Dienstag, 9. April 2019

Das Heinrich-Problem - Alexandra Holenstein

Fast filmreife Buchvorlage und herrlich lustiges Lesevergnügen


Alexandra Holensteins Roman "Das Heinrich-Problem" erscheint im Fischer Verlag.

Berti Fischer ist Coach in Beziehungs- und Lebensfragen, lebt in Zürich und ist seit 20 Jahren mit Heinrich verheiratet. Von einem auf den anderen Tag teilt er ihr mit, das sich ihre Lebenswege nun trennen. Zunächst ist Berti erst einmal platt, doch dann erkennt sie, dass sie nicht die einzige Leidtragende ist. So geht das nicht, Berti überlegt sich einen Racheplan. 



Dieser Roman war für mich ein echtes Sonntags-Lesevegnügen und ein kleiner Rachefeldzug gegen Heinrich, einen Mann, den ich gar nicht persönlich kenne.
Doch als ich von seinen Seitensprüngen und seiner ausnutzenden Art gegenüber seiner Angestellten Martha erfahren habe, wollte ich nur noch herausfinden, wie Heinrich von den betroffenen Frauen in die Mangel genommen wird. Es war ziemlich klar, dass das für ihn kein gutes Ende nehmen würde. Ich möchte nichts vorwegnehmen, aber ich kann zufrieden sagen, dass man sich hier seiner Schadenfreude nicht zu schämen braucht.

Was macht man, wenn der eigene Mann gar nicht derjenige ist, für den man ihn hält, wenn er lügt und betrügt? Als lebenserfahrende Frau wie Berti zunächst einmal Ruhe bewahren.


Berti ist jenseits der 50, ihr Mann hat eine neue, natürlich jüngere Frau und das schmerzt sie. Da gibt sie anderen Frauen Lebenstipps und dann sowas. Doch Berti erkennt schnell, ihr Alter ist kein Mangel an ihrer Person, ganz im Gegenteil, sie ist selbstsicher, lebenserfahren und versucht gelassen, ihre Vorteile aus der Sache zu ziehen. Leider sieht die finanzielle Seite nicht so rosig aus, aber dank ihrer Verbündeten und etwas Glück, kann sie einiges erreichen. 

Die Autorin lässt mit ihrer Geschichte ein regelrechtes Kopfkino entstehen. Neben dem flüssigen und pointenreichen Schreibstil finde ich die Schilderung der Umstände und den Wortwitz besonders gelungen. Es ist dieser herrlich ironische Blick auf Heinrich, der sein Leben plant, ohne sich um andere Menschen zu scheren, als sei er allein auf der Welt. Natürlich nicht, ohne die Frauen seines Lebens nach Strich und Faden auszunutzen, Bertis Koch- und Hausfrauenkünste, Sylvias Verführungskünste und Marthas Arbeitseifer in der Kanzlei. Dank dieser Sichtweise auf Heinrichs selbstsüchtige Art möchte auch die Leserin Rache üben. 
Es ist regelrecht befreiend, wie sich der Rachfeldzug Bertis allmählich entwickelt. 

Die Autorin stellt ihre Charaktere sehr lebensnah und authentisch dar, sie zeigt ihre Lebensplanung, ihre Wünsche und dadurch konnte ich selbst für die Nebenbuhlerinnen Verständnis und Mitgefühl aufbringen. Ein klitzekleines Bißchen sogar für den selbstsüchtigen Heinrich. 


Alexandra Holenstein sorgt für wunderbar tragische, aber auch komische Situationen und Verwicklungen. Auch wenn die Trennung für Berti zunächst ein Schock ist, so erlebt man das Ganze aus einer nüchtern betrachteten Sichtweise, die mit Ironie und Situationskomik gewürzt ist. Man fühlt sich auf Bertis Seite und erlebt mit Schmunzeln und leichtem Widerwillen gegen Heinrich die Vorgänge genüsslich mit. Kann Rache schön sein? Sie kann, weil man mit den Frauen mitfühlt, ihre verletzten Gefühle nachvollziehen kann und die Szenen einfach absolut glaubwürdig erscheinen. Es ist ein erfüllendes Gefühl, denn hier darf man mal Schadenfreude haben. Wenn ein Mann sich selbst über alle Gefühle ihm nahestehender Personen hinwegsetzt, ist es nur angemessen, wenn er fast nackt in Boxershorts auf der Strasse endet. Das ist nur eine Metapher!

Ich konnte von Anfang an betroffen mit Berti mitfühlen, habe mich aber auch gewundert, wie sie teilweise doch recht gelassen mit der Trennung umging. Berti gelingt es, trotz der tragischen  Lage, die Dinge mit einem lachenden Auge zu sehen. Sie zerfliesst nicht in Hass, sie betrachtet die Trennung als Möglichkeit, das Beste für sich daraus zu machen.  
Es war ihre Lebenserfahrung, die Einbindung der anderen Leidensgenossinen, die mich durch den Roman getragen haben und ich habe das dicke Ende richtig genossen. Wie gesagt, manchmal kann Schadenfreude auch richtig schön sein. 

 
Das Ende bringt einen perfekten Abschluss der Geschichte, es zieht sich für ein normales Ende reichlich in die Länge, doch genau das ist es, was die Handlung hier braucht. Genussvolle Schadenfreude bis zum letzten Ende! 
Einfach herrlich, wie hier ein Rachefeldzug seinen Lauf nimmt und damit zu einem Lesespaß erster Güte.


***Herzlichen Dank an die Autorin und den Fischer Verlage für dieses Rezensionsexemplar!*** 




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