Beauvallon - Bettina Storks

Ein eindringlicher Roman gegen das Vergessen

Die Banalität des Guten
 
Bettina Storks historischer Roman "Die Kinder von Beauvallon" erscheint im Diana Verlag
 
Freiburg, 1965: Agnes arbeitet als Moderatorin bei einem Freiburger Radiosender und recherchiert in dem kleinen Ort Dieulefit nach den Spuren der mehr als tausend Flüchtlingen, die hier im Zweiten Weltkrieg Schutz fanden. Die Dorfbewohner halfen vielen jüdischen Kindern, die sie in der Schule Beauvallon versteckten. Agnes hat auch ein persönliches Interesse, denn auch ihre Freundin Lily verschwand als jüdische Deportierte und von ihr fehlt seit zwanzig Jahren jede Spur. Könnte sie vielleicht noch leben? 
 
 
 
"Niemand fühlte sich in Dieulefit als Held, nur als Mensch, der das Richtige tat. Wir nennen es hier die Banalität des Guten." Zitat Seite 45

Agnes und Lily leben in Sulzburg, sie sind unzertrennlich und beste Freundinnen, doch im Oktober 1940 werden alle Juden aus Sulzburg deportiert. Die Freundinnen versprechen, dass sie sich wiedersehen werden. Doch die Zeit verwischt die Kindheitserinnerungen. Agnes glaubt nicht, dass Lily noch leben könnte. Aber als sie 1965 von ihrem Radiosender den Auftrag erhält, in Dieulefit nachzuforschen, wieso es möglich war, im Krieg 1500 Juden zu verstecken, regt sich in ihr die Hoffnung, dort auch etwas über Lily in Erfahrung zu bringen. Agnes begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, die hinter einer Mauer des Schweigens verborgen liegt. 

Bei diesem historischen Roman muss man wissen, das "Wunder von Dieulefit" beruht auf wahren Gegebenheiten. Die Résistance-Bewegung in dem kleinen Ort vollbrachte insofern ein Wunder, dass die Bevölkerung mit Zivilcourage über die versteckten Juden Schweigen bewahrte und sie so vor ihren Verfolgern rettete.

Bettina Storks verwebt in ihrem Roman sehr feinfühlig historische Ereignisse mit fiktiven Romanfiguren und lässt uns wechselweise aus zwei Zeitebenen in diese Geschichte eintauchen und legt so die Vorkommnisse nach und nach frei. In der Vergangenheit sehen wir Einblicke in Agnes und Lilys Kindheit, erleben die Deportation und Lilys Erlebnisse, der gegenwärtige Handlungsstrang berichtet von Agnes Nachforschungen.

Die Charaktere werden lebendig und mit Emotionen geschildert, mir hat besonders Jolie gut gefallen, die als Kämpferin des Widerstandes, auch ihr eigenes Leben riskiert, um möglichst viele Kinder zu retten. Die bildhafte Ausgestaltung der Vorgänge und Settings zeigt ein authentisches Bild der jeweiligen Szenerie. Das sorgt dafür, dass man sich sehr nah mit den Ereignissen verbunden fühlt und auch mit den Personen mitfiebern kann. Denn die unterschiedlichen Schicksale sind voller berührender Momente, die klar zeigen, wie mutig manche Menschen sich für andere einsetzten, um menschlich zu sein und Gutes zu tun. 
 

Bettina Storks hat mir die Geschichte um Beauvallon einfühlsam näher gebracht und damit ein Buch gegen das Vergessen geschrieben, das von Mut, Loyalität und Zusammenhalt berichtet.

***Herzlichen Dank an bücher.de für dieses Leseexemplar als Buchflüsterin!***
 
 

 
Storks, Bettina - Klaras Schweigen

Montag, 17. April 2023

Zwischen zwei Welten - Izabelle Jardin

 
Mitreißender Historienroman zu Zeiten der Weberaufstände 
 
Bei Tinte & Feder erscheint mit "Zwischen zwei Welten" der Auftaktband der Achenthal-Saga von Izabelle Jardin.
 
Elise von Achenthal führt als Enkelin eines Tuchfabrikanten in Schlesien ein sorgloses und wohlbehütetes Leben in Wohlstand. Als es 1844 zu einem Aufstand der notleidenden Weber kommt, die bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne brauchen, um überleben zu können, flieht Luises Großvater. Der Aufstand wird vom Militär blutig niedergeschlagen.
Durch einen Zufall wird sie Zeugin eines Übergriffes auf die Webertochter Marie, sie bringt sie nach Hause, erkennt die große Armut und versteht zum ersten Mal, wer für ihren eigenen Wohlstand verantwortlich ist. Sie möchte das ändern und bekommt mit Konrad von Radenau einen reformbereiten Mitstreiter. Die Maschinenweberei würde den Menschen die Arbeit erleichtern, in England trägt die industrielle Revolution mit diesen Maschinen bereits reife Früchte. Elise reist mit ihren Eltern nach England und besucht die Fabrikantenfamilie Cunningham und lernt den Sohn des Hauses Fletcher kennen. Eine Verbindung des Paares würde die finanziellen Probleme der Achenthals lösen, aber Elises Herz hängt an Konrad. Aber sie gibt Fletcher ein Versprechen, dass sie hoffentlich nie einlösen muss.   


 
Izabelle Jardin schreibt flüssig, sehr ausdrucksvoll und emotionsbeschreibend, sie lässt ihren Roman im Schlesien von 1844 stattfinden und zeigt unterschiedliche Gesellschaftsschichten, die Unternehmerfamilien und die armen Weberfamilien, wo schon die kleinsten Kinder am Webstuhl sitzen.

Die Charaktere werden alle erkennbar beschrieben, Luise steht im Mittelpunkt des Geschehens und hat mit ihrer mutigen und sich für die Armen einsetzenden Art gleich mein Herz gewonnen. Sie lebt das wohlsituierte Leben einer Unternehmerstochter, liebt ihre Jagdhündin, die ihr nicht von der Seite weicht und reitet mit ihrem eigenen Pferd durch die Wälder. Auf so einem Ritt hat sie auch einen Übergriff auf Marie beobachtet, seitdem setzt sie sich für das Mädchen ein und erkennt, wie wenig Macht diese armen Menschen haben, um für Gerechtigkeit zu kämpfen. Durch die lebendig beschriebenen Gedanken und Gefühle Maries ist man ihr sehr nahe.

Hinter Luises Geschichte erlebt man die historischen Gegebenheiten, die durch das bildhaft beschriebene Setting zum Leben erwachen. Für mich sorgt das beschriebene Elend der Weberfamilien und die Einbindung des Zeitgeschehens für den entscheidenden Tiefgang des Romans.  

Ein emotional mitreißender Roman, der mit den historischen Bezügen sehr authentisch die Weberaufstände beschreibt und mit Luises Erlebnissen gut unterhält. Durch das offene Ende erwartet man wissbegierig den zweiten Teil, der mir hoffentlich wieder so gut gefällt.    

 
 ***Herzlichen Dank an Tinte & Feder und Zucker Berlin für dieses Rezensionsexemplar!***