Montag, 3. September 2018

Walter muss weg - Thomas Raab

Toller Auftakt einer neuen Krimireihe mit reichlich schwarzem Humor


Thomas Raab startet mit "Walter muss weg" eine neue Krimireihe, die bei Kiepenheuer & Witsch erscheint.

Glaubenthal: Waldreiche Gegend mit ländlicher Idylle, sanft geschwungene Hügellandschaft und einfach Natur pur. Hier auf dem Land sind die Bewohner noch rechtschaffen und grundsolide. Meint man, doch der Schein trügt, das weiß auch Hannelore Huber. Hinter der scheinheiligen glatten Fassade findet sich so manche Leiche im Keller. Als Walter Huber, Hannis Ehemann verstirbt, sind seine Todesumstände mehr als delikat, aber das stört Hannelore nicht mehr. Hauptsache er ist tot. Denn so leicht hatte es Hannelore mit ihrem Walter auch nicht und der Heiratsgrund war auch nicht die große Liebe. Daher möchte Hannelore nun endlich ihr Leben selbst bestimmen und genießen. Doch daraus wird nichts, denn bei der Beerdigung findet sich im Sarg ein anderer Mann. Wie kommt dieser Tote dort hinein und wo steckt denn nur Walter? Ganz Glaubenthal rätselt und Hannelore macht sich auf die Suche nach Walter.




"Napoleon lässt grüßen. Allerdings bereits die St. Helena-Version, verbannt und gebrochen. ...Nicht nur gefallener Imperator, sondern auch noch Gartenzwerg, die unberechenbarste Mischung." Zitat Seite 235

Ich mag den scharzen Humor von Thomas Raab, seine Wortspielereien, seine speziellen, recht skurrilen Charaktere und die verschrobene Dorfgemeinschaft im Ganzen. Man erkennt schnell, dass der Todesfall von Walter seiner Witwe Hannelore eher die freudige Aussicht auf ein harmonisches Leben allein beschert, als dass sie vor Trauer in Depressionen verfällt. Nun mag Hannelore eine grantige alte Frau sein, aber sie hat es auch nicht leicht gehabt mit Walter.

Wenn man sich Scheidungsraten ansieht, so liegen die Städte deutlich vor denen auf dem Land. In dörflichen Gemeinden, mit Hof und Landbesitz bleiben die Eheleute zusammen, bis dass der Tod sie scheidet. Walter und Hannelore waren 53 Jahre verheiratet, das reicht, findet Hannelore. Denn so glücklich waren die Jahre nun auch nicht.
Die Überraschung der falschen Leiche im Sarg macht im Dorf schnell die Runde und die Polizei ist irgendwie mit der Suche völlig überfordert. Aber Hannelore will endlich Klarheit und sucht mit der recht aufgeweckten, etwas naseweisen Amelie Glück nach Walters Leiche. Irgendwie ist Amelie für Hannelore ein echter Glücksfall, denn beide kommen sich allmählich näher und auch dem Fall Walter.

Dieser Roman lebt von den Erzählungen der Dörfler untereinander und vom merkwürdigen Verhalten einiger Personen, besonders der Polizist Wolfram Swoboda ist eine Lachnummer erster Güte. Thomas Raab haucht seinen Figuren nicht nur Leben ein, sondern macht sie durch einige Besonderheiten auch wiedererkennbar. Die Lebensgeschichte von Hannelore Huber entblättert sich immer mehr, man erkennt, warum diese Frau grantig wurde, aber auch andere Dörfler sind nicht gerade Heilige. Als Kontrast zeigt Raab mit bildhafter Schilderung die schöne Landschaft und 
Manche Gesprächsinhalte werden nicht ausgesprochen, man kann sich entweder seinen Teil denken oder aber bis zum Ende des Buches abwarten. Dort verbinden sich zusammenhanglose Dinge und Vorgänge und das Rätsel um Walter wird gelöst.

Der bissige, teilweise verworren wirkende Sprachstil ist das spezielle Erkennungsmerkmal von Thomas Raab. Diesen Stil muss man mögen, dann hat man große Lesefreude an diesem Buch. Ich habe die alte Huber und auch Amelie schon ins Herz geschlossen und freue mich auf weitere Bände dieser Reihe.

Für Freunde von bissigen, schwarzhumorigen Krimis mit skurrilen Figuren und einer Menge Lokalkolorit unbedingt zu empfehlen.


***Herzlichen Dank an Vorablesen und den Kiepenheuer & Witsch Verlag für dieses Leseexemplar!***



 

Kommentare:

  1. Liebe Barbara,

    genau der teilweise verworrene Sprachstil in der Leseprobe hat mich sehr irritiert und mir nicht so zugesagt. Ich denke, dafür muss es die richtige Zeit sein,um der Lektüre etwas abgewinnen zu können.

    Sonnige Grüße

    Anke

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    1. Liebe Anke,

      den Sprachstil muss man einfach mögen, sonst fesselt das Buch nicht wirklich.

      Ich glaube, du findest schon noch andere Bücher, die dir besser liegen.

      Liebe Grüße, Barbara

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